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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Warum dreht sich das?



Arno Wetzel
21.12.2002, 01:54
Hallo Freunde!

Mein Sohn hat sich für seine schulische Projektarbeit ein Physik-Thema ausgesucht. U.a. soll er das Funktiosprinzip eines E-Motors erklären und auch einen bauen. Ersteres ist noch relativ einfach für uns beide zu bewältigen, nur beim Bau tun wir uns etwas schwer.
Nun hat mein Sohn eine altes YPS-Comic heraus gekramt, wo eine sehr einfache Konstruktion beschrieben ist, jedoch komme ich hierbei in leichten Erklärungsnotstand.
Zur Konstruktion:

Aus Lackdraht wird ein Ring geformt, die beiden Enden werden zum Schluss nochmals um den Ring gewickelt.

http://wetzel-family.bei.t-online.de/images/bilderrcn/motor1.gif

Die so entstandene Spule wird in ein kleines Gestell gelegt, sie liegt dort auf zwei CU-Streifen auf. Man kann auf dem Bild einen Magneten erkennen. Innerhalb des roten Gehäuses ist eine Mignon-Zelle eingelegt, die an den beiden CU-Streifen anliegt.

http://wetzel-family.bei.t-online.de/images/bilderrcn/motor2.gif
Wenn man nun die Spule leicht antippt, dreht sie sich, wie ein kleiner E-Motor.

http://wetzel-family.bei.t-online.de/images/bilderrcn/motor3.gif

So weit, so gut. Aber, warum dreht sich die Spule mit nur einem Magneten?
Es hängt wohl irgendwie mit der Ausrichtung des elektromagnetischen Feldes zusammen.

Bitte keine hoch wissenschaftliche Erklärung, sondern so, dass es mein 11-jähriger Sohn und auch ich es verstehe. ;)

(Ich bitte das Bildformat zu entschuldigen, da ist beim Ausschneiden im Bild.Bearbeitungsprogramm etwas schief gelaufen)

Radiomann
21.12.2002, 04:35
Genau das richtige für ne schlaflose Vollmondnacht :)

Ich versuchs mal so: In der Spule entsteht durch Stromfluß ein elekrisches Feld, auch E-Feld genannt. Der Magnet hat ein magnetisches Feld (H-Feld). Nun gibts die "Dreifingerregel", die besagt, daß wenn ein E-Feld senkrecht auf ein H-Feld trifft, eine Kraft in der dritten Achse entsteht, das nennt sich dann Induktion oder auch Lorentz-Kraft. In diesem Fall wirkt sie genau in Drehrichtung der Spule, egal welche Spulenhälfte gerade vorbeikommt.

Die Dreifingerregel bzw. die Lorentz-Kraft sollte in jedem Physik-Schulbuch dargestellt sein, hab grade keinen Scanner parat und malen konnte ich sowas noch nie. Google gibt aber einige schöne Auszüge aus Physikvorlesungen her.

Dieser einfache Motor läuft nur dann einigermaßen, wenn er einmal angeschubst wurde. Dann reicht der Schwung, um jeweils die nächste Hälfte des E-Feldes mit dem H-Feld zu verkuppeln, was dann den nächsten Schubs auslöst und schon dreht sich das Ding munter weiter.

"Richtige" E-Motoren funktionieren genauso, nur verstärkt man das E-Feld durch Eisen in der Feldwicklung und nimmt mehrere Magnetpole und Wicklungen. Auch da kann es aber passieren, daß der Motor mal nicht anlaufen will, weil er gerade zwischen 2 Polen hängt. Ein Schubs bringt ihn dann in Wallung. Alle E-Motorentypen arbeiten nach diesem Prinzip, insofern ist der einfache YPS-Aufbau eine geniale Anschauung.

Wer es komplizierter haben will, mag sich Asynchron-, Synchron- und sonstigen Motoren anschauen, hier wird teilweise das E-Feld dank Wechselstrom zyklisch umgepolt, was beispielsweise die Anschubserei erspart und Drehzahlregelung ermöglicht.

Aber jetzt muß gut sein, Mond ist untergegangen -> weiterschlafen

Gruß, Gunter

Arno Wetzel
21.12.2002, 13:49
Hallo Gunter!

Mhmm, das mir der Lorentz-Kraft ist mir noch aus meinem Physik-Unterricht bekannt, nur will es irgendwie nicht zum YPS-Motor passen.
Ich hab´s meinem Sohn so erklärt:

In einem Hufeisen-Magneten bildet sich ein gerichtetes (homogens) Magnetfeld aus (N-S).
Durch den Rotor wird ein Gleichstrom geschickt, wodurch wiederum ein elektrisches Feld induziert wird. Nun ziehen sich magnetisches Feld (N-Pol) und elektrischer Feld (S-Pol) an. Bei dieser Drehbewegung wird am Kollektor die Stromrichtung geändert, dies bedeutet auch eine Umkehrung des E-Feldes. N-Pol des mag. Feldes und N-Pol des E-feldes stoßen sich ab, usw.

Nur, beim YPS-Motor gibt es kein homogenes Magnet-Feld und keinen Kollektor.
Ich hätte bei dieser Konstruktion gedacht, dass sich beim Anlegen einer Gleichspannung die Spule max. um 180° dreht und dann in einer senkrechten Position verharrt.

Warum dreht sie sich aber trotzdem weiter?

Dennis Schulte Renger
21.12.2002, 13:49
Hi Arno!!

Hier nochmal ein kleines Bild zur Drei Finger Regel:

http://home.versanet.de/~schulte-renger/hand2.gif

Das Bildchen passt auch schon wunderbar zu diesem Beispiel:

Die Richtung der magnetischen Feldlinien ist hier von unten nach oben (also vom Magnet ausgehend durch die Spule nach oben also vom Tisch weg (doof zu erklären :)

Die technische Stromrichtung ist hier in der Spule von links nach rechts bzw von rechts nach links durch die Spule (halt demnach wierum du die Batterie anklemmt (wenn du die Regel mal anwenduest wirst du sehen dass das nur für die Drehrichtung entscheident ist))

Und die daraus resultierende Kraft, die dann die Spule dreht wirkt eben in die Drehrichtung. Mit der Drei fingerregel lässt sich das schön anchvollziehen.

Aber aufpassen die Regel funktioniert nur mit der rechten Hand :)

Wie Gunter schon sagte steckt hinter dem Ganzen die Lorentzkraft.

Hier nochmal ein kleiner Link:
http://www.gym-don.de/fachlich/physik/projekt/hand.htm

[ 21. Dezember 2002, 13:51: Beitrag editiert von: Dennis Schulte Renger ]

Dennis Schulte Renger
21.12.2002, 14:08
Hi Arno!!

Du hast recht die Lorentzkraft passt irgendwie nicht so recht dazu. Hab mir das gerade nochmal angeschaut.

Die erste 180 Grad Drehung kann man damit wohl erklären. Nur bei der zweiten bekommt man dann Probleme, da die Drei Finger Regle dann aussagt dass sich die Spule Theoretisch wieder zurückdrehen müsste und nicht in gleicher Richtung weiter. Dazu müsste dann wieder die Stromrichtung umgedreht werden (Kollektor).

Also so richtig auf einen grünen Zweig komm ich mit der Lorentzkraft doch nicht.

Radiomann
21.12.2002, 14:13
Hi Arno & Dennis,

der Denkfehler liegt darin, daß ihr versucht, E- und H-Feld gleichzusetzen. Da gibts aber keine Anziehung oder Abstoßung, sondern immer nur die rechtwinklig zu den überlagerten Feldern wirkende Lorentz-Kraft.

Das Feld des Stabmagneten ist natürlich schon homogen, die Spule taucht aber immer nur mit einer Hälfte ihrer Wicklung in eine Hälfte des Stabmagnetfelds ein. Maximal ist die resultierende Kraft, wenn die Spule senkrecht steht. Sie dreht sich dann bis zur Waagerechten, dann ist die Kraft Null. Nun kommt der mechanische Schwung ins Spiel: Dreht sich die Spule nur noch ein wenig weiter, kommt die 2. Spulenhälfte ins Spiel und schon wird die Drehkraft wieder zunehmen. Die Kraft verläuft also sinusförmig (von der drehenden Spule aus gesehen), daher tut das nur bei sehr wenig Reibung. Nochmal: Da ist nix mit Anziehung oder Abstoßung, sondern es resultiert immer eine Querkraft in gleicher Richtung. Da der Strom in der Spule in beiden Hälften gleich rum fließt, ist auch die resultierende Kraft jedesmal die gleiche.

Ein Kollektor dient vereinfacht gesagt nur dazu, mehrere Spulen so umzuschalten, daß immer eine optimal im Magnetfeld liegt. Auf die Art gibts dann mehrere Kraftquellen, die sich bei den Umdrehungen abwechseln.

Was den "verschwendeten" 2. Magnetpol angeht: Schau mal an wie beispielsweise ein LRK-Motor aufgebaut ist. Da gibts ne Menge Magnete, bei denen jeweils ein Pol brachliegt, man kann prima damit leben :)

Gruß, Gunter

Dennis Schulte Renger
21.12.2002, 14:23
Nur kurz zum Verständnis (weil so richtig schlau werde ich da nicht draus):

Die Feldlinien des E und H Feldes laufen doch parallel zueinander oder?? (zumindest theoretisch)

Radiomann
21.12.2002, 14:26
Noch ein Nachschlag:

Stellen wir die Spule mal schräg. Natürlich wirkt die Lorentz-Kraft in der oberen Hälfte der Spule genau andersrum als unten. Das hebt sich aber nicht auf, weil das Magnetfeld mit der Entfernung stark abnimmt und somit immer eine Spulenhälfte mehr abbekommt. Also gewinnt eine der beiden Richtungen. In der Waagerechten gibts ein labiles Gleichgewicht, da hilft dann eben nur der Schwung drüber weg.

Gar nicht so einfach das verbal zu erklären, vor allem, wenn man meint daß es einfach wäre..

Gruß, Gunter

Dennis Schulte Renger
21.12.2002, 14:36
Hi Gunter!!

und genau das letzte was du sagst ist das wodrüber ich stolper.

Du sagst ja richtig dass die Lorentzkraft der oberen Spulenhälfte der Lorentzkraft der unteren Spulenhälfte entgegenwirkt.

Ist kalr dass die untere Spulenhälfte gewinnt, da dort das Magnetfeld stärker ist.

Wenn wir aber nun weiterdrehen, dann müsste sich ja deiner Meinung nach die Richtung der Lorenzkraft der oberen Spulenhälfte plötzlich in die andere Richtung gehen sobald sie zur Unteren wird, damit sich die Spule nun in die gleiche Reichtung weiterdreht (ich hoffe das versteht man)

Oder habe ich dich da nun falsch verstanden??

Radiomann
21.12.2002, 14:54
Hi Dennis,

schau Dir mal die Spule an: Wenn man die 180 Grad dreht, sieht sie wieder ganz genauso aus wie vorher, da ist nix umgekehrt. Der Strom fließt auch in beiden Fällen gleichrum.

Ich glaube, Arnos Sohn das gaaaanz einfach zu erklären, ist hiermit gescheitert :D

Gruß, Gunter

Dennis Schulte Renger
21.12.2002, 15:03
Moin, Ich bins nochmal!!

Irgendwie lässt mich dieser blöde Motor nicht los. (Arno was hast du da nur angestellt)

Ich habe mal zwei kleine Bildchen gemacht die das ganze so klarmachen wie ich das verstehe (vermutlich falsch weil es sich demnach nicht drehen würde, aber ich denke Arno hat ungefähr die gleichen Gedanken wie ich.........hoffe doch mal ich bin nicht der einzige hier der so denkt :D )

Die Bilder beschreiben die wirkenden Kräfte in den beiden Extremstellungen genau wenn die Spule sich um 180 Grad gedreht hat:

Eben als Legende:

Blau: Stromrichtung
Gelb: Richtung der Feldlinien des Magneten
Grün: Lorentzkraft (3D zu sehen.........Pfeil nach unten aus dem Bild raus.......Pfeil nach oben ins Bild rein)
Mit 1 und 2 wollte ich nur die einzelnen Spulenhälften kennzeichnen

Bild 1:

http://home.versanet.de/~schulte-renger/emotor2.jpg

Bild 2:

http://home.versanet.de/~schulte-renger/emotor1.jpg

Hier liegt für mich das Problem.

In Bild 1 würde die Spule genau andersherrum drehen wie in Bild 2. Ein Kollektor der die Stromrichtung dreht würde hier auch die Lorentzkraft drehen (auf einem der Bilder) und das Leben wär für mich in Ordnung.
So wie in diesem Java Applett wo der Kollektor ja genau dafür zuständig ist.
http://www.asn-ibk.ac.at/bildung/faecher/physik-hs/Elektromotor1.htm

Nachtrag auf die inzwischen eingegangende Antwort:

Sag mal hab ich so ein Brett vor dem Kopf?? Die Stromrichtung ist für mich oben anders als unten. Und wenn ich weiterdrehe sieht das für mich eben aus wie auf den Bildern. Der Strom fließt quasi "in die andere Richtung". *grübel*

Cu
Dennis (der nun erstmal ein wenig darüber weiter nachdenkt :) )

P.s.: Sorry Arno dass ich die den Beitrag so flute

[ 21. Dezember 2002, 15:09: Beitrag editiert von: Dennis Schulte Renger ]

Radiomann
21.12.2002, 15:15
Hmmmmmpf, das mit der Symmetrie nehm ich einstweilen zurück, vergallopiert :confused:

Nächster Versuch später, muß weg..

Gruß, Gunter

Arno Wetzel
21.12.2002, 15:16
Oh Gott, oh Gott! Wie sag ich´s meinem Sohn! ;)

Das Geheimnis liegt wohl darin, wie sich das elektrische Feld in der Spule aufbaut bez. gerichtet ist.

Na ja, macht mal weiter. Ich harre auf die Dinge, die da noch kommen. ;)

Aber lasst mich bitte nicht im Stich!!

[ 21. Dezember 2002, 15:31: Beitrag editiert von: Arno Wetzel ]

roland.18
21.12.2002, 15:59
hallo zusammen,

Ich weiß nicht, ob ichzu euerem Problem beitragen kann, aber
mir ist da noch was im Hinterkopf. Ich meine, daß die Spule aus Kupferlackdraht besteht.
Dort wo die Spule bzw. die beiden Enden auf dem "Gestell" aufliegen, muß der lack durch
abkratzen mit einem Messer oder ähnlichem entfernt werden. Jetzt glaube ich, daß hier nur
auf dem halben Drahtumfang der lack abgenommen werden darf. D.h. ist z. Bsp. die 1. Hälfte des Ringes unten (beim magneten) dann fließt Strom, dreht sich die Spule weiter und die zweite Hälfte steht dem magneten gegenüber, dann fließt kein Stromm weil jetzt der Lack auf dem Draht isoliert. Durch den Schwung wird die Drehung jedoch weitergeführt, bis die 1. Hälfte des ringes wieder zur spule kommt.

Das wäre doch eine Lösung oder, und die Fingerregel hätte auch wieder Bestand.

Gruß Roland

Radiomann
21.12.2002, 17:39
Hi Roland,

der war gut, richtig gut. Ein Kollektor für Arme, sozusagen.

Ich Inschenör geh in die Ecke, bissel schämen.. :rolleyes:

Arno Wetzel
21.12.2002, 18:46
Hallo Gunter!

Ich auch Inschenör, hab´aber mehr mit Wasser und Gasen zu tun! Schäm mich aber auch! :eek:

Ich habe mir die YPS noch einmal genauer angesehen und habe, so glaube ich, ein wichtiges Detail vorenthalten!

http://wetzel-family.bei.t-online.de/images/bilderrcn/motor4.gif

Ich glaube, Roland ist der Retter.

Ich versuch´s mal zusammenzufassen:

1. Der einzelne Magnet erzeugt ein Magnetfeld, zwar nicht homogen, aber immerhin ein Feld.

2. Durch das Anlegen der Gleichspannung entsteht in der Spule ein elektrisches Feld. Nach den Gesetzen von Herrn Lorentz entsteht ein Kraft, wenn ein elektrisches Feld senkrecht auf ein magnetisches Feld trifft. Die Kraft ist nach der 3-Finger-Regel gerichtet.

3. Dadurch das die Enden der Spulen, wie im Bild, abgeknickt sind, wird der Stromkreis nach jeder 180°-Drehung unterbrochen, das E-Feld verschwindet, dadurch ist die resultierende Kraft gleich Null. Durch die Trägheit der Spule dreht sie sich um 180° weiter, bis der Stromkreis wieder geschlossen ist und das ganze beginnt von neuem.

Ich glaube, das müsste so ungefähr die Lösung sein. Oder?

[ 21. Dezember 2002, 22:54: Beitrag editiert von: Arno Wetzel ]

Ulrich Horn
21.12.2002, 19:15
Ups..

hat sich erledigt. Hab' den letzten Beitrag übersehen.. :rolleyes:

Grüße, Ulrich Horn

[ 21. Dezember 2002, 19:19: Beitrag editiert von: TIBOS ]

Dennis Schulte Renger
21.12.2002, 21:22
NA nu wissen wirs endlich :)

Dadurch dass der Kommutator halt weggelassen wurde, hat man wengstens in dem Moment in dem die Lorentzkraft wieder in die andere Richtung wirken würde den strom abgestellt :)

Wirklich ein Kommutator für Arme ;)

Mich würde mal das Eta dieses Teils interessieren :D

Radiomann
21.12.2002, 21:38
Ich nochmal,

gerade wollte ich mein Profil etwas erweitern, aber da täte dann stehen was ich für ein Inschenör bin. Das lass ich erstmal bis der Beitrag verschüttet ist :)

Aber einen hab ich noch: Auf einer Seite kann man die Biegung sparen und den Draht dauernd aufliegen lassen, dann hoppelt das Ding nur noch auf einer Seite.

So, bevor es zu trivial wird und ich mich komplett oute, hör ich mal auf hier.

Gruß, Gunter

Dennis Schulte Renger
21.12.2002, 21:42
Achja,

Ich bin nix Inschenör.............nur armer Schüler und die dürfen das :D

Arno Wetzel
21.12.2002, 22:52
So Männers!

Zunächst einmal recht herzlichen Dank für euerer Brainstorming, auch wenn man bei vollständiger Information meinerseits etwas schneller ans Ziel gekommen wäre.

Ich gehe davon aus, dass meine obige Erklärung den Sinn des Funktionsprinzips in etwa wieder gibt.

Wer in dieser Runde beim JAF 2002 anwesend ist, wird natürlich mit einem Kölsch für die geopferte Zeit entschädigt. :D

haschenk
22.12.2002, 02:11
Hallo Leute,
vor allem Arno,

ich hab´ diesen thread erst jetzt gelesen, sonst hätte ich schon früher was dazu gesagt.
Also, ich muß euer frischgewonnenes elektrodynamisches Weltbild etwas korrigieren, sonst gibt´s vom Physiklehrer doch nicht die erhoffte Note.
Im Prinzip ist eure Erklärung schon richtig ("Kommutator des armen Mannes" etc.). Nur mit den Details hapert es noch etwas.

Vergesst vor allem zuerst mal das erwähnte "elektrische Feld". Elektrische Felder sind was ganz Anderes, damit haben wir es hier nicht zu tun. Es geht hier nur um Magnetfeld(er).

Wir haben es hier zunächst nur mit der "Kraftwirkung auf einen stromdurchflossenen Leiter im Magnetfeld" zu tun- so heißt das in den Lehrbüchern. Die kann man auf einem kleinen Umweg aus den Faraday´schen Gesetzen herleiten. Weil dazu etwas Mathe und abstrakte Physik nötig ist, lasse ich das hier weg.

Für die Richtung dieser Kraft gilt das von DSR weiter oben schon reingestellte Bild der "Dreifinger-Regel". Für die Größe der Kraft gibt es im einfachsten Fall eine sehr einfache Formel, die lasse ich aber auch weg.
Mehr braucht man zur Erklärung nicht, bzw. es ist so wie geschildert.

Unter der "Lorentz-Kraft" versteht man allgemein die Kraft, die an bewegten elektrischen Ladungen (Elektronen) im Magnetfeld entsteht. Da aber unser Strom durch den Leiter aus bewegten Elektronen besteht, ist dies eine etwas tiefer gehende Erklärung für die Kraftwirkung auf den Leiter.

Übrigens: Diese Kraft "drückt" natürlich die Elektronen selbst zur Seite, und der "Nutzquerschnitt" des Leiters verkleinert sich dadurch. Das ist die Erklärung z.B. für den Hall-Effekt, die Stromverdrängung in Leitern u.a.m.

Den Primitiv-Motor kann man auch (ohne Widerspruch zum o.e.) auch noch anders erklären:

In/um eine stromdurchflossene Spule bildet sich ein (elektro-)magnetisches Feld (kein elektrisches!) aus, das dem eines Permanentmagneten mehr oder weniger ähnlich ist (hängt von der Gestaltung der Spule ab). Wir können deshalb in Gedanken die Spule durch "ein- und ausschaltbaren" Permanentmagnet ersetzen, falls ein richtiger Kommutator dran wäre, sogar durch eien umpolbaren. Damit haben wir es dann mit den Kraftwirkungen zwischen zwei Magneten, bzw. deren Magnetfeldern zu tun. Diese Betrachtungsweise verwendet man sehr häufig bei Elektromotoren.

Nun hoffe ich mal, daß ich euch nicht allzu sehr verwirrt, sondern die Sache etwas vereinfacht habe,

Grüße,
Helmut

Gerhard_Hanssmann
22.12.2002, 08:55
Hallo
Um den 2. Erklärungsansatz von Helmut für die Kraft auf einen stromdurchflossenen Leiter zu veranschaulichen, würde ich mit dem 11 - jährigen Sohn auf einen Schrottplatz mit Elektrokran gehen.
Da sieht man anschaulich, dass ein stromdurchflossener Leiter ein Magnetfeld um sich hat.
Stromdurchflossene Spule ausschalten, Magnetwirkung weg.
Für den Primitivmotor braucht man nun nur noch 2 Erklärungstatsachen:
1.) Gleichnamige Magnetpole stoßen sich ab, ungleichnamige...
2.)Magnetwirkung der Spule aus, die Spule überwindet die halbe Drehung durch ihren Schwung.
Durch die Isolation ist nur der Halbring stromdurchflossen.

Arno Wetzel
22.12.2002, 14:07
Also Männers, jetzt bringt ihr mich (und meinen Sohn) wieder durcheinander:

Gunter hat gesagt: Natürliches, magnetisches Feld und elektrisches Feld ist nix mit gegenseitiger Anziehung. Es wirkt nur die Kraft von Lorentz.

Nach Helmuts Aussage wirken die beiden Magnetfelder doch aufeinander, also anziehen und abstoßen.

Was ist den jetzt richtig?

Radiomann
22.12.2002, 15:14
Hi Arno,

keine Panik!

Beide Versionen kann man zur Erklärung heranziehen.

Bevor ich mich wieder vergeblich zerformuliere, hier 2 schülergerechte Links, die ich gerade gefunden habe:

Der Elektromotor (http://www.gym-don.de/fachlich/physik/projekt/seite2.htm)

Ganz am Schluß wird gottseidank sogar kurz meine Variante erwähnt.

Wenn man auf den Seiten weiterwühlt, findet sogar ne prima Bauanleitung (http://www.gym-don.de/fachlich/physik/projekt/seite4.htm), die uns schon bekannt vorkommt.

Such Dir das passende raus :)

Gruß, Gunter

p.s. einen hab ich noch, der mir besonders gut gefällt:
Lorentzkraft und Motorprinzip (http://mitglied.lycos.de/Autoelektrik/Eeaa.htm)
Nächstens gehe ich vorher surfen bevor ich mein schwaches Hirn bemühe :)

[ 22. Dezember 2002, 17:47: Beitrag editiert von: Radiomann ]

haschenk
22.12.2002, 16:27
Super !
Das ist die "finale Antwort" zu diesem thread.

Schöne Feiertage wünsche ich euch noch,
Helmut

Arno Wetzel
22.12.2002, 18:59
Danke Gunter!
Die Links sind klasse, nur darf ich die nicht meinem Sohn zeigen, sonst pinnt er alles ab! :)

Ansonsten stimme ich Helmut zu: War zwar eine schwere Geburt, aber das war´s! :) :)

Christian Lucas
25.12.2002, 22:11
Hallo Beieinander,
und weils Weihnachten ist setzt ich noch einen Drauf.Ich habe schon öfters diesen schönen JPS Motor gebaut und die besten Ing´s zum grübeln gebracht.Der Witz ist das der Motor auch mit ganz rundherum abgeschabten Lackdraht läuft.Der Trick ist das sich die Spule wenn sich eine Leiterseite
in das Magnetfeld hineinbewegt etwas anhebt und sich dadurch der Elektrische kontakt löst,also abschaltet.Jetzt kann sich die Spule bis zur mitte des Magneten vormogel und fält dann wider in die Lagerung bekommt Kontakt und schon schubst es Ihn wieder weiter.Der Kollektor für Arme geht auch noch unauffälliger herzustellen in dem vom Kupferlackdraht nur an den Seiten abgeschabt wird.
So ein Motor funktioniert dann fast perfekt.
Die wirkung eines Drahtes im Magnetfeld kann man heutzutage sehr schön mit einer Einzelzelle 1,2 V und einem Draht über einem Magneten ausprobieren.
Sehr schön sind auch noch Unipollarmotoren oder Homopolarmotoren die eigentlich immer nur mit einem einzelleiter im Magnetfeld arbeiten.Schmeißt doch einfach die Suchmaschiene an.In England arbeitet ein Flußkraftwerk an der Themse mit einem Uinpolarmotor.Das Feld wird mit Supraleitenden Magneten erzeugt.ETA von diesen Motoren kann sehr hoch sein.
HAppy Amp´s Christian