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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schizophrenie? Selektive Wahrnehmung?



Hans Schelshorn
07.07.2010, 10:12
Hallo,

Von unserer Politik bin ich ja einiges gewohnt, und es gibt wenig, was mich noch aufregt.
Aber was unserer Gesundheitsminister Rösler da gestern von sich gegeben hat, das ist auch innerhalb unserer Politikerkaste zumindest Oberklasse:
Die sogenannte Gesundheitsreform soll eine langfristige Stabilität schaffen. Und es wird ein unbürokratischer und gerechter Sozialausgleich eingeführt und auf eine faire Verteilung der Lasten geachtet.

Von fairer Lastenverteilung kann ich nix sehen, und halten wird dieses langfristige Stabilität schaffende Konstrukt wohl kein Jahr. Es werden keine Probleme gelöst, nur die Beiträge erhöht und Alles noch ein wenig komplizierter gemacht.
Oder sehe ich das verkehrt?

Servus
Hans

hänschen
07.07.2010, 10:16
Oder sehe ich das verkehrt?

Servus
Hans

ja, du bist nämlich nicht im Fussballfieber, nur durch die aktuelle Deutschland-Brille kann man diesen Sachverhalt richtig beurteilen...;)
über seine Vorgänger hat man den Kopf geschüttelt, es kam aber nichts besseres nach...
man sollte sie alle davonjagen.

limberu
07.07.2010, 10:58
Ich decke mich langsam schonmal mit Fackeln und Mistgabeln ein....
Zum Glück war letztlich erst wieder 25% auf alles ohne Tiernahrung Stecker, nur leider hatten die nicht soviele, wie ich haben wollte ;)

ACME
07.07.2010, 11:22
Hallo,
es gibt keine "Gesundheitsreform"
Der Rösler ist dem Druck der Ärzte- Pharma- und Medizinindustrie erlegen.
Die Politik schafft nur Voraussetzungen, das Krankheitsunwesen mit neuem Geld zu versorgen.

Niemals wird die Politik das Problem lösen. Es ist eine unverschämte Lüge, die gesteigerten Kosten nur auf eine längere Lebenserwartung oder den medizinischen Fortschritt zu schieben.

Nötig wäre die Aufklärung der Bevölkerung über die Vermeidung von (Volks-)Krankheiten, sprich Prävention.
Was heutzutage Prävention genannt wird ist harmlose Augenwischerei.
Allerdings würde das zur Folge haben, dass die Ausgaben im Krankheitsunwesen sinken und das ist weder im Interesse der Kassen, der Ärze, der Pharma, der Universitäten (Stichwort Drittmittel), der Nahrungsmittelindustrie, der Politiker als Mitglieder von Aufsichtsräten usw..

Fakt ist, dass allein durch natürliche Ernährungsweise und Bewegung zwar Krankheiten nicht reslos verschwinden, aber stark abgemildert werden.
Das kann aber weder dem Zufall, der sog. freien Entscheidung des leider verdummten Volkes, noch den Ärzten überlassen werden..
Problem: es ist mittlerweile bequemer, Pillen gegen Symptome zu schlucken als seine Lebensweise zu ändern! (Stichwort: lebenslange Kundenbindung). Nur können wir uns diesen Zusatand eben nicht auf Dauer leisten. Mit "freier Entscheidung" meine ich, dass eben die Masse nicht weiß, welche Ursachen ihre Krankheiten haben, weil es keiner laut sagt! Da sehe ich die Politik gefordert, wenn sie den Namen "Gesundheitspolitik" verdienen soll.

Die Opposition bezeichnet diese "Reform" zurecht als Fass ohne Boden. Nur leider haben die damals das Gesamtproblem auch nicht angefasst.
Gute Nacht Deutschland.

Markus

limberu
07.07.2010, 11:36
Ein Anfang wäre ja schonmal die Positivliste gewesen (http://de.wikipedia.org/wiki/Positivliste_f%C3%BCr_Arzneimittel), aber dagegen wehrt sich ja die Pharmaindustrie seit Jahren bzw. Jahrzehnten erfolgreich :(

plastikmann
07.07.2010, 12:17
Ich weiss nicht was ihr wollt - es ist sozial und stabil.

Den Privaten kostet es nichts mehr und für den Arbeitgeber ist es ab sofort stabil.

Der normale Arbeitnehmer zahlt mehr ein, aber der nimmt sich auch mehr raus.... perfekt.

Die Leute da oben sind absolute Spitzenklasse derzeit, schaffen es mittlerweile ohne grosses Rumdrucksen einem die Sachen zusammenzuschnüren, die mal sowas von unmöglich waren, dass ich nur noch Beifall klatschen kann.

Ich seh das nur noch so - wenns den bach runtergeht, dann jetzt wnigstens mit den grössten Könnern, die wir jemals hatten, Hut ab !

j-o-j-o
07.07.2010, 12:19
Schland o schland o schland.....

Ja is doch alles Tutti wir werden Weltmeister

und danach Jagen wir die Politiker zum Teufel allen voran diesen Jungen Bremer Schnösel. Ach Ja und die von der Lein nicht vergessen.

Is doch das Gleiche wie mit der GEZ, Hört sich alles Super an im endefekt ist es aber nur eine Gagenerhöhung die die Wirtschaft schont und den kleinen Mann das Geld aus der Tasche zieht.

plastikmann
07.07.2010, 12:27
BTW - wenn jetzt der Fixsatz angehoben wird, und der Deckel von 1% vorerst 2% ist und dann offen sein wird, was hat man geöndert hinsichtlich dem ursprünglichen System ?

Nach wie vor werden doch die wilden Kassenwechsel wieder stattfinden, oder nicht ?

Lediglich der Sockelsatz von 15,xx+X liegt fest und wird vom staatlichen Monopol vorgegeben, die Zusatzleistungen sind dagegen nach oben hin offen, also eigetnlich alles beim alten, nur von zwei Seiten diktiert, und die Wahl hat man wieder oder wie ?

also 15,xx+X+Y ?!? wo bis dahin noch eine 12,xx stand.... satte Entlastung.

A propos, oder ist der Gedanke von daher genial die "Auffangkassen" massiv zu entlasten ? Macht ja keinen Sinn mehr die AOK zu verlassen, der Sockel ist bei allen gleich das +Y machts dann bloss aus, hier bietet die AOffangKasse dann nette Kurse und Seminare dies etwas zu senken, aber den Sockel bekommen sie dennoch - hm hm Schelm wer böses denkt, äh senkt... oder wie ?

Martin Stein
07.07.2010, 12:37
Ich komme gerade aus der Reha wegen gebrochenem Sprunggelenk.
Als privat Versicherter erhalte ich jede Rechnung, bevor ich sie bei der Kasse einreiche.

Ein paar Beispiele:

Zwei Röntgenaufnahmen vom Gelenk: 37,45 Euro. Dafür bekommt man keinen halbherzigen Autokundendienst bei einer freien Werkstatt.

Operation (3 Stunden mit 3 Ärzten, Hilfspersonal und "Material"): 680,00 Euro.
Geteilt durch die Anzahl der Mitwirkenden ergibt sich daraus ein Stundenlohn, für den kein Schwarzarbeiter-Maurer aus dem Bett steigt.

Physiotherapie (manuelle Lymphdrainage 0,5 h): 22,00 Euro.
Aushang in der freien Werkstatt an der Ecke: Mechanikerarbeiten 65 Euro/h.

Wo also verschwinden die Milliarden?

ACME
07.07.2010, 12:42
Derzeit können sich privat krankenversicherte Arbeitnehmer über die steigenden Arbeitgeberzuzahlungen freuen.... Na wenn das kein Erfolg ist.

Also doch mehr Netto vom Brutto:D Die FDP hat ihr Wahlversprechen gehalten und weiß es noch gar nicht :):)

Gruß
Markus

Gast_8281
07.07.2010, 12:45
Schade, dass nicht alles privatisiert ist. Der große Vormund "Staat" regelt uns noch zu Tode.

Und noch schöner wäre, wenn man völlig frei entscheiden kann was man versichert... *träum* :rolleyes:

Hans Schelshorn
07.07.2010, 13:11
...
ergibt sich daraus ein Stundenlohn, für den kein Schwarzarbeiter-Maurer aus dem Bett steigt.
...
Wo also verschwinden die Milliarden?
Das frage ich mich auch, wohin das Geld verschwindet. Der Stationsarzt im Krankenhaus verdient eher schlecht, und der Hausarzt bekommt Honorare in der Gebührenordnung vorgeschrieben, daß er sich eigentlich weigern müsste, bestimmte Behandlungen durchzuführen.

So hatte ich mal eine Schürfwunde, deren "einfache Wundbehandlung" fast eine Stunde gedauert hat. Das Ganze durfte damals mit 8,xx Euro abgerechnet werden. Die Praxisgebühr war somit höher als die Behandlungskosten!

Insbesondere die Pharma-Industrie habe ich im Verdacht, daß sie uns Beitragszahler über Gebühr schröpft. Wenn Medikamente in Deutschland ein Mehrfaches dessen kosten, was im Ausland verlangt wird, dann sollte man das mal im Brüssel prüfen lassen. Vermutlich sitzen aber auch da überwiegend Leute, die an der Abschaffung des Systems kein Interesse haben.

Servus
Hans

hänschen
07.07.2010, 13:31
Der Stationsarzt im Krankenhaus verdient eher schlecht...

Servus
Hans

mag sein, aber gestern mittag bin ich an den Ärztegaragen ( ja, keine schnöden Parkplätze...) unseres kleinen Krankenhauses vorbei, da standen: 911er , eine S-Klasse...

Naitsabes
07.07.2010, 14:28
...911er , eine S-Klasse...
Aber die fahren auch nur der Primar und seine Günstlinge. Die Mehrzahl der Spitalsärzte hat Dienstzeiten, die man mit Fug und Recht als Ausbeutung bezeichnen kann, bei weit weniger Gage, als man gemeinhin annimmt.

Ich denke, dass enorme Summen in der Verwaltung und in Misswirtschaft verschwinden. Österreich mit seinen paar Quadratkilometern etwa leistet sich 9! Bundesländer, selbstverständlich jedes mit eigener Krankenkasse und eigenem Verwaltungsstab.
Koordination zwischen den Ländern gibt es keine, oft stehen riesige, technisch hochgerüstete Spitäler nur wenige Kilometer auseinander, reine Prestigeobjekte für den jeweiligen Landeskaiser.

Grüße
Andi

Gast_8624
07.07.2010, 14:43
...das mit "Neu"Anfang und Gesundheits"Reform" hat doch richtig gut funktioniert.

Die Vereinbarungen der Koalition halten jetzt schon drei Tage ohne das aus Bayern Gurkentruppe in Richtung Berlin schallt :D :D :D

limberu
07.07.2010, 16:12
Das frage ich mich auch, wohin das Geld verschwindet.

Folgendes sagt schon viel aus:

1.Krankenkassen

Die Verwaltungskosten der Krankenkassen werden für 2011 und 2012 gesetzlich auf dem Niveau dieses Jahres eingefroren. Dadurch sollen 300 Millionen Euro eingespart werden.
Quelle: http://ksta.de/html/artikel/1277385941190.shtml

Das Niveau der Verwaltungskosten steigt also in 2 Jahren um 300 Mio. €
Was Verwalten die denn, dass es innerhalb kurzer Zeit zu solchen Steigerungen komm?



4.Pharmahersteller

Neben der Erhöhung des Zwangsrabatts auf 16 Prozent auf Basis der Preise vom 1. August 2009 soll es auch für Reimporteure von Arzneimitteln sowie bei Impfstoffen Abschläge geben. Das Sparpaket hat ein Volumen von 3,5 und 4 Milliarden Euro in den Jahren 2011 und 2012.
Quelle: http://ksta.de/html/artikel/1277385941190.shtml
Bei der Pharmaindustrie kann man anscheinend immer noch am besten einsparen... Und ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass da noch nicht wirklich aus den Vollen geschöpft wird!

limberu
07.07.2010, 16:12
...das mit "Neu"Anfang und Gesundheits"Reform" hat doch richtig gut funktioniert.

Die Vereinbarungen der Koalition halten jetzt schon drei Tage ohne das aus Bayern Gurkentruppe in Richtung Berlin schallt :D :D :D

Wart es ab, die sind alle mit Fußballgucken beschäftigt ;)

Chris.
08.07.2010, 20:34
Habe die Schnauze selbst voll.Als Selbstständiger geht bei mir jetzt schon ein Vermögen an die GKV weg.Habe davon bisher nichts in Anspruch genommen außer wär da die Sache die mir sehr zu gute kommen würde : Ein neues Nasenfahrrad ! Aber das muss zu 100% selbst bezahlt werden.Die könn mich am Ar°°° le°°°° mit ihrer besseren Versorgung.
Bald mach ich den ganzen Mist zu und halt die Taschen auf. Da steht man eh besser da....





G. Chris

Gast_7884
08.07.2010, 21:41
Unser Gesundheitsminister ist so dämlich, der hat noch gar nicht bemerkt was für ein Eigentor er geschossen hat!

Was denkt der gemeine Kassenpatient der ab sofort noch mehr bezahlen darf? Wenn ich schon mehr bezahlen muss, dann will ich auch was davon haben und nutze das System so gut aus wie ich kann, also wegen jedem Wehwehchen zum Doc und möglichst viel verschreiben lassen.

Im nächsten Jahr haben wir dann die nächste Finanzlücke im Gesaundheitswesen und das Spielchen fängt von vorne an.

Was hier völlig fehlt, sind Anreize zum Sparen für jeden einzelnen, z.B. durch Beitragsrückerstattungen bei Nichtinanspruchnahme von Leistungen, Offenlegung von Behandlungskosten mit Gegenzeichnungspflicht des Patienten, Abschaffung der Zweiklassenmedizin durch Abschaffung Privatkassen bzw. Zurückstutzen auf reine Zusatzversicherungen.

Gruß Gerd

Chris.
08.07.2010, 23:07
Was hier völlig fehlt, sind Anreize zum Sparen für jeden einzelnen, z.B. durch Beitragsrückerstattungen bei Nichtinanspruchnahme von Leistungen, Offenlegung von Behandlungskosten mit Gegenzeichnungspflicht des Patienten, Abschaffung der Zweiklassenmedizin durch Abschaffung Privatkassen bzw. Zurückstutzen auf reine Zusatzversicherungen.

Gruß Gerd


Absolut richtig.
Man merkt doch das die Erhöhung gar nichts mit besserer Versorgung zu tun hat sondern mit den Kassen die schon wieder in Geldnot sind und einem Gesundheitsminister der eine saftige Beitragssteigerung in einem schönen Anzug mit einem geschwulst aus seichtem Gelaber durchdrücken will.
Am meisten Wut macht einem die Tatsache dass gerade die Grundbedürfnisse
wie Brillen und Zahnbehandlungen teilweise ganz gestrichen wurden.Damit hat man nur etwas bei Krankheit von der GKV. Das heißt Gesundheit wird wirklich bestraft.
Das Gesundheitswesen ist einfach nur bekloppt in Deutschland...



G. Chris

Hans Schelshorn
09.07.2010, 12:44
Unser Gesundheitsminister ist so dämlich, der hat noch gar nicht bemerkt was für ein Eigentor er geschossen hat!
...
Deine Prognose, daß die Leute sich einfach mehr Leistungen von den Kassen genehmigen, könnte tatsächlich eintreffen. Aber ein Eigentor für den Minister ist das eher nicht. Er hat ja jetzt den Deckel ziemlich weit aufgemacht für weitere Beitragserhöhungen und kann dann sagen: "Seht doch, wie richtig meine Maßnahmen waren, auch diesen Kostenschub kann das System jetzt abfangen!". Wobei lediglich die Kleinigkeit übergangen wird, daß dafür ausschließlich die Versicherten zur Kasse gebeten werden.


...
Am meisten Wut macht einem die Tatsache dass gerade die Grundbedürfnisse
wie Brillen und Zahnbehandlungen teilweise ganz gestrichen wurden.
...
Genau das stinkt mir auch gewaltig (weil ich halt ein Betroffener bin).
Die Begründung ist gewesen, daß die Kassen nur Heilung bezahlen, nicht aber die Hilfsmittel, wenn sich die Krankheit nicht mehr bessern läßt, was ja bei der Sehschwäche zutrifft.
Dann müssten aber Laser-Behandlungen wieder übernommen werden. Und die orthopädischen Schuhe zum Beispiel, die manche jedes Jahr von der Kasse bezahlt bekommen, müssten die Patienten selber bezahlen. Beim Laser wird die Sehschwäche beseitigt, und der Fuß wird von einem orthopädischen Schuh nicht gesund.

Es sind diese Kleinigkeiten, deren Logik sich nicht jedem erschließt, die Wut und Frust mehr nähren als nötig. Aber ein komplett gerechtes System wird es halt nicht geben.

Servus
Hans