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Ralf Paehl
20.01.2013, 11:02
Hallo,

kurz vor Weihnachten habe ich mir einen kleinen 3D Drucker zugelegt. Die Geräte sind heute durchaus bezahlbar. Sie sind in der Regel billiger als die im Modellbau üblichen CNC-Fräsen. Das liegt daran, dass die Mechanik aufgrund der im Vergleich zu Schnittkräften einer Fräse sehr geringen Belastungen weniger solide aufgebaut sein darf.
Meine Erfahrungen nach den ersten vier Wochen: Ich bin ziemlich begeistert. Ich hätte nicht gedacht, dass man mit solch überschaubarer Investition (ca. 1800 Euro) wirklich brauchbare Ergebnisse erzielen kann. Bislang baue ich ausschließlich in ABS. Die Teile sind sehr robust, so dass ich keine Skrupel hätte, z.B. Radfelgen zu bauen und mit denen auch zu fliegen. Auch Scharniere habe ich schon gebaut, die in Kürze in einen Flieger eingebaut werden. Ein großer Vorteil ist der geringe Preis des Material von unter 25 Euro pro Kilo. Materialpreise sind bei generativen Verfahren ein echtes Thema. Kauft man das gleiche Material für eine "Profimaschine" liegt der Preis nach dem, was ich auf der letzten Euromold herausfinden konnte bei etwa 1000%.
Seit ich mich mit der Thematik dieser kleinen Drucker befasse, bekomme ich allerdings auch mit, dass sie bei anderen Anwendern teilweise Frust auslösen. Schon der Terminus 3D-Druck impliziert wohl, dass man einfach drucken kann, wie mit einem 2D-Drucker. Meine Meinung ist, dass das heute noch nicht der Fall ist. Die Prozesskette von der Idee zum fertigen Druck will erstmal beherrscht sein. Mir kommen da meine beruflichen Erfahrungen mit generativen Verfahren zugute, die ich über die letzten 12 Jahre sammeln konnte. Allerdings ist eine unglaubliche Dynamik in diesem "Heimprinter"-Markt, die dazu führen wird, dass die Technik sehr schnell einfacher und beherrschbarer wird. Dann erwarte ich, dass diese Technologie gerade unter Modellbauern eine kleine Revolution auslösen wird. Ich hänge Euch mal Bilder aus den ersten vier Wochen 3D-Druck an.

Gruß, Ralf

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maxvolker
20.01.2013, 11:21
Hallo Ralf,

die Teile sehen ja echt gut aus! Was ist denn das für ein Drucker?
Ist der zum selber konfigurieren oder gibt es den schon als "plug n play"?

LG maxvolker

Ralf Paehl
20.01.2013, 11:35
Hallo maxvolker,

der Drucker ist Plug and Play, aber derzeit noch zum selber konfigurieren ;). Will heißen: Der Drucker kommt fertig montiert und dann liegt es in der eigenen Verantwortung, dafür die optimale Build Konfiguration zu ermitteln in Software wie Slic3r, Kisslicer etc. Ich habe allerdings gehört, dass es sehr bald eine Netfabb-Engine dafür geben wird, die Vieles sehr viel einfacher machen wird. Der Drucker ist ein Creatr der holländischen Fa. Leapfrog (lpfrg.com). Dort arbeitet ein sehr junges, freundliches, und sehr engagiertes Team, wie ich erfahren konnte, als ich meinen Drucker dort selbst abgeholt habe. Der Creatr wird ständig verbessert. Meiner hat noch einen z-Antrieb bestehend aus einfachen M8 Gewindespindeln, die neuen Drucker werden demnächst mit Kugelumlaufspindeln geliefert. Diese werden wahrscheinlich speziell die Oberflächenqualität nochmal deutlich verbessern.

Gruß, Ralf

Jürgen N.
20.01.2013, 11:45
Was für "Material-Eigenschaften" sind denn zu erwarten?
Mechanische Festigkeit?
Temperatur Eigenschaften?
Sind das "Thermoplaste"?
Mit Dank und Gruss
Jürgen

Ralf Paehl
20.01.2013, 11:52
Jürgen,

ja ABS ist ein Thermoplast. Sprich, die Festigkeiten nehmen mit Temperaturanstieg ab, das Material wird weicher. Bei Kälte wird es spröde, so kenne ich es jedenfalls von alten ABS-Rümpfen. Die Festigkeiten kannst Du mit Sicherheit googeln. Aufgrund des schichtweisen Aufbaus können die Festigkeiten in z-Richtung geringer sein, aber das hängt viel von Deinem Geschick bei der Erstellung der Konfiguration und den Bedingungen im Bauraum ab. Die oben abgebildete Felge mit 2mm Wandstärke kriege ich nicht kaputtgebrochen.

Gruß, Ralf

Optimist
20.01.2013, 17:06
Die Qualität habe ich jetzt im Billichsegment noch nicht gesehen! Echt klasse - LOB ) ohne beheitzten Bauraum usw ist das doch echt eine "Grad"-wanderung - oder? ...Allerdings sehen die beiden ( Bein und Kopf aus dem ersten Bild eher wie recht grobe SLS Teile aus .. und die Maschinchen gibts leider noch nicht unter 4 Stellen !)

Ralf Paehl
20.01.2013, 17:52
Hi Optimist,

Danke. Du hast Recht, ich war im Dez. noch auf der Euromold und alles was da an Teilen von den Billigdruckern rumlag, hat mich nicht überzeugt. Ich habe schon ein paar Dinge getan, um die Qualität zu verbessern. Mein Bauraum ist mittlerweile geschlossen, Temperatur ist für große Teile extrem wichtig. Als Heizung nutze ich einfach die Wärme des beheizten Tisches. Zudem habe ich mir Führungen für die z-Achse gedruckt, zuvor haben allein die Gewindespindeln für die Führung in z gesorgt. Als nächstes kommt eine bessere Verkabelung (zu den Druckköpfen) rein, auch diese Halterungen sind schon gedruckt. An genau diesen Themen arbeiten die Leapfrog Jungs übrigens auch gerade, so dass die nächsten Maschinchen mit Sicherheit noch deutlich besser werden. Das Gute am Creatr ist, dass er mit einem recht soliden Gehäuse kommt, so hat man auf jeden Fall eine sehr gute Basis. Die Gewindestangen-Basteleien von Fabber und Co können da m.E. nicht mithalten.

Gruß, Ralf

Edit: Bein und Kopf aus dem ersten Bild sind auch vom Creatr, allerdings in 0,3mm Layer gebaut. Zudem habe ich in Slic3r noch keine Möglichkeit gefunden, nahezu waagerechte Flächen dicht zu kriegen. Seitdem arbeite ich nur noch mit Kisslicer.

Ralf Paehl
02.03.2013, 10:24
So, ich habe ein wenig dazugelernt und Einiges optimiert, vor allem an Düse und z-Achse, die jetzt auf Kugelumlaufspindeln läuft. Die Teilequalität ist jetzt sehr nah an professionellen Maschinen. Hier mal eine Pilotenpuppe, die ich für einen Freund gemacht habe. Sie ist wirklich scale, also seinem Gesicht nachgebildet. Da gibt es für mich noch eine Menge zu lernen beim Lackieren. Kopf, Hände und Füsse sind auf dem Creatr entstanden.

Gruß, Ralf

957747

Messerschmitt
02.03.2013, 11:37
Hallo Ralf,

wir haben uns bei Hacker mal kennengelernt, ich bin der Kollege von Kai.
Also, ich muss schon sagen .... KLASSE ARBEIT!!!! Endlich mal realistische Pilotenpuppen!
Mach weiter so. Du nimmst doch sicherlich auch mal Aufträge entgegen, oder? ;-)
Kannst Du da auch kleine Männeken in 1:5, oder 1:6 anfertigen?
Vielleicht kommen wir beide dann mal ins Geschäft?

Viele Grüße,
Christian Hoffmann

cord
02.03.2013, 12:23
Hallo,
wirklich super! Die Pilotenpuppen waren auch mein eigentlicher Grund in die 3D-Druckerei einzusteigen. Soweit bin ich ich aber noch lange nicht.
Wie hast du denn den 3D-Scan angefertigt? Ich hatte mal überlegt einen Kinect und ReconstructME zu testen, bin aber noch nicht dazu gekommen. 123d catch wäre auch einen Versuch wert.

Gruss
Cord

Ralf Paehl
02.03.2013, 12:59
Hallo Christian,

das ist ja toll, Dich hier zu treffen. Was macht Deine Buccaneer? Zu den Pilotenpuppen: Ich bin noch am üben, das war der erste Versuch, wie gesagt, beim Lackieren habe ich noch reichlich Luft nach oben, aber das wird noch. Schön ist, dass mein Printer jetzt viel sauberer läuft, die Puppe ist noch aus der Ära davor.
Cord, wenn Du mal im Magazin schaust, siehst Du, wie lange ich mich mit dem Thema schon befasse. Mit Prototyping beschäftige ich mich beruflich bedingt seit mehr als 11 Jahren. Es ist aber nur ein Baustein bei der Anfertigung individueller Puppen. Ich ziehe meinen Hut vor Axel Pfannmüller, der die Köpfe zwar nicht individuell formt, aber ein sehr hohes Niveau erreicht hat. Das Generieren der Daten ist bislang auch noch mein Problem. Ich habe nach langer Suche einen Weg gefunden, der aber leider auch nicht ganz billig ist. Näher möchte ich mich dazu hier nicht äußern, ich hoffe Du verstehst das.

Ralf

Messerschmitt
02.03.2013, 14:43
Hallo Ralf,

ja, das Bemalen ist sicher die Arbeit, die der Puppe erst das wirklich realistische Aussehen verleiht.
Aber zuerst mal ist eine formgerechte Grundlage notwendig ... und das hast Du perfekt umgesetzt. :)
Ist das Marterial eigentlich sehr schwer?

Ja, die "Buccaneer" ..... schau mal hier: http://www.rc-network.de/forum/showthread.php/375299-Eigenbau-Blackburn-quot-Buccaneer-quot-S.2
Der Erstflug rückt in greifbare Nähe! :) Zuerst mal muss es aber draußen richtig abtrocknen. Bin schon sehr gespannt........

Gruß,
Christian

Ralf Paehl
02.03.2013, 17:02
Christian, das Baumaterial ist ABS, die Wandstärke des Kopfes so ca. 1,5mm. Die Schuhe fehlen noch und die vorgestellte Puppe ist im Maßstab 1:2,5 etwa 150g leichter als ein Axel. Ich denke mit Schuhen werde ich in ähnliche Bereiche kommen. Heute duften meine beiden Prototypen das erste Mal fliegen, eine in meiner Jaskolka, die andere in einer SZD 59.

Gruß, Ralf

957977957978

oldtimersegler
02.03.2013, 17:18
Hallo Ralf,

sehr schön:):)
der sieht ja aus wie der Rainer;)
Grüß ihn mal von mir!

Gruß Olli

Messerschmitt
02.03.2013, 17:25
Hey Ralf,

das ist perfekt......wow, sieht absolut toll aus! Da kann sich der Axel warm anziehen. :):):):):):)
Find ich super, dass die Kunstoffteile so dünnwandig und somit sehr leicht sind. -so muss das sein -
Bist zu beneiden, dass Du heute schon Fliegen konntest. Bei uns liegt noch zuviel Schnee und der Boden ist durch das Tauwetter komplett aufgeweicht.
Aber das wird .....

Gruß,
Christian

Ralf Paehl
02.03.2013, 17:59
Oli, das IST der Rainer, gut gesehen ;-) Funktioniert also schon mal mit der Wiedererkennung.

Christian, ja, hier war´s heutre echt toll, obwohl es auch nur 4°C waren. Fühlte sich in der Sonne aber besser an. Obwohl ich verwöhnt bin. Ich bin vor zwei Woche aus Portugal wiedergekommen, da war´s schon richtig nett:

http://www.youtube.com/watch?v=j3WjEGkKLwk

Die Sackhüpferei ist auch der Grund, warum meine Jaskolka heute nach drei Jahren das erste Mal wieder in die Luft kam. Eigentlich war ich hauptsächlich der Fotos wegen rausgefahren.

Liebe Grüße, Ralf

Optimist
02.03.2013, 20:06
Geil! und vor allem künsterlisch begabt!!

Ist das jetzt skulpting oder gescannt?

Messerschmitt
02.03.2013, 20:12
Hammerfilm in toller Kulisse! ......
Was Du alles so machst. :)

Ich hoffe, wir treffen uns bald mal wieder.

Viele Grüße,
Christian

Walther Matthias
02.03.2013, 22:21
Moin,Moin

Ralf seit du mir dein Maschinchen vorgeführt hast bin ich schon wieder am Teile Sammeln, Spindel und Motoren sind schon mal da.
Ach ja Portugal schönes Land bin vor 3 Jahren mit der GS durchgebrummt.


Gruß
Walther

Ralf Paehl
03.03.2013, 10:22
Hallo Walther,

wir müssen uns unbedingt treffen. Ist einiges passiert in der Zwischenzeit. Vor allem die z-Achse (Kugelumlaufspindeln) und die Düsen habe ich optimiert und so einige Probleme aus der Welt schaffen können. Bin natürlich auch sehr auf Dein eigenes Projekt gespannt.

Gruß, Ralf

Ralf Paehl
25.05.2013, 17:16
So, den Drucker habe ich weiter optimiert. Ich war im April noch in Holland, um beim Hersteller einen Schulungstag mit zu gestalten und konnte sehen, dass viele meiner Optimierungen mittlerweile Serie sind. Vor allem hat mich die weiterentwickelte Elektronik begeistert, mit der die Motoren nun viel weicher laufen. Auch die Düsen wurden an der Spitze nochmal optimiert, so dass das Druckbild insgesamt besser wird. Mittlerweile fliegen auch schon ein paar Piloten aus dem Drucker.

Gruß, Ralf

campa
19.06.2013, 22:06
Hallo Ralf,

Super Sache, die Du hier machst. Ich schlag mich mit ähnlichen Sachen rum und bin via Hinweis eines Kollegen auf Deinen Thread gestossen.
Habe mir letzten November einen Ultimaker geleistet und bin seither am rumprobieren. Heated Bed habe ich bereits nachgerüstet und bin am Sammeln von Erfahrungen mit ABS.
Technische Teile bis Durchmesser 200mm und ca 70mm Höhe gehen mittlerweile problemlos auch ohne Warping.
Erste Piloten-Köpfe habe ich noch mit PLA gedruckt und habe dabei bereits ein relativ akzeptables Resultat in Bezug auf Stabilität und Gewicht erzeugt.
Meine Herangehensweise beim Erstellen der 3D Modelle war das 3D Scannen. Habe dazu das MS-Kinect in Zusammenhang mit Reconstructme ausgetestet.
Leider lässt die Auflösung auch auf der Stufe hoch einiges zu wünschen übrig.
Die Details wie Ohren, Augenbrauen, Lippen etc. werden während des Scannens immer mehr verwaschen bis nahezu alles ausgeglättet ist.
Die Scannerei hat mich nun etwas eingebremst und eine denkerische Verschnaufpause eingeleitet.
Wie erstellst Du denn Deine 3D-Modelle? Hast Du Dich auch schon mit dem Scannen auseinandergesetzt?

Gruss Campa

Ralf Paehl
24.06.2013, 22:04
Hallo Campa, ich schau nicht so häufig rein, daher die späte Antwort. Ich bin mit Scannen auch (noch) nicht glücklich geworden, daher nutze ich Sculpting. Das mache ich allerdings nicht selbst, sondern gebe ich an einen Experten. Die Dateien sind dann sehr detailliert und wasserdicht, also quasi sofort auf dem Drucker zu verarbeiten. Hat den weiteren Vorteil, dass die Kunden nicht zu mir müssen, sondern Bilder schicken können.

Gruß, Ralf

M.Stephan
14.01.2015, 12:07
Hallo Ralf,

ich habe mir den Nachfolger deines 3D-Druckers, den Leapfrog Creatr HS bestellt.
Das Gerät druckt schneller und kann auch ohne Verbindung zum Computer per USB-Stick arbeiten. Bei den Kaufentscheidung waren deine Erfahrungen mit dem Gerät sehr hilfreich. Die Qualität der gezeigten Pilotenköpfe ist schon beeindruckend.

Was mich noch interessieren würde, ist die Frage, mit welchem Scanner und welcher Software die 3D-Modelle der betreffenden Personen erstellt wurden.

Wäre schon etwas besonderes, mit Pilotenpuppen nach echten Vorbilder zu fliegen. Da würde ich mich eventuell später auch einmal daran versuchen.

Eventuell gibt es ja auch Firmen, die diesen Scan als Dienstleistung anbieten, da die Anschaffung von Hard- und Software nur für diesen Zweck zu teuer wäre (aber es finden sich ja bestimmt noch andere Anwendungsgebiete...).

Gruß
Martin

Ralf Paehl
14.01.2015, 20:24
Hallo Martin,

ich bin noch kein Werbekunde hier und werde darum keinen Link auf unsere Webseite hier posten, die Dir alle Deine Fragen beantwortet. Ich schicke Dir eine PN.

Gruß, Ralf

Volker Cseke
14.01.2015, 21:14
Hallo,

bevor hier die große Raterunde passiert, dies ist der Link zum Ralf

http://www.rd-manufaktur.de

Wenn schon so nett geschrieben wird und Erklärungen gegeben werden, darf man auch dezent Werbung machen.;)


Viele Grüße

Volker

:rcn:

Smith-mini-plane
14.01.2015, 21:34
Hallo Ralf,
bist du meine Rettung ???
Schau hier mal post 101 weis echt nicht wie ich da weitermachen kann !!!
http://www.rc-network.de/forum/showthread.php/370057-Baubericht-Tiger-Moth-von-Benja/page7

SOS ich weis wirklich nicht weiter !!!

Gruß Thomas

Pirelli
14.01.2015, 21:46
Hallo Ralf,

ich baue gerade an einer SG 38 in 1:4. Leider ist das Püpchen, damals eine geblasene Form und
absolut leicht, nicht mehr zu erwerben. Daher meine Frage: Kannst du auch in 1/4 Plotten ?

Ich selber habe leider nicht das künstlerische geschick Kopf, Hände und Füsse selber zu formen.
Den Rumpf und die Klamotten würde ich selber machen wollen.


Könnte da was bei euch gehen ?

Grüße

Uli

Ralf Paehl
15.01.2015, 10:52
Volker, vielen Dank für Deine Großzügigkeit.
Thomas und Uli, Euch antworte ich per PN, damit der Thread nicht aus dem Ruder läuft.

Gruß, Ralf

quirli
15.01.2015, 12:12
Hallo Ralf,

ich habe die gleiche Frage, wie Martin:

Was mich noch interessieren würde, ist die Frage, mit welchem Scanner und welcher Software die 3D-Modelle der betreffenden Personen erstellt wurden.


Da ich glaube, dass dieses Thema (weniger im Bezug auf Figuren, als allgemein) die überwiegende Mehrheit der "3D-Drucker" interessiert, wär es toll wenn du hier ein paar Erläuterungen machen könntest.
Mich würde dabei besonders die eingesetzte Software interessieren - sofern es sich nicht um Betriebsgeheimnisse handelt.

Grüße
Klaus

Ralf Paehl
15.01.2015, 14:03
Hallo Klaus,

Weiter oben im Thread steht schon ein wenig zum Thema Scannen. Wir setzen derzeit ganz auf Sculpting. D.h. wir gestalten die Köpfe basierend auf Fotos. Wir haben uns einen Musterkopf gemacht, den wir dann an die Fotovorlage anpassen. Ein großer Vorteil ist, dass die Kunden einach nur Fotos mailen und nicht zu uns kommen müssen. Wenn Du Dich fragst, ob das nicht sehr aufwändig ist, lautet die kurze Antwort darauf: Ja, sehr aufwändig. Aber das akzeptieren wir für den Moment. Die heute verfügbaren Scan Lösungen sind aber allesamt auch nicht optimal. Am ehesten würde mich ein Artec Scanner reizen. Preislich noch vertretbar für den gedachten Zweck und liefert recht gute Ergebnisse. Aber selbst die müssen in aller Regel noch nachbearbeitet werden. Die wirklichen Low cost Lösungen unter 2000 Euro würden uns zur Zeit mehr ausbremsen als weiterbringen. Wir beobachten das aber sehr genau und rechnen damit, dass genau wie bei den Druckern auch bei den Scannern bald sehr brauchbare Konzepte verfügbar werden.

Gruß, Ralf

Ralf Paehl
15.01.2015, 15:27
Noch eine Ergänzung: Alles Gesagte bezog sich auf das Scannen von Köpfen. Bei Desktop Scannern sieht die Sache etwas besser aus. Ein technisch versierter Modellbauer sollte z.B. aus einem David Scanner oder einem Next Engine brauchbare Daten bekommen. Ich frage mich aber immer wofür. Wenn ich ein technisches Bauteil benötige, bin ich mit 3D CAD schneller, präziser und habe Daten, mit denen ich etwas anfangen kann. Beworben werden die Scanner ja oft mit 3D-Drucken von Bärchen, Gummienten etc. Geht es um das Erfassen komplexer Geometrien wie z.B. Gebisse, Köpfe etc. ist ein Scanner (so er dann verwertbare Daten liefert) natürlich sehr sinnvoll.

Gruß, Ralf

quirli
16.01.2015, 06:35
Hallo Ralf,

Danke für deine Erläuterungen und meine Hochachtung, was ihr mit Sculpting möglich macht! Ich glaube das kann man erst richtig bewundern, wenn man sich da mal selbst versucht hat.

Zu deiner Frage, "wofür Scandaten": In erster Linie für den Scale-Modellbau. Da gibt es durchaus sehr gemeine Teile, für die die Erstellung einer 3D-Zeichnung äußerst mühsam ist. Ein ganz aktuelles Thema ist für mich z. B. gerade ein Flächen-Rumpf-Übergang. Obwohl Originalzeichnungen vorliegen, gestaltet sich die Erstellung eines 3D-Modells als äußerst schwierig...

Grüße
Klaus

Ralf Paehl
16.01.2015, 09:03
Hallo Klaus

vielen Dank!
Das mit dem Flächen-Rumpf Übergang kenne ich. Nur, wo stehst Du, wenn Du einen Scan hast? Den musst Du ja dann auch noch in Deine CAD Software übernehmen und an Deinen Rumpf "bauen". Bestenfalls kann er Punkte liefern, mit denen Du dann einen Übergang erzeugen kannst. Ich habe früher auch immer gedacht, so einen Übergang bekäme die Software mit Befehlen wie "Flächen überblenden" eigenständig hin. Das war aber ein Irrglaube. Über Schnitte, die ich mir erzeugt habe, war aber auch der komplexe Flächen-Rumpf Übergang meiner Jaskolka letzlich machbar. Das ist einfach ein wenig Arbeit, aber das ist es mit Scan auch.

Gruß, Ralf

quirli
16.01.2015, 11:08
Hallo Ralf,

da ist schon was Wahres dran. :)

Ich hätte Software, mit der man (Nurbs-)Flächen über Punktewolken legen kann, so dass ich glaube, dass ich mit einem (guten) Scan durchaus voran käme. Aber letztlich hast du natürlich Recht, dass das nicht die sauberste Lösung ist. Zumal es sicher an den Anschlussbereichen wieder Anpassarbeiten bräuchte.

Warum ich meine obige Frage gestellt hatte, war eigentlich, weil ich die "low cost" Scanner schon einige Jahre verfolge (DAVID seit ~2007, damals auch ausprobiert; UofK; reconstructme; ...) und mir nicht vorstellen konnte, dass ihr damit so eine augezeichnete Qualität hinbekommt. Die Qualtität ist zwar kontinuierlich besser geworden, für "gute" Scans sind aber immer noch die konventionellen (teuren) Vermessungsinstrumente das Maß der Dinge.

Grüße
Klaus.

LutzB
16.01.2015, 15:45
Hallo Zusammen!

Ich nutze zum scannen von Köpfen das Programm Scanekt. Es arbeitet mit der Microsoft Xbox Kinekt Kamera zusammen und liefert für mich sehr gute Ergebnisse.
Der Scanvorgang an sich dauert ca 10 min und das anschließende Nachbearbeiten nochmal ca 5 min. Danach habe ich eine fertige stl. Datei die ich mit dem 3D-Drucker verarbeiten kann.

Das Programm Scanekt gibt es mit kleinen Einschränkungen als Freeware und eine Kinect-Kamera gibt es gebraucht auch schon um die 50€.

Hier mal meine Ergebnisse:

1286548

Wenn man diese dann noch mit heißem Aceton bedampft wird die Oberfläche komplett glatt und Glänzend.

Gruß

Lutz

M. Roy
16.01.2015, 16:57
Hi Lutz,

würdest du vielleicht verraten wie du das mit dem warmen Acdton machst?

Grüße
Markus

plastikmann
16.01.2015, 17:18
Hallo Lutz,

mal eine technologische Frage zu deinem Drucker - welche Auflösung bzw. welche minimale Wandstärke könntest du denn mit deinen Drucker herstellen, und setzt du auch ABS als Filament ein ?

Ich hätte da was von dem ich mir nicht sicher bin ob FDM hier helfen kann....

LutzB
17.01.2015, 09:38
Hi Lutz,

würdest du vielleicht verraten wie du das mit dem warmen Acdton machst?

Grüße
Markus

Hallo Markus,

Zum Acetonieren nehme ich einen alten Kochtopf und stelle den Kopf auf eine Platte, welche etwa 10mm höher liegt als der Boden des Topfes.
Dann fülle ich etwas Aceton in den Kochtopf so dass das Aceton das Druckteil nicht erreicht.
Dann wird der Kochtopf auf eine Herdplatte gestellt und das Aceton wird erhitzt.
Die daraus resultierenden Dämpfe glätten das Druckteil.
Das Druckteil wird solange bedampft, bis die Oberfläche die gewünschte Oberflächengüte hat.
Danach wird doie plattform samt Druckteil aus dem Topf genommen und dünstet dann an der frischen Luft ca. 3 Stunden aus bis die Oberfläche wieder fest ist.

Den Ganzen Vorgang sollte man natürlich an der frischen Luft durchführen und penibel darrauf achten die Dämpfe nicht einzuahtmen!


Hallo Lutz,

mal eine technologische Frage zu deinem Drucker - welche Auflösung bzw. welche minimale Wandstärke könntest du denn mit deinen Drucker herstellen, und setzt du auch ABS als Filament ein ?

Ich hätte da was von dem ich mir nicht sicher bin ob FDM hier helfen kann....

Hallo Dominik,

die minimale Wandstärke eines Druckteiles beträgt ca 0,5mm und ich Drucke in einer Schichthöhe von 0,2mm.


Gruß Lutz