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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der etwas andere Freiheitsentzug



Hans Schelshorn
22.06.2010, 22:43
Hallo,

wie mir mein Tagblatt erzählt, wird darüber nachgedacht, für Gesetzesverstöße den Katalog der möglichen Strafen um den Führerscheinentzug zu erweitern. Heute verliert man den Lappen nahezu ausschließlich durch Vergehen, die mit dem Straßenverkehr in Beziehung stehen. Das soll künftig auch z.B. bei Diebstahl möglich sein.

Damit setzt man auf die abschreckende Wirkung des Führerscheinverlustes, die höher eingeschätzt wird als die von Geld- oder Bewährungsstrafen. Ich muss zugeben, erst war ich leicht verwundert, wie man auf so eine Idee kommen kann. Mittlerweile meine ich, daß man das durchaus ausprobieren sollte.

Servus
Hans

Niklas Fischer
22.06.2010, 22:59
als ich die newsmeldung gelesen hatte, konnte ich es mir bildlich vorstellen:

"alda- hätt isch nisch 16 punkte in flensburg, würd isch disch jäz umklatschen!"

bei den ganzen staus und steitsuchenden volldeppen - also ich finde es gut. o die das durchbekommen ist ja was anderes. aber der ansatz ist wirklich gut.

greets, Nik

shoggun
23.06.2010, 08:08
Damit setzt man auf die abschreckende Wirkung des Führerscheinverlustes, die höher eingeschätzt wird als die von Geld- oder Bewährungsstrafen.

Das kann ich bestätigen! :rolleyes::cry:

Gruss Mathias

Gast_9828
23.06.2010, 08:38
Hallo,

wie mir mein Tagblatt erzählt, wird darüber nachgedacht, für Gesetzesverstöße den Katalog der möglichen Strafen um den Führerscheinentzug zu erweitern. Heute verliert man den Lappen nahezu ausschließlich durch Vergehen, die mit dem Straßenverkehr in Beziehung stehen. Das soll künftig auch z.B. bei Diebstahl möglich sein.

Damit setzt man auf die abschreckende Wirkung des Führerscheinverlustes, die höher eingeschätzt wird als die von Geld- oder Bewährungsstrafen. Ich muss zugeben, erst war ich leicht verwundert, wie man auf so eine Idee kommen kann. Mittlerweile meine ich, daß man das durchaus ausprobieren sollte.

Servus
Hans
Ich habe mich noch nicht mit diesem Thema beschäftigt, aber ich glaube nicht das dies so ohne weiteres mit dem Grundgesetz zu vereinbaren ist.
Vorstellen kann ich mir nur, das der Führerschein eingezogen werden könnte wenn ein Kfz zur Straftat verwendet wurde, wodurch diese erleichtert oder erst möglich wurde.
Wir leben in einem Rechtsstaat und nicht in einem Abschreckstaat.

Gruß Lothar der Unwissende

elektroniktommi
23.06.2010, 09:14
Leider lassen sich viele Straftäter von dem "Recht" nicht abschrecken, 1200 Euro Strafe für einen Schläger...lächerlich:

http://www.derwesten.de/staedte/balve/Pruegel-Duo-nimmt-sich-Tuersteher-vor-id2743073.html

500 Euro für Beleidigung:

http://www.derwesten.de/staedte/balve/Kleinkarierter-Erbsenzaehler-kostet-500-Euro-id2151289.html

PW
23.06.2010, 09:48
Hallo,

tja wenn der Straftäter eine Haftstrafe erhält, kann er doch eh nicht fahren .....

Dennoch zieht der "Führerscheinentzug" deutlichst mehr als das Zahlen einer Geldstrafe.

Wenn ich hier sehe wie die Leute um den Führerschein kämpfen gerade bei Bußgeldsachen; lieber das Doppelte an Geldbuße zahlen als 4 Wochen Führerschein weg.

Die Mobilität ist heute für viele wichtiger als "ein paar Euros zu zahlen".



Gruss

PW

FrankR
23.06.2010, 09:54
Das wird jetzt eh wieder von der Politik so lange diskutiert bis am Ende eh nichts dabei rauskommt.

Frank

Hans Schelshorn
23.06.2010, 10:05
Ich habe mich noch nicht mit diesem Thema beschäftigt, aber ich glaube nicht das dies so ohne weiteres mit dem Grundgesetz zu vereinbaren ist.
...

Hallo Lothar,

ich habe auch erst mal gedacht, das geht nicht, weil z.B. Diebstahl nix mit dem Führerschein zu tun hat, es sei denn man klaut ein Kfz.
Aber Diebstahl ist auch nicht Freiheitsberaubung, eine Haftstrafe schon, und mit der kann Diebstahl geahndet werden.

Das führt zu folgender Überlegung:
Das Grundgesetz gewährt die Persönlichkeitsrechte nur denen, die sich gesetzestreu verhalten. Was strafbar ist und wie bestraft wird, das regeln weitere Gesetze. Es steht nirgends, daß bei Diebstahl die Hand abgehackt wird, bei Verleumdung die Zunge rauskommt usw. Die Strafe muss also nicht Gleiches mit Gleichem vergelten oder das ausführende Organ betreffen. Somit kommt zu Geldstrafe und Freiheitsentzug als weiter Bestrafungsmöglichkeit auch noch der Führerscheinentzug dazu. Und, wie auch schon bestätigt wurde, mit nicht unerheblicher Abschreckungswirkung.

Servus
Hans

evil dead
23.06.2010, 10:47
Da sollte man mal weiter denken....

Zum einen treten solche Delikte ( Diebstahl, Körperverletzung ) auch gerne bei unter 18 jährigen auf - die haben noch gar keinen Führerschein....

Dann ist das ja auch meist nur eine gewisse Gesellschaftsschicht - da viele Leute auf das Auto angewiesen sind könnten die auch bei solchen Sachen Ihren Job verlieren - ergo wir züchten uns damit mehr Arbeitslose bzw. ist die Möglichkeit sehr groß dass Leute deshalb Ihren Job verlieren - was bei Geldstrafe oder Bewährung nicht der Fall wäre....

Wie setzt man das Strafmaß ? Einmal Nase hauen 4 Wochen ohne, Kieferbruch 6-8 Wochen ohne, blutige Lippe 2 Wochen oder wie ?

Hatte hier in der letzten Zeit mal den Fall das jemand aus Notwehr hinhaut, der Täter aufeinmal rumheult und beide eine auf den Deckel bekommen - würde man nun dem Opfer das sich gewehrt hat auch den Schein nehmen wäre das natürlich sehr ärgerlich.....

So einfach ist das nicht - genauso gut könnte man denen 4 Wochen das Konto einfrieren....bringt auch Abschreckung, gefährdet aber nicht die Arbeitsstelle.....wird ja auch bei Betrugsdelikten mal gemacht....

plot599
23.06.2010, 10:51
Zum einen treten solche Delikte ( Diebstahl, Körperverletzung ) auch gerne bei unter 18 jährigen auf - die haben noch gar keinen Führerschein....
.

Gerade hier sehe ich aber einen guten Ansatzpunkt: Heute machen doch alle mit 18 ihren Deckel. Wenn ich den z.B. erst ein Jahr später machen darf als die Kumpels, dann tut das schon weh...

evil dead
23.06.2010, 10:57
Dazu müsste man ja das halbe Fahrerlaubnisgesetz umschreiben.....

Oder willst du das wegen "mangelnder Eignung" als Grund darlegen ?

Gerade die, die fertig mit der Ausbildung sind ( beruflich ) würde das zu hart treffen um weiter in der Arbeitswelt zu bleiben....

plot599
23.06.2010, 11:13
Das mit dem hart treffen wird meiner Meinung nach überbewertet, bis die Jungs und Mädels 18 sind geht es doch auch mit öffentlichen, dann muß es eben noch ne Weile länger so gehen, ist zwar nicht immer komfortabel, aber man kommt schon überall hin....;)

Und ja, dann müssen halt ein paar Gesetze umgeschrieben werden. Die zum Führen eines Fahrzeuges notwendige Disziplin und Sorgfalt tritt ja wohl nicht automatisch mit dem 18. Geburtstag ein, oder? Und wer eben schon vorher bewiesen hat, dass er diese Achtung und Disziplin gegenüber Mitmenschen, den Gesetzen oder was auch immer nicht aufbringt, der kann halt erst später seine Pappe machen.

Ich bin schon der Meinung, dass gerade im Bereich der Prävention und dem Umgang mit Jugendkriminalität neue Wege ausprobiert werden müssen.

limberu
23.06.2010, 11:17
Und wie wird dann fahren ohne Führerschein bestraft?

evil dead
23.06.2010, 11:35
Und wie wird dann fahren ohne Führerschein bestraft?


Der Richter klaut dir deinen Geldbeutel und haut dir auf die Nase :D

plot599
23.06.2010, 11:37
:D

Hans Schelshorn
23.06.2010, 11:50
Und wie wird dann fahren ohne Führerschein bestraft?
Wie bisher auch: Einsperren, dann ist's vorbei mit dem Fahren.


...
Wie setzt man das Strafmaß ? Einmal Nase hauen 4 Wochen ohne, Kieferbruch 6-8 Wochen ohne, blutige Lippe 2 Wochen oder wie ?
...
Das Problem mit der richtigen Strafzumessung hat der Richter bisher ja auch: Wie hoch soll die Geldstrafe, wie lange soll der Freiheitsentzug sein?

Und wenn jemand beruflich auf den Führerschein angewiesen ist, dann muss er sich auch heute schon überlegen, wieviel Geschwindigkeitsübertretung oder wieviel Alkohol er sich erlauben kann. Wenn ihm der Führerscheinentzug weh tut, kann er sich ja alternativ einsperren lassen. Dann hilft ihm der Lappen aber auch nicht mehr.

Vielleicht noch mal zur Verdeutlichung: Der Richter hat heute schon die Möglichkeit, aus verschiedenen Strafen die "richtige" auszuwählen, künftig komm halt noch eine neue Art der Strafe dazu. Welche Strafe verhängt wird, muss der Richter anhand der Sachlage entscheiden. Bei Verkehrsdelikten kommt es auch jetzt schon mal vor, daß die Fahrerlaubnis bei Berufskraftfahrern nur mit Einschränkungen versehen und nicht entzogen wird, um den Arbeitsplatz nicht zu gefährden. Daran wird sich nichts ändern. Und irgendwann zwischen Totschlag und Mord ist sowieso Schluss mit Rücksicht auf den Arbeitsplatz.

Servus
Hans

hahgeh
23.06.2010, 12:14
Vielleicht noch mal zur Verdeutlichung: Der Richter hat heute schon die Möglichkeit, aus verschiedenen Strafen die "richtige" auszuwählen, [...] Und irgendwann zwischen Totschlag und Mord ist sowieso Schluss mit Rücksicht auf den Arbeitsplatz.

Ich gehe mal in der Annahme, in dieser Aussage ist eine gehörige Portion Sarkasmus drin. Rein professionell betrachtet gibt im Bereich der Schwerkriminalität ohnehin keine Wahlfreiheit des Richters.
Ohnehin sind die Auswahlmöglichkeiten auf ein Minimum reduziert. Letztlich gibt es eine echte Wahl nicht, da die Geldstrafe selten nach oben und die Freiheitsstrafe selten nach unten ausgeschöpft wird.

Und zu guter Letzt was die allseits zitierte Abschreckung angeht. Wer mal eine Kriminologie-Vorlesung gehört hat, der hat gelernt, dass sich es (unter anderem) zwei Faktoren zur Begrüdung einer Bestrafung gibt: die individual und die Generalprävention.
Beides scheint ganz offenbar ja nur mäßig zu funktionieren, sonst gäbe es im Bereich der höchstmöglichen Strafe (Mord=Lebenslänglich) die wenigsten Straftaten und bei Erhöhung des Strafrahmens müssten die Zahlen auch zurückgehen. Beide Effekte sind aber nicht vorhanden, sprich: Wer eine Straftat begehen will, der tut das auch.

Gruß
hg

Gast_8281
23.06.2010, 12:33
Weiß gar nicht warum die Angelegenheit so schlimm sein soll. Oder ist es bei euch normal, dass ihr in Straftaten verwickelt seid?

Wer sich nicht benehmen kann sollte auch nicht Auto fahren. Sehr vernünftige Idee.

limberu
23.06.2010, 12:57
Ich gehe mal in der Annahme, in dieser Aussage ist eine gehörige Portion Sarkasmus drin. Rein professionell betrachtet gibt im Bereich der Schwerkriminalität ohnehin keine Wahlfreiheit des Richters.
Ohnehin sind die Auswahlmöglichkeiten auf ein Minimum reduziert. Letztlich gibt es eine echte Wahl nicht, da die Geldstrafe selten nach oben und die Freiheitsstrafe selten nach unten ausgeschöpft wird.

Und zu guter Letzt was die allseits zitierte Abschreckung angeht. Wer mal eine Kriminologie-Vorlesung gehört hat, der hat gelernt, dass sich es (unter anderem) zwei Faktoren zur Begrüdung einer Bestrafung gibt: die individual und die Generalprävention.
Beides scheint ganz offenbar ja nur mäßig zu funktionieren, sonst gäbe es im Bereich der höchstmöglichen Strafe (Mord=Lebenslänglich) die wenigsten Straftaten und bei Erhöhung des Strafrahmens müssten die Zahlen auch zurückgehen. Beide Effekte sind aber nicht vorhanden, sprich: Wer eine Straftat begehen will, der tut das auch.

Gruß
hg

Vielleicht liegt es auch daran, dass sich manch einer denkt, er wird eh nicht erwischt!

hänschen
23.06.2010, 13:07
immer bei anderen..., dass Ihr sowas überhaupt diskutiert, stimmt mich schon bedenklich!

wo bleibt der Straftatbestand für Politiker: Verbrechen am Volk / Staatsvermögen?

Hier sollte man dringendst ansetzen, für alles andere müssen die vorh. Strafrahmen nur ausgenützt werden. Aber da sind dann die Herren Verteidiger vor...;)
Schaut mal über den Tellerrand raus...
Rechtsstaat?
Unsere Justiz ist viel zu sehr von der Politik gedeckelt.

PW
23.06.2010, 17:14
Hallo,

also ich finde Eigentumsdelikte wie Diebstahl etc. für schwerwiegender als mal zu schnell zu fahren.

Und fahre ich bei rot über die Ampel oder übersehe ich mal ein Geschwindigkeitsschild und fahre zu schnell, dann habe ich auch Pech mit 4 Wochen ohne Führerschein.

Dann muss ich auch sehen wie ich zur Arbeit etc. komme.

Eigentumsdelikte sind mit Sicherheit schlimmer und krimineller. So gibt es auch keinen fährlässigen Diebstahl ....

Für viele ist "Geld zahlen" einfacher; der Entzug des Führerscheines wirkt da viel mehr.

Keine schlechte Idee...., dann kann man auch ohne Führerschein nicht zum nächsten Eigentumsdelikt fahren... vorausgesetzt mal hält sich an die Strafe ...


Gruss

PW

Hans Schelshorn
23.06.2010, 23:14
Ich gehe mal in der Annahme, in dieser Aussage ist eine gehörige Portion Sarkasmus drin. Rein professionell betrachtet gibt im Bereich der Schwerkriminalität ohnehin keine Wahlfreiheit des Richters.
Ohnehin sind die Auswahlmöglichkeiten auf ein Minimum reduziert. Letztlich gibt es eine echte Wahl nicht, da die Geldstrafe selten nach oben und die Freiheitsstrafe selten nach unten ausgeschöpft wird.
...

Sorry, hg, das war defnitiv kein Sarkasmus von mir!
Der kleine Mann erfährt über die Medien immer wieder, daß man für dasselbe Delikt entweder freigesprochen wird oder für Jahre in den Bau wandern kann. Du sagst ja selbst, daß es eine Untergrenze und eine Obergrenze gibt. Der Richter hat den Fall zu würdigen und sich innerhalb dieses Rahmens zu entscheiden. Bei besonderen Umständen wird sogar manchmal die Forderung des Staatsanwaltes überschritten. Ich habe leider keine konkreten Beispiele dafür, weil mich solche Themen im Allgemeinen nicht besonders interessieren.

Servus
Hans