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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Prototyping?



Ralf Paehl
19.11.2002, 17:40
Hat jemand eigentlich Möglichkeiten, z.B. Rumpfurmodelle nach STL-Daten auf einer Prototyping-Maschine zu bauen? Ich denke da an Stereolithografie oder noch besser LOM. Ich hab bei der Arbeit (Lingualtechnik) (http://www.lingualtechnik.de) selbst so einen "Schichtarbeiter", leider für ganz andere Dimensionen optimiert und auch vom Material üngünstig für Modellbau. Daten könnte ich in Rhino erzeugen u. ggf. noch in Magics nachbearbeiten und auch schon slicen. Hab noch kein akutes Projekt, aber schon öfters mit dieser Möglichkeit geliebäugelt.

Ralf

W. Holzwarth
19.11.2002, 18:37
Irgendwie hab' ich ja den Verdacht, das wird sauteuer.

;) Aber andererseits is' das alles nur relativ ..

Ralf Paehl
19.11.2002, 20:31
Klar ist das normalerweise sauteuer, aber wenn da ein Modellflug-Begeisterter Zugriff auf so eine Maschine hat, auf der evtl. mal eine Nacht kein Job läuft, sieht die Welt schon anders aus und genau darum geht´s hier. Ich habe mir auf "meiner" Maschine auch schon mal einen individuellen Motorträger in Wachs gebaut und hinterher in dentalem Stahlguss machen lassen. Normalerweise natürlich auch unsinnig, aber hat mich keinen Pfennig gekostet. Seit eineinhalb Jahren hab ich ein wenig Einblick in die Prototyping-Welt und so teuer, wie man glaubt, ist das gar nicht mehr. Gibt halt mittlerweile ne ganze Menge Dienstleister auf dem Gebiet. Aber Du hast schon recht, für unser Hobby normalerweise (!) zu teuer.

Ralf

W. Holzwarth
19.11.2002, 20:46
Na gut, rein ins Detail:
- Welchen Arbeitsraum haben die Maschinen?
- Wie hoch sind die Materialkosten pro Modellkubikzentimeter?
- Wer zahlt's?

Alwin
19.11.2002, 20:49
Hallo Ralf,
hab letztens eine HLW-Urmodell gefräst.
Es wurde in Rhino konstruiert, als *.stl exportiert, und dann mit ner Prototypingsoftware bearbeitet (Bahnkurven für den Fräser berechnen).
danach lief meine Fräse ca. 65 Stunden........
( 0,2mm Bahnvorschub- Spannweite des Leitwerks ca. 700mm)

http://www.cnc-modell.de/cnc/jpeg/3d/hlw_02.jpg
http://www.cnc-modell.de/cnc/jpeg/3d/hlw_03.jpg

Alwin

Ralf Paehl
20.11.2002, 19:16
@ Walter: Habe letztes Jahr ein Ingenieurbüro in Rüsselsheim besucht, da lief grad eine LOM-Maschine, Bauraum geschätzt 1500x1000x800mm. Was das Papier kostet, weiß ich leider nicht, muss mal dieses Jahr auf der Euromold fragen.

@ Alwin: Das ist natürlich auch eine Möglichkeit, auf STL-Flächen zu fräsen. Bin sowieso gerade dabei, mir Necumer301 (301 wegen der guten Bearbeitbarkeit von Hand) zu organisieren. Die Fa. ist bei uns um die Ecke und ab und zu sollen da auch Reststücke anfallen, die ein Modellbauer sich leisten kann.

Ralf

W. Holzwarth
20.11.2002, 21:08
Nabend, Ralf und alle Mitleser!

Hab' mich erst- und ganz minimal schlau gemacht, was LOM betrifft. Rasch ein Link:
http://www.fh-hof.de/seiten/profs/hreichel/rplabor100.html

In der Hand gehalten hab' ich so'n Modell noch nicht, aber so richtig trau' ich der Sache nicht. Das Basismaterial ist Papier, und zwar relativ dünnes.

Und wenn ich daraus wirklich 'n Rumpf-Urmodell für nur mal 'n 2m-Flieger machen will, hab' ich Bedenken wegen:

- Zeitbedarf zum Aufbau des Volumens
- Materialaufwand (ich halte das Verfahren eher geeignet für Tischmodelle im verkleinerten Maßstab)
- Kosten für's Material
- Oberflächengüte des Modells (Nachbehandlung muss wohl sein)
- Druckfestigkeit des Modells
- Verzugsfestigkeit ohne Versteifungsmaßnahmen
- Temperaturdehnung
- Empfindlichkeit gegen Feuchtigkeit

Na, mehr fällt mir nicht ein.

;) Aber ich muss zugeben, dass mir schon öfter mal der Kiefer runtergeklappt ist, was ein begnadeter Handwerker mit Hang zur Feinmechanik so zustande bringt ---

Gast_00010
20.11.2002, 21:23
Steht ja auch da :D

Sie eigenen sich als Anschauungsobjekte, Urmodelle für Gießverfahren (Vakuumguß und auch Sandguß in der Metallgießerei) und Montageversuche. Und mal ehrlich. Wie lange braucht man wohl bis so ein Ding am Rechner erstellt und wirklich produktionsreif ist?

Alwin
20.11.2002, 22:37
Hallo Meister Holzwarth,
hab mal nen Bericht im TV gesehen, da haben se ein ganzes Amaturenbrett so gemacht. Damit das Teil aber nicht zusammenfällt wurde ne Wabenstruktur "hinterlegt" die am schluss entfernt wurde.

Alwin

W. Holzwarth
20.11.2002, 22:55
Mag sein, Alwin.
Aber ich bleibe mal dabei: Je größer die Klamotten werden, umso uninteressanter wird das Verfahren.

;) Einen späten Gruß an alle Alleskönner, hier aus dem Land der Ahnungslosen ..

Hans Rupp
21.11.2002, 07:26
Hallo,

ich kann meinen Schwager mal befragen. Die machen für die Automobilindustrie aus dem Papierkram ganze Motorenblöcke, Stoßstangen, Armaturenbretter usw.

Als die das neu hatten waren wohl alle erstaunt, wie gut das am Ende aussieht und wie stabil das ist.

Hans

Steffen
21.11.2002, 12:28
Hi Ralf,

wir unterhalten uns noch mal in Ruhe darüber. In ein paar Wochen weiss ich mehr...

Ciao, Steffen

Ralf Paehl
21.11.2002, 20:52
@ Walter: Klar spielt die Größe eine große Rolle. Es muss ja nicht gleich ein Rumpf für einen 2x2m-Flieger sein. Ich mag z.B. die 480er Impeller und das sind eigentlich ganz schnuckelige Rümpfe. Meine Gedanken gehen da noch etwas weiter. Es soll ja auch recht masshaltige Plastikbausätze geben. Nun habe ich in meinem Büro einen GOM-Scanner stehen, der Objekte dieser Größe hochauflösend scannen und STL-Daten davon ausgeben kann. Das Skalieren und Nachbearbeiten der Daten (symmetrisieren etc.) wäre kein Problem.

@ Alwin: Quasi alle Prototypingverfahren brauchen sogenannte Supportstrukturen. Beim LOM wird die Supportstruktur "gehatcht", d.h. das Papier um das eigentliche Teil wird einfach bis auf ein paar dünne Stege in Quadrate geschnitten und kann hinterher weggebrochen werden. Bei Stereolithographie werden meist dünne Säulen gebaut, "meine" Maschine arbeitet mit einem zweiten löslichen Wachs (wichtig für uns, weil unsere Teile mit 0,4mm Wandstärke keine mechanische Nachbearbeitung überleben würden)
Es stimmt, LOM-Modelle sind nach dem Infiltrieren recht stabil. Sehen zudem auch noch aus, wie aus Holz. Schon toll....

@ Steffen: Hi. Wo Du Dich überall rumtreibst :) . Da bin ich gespannt auf Deine Neuigkeiten.

Ralf

W. Holzwarth
21.11.2002, 21:54
Nabend nochmal,

inzwischen hab' ich mich noch etwas eingelesen, über LOM. Obwohl alles nur Papier ist, scheint es doch relativ stabil zu sein, und soll am Ende ähnliche Eigenschaften wie Holz haben. Na gut, auch Sperrholz ist nur im Verbund etwas wert, und Papier wiederum wird aus Holz gemacht ..

Da es in Schichten (etwa 8 Stück pro mm) aufgebaut wird, eignet es sich - rein theoretisch - nur bedingt für flache Anstiege, wie z.B. Urmodelle von Flügeln und Leitwerken. Aber auch 0,15 mm sind noch keine Welten.

Die erreichbaren Genauigkeiten werden mit +/- 0.4 mm angegeben. Hier könnte man annehmen, dass der Fehler mit Anzahl der Schichten zunimmt. Es sei denn, es existiert irgendeine Messeinrichtung zum Vergleich von theoretischer und tatsächlicher Schichthöhe. Aber sowas merkt keiner im Modellbau, wenn's nur auf Optik ankommt.

Tja, und als Alleskönner in einer süddeutschen Auto-Schmiede würde ich mir wohl auch ab und zu mal so'n Handschuhfach o.ä. in LOM-Struktur gönnen.

;) Schließlich kannste ja auf 'ner Messe nich' gleich alles als Serienteil komplett haben .. :eek:

[ 21. November 2002, 21:56: Beitrag editiert von: W. Holzwarth ]