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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Querruder mit Tesaspaltabdeckung optimieren



Joachim Mink
05.11.2011, 19:28
Hallo Modellflugfreunde,

gerade bin ich dabei meinen guten alten umgebauten Bobby weiter zu optimieren. Ich hatte mal nachträglich Flaperons eingebaut. Die sind auf der Oberseite mit Folienscharnier angeschlagen und damit luftdicht. Leider ist die Querruderwirkung auch mit Turbulatoren noch nicht so direkt wie ich mir das wünschen würde. Daher habe ich heute mit Tesastreifen unterseits den offenen Spalt abgeklebt. Die freiliegende Klebeseite des Tesabandes habe ich mit Magnesia als Trennmittel eingerieben (hatte ich noch im Schrank). Alles hat auch gut geklappt. Doch leider liegt das Tesaband nicht sauber an der Klappe an, wie es soll, sondern steht nach unten über die gesamte Klappenlänge beinahe im 45-Grad-Winkel ab. :-( Siehe Fotos.

Was kann ich tun? - Fön?

Habt Ihr eine gute Idee?

Ich würde mich über die ultimative Lösung freuen. Danke vorab.

Gruß

Joachim

PS.: "Richtiges" Spaltabdeckband habe ich zwar auch noch im Schrank. Doch das ist mir für diesen Flieger und zum Testen einfach zu schade.



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Unterseite



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Blick auf die Unterseite des umgedrehten Flügels

Sniping-Jack
05.11.2011, 19:46
Einer der Gründe, warum ich die Kauflösung vorziehe. Die ist nämlich gebogen! ;)

Aber zu deinem Problem: Wenn das Ruder auf einer Seite dicht ist, ist es dicht. Da verbessert
auch dein Spaltband nichts. Das macht die Aerodynamik besser, wenn die Ruder im Strak sind,
aber mehr nicht.

Ich vermute mal, die Position deiner Turbulatoren ist nicht optimal. Hast du da mal Fotos?

Joachim Mink
05.11.2011, 20:16
Hallo Guido,

die Turbulatoren habe ich nach dem Thermikbuch für Modellflieger selbst einzeln :D aus Tesagewebeband zugeschnitten und wie vorgeschlagen angebracht.

Das ist schon mehr als 2 Jahre her. Wenn ich mich recht entsinne hat es ein bisschen gebracht. Aber wie gesagt, optimal ist die Querruderwirkung nicht. Das Profil ist Eppler 178. Die Flaperons sind außen ca 20% und innen etwa 25%. Die will ich ja auch als Wölbklappen nutzen und habe sie der Gutmütigkeit wegen nach außen hin schmäler gemacht.

Die Turbulatoren von der Unterseite könnte ich vielleicht noch ein Stück zurücksetzen.

An anderen Fliegern habe ich schon gute Erfahrungen nach gleichem Prinzip mit den Turbulatoren sammeln können.

Gruß

Joachim


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Little Iron
05.11.2011, 23:54
Hallo Joachim,

Ich verwende in solchen Fällen die Folie von den Laminiergeräten, das ist die Folie mit der Papier laminiert wird um es beständig gegen Fettflecken und Abnutzung zu machen. Diese Folie gibt es im gut sortierten Schreibwarenhandel für DIN-A4 und DIN-A3.

Ich schneide mir daraus die erforderlichen Streifen und bügle sie dann an der Fläche fest. Mit der "normalen" Hitze, wie auch Oracover Bespannfolie gebügelt wird, hält die Laminierfolie bombenfest. Übrigens schrumpft diese Folie nicht.

Da diese Folie relativ steif ist muß genügend Überstand belassen werden damit das Ruder wieder sicher in die Neutralstellung zurücklaufen kann.

Wenn die Länge nicht reicht stückele ich halt mehrere Streifen zusammen. Funktioniert recht gut.

Und das beste daran ist, daß ein Bogen aus 2 Folien besteht (Vorder- und Rücksteite) d.h. das ganze ist recht ergiebig.


Vielleicht hilft´s Dir weiter.

Viele Grüße
Hanns

Regloh
06.11.2011, 00:12
Hallo,
mach mal einen 5mm breiten Streifen Zackenband auf die Unterseite ca. 0,5-1cm vor deine Klappen. Du wirst dich wahrscheinlich wundern, wie wenig Ausschlag du nur noch brauchst. Deine Turbolatoren auf der Vorderkante verbessern nämlich in der Regel nur das Verhalten beim Abreißen.
Lies mal den Bericht über Turbolatoren... von Hartmut Siegmann in der Aufwind vor ca. 2 Jahren.
Gruss Holger

Joachim Mink
06.11.2011, 22:03
Danke an Hans und Holger für Euere Unterstützung. Auf diese Tipps werde ich vielleicht noch mal zurückgeifen.

Zunächst habe ich gestern abend mal nasse Papierstreifen auf das Tesaband gelegt und schön angedrückt. Die Flaperons waren dabei nach oben voll ausgeschlagen. Später nach dem Trocknen habe ich das Papier noch mal eingeweicht. Und heute morgen war der Tesastreifen zunächst leicht an der Klappe angeklebt. Nachdem ich ihn dann abgelöst hatte war er dann wenigsten gerade, also in Flucht mit der Flügelunterkannte und stand nicht mehr ab.

So hab ich den Bobby dann heute mit auf die Wiese (http://www.rc-network.de/forum/showthread.php/242224-Schöne-Hangflugbilder-2011/page10) genommen. Als die anderen drei mit ihren Hightecseglern gelandet waren, weil es nicht mehr trug, startete ich meinen 12 Jahre alten 1000g schweren Bobby mod. mit herzhaftem Schwung aus der Hand...

... und was dann passierte dürfen gerne die Kollegen berichten.

Leider kann ich die Wirkung des Tesabandes schlecht einschätzen. Rein optisch ist es halt schon eine Bastellösung...

Falls noch jemand einen anderen Vorschlag hat - gerne.


Gruß

Joachim

joda2012
08.11.2011, 11:40
... und was dann passierte dürfen gerne die Kollegen berichten.

Aber gerne doch!

Als wir so munter in der Thermik kreisten ist uns aus dem Augenwinkel aufgefallen, dass Joachim seinen modifizierten Bobby startklar machte. Selbstverständlich machten wir den Luftraum umgehend Schalentierfrei und landeten. Nun war es an Joachim mit beherztem Schwung seinen Bobby in die Luft zu befördern.

Während Joachim ruhig und suverän seine Kreise zog, ging uns staunenden Zuschauern nur durch die Köpfe: "Was können wir tun, um da in Zukunft noch mithalten zu können??!!!" - ist es die modifizierte Dichtlippe, sind es die aufwändig programmierten Flaparons oder ist es schlicht das Talent des Piloten - wir waren und sind heute noch sprachlos.

Wie lange der Flug nun wirklich dauerte, können wir leider nicht beurteilen. Um noch das letzte Stück Torte zu ergattern und die Zeit zur Medikamenteneinnahme nicht zu verpassen, sind wir aufgebrochen unsere Fliegerklause noch rechtzeitig zu erreichen.

Liebe Grüße im Namen der Schalentiere
Johannes;);)

Jens Ising
08.11.2011, 12:12
15mm Tesa auf einem Rundstab fixieren ( Klebeband nach aussen ), dann 19mm Tesa bündig aufreiben - fertig. Die 4mm Seite nutzest Du später zum ankleben, die 15mm Doppellage kannst Du nach Bedarf kürzen.
Klappt mit ein wenig Übung ganz gut, habe ich schon öfters so gemacht.

Jens

Joachim Mink
08.11.2011, 19:55
@Johannes: :D :D :D merci ;). Zum Glück hast Du ja inzwischen Deine Schreibfähigkeit wieder gefunden.

@Jens: Allerbesten Dank für den Supertipp! Der scheint mir bis jetzt der Beste zu sein.

Gruß

Joachim

segelflieger-clemens
09.11.2011, 16:22
Hallo Joachim,
die mangelnde Querruderreaktion kommt ganz sicher nicht von dem geringen Spalt auf der Unterseite des Flügels. Wenn Du da unbedingt was hinkleben willst, dann einen Tesa vor den Spalt, schon ist die Wirkung etwas besser. Doch das Problem liegt in dem Flaperon. Bei einem durchgehenden Klappenquerruder hat dies nun mal in der Wurzel mehr Tiefe und bei den Ausschlägen wirkt der innere Ausschlag genau konterproduktiv zur Querruderwirkung. Als Helmut Quabeck mit den Wölbklappenprofilen begann, hatte er sein F3b-Modell beim Oktoberfestwettbewerb dabei mit dem Namen Dohle. Das hatte so eine durchgehende Klappe. Dann gewann Helmut auch noch den Wettbewerb und wir bauten wie verrückt die neuen Modelle mit diesen Klappenprofilen. Der Grund, warum diese Quer-Wölbklappe so ausfiel, war, die Fernsteuerungen hatten noch keinerlei Mixer, Differenzeinstellungen mußten mit weit nach vorne verstellten Servorudern realisiert werden. Und genau das war der Trick, daß die Querruder gut ansprachen. Eine enorme Differenzierung war angesagt, heute würde man den Sender auf 70 % programmieren.
Auch Ralf Decker mit seiner Voll-Gfk-Maschine Namens "noname" hatte dieses Streifenruder. Erst Jahre später mit der MC 18 hat man das einzige Richtige getan und die Ruder voneinander getrennt. Die heutigen F3b Modell lassen beim Speed ca 30 bis 45 % der inneren Wölbklappen mitlaufen und diese auch noch stark differenziert. Der Grund: siehe oben. Also mein Vorschlag, starke Differenzierung, Ausschlag nach unten eher gering. Gesamtausschläge nicht zu groß und evtl. Combiswitsch mit 25 %. Ich denke, dann geht Dein Vogel gut und gibt die Leistung ab, die Du anscheinend eingebaut hast.

Sniping-Jack
09.11.2011, 17:30
Sry für den Delay, aber es wurde ja auch schon viel geholfen.

Nur nochmal zu dem unteren Turbulator: Setze den zurück bis vor das Ruder.
Auf der Unterseite bleibt die Strömung viel länger laminar als oben und das soll sie auch.
Der Turbulator dort vorne ist also kontraproduktiv. Aber direkt vor dem Ruder
sorgt er dafür, dass die Strömung nicht sofort am Ruder abreißt, sondern diesem
bis zu größeren Ausschlägen folgt als Ohne. Das Resultat, mein Vorredner sagte es
schon, ist eine sehr viel bessere Ruderwirkung. Im Bereich der Wölbklappe wäre
das optional, falsch wäre es jedenfalls nicht.
Die Differenzierung müsste dann eventuell, auch das wurde gesagt, angepasst werden.

Wegen den Tips zur Abdeckung: Am besten ist jener, der eine Wölbung in den
Tesa (oder was auch immer) einbringt. Damit liegt es immer schön an und folgt
dem Ruder sogar bis zu einem gewissen Grad.

Joachim Mink
09.11.2011, 23:57
Hallo Clemens,

vielen Dank für Deinen Beitrag. Ich stimme mit Dir überein, dass die Falperons für die Querruderwirkung nicht optimal sind. Allerdings schreibe ich das eher dem kurzen Hebelarm am Innenflügel bezogen auf die Längsachse zu, als der Differenzierung.



Im Originalzustand war der Bobby ein Zweiachser, der ab einer gewissen Schräglage die Tenedenz hatte ziemlich stark in die Kurve zu fallen. Beim Gegensteuern fing er dann aber zunächst furchtbar an zu schieben, bis er sich endlich mal wieder aufrichtete. Also spendierte ich ihm als erstes ein größeres Seitenruder sowie ein modifiziertes Höhenruder, beide ohne Ruderspalt und mit spitz zulaufender Endleiste. Noch nicht zufrieden bekam er anschließend auch noch Flügelohren verpasst. Die Spannweite wuchs dadurch von 156 auf über 180 cm und die Steuerfolgsamkeit als Zweiachser war um Welten besser geworden. :D Anscheinend war auch der Einfluß auf den Induzierten Widerstand ziemlich günstig, denn ich konnte nun häufig mit dem Hightec-Leichtgewicht-HLG "Highlight" eines Kollegen beim Kreisen mithalten, der übrigens auch Flaperons hat. Jedoch die Wendigkeit war immer noch nicht optimal. Immerhin schaffte ich es nun, enge Bärte aus Augenhöhe heraus auszukurbeln. Und eines Tages, mir lachte gerade das Herz im Leib ob der erreichten 250 Höhenmeter, zog ich beim Ausstieg aus der Thermik etwas zu stark und "krach", wurde aus dem einteiligen Flügel ein zweiteiliger.... :cry: Zum Glück war der Boden vom wochenlangen Regen aufgeweicht und so blieb mir der Flieger ohne weitere gravierende Schäden erhalten und ich baute den Flügel mit einigem Aufwand in die heutige Form um: 2teilig und mit Flaperons ausgerüstet, für die ich mich wegen des geringeren Bauaufwandes/Gewichtes mit nur 2 notwendigen Servos entschied. Trotzdem nahm das Gewicht von vorher 800 g auf 1000 g zu. :(


Mit Flaperons und den 200 g mehr flog der Bobby jetzt völlig anders. Er brauchte mehr Geschwindigkeit und in engen Kurven verlor er leider ziemlich viel Höhe und hatte auch zunächst die Tendenz wieder hineinzufallen. Gegensteuern mit Quer hatte leider nicht die gewünschte Wirkung. :confused: Des öfteren gab es kritische Situationen... Die Wölbklappenwirkung war schwach. Einzig die Bremswirkung der hochgestellten Flaperons war ausgezeichnet. Die relativ gute Steuerbarkeit über Seite blieb jedoch erhalten. Leider hatte ich mit Seite auf Links anfangs noch Probleme (Mode 2, Hauptruder auf Rechts). Ich war enttäuscht. Ich reduzierte den Klappenausschlag auf 14/7 mm, brachte Turbulatoren an und flog zunächst mit Querseitekopplung. Das war bis dahin die beste Einstellung, die ich lange Zeit beibehalten habe. Lediglich Quer/Seite fliege ich seit längerem meist getrennt.

Bei totaler Flaute am vorletzten Wochenende fing ich wieder an zu experimentieren. Jetzt fliege ich mit auf + 5-6 mm erhöhtem Wölbklappenausschlag und deutlich besserer Wirkung. In Thermikstellung habe ich jetzt nur noch Querruderausschlag nach unten zum Stützen. Am außenliegenden Flügel geht die Klappe maximal bis auf Nullstellung zurück. D. h., beim Stützen wird dem höheren Auftrieb am Außenflügel nur ein höherer Auftrieb am Innenflügel entgegengesetzt ohne den äußeren Auftrieb mit nach oben ausgeschlagener Klappe zu reduzieren. Lediglich der Wölbklappenausschlag wird dort maximal bis auf 0 reduziert. Die Querruderwirkung ist somit eingeschränkt und für den Fall des Thermikkreisens optimiert. Deutliche Richtungs-/Schräglageänderungen muß ich jetzt in Thermikstellung daher mit Seite vornehmen. Das kann der Flieger ja gut, nur der Pilot muß noch besser werden... ;) Für die Wölbklappenstellung neutral und schnell bleibt die Querruderwirkung unverändert erhalten. Die ersten Flüge damit verliefen gut, nur muß ich mich jetzt erst mal an die neuen verbesserten Eigenschaften meines Bobby mod. gewöhnen und weitere Erfahrungen sammeln...:)

Wenn es mir jetzt auch noch gelingt, die Querruderwirkung für neutral und schnell mit geeigneterem Spaltabdeckband und versetzten Turbulatoren zu optimieren, bin ich erstmal ziemlich zu frieden...

Gruß

Joachim

PS.: Anzumerken wäre noch, dass die Klappen außen unten nicht genau in der Flucht mit dem Profil sondern etwas schmäler sind. D. h. dort ist nach außen hin eine kleine Stufe :o, der ich so ein paar kleine aerodynamische Schweinereien schon zutraue, z. B. die schlechtere Klappenwirkung nach unten...


Edit: Danke auch an Guido. Das sehe ich ähnlich wie Du.

Christian_S
10.11.2011, 15:33
Wenn es mir jetzt auch noch gelingt, die Querruderwirkung für neutral und schnell mit geeigneterem Spaltabdeckband und versetzten Turbulatoren zu optimieren, bin ich erstmal ziemlich zu frieden...

Hi Joachim,
die Wirkung von solchen Modifikationen am Flügel erfährt man am besten, wenn man anfangs nur eine Flügelseite modifiziert! Dann ab auf die Wiese und fliegen... Beim Kreisen in beide Richtungen zeigen sich dann (hoffentlich) die Unterschiede.

Gruß Christian