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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Erfahrungen mit Reflexladung



Ulrich Horn
10.01.2003, 04:26
Moin,

ich habe mich jetzt über zwei Jahre in Theorie und Praxis mit dem Thema Reflexladen auseinandergesetzt.
Der einzige, bisher für mich nachvollziehbare Vorteil liegt in einer (verglichen mit cc) geringeren Temperatur des geladenen Akkus bis zum Ladeende.

Ist das alles? Hat jemand weitere (qualifizierte) Informationen/Erfahrungen?

Grüße, Ulrich Horn

Gast_00010
10.01.2003, 06:28
Eben. Und dadurch werden die Akkus schonender behandelt. Vor allem bei NiMh-Akkus ist das ein entscheidender Vorteil.

Wenn ich mich richtig erinnere hat Megra Akkutronic (http://www.megra-elektronik.de) eine langfristige Messreihe laufen (gehabt) die belegt, daß die Akkus durch Reflexladen mehr Zyklen bei voller Leistung durchstehen als bei anderen Verfahren.

Vielleicht kann ich den Anbieter motivieren sich über den aktuellen Stand zu äußern.

Ein weiterer Vorteil ist, daß je nach dem welches "Reflex"verfahren in welchem Lader eingesetzt wird die Akkus schneller geladen werden, da von Anfang bis Ende mit dem vollen Ladestrom geladen wird. Ein rauf- oder runterregeln gibt es nicht.

Welche Reflexlader-Lader hast du eingesetzt?

Ulrich Horn
12.01.2003, 01:55
Hallo Jürgen,

völlig richtig, die geringere Temperatur ist durchaus ein Argument, besonders bei NiMH.

Das mit dem 'schneller laden, weil der Strom konstant ist' kann ich insgesamt so nicht stehen lassen ;) das hat mit dem Reflexverfahren nicht direkt zu tun.

Meine Praxiserfahrungen stammen von einem Orbit 5, allerdings dürfte der kein besonders typisches Beispiel sein.

Ich bin ja durchaus geneigt, in meiner nächsten Publikation das Reflexverfahren mit mehr als nur einem Nebensatz zu erwähnen, aber dafür fehlen mir bisher noch ein wenig die Argumente ;)

Grüße, Ulrich Horn

Armin Bock
12.01.2003, 17:27
Hallo Ulrich,

vielleicht ist dir die Dissertation von Eric C. Darcy "Investigation of the Response of NiMH Cells to Burp Charging" (http://www.galaxypower.com/organization/NASA-II.pdf) noch nicht bekannt.

Es geht darin um einen Vergleich zwischen Laden mit Konstantstrom, Konstantstrom + Pause und Konstantstrom + Entladepuls + Pause.

Stark vereinfacht ergibt sich Folgendes:

Die bei der Ladung entstehenden Gasblasen werden durch den Entladepuls verkleinert, was einen geringeren Zelleninnendruck und eine erhöhte effektive Elektrodenoberfläche zur Folge hat. Daraus ergibt sich eine geringere Ladespannung und somit die beobachtete reduzierte Wärmeentwicklung. Zyklentests zeigen, dass sich das positiv auf die Lebensdauer der Zellen auswirkt.

Andere Effekte (unterschiedliche Kristallgrößen z.B.) konnten mit den vom Autor verwendeten Verfahren nicht nachgewiesen werden.


Ist das alles?Vermutlich ja. Allerdings ist die Temperatur bei (elektro-)chemischen Prozessen ein entscheidender Parameter, der sich nicht nur auf die Zellenlebensdauer, sondern u.A. auch auf die Spannungslage beim Entladen auswirkt. Besonders NiMH-Zellen haben im erwärmten Zustand eine bessere Spannungslage unter Last. Bei der GP60AAH z.B. ist die Lastspannung im handwarmen Zustand bei einem Laststrom von 2A um bis zu 40mV/Zelle höher als bei Zimmertemperatur.

Das bekannte Lade-IC ICS1702 ist auf geringe Akkuerwärmung optimiert. Neben dem Reflexprinzip wird dazu ein Abschalt-Algorithmus (d2U/dt2 + Verzögerung) verwendet, der auf einen effektiven Ladestrom von C/10 bis C/5 umschaltet, bevor 100% der Akkukapazität eingeladen sind. Während dieser "Topping-Charge"-Phase verringert sich die vergleichsweise geringe Akkutemperatur weiter, leider auch die Lastspannung bei der darauf folgenden Entladung ...

Wie's aussieht, wird man sich wohl zwischen hoher Lastspannung und langer Lebensdauer entscheiden müssen.

Grüße, Armin

Jan
12.01.2003, 17:55
...eine Frage dazu - gehört zwar nicht genau hierhin, aber irgendwie doch: Das, was das Chamäleon 8-936g von Schulze tut, wenn man "Refresh" aktiviert, ist das ein "richtiges" Reflexladen? Ich glaube, das ist auch ein Entladeimpuls...
Zweite Frage: Hat mal einer gemessen, ob die Ladungen dann tatsächlich länger dauern und was da genau passiert? Du Uli? Schulze ist in der Bedienungsanleitung sehr sehr zurückhaltend. Ich zitiere mal:



14.9
Refreshladen soll ein schnelleres "Aufpäppeln" von müde gewordenen Akkus bewirken und eignet sich daher im Besonderen zum Pflegen von Empfänger- und Senderakkus. Wir beteiligen uns nicht an werbewirksamen Mythen: Voller als voll ist ein gesunder Akku nicht zu machen, Sie werden nach dem Refreshladen wahrscheinlich keine Kapazitätserhöhung oder Verringerung des Innenwiderstandes bei sorgfältig gepflegten Akkus feststellen können.
...

Armin Bock
12.01.2003, 22:03
Hallo Jan,

über die Frage, was "richtiges Reflexladen" ist, kann man trefflich streiten. Manche Leute behaupten, nur Geräte mit einem ICS-Chip bieten "echtes" Reflexladen. Nun gibt es von Galaxy-Power, dem Hersteller der Reflexlade-ICs, eine Version (ICS1708) die aus Platz- und Kostengründen auf den Entladepuls verzichtet. Ist das nun "richtiges Reflexladen"?

Falls der Schulze-Lader mit den gleichen Werten wie die ICS-Chips arbeitet (1024ms laden, 4ms Pause, 5ms mit dem 2-3 fachen Ladestrom entladen, 20ms Pause, ...), ist die Verlängerung der Ladezeit vernachlässigbar.


Schulze ist in der Bedienungsanleitung sehr sehr zurückhaltend.Wenn ein Ladegerät ohnehin eine Entlademöglichkeit bietet, ist es vom Aufwand her betrachtet wesentlich effektiver einen periodischen Entladepuls zu implementieren, als immer wieder über den Sinn und Zweck eines solchen zu diskutieren.

Grüße, Armin