PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Segeln und senkrecht steigen?



andres
05.03.2004, 22:59
Ich möchte in relativ kurzer zeit einen Elektro-Nurflügler bauen, der gut (in der Thermik) segeln kann und beim Elektroflug senkrecht in den Himmel steigt. Wenn einfache Kunstflugfiguren geflogen werden können, umso besser. Spannweite ca. 1,75m. Bauweise konventionell Holm-Rippe mit Beplankung.

Vom design stelle ich mir einen Möwenflügel vor, so wie er zum Beispiel in Alfried Gymnich "Segelflugmodellbau" als erstes Beispiel für einen Nurflügler abgebildet ist. Kenn ihr dieses Buch? Dann wißt ihr, was ich mir an Grundriß und Vorderansicht vorstelle. Habe Erfahrung beim bau von A1, A2, und Wakefield, aber nicht von Nurflüglern. Das aerodynamische Design ist ganz wichtig. Sonst brauche ich mit dem Bauen nicht anfangen. Ich lese zur zeit den Quabeck, um überhaupt mit euch mithalten zu können. Es wird schon klappen, habe an der RWTH Aachen Strömungsmaschinen studiert, von Strömungslehre verstehe ich etwas, auch theoretisch. Habe vorher nur den Gymnich gelesen, der hat ein viel niedrigeres Nivea in der Theorie.

Würde mich über Anregungen freuen!!!!! Vielen Dank im Voraus

Andres

[ 11. März 2004, 08:49: Beitrag editiert von: Hartmut Siegmann ]

M.Schönherr
06.03.2004, 08:42
Lieber Andres,

die ferngesteuerten Nurflügel mit "Möwenform" habe ich bis 1987 zur Einsatzreife gebracht und seither in allen Größen geflogen -> Stromer (http://www.net-art.de/mech/Stromer), auch mit Elektroanrieb bis zum Vertikalsteigen.

Meine Erfahrung ist die, dass frühere Knickformen (Weltensegler, Lippisch, Northrop, Gymnich) in Freiflugmodellen funktionieren mögen, jedoch bei Fernsteuerung mit konventionellen Querrudern unbefriedigenden Strömungsabriss am Flügelende haben.

Wenn Du den Grundriss aber wie hier (http://www.net-art.de/mech/StromerBPLklein.jpg), ggf. mit geringerer Streckung wählst und vor allem nicht auf Spaltruder verzichtest, wirst Du das erreichen, was Du suchst. Geh aber beim kleineren Modell mit der Profildicke deutlich nach unten auf z.B 8% oder weniger (bei Rippenbauweise allerdings schwierig)

Grüße von Michael

andres
10.03.2004, 08:38
Lieber Michael,

dein "Foto-Stromer" der wäre es ja schon fast, er müßte nur noch senkrecht steigen. Ich nehme an, daß ihm das auch noch "beizubringen" wäre mit dem richtigen Antrieb. Warum arbeitest du eigentlich mit so einer geringen Profiltiefe an der Wurzelrippe. Ich persönlich würde die Wurzel lieber tiefer machen, an eine Konvention bezüglich Flächeninhalt fühle ich mich nicht gebunden (Freescale). Muß der Mövenknick bei einem Fernsteuermodell eigentlich so stark sein?
Wie ist das Flug- bzw. Steuerverhalten von Deinem "Foto-Stromer"? Zeitlich kann ich wahrscheinlich keine eigene Konstruktion kreieren, sonst werde ich nicht rechtzeitig fertig mit dem Modell. Bauen muß ich ja auch noch, dann baue ich eben den Foto-Stromer nach. Könntest du mir einen Plan überlassen?

In der Frage der Bauweise bin ich nicht so festgelegt. Die Holm-Rippenbauweise ist mir halt von früher her vertraut. Wenn ich mich schnell genug in was anderes einarbeiten kann mach ich das auch. Ich persönlich finde die Holm-Rippenbauweise vom Anblick her ästhetischer, aber solche Überlegungen stelle ich für eine gute Stabilität un eine schnelle Bauzeit zurück. Ich kann mir immer noch mein Traummodell bauen, wo ich alle Vorstellungen verwirklichen kann die mir im Kopf herumschwirren. Jetzt muß ich ersteinmal einsteigen und auch fliegen bis Anfang Mai.

Liebe Grüße

Andres

M.Schönherr
11.03.2004, 06:08
Hallo Andres,

das Senkrechtsteigen ist kein eigentliches Problem, tatsächlich kann der unbeladene Foto-Stromer auch senkrecht steigen (Plettenberg Bürstenmotor 200/25/5)

Ich persönlich empfinde das Senkrechtsteigen als eine ganz unangenehme Fluglage. Du fliegst nämlich schon bei leichtem Gegenwind rückwäts, verrenkst Dir den Hals und hast überdies eine schlechte Sicht beim Blick auf des "Messers Schneide".

Der Steigflug ist aber auch bei voller Beladung und Fluggewicht 2 kg (m/A = 100g/dm²) noch rasant und das Problem des schlagartigen "Außersichtkommens" bei 20m/s Fluggeschwindigkeit ist gravierender als alles andere.

Durch Auswertung von Luftaufnahmen konnte ich ausmessen, dass der (oder ein) Flieger mit 1,6m Spannweite und 0,2 m² Fläche in Horizontnähe bis 400 m Entfernung gesteuert werden kann, unter der weißen Wolke bis ca. 300 m Höhe sichtbar bleibt, aber im Blau des Himmels bei 200 m Höhe unsichtbar wird. Schon mehrmals musste ich den Getriebemotor wieder starten, um durch Schallortung das Modell am Himmel wieder zu finden.

Die 6 m- Stromburg hatten wir einmal mit Höhenmesser auf ca. 600 m Höhe geschleppt und gerade noch erkennen können.

Und nun zur Form des "Foto-Stromer", der aus dem 450g leichten "Stromerle" - Segler von 1989 abgeleitet ist. Eine Tiefenvergrößerung des Mittelteils verschlechtert alles bei dem Konzept, ebenso der Verzicht auf Spaltklappen. Auch der Mövenknick wurde schon in allen möglichen Varianten getestet- wenn er so abgestuft ist, wie beim Stromer-Plan angegeben liegen die besten Flugeigenschaften vor.
Es würde hier zu weit führen, alles physikalisch zu erläutern, einiges dazu steht im HJU-Buch "Faszination Nurflügel".

Die kleinen Modelle wurden alle mit 6 bis 8% dicken Vollbalsaflügeln gebaut, derzeit entsteht eine neue 2 m- Notorsegler-Version mit Schaumstoffkernflächen und Eppler-gerechneten Profilen und Klappen. Mal sehen, ob gegenüber den empirischen gewonnenen Entwürfen noch eine Verbesserung erzielbar ist!

Michael