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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Motorhaube Tiefziehen



Gast_14961
01.02.2010, 18:34
Hallo,

für mein aktuelles Projekt möchte ich die Motorhauben tiefziehen lassen. Ein Freund wird aus Hartholz die Form drehen und kennt auch jemanden, der eine Tiefzieheinrichtung hat.

Meine Frage: welche Materialien eignen sich für eine Motorhaube mit einem maximalen Durchmesser von 114mm und einer Länge von 76mm?

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Übrigens: die Hinterschneidung beim Lufteinlass wird nicht so gebaut. Es sind maximal 90°.

Für Tipps bin ich wie immer dankbar!

jochen_w.
01.02.2010, 20:28
Vivak müsste gehen, so in 0,8mm bei der Große, damit es nicht so arg wabellig wird...
Aber eigentlich wäre es besser (und edler), in der Größe schon die Haube aus Glasfaser zu laminieren. So kannst Du auch gleich die ganzen Details der DC-6 mit in das Urmodell einarbeiten und dann sind die Hauben auch schön scale... (Ist doch für die DC-6, oder?)

mfg jochen

Oli_L
01.02.2010, 20:45
Hallo Alexander,

nunja, wenn du unbedingt Joghurtbecher anstelle von fluzeugtypischen Werkstoffen nehmen willst...;)

Ich denke, 1mm Stärke sollte das Rohmatreial schon haben. Da du ja wahrscheinlich auch Lackieren willst, ist Vivak (PET) evtl. nicht so optimal bzgl. der Farbhaftung / Lackierbarkeit. Transparent muss die Haube ja auch nicht sein. Ich würde min. 1mm ABS-Platten benutzen, die lassen sich auch gut tiefziehen.

Um die zu erwartende Wandstärke abzuschätzen, kannst du ja mal die Längen- zu Durchmesser-Verhältnisse von echten handelsüblichen Joghurtbechern nachmessen und deren Wände mit nem Meßschieber nachmessen. So ein 150g Standardbecher hat auch so ca. 1mm Rand-Wandstärke, der Boden geht noch, aber die Wände sind m.M. schon recht wabbelig...

Der Drechselklotz müsste dann auch ein paar Vakuumlöcher oben im Einzug haben, damit die Folie schön die Lippe nachformt.
Am hinteren Rand des Konus würde ich noch eine 3-4mm hohe zylindrische Scheibe dranpeppen, mit einem kleinen umlaufenden Einstich als Schneidmarkierung. Sonst kann es sein, dass der Konus mit einer Verrundung auf die Grundplatte der Vakuum-Maschine ausläuft und deine Haube quasi hinten nicht fertig ist. Ich hab mal in roter Farbe die "Problemzonen" markiert:

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Ich würde meinem Vorredner folgend ebenfalls für GfK-Negativbauweise plädieren, lohnt sich schon für 4 Hauben. Die Form darf bei der Formgebung und Tiefe gerne noch einteilig sein. Die Größe ist ideal, um den GfK-Formenbau zu erlernen, ohne viel Material zu versenken! Da könntest du gleich am Urmodell Oberflächen-Features wie die Schlitze am Luftauslass-Konus etc. anbringen. Positiv tiefgezogen würden alle Details außen verwaschen.

Die gedrechselte Tiefziehform wäre ja auch als Basis zum Abformen geeignet, nach etwas Oberflächenbehandlung.

Viele Grüße,
Oliver

PS: über einem Hartholzklotz kannst du auch die Haube aus weichem Alublech drücken ("metal spinning"). ;)

Gast_14961
01.02.2010, 22:40
Hallo und vielen Dank.

tja, das mit dem GFK hatte ich ausch schon überlegt. Vielleicht könnt ihr mir eine Einkaufsliste zusammenstellen, damit ich mal ein Starterset kaufen kann. Also

* Welches Harz
* Welche Matte für welchen Zweck (Form / Haube)
* Welches Trennmittel.

Ich merke schon, dass ich um GFK wohl nicht herumkomme.

VIELEN DANK

jamaicaman
02.02.2010, 08:19
Hi schau doch mal hier,

http://www.hp-textiles.com/shop/product_info.php?info=p497_hp-ks-fb---formenbau---komplett-set.html

gruß
Sascha

Gast_14961
04.02.2010, 11:53
Hallo Sascha,

hast Du Erfahrungen damit? Ich muss mich komplett in die Materie einarbeiten und habe schon Sorge, dass das nicht hinhaut.

VIELEN DANK

Gast_14961
02.03.2010, 19:58
Hallo,

ein Freund hat sich nun angeboten, ein paar Tiefzieversuche zu unternehmen, die leider nicht geglückt sind. Leider war ich nicht dabei (über 300km entfernt) und ich habe auch kein Bild von der Tiefzieheinrichtung.

Die Form wurd aus Holz gedreht (CNC) und als Tiefziehmaterial wurde 1mm Viviak gewählt.

Hier die Bilder des Ergebnisses:

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Es bildeten sich vier deutliche Falten.

Was kann schief gelaufen sein?

VIELEN DANK!

Oli_L
02.03.2010, 22:40
Hallo,

bei dem Aspekt-Verhältnis braucht man eine Negativ-Schablone um den Becher herum, mit ca. 10mm Übermaß um die runde Haube herum. Dann wird es auch "Tiefgezogen".

Hier scheint der Kumpel einen rechteckigen Rahmen mit dem erweichten Vivak einfach über die Form gestülpt zu haben, was zuerst ein pyramidenförmiges Etwas ergibt. Sobald der Rahmen die Dichtung des Tiefziehkastens erreicht, suagt der Staubsauger dann zwangsläufig diese Knitter rein, denn das Material kann ja nicht wissen, wo es "dünn" gezogen werden soll. Luft ist auch so raus... Da legt sich das Vivak wie ein nasser Lappen an, ohne seine Wandstärke groß zu verändern, was aber bei dem Joghurtbecherformat lokal notwendig wäre

Einfach dasselbe nochmal mit der Schablone auf dem Rahmen versuchen lassen. Oder...: Mach doch GfK...:D.

Gruß,
Oliver

EvoNic
03.03.2010, 11:19
Hi Alexander!

Auffällig ist, daß die Falten eindeutig zu den Ecken des Rahmens führen. Evtl. ist es bei runden Formen günstiger auch einen runden Rahmen zum Einspannen zu nehmen.
Oder - wie Oliver schon schrieb - eine Matrize, also z.B. ein Brett, das außen zum eckigen Rahmen und innen zur Kontur des Stempels passt (natürlich mit reichlich Platz dazwischen) auf das Tiefzieh-Material legen.

Bei sehr hohen bzw. tiefen Formen muß das Material außerdem vorgedehnt werden. Automatische Anlagen machen das mit Druckluft, manuell ist das schwierig.

Vielleicht findet Dein Freund hier weitere Anregungen oder eine Lösung:

http://www.tk560.com/phpBB2/index.php

Gruß, Nic

FamZim
03.03.2010, 12:11
Hallo Alexander

Tiefgezogen hab ich die hintere Kabienenspitze der P 61 rechts im Bild.

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Der Kern ist mit GFK beschichtet (nicht überlappen).Das dunkle Etwas, ist dann zwischen 2 Sperrholzbretchen (die Öffnung nur etwas Übermaas), frisch aus dem Backofen drübergestülpt.
Der Kern stand 15 mm erhöht und das Brett hat 2 Führungslöcher damit ich auch mittig treffe.
Das Material wird aber sehr lang, und dadurch sehr dünn Gezogen!
Das Material ist ein bischen graubraun 0,8 oder 1 mm aus dem Fachhandel .
Bei GFK kann man die Ränder gut verstärken für eine Verschraubung.
Ich nehme da 80 g aussen und 160g innen die Ränder noch mit Streifen aus 160 g Gewebe.
Das wird dann alles überlappt laminiert.Die einzelnen Lappen zeichne ich mit Filzstift an und lasse den Strich beim schneiden drann. Das hilft die Teile richtig zu platzieren!
Ich verwende bis jetzt nur Laminierharz für alles, auch für Formen.
Den Rand der Form (negatiev) dicke ich mit Glasmatte (1mm dick) auf und mache mit Sand noch Mumpe in die Ecke!

Gruß Aloys.

Gast_14961
03.03.2010, 14:30
Erst einmal vielen Dank für die profunden Antworten! Damit können wir sicher etwas anfangen.

Um GFK versuche ich mich zu drücken. Ich habe mal hochgerechnet, dass mich das bei meinen Möglichkeiten ca. 3-4 Wochen kostet, mich in die Thematik einzuarbeiten, das Material zu besorgen, zu experimentieren etc. Ehe ich das mache, baue ich die Motorhauben eher aus Balsa. Das geht sicher einfacher (wenn ich die Fräse einsetze). Ich schätze die Hälfte der Zeit, denn auch eine GFK Motorhaube kommt ja nicht fertig aus der Form sonder muss sicher auch ein wenig gespachtelt und geschliffen werden.

Ist das Material OK? Oder doch lieber ABS?

VIELEN DANK! Ich berichte weiter.

MarkusN
03.03.2010, 15:14
Vivak ist robuster (v.a. schlagzäher im Fall einer Erdung), ABS einfacher zu verarbeiten (spanend).

Gast_14961
16.03.2010, 14:04
Das Tiefziehen der Motorhauben hat nun geklappt! Nicht zuletzt Dank des Tipps von Nic, eine Matrize darüber zu legen.

Hier kann man das sehr gut erkennen. Die Form ist noch drin.

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Hier die vier Motorhauben.

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Klasse Arbeit! VIELEN DANK an alle, die mir geholfen haben. Ich habe ja nichts selbst daran gemacht.

Oli_L
16.03.2010, 19:46
Hallo Alexander,

na, das sieht doch perfekt aus! Sogar die Schneidmarkierung am Ende ist super eingesaugt.

Hoffentlich hält der Lack später darauf richtig.


Viele Grüße,
Oliver

Gast_14961
16.03.2010, 19:57
Vielen Dank Oliver,

aber der Respekt gebührt meinem Freund, der die Form gedreht hat und gemeinsam mit seinem Freund dann tiefgezogen hat. Ich habe ja nur gezeichnet :) Ich finde es toll, wie sich Modellbauer untereinander helfen.

Was ich verstanden habe, ist Vivak nicht so problematisch zu lackieren. Aber ich habe bei meiner DC-3 auch die Joghurtbecher aus PP gut lackieren können. Nach zwei Jahr ist noch nichts abgeplatzt.

Mosquitoflieger
18.03.2010, 19:06
Kann man so Hauben nicht am besten mit Lexan-farbe lackieren, die man auch für die RC-Cars verwendet? Die bleibt ein bisschen flexibel, eben damit sie nicht abplatzt.

Bei der Bronco von e*starmodels haben wir vor dem gleichen Problem gestanden und die tiefgezogenen Klarsichtmotorhauben schließlich von innen mit ebenjener Lexanfarbe von Tamiya lackiert.

Gruß, Stefan

Gast_14961
18.03.2010, 19:51
Hallo Stephan,

ich werde hier verschiedene Tests machen. Aber - im Gegensatz zu RC-Cars - sind die Motorhauben im Normalfall keinerlei mechanischer Belastung ausgesetzt. Bei meiner DC-3 habe ich PP Joghurtbecher nach dem gewissenhaften Schleifen mit 600er Schleifpapier erst mit Graupner Universal-Grundierung lackiert und dann mit der normalen Tamya Sprühfarbe. Kein Problem nach 2 Jahren.

Von Innen Lackieren geht nicht, weil innen noch einen Ring eingeklebt wird.

Dennoch: Danke für den Hinweis! Einen Versuch ist es in jedem Fall Wert. Als E-Flieger muss ich mir zum Glück keine Gedanken über Benzinfestigkeit etc. machen.

bulksi
13.03.2019, 16:06
Hallo Zusammen,

habe schon fleißig gelesen, bin mir aber nicht ganz sicher was bei mir noch optimiert werden muss. Aaaaaaaaalso:

Habe mir eine Tiefziehbox gebaut, die auch gut funktioniert. Gedacht für kleine Teile, indem man die Vivak-Platten einmal längs und einmal quer teilt und dann 4 Mal mit den Rechteckigen Formen tiefziehen kann. Es sollen zunächst erstmal kleine Motor- und Kabinenhauben aus 0,8mm Vivak gezogen werden, Wärmequelle ist ein Heißluftföhn. Die Positivformen sind aus Modellierschaum, überlaminiert, gespachtelt, geschliffen und lackiert.

Folgendes Problem: Die Motorhauben werden auf der nach oben gerichteten Seite deutlich dünner als unten (an der Wölbung). Unten ist es perfekt, oben aber grenzwertig. Zudem muss nach dem Tiefziehen unten an der Form leicht nachgeföhnt werden und dann ist die Saugkraft so stark, dass es oft durch den "Rost" durchpfeift. Teilweise bekomme ich oben (dort wo die Luftschraube vorsitzt) auch leichte Falten.

Passt mein Rahmen fürs Vivak nicht, sollte ich mit Temperatur oder Saugkraft experimentieren? Oder gar mal schräg von oben das Vivak draufpressen anstatt gerade?

Kurz: An welchen Stellschrauben sollte ich nochmal drehen?

Danke für eure Antworten :-)

Gruß Simon

PS: Der Klotz auf dem Bild ist noch nicht final, also nicht wundern.

Sigma
14.03.2019, 06:40
Hallo Simon

Mein Vorschlag:

- Wärmequelle Backofen (gleichmässigere Wärmezufuhr)
- die Box sollte grösser sein, ich würde sie verdoppelt. Grund: mehr Material, das zum Ziehen vom Rand her zur Vergügung steht, so sollte die Front der Haube dann weniger gezogen werden und somit dicker ausfallen.



Gruss, Daniel

bulksi
16.03.2019, 14:35
Hallo zusammen,

danke Daniel für die Tipps! Ich habe mal weiter experimentiert und kann von folgender Erfahrung berichten.

Für eine gleichmäßige Materialstärke bei sehr konischen Formen (wie einer Motorhaube) hat es sich bewährt die Matrize schräg auf die Form zu pressen. Also nicht parallel zur Kiste sondern gekippt. Und zwar zu der Stelle gekippt, an der sich das Material sonst am meisten gestreckt hätte. Bei mir war das die obere Rundung der Motorhaube, an der ich das Vivak dann zuerst angelegt habe (anstatt frontal von oben).

Was ungemein bei Rundungen gegen Faltenbildung hilft, ist die Matrize (Schablone/Rahmen in den das Vivak rein kommt) von der Form her an die Form anzupassen. Also keine spitzen Ecken in die Matrize, wo die Form Rundungen hat etc.

Die Form unbedingt 10mm unterfüttern und am besten eine Schneidkante in den Formklotz einbringen. Die Unterfütterung aber bündig zur Form, damit sich das Vivak nicht unter den Klotz ziehen kann. Sonst bekommt man es schlecht raus hinterher.

Den Klotz eventuell mit etwas Trennmittel (Schuhcreme etc.) versehen. Sollte sich der Klotz hinterher schlecht aus dem Vivak rauslösen lassen kann man mit dünnen Sperrholzstreifen Luft zwischen Formklotz und Vivak hebeln.

Vielleicht hilft es ja jemandem.

Viele Grüße
Simon