PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Warum sollten Zellen nach hoher Stromentnahme einen Tag ruhen ?



Gast_102
06.06.2002, 06:42
Hallo zusammen,

Ich höre immer wieder das man Akkus nach dem Entnehmen grosser Strüöme am besten einen Tag in Ruhe lassen soll, b.z.w. erst wieder am darauffolgendem Tag benutzen sollte. Stimmt das ? und was ist der Hintergrund für diese Empfehlung ?

Gast_00010
06.06.2002, 08:28
Erwiesener Maßen leben die Akkus dann länger.

Technisch kann ich das nicht begründen. (Aber was würdest du nach einem Marathonlauf tun)?

tefstst
06.06.2002, 09:35
Hallo

Das gilt aber eher für NiMh-Akkus, da diese Zellen ziemlich empfindlich sind. Die NiCd-Zellen kann man schon mehrmals am Tag laden und mit grossen Strömen belasten.

MfG Steve

Gast_00010
06.06.2002, 12:27
Wir reden hier von Strömen ab 80 A, Steve.
Wie oft fliegst du die am Tag und wie lange hast du die Packs schon?

plinse
06.06.2002, 14:16
Moin,

bei Belastung mit sehr hohen Strömen steigt der Innendruck der Zellen ziemlich stark an. Dieser muß sich erst mal wieder abbauen, bei zu häufiger Verwendung kurz nach einander geht man das Risiko ein, daß die Zellen abgasen und dann haben sie ihre Sonnenzeit hinter sich.

Der Druckabbau ist genau auch wie der Aufbau an sich erst mal ein chemischer Prozeß und der braucht Zeit!! Er ist nicht mit dem abkühlen der Zellen zu verwechseln, das geht erheblich schneller von statten. Es ist somit auch ein Trugschluß, daß man durch gezieltes Kühlen der Zellen diese schneller wieder laden kann.

Real ist es sogar so, daß beim Laden der Zellen diese durch den dabei ablaufenden chemischen Prozeß an sich erst mal abgekühlt werden, da dieser Prozeß an sich endotherm ist. Warm werden sie erst dann wieder, wenn sie eigentlich voll sind und die elektrische Energie nicht mehr in chemische wandeln können. Wenn es also nur nach der Temperatur ginge...

Harri
06.06.2002, 14:33
Morjen.

Plinse, woher weisst Du, dass das so ist, wie Du sagst?

Wie steht es mit dem Modell von kochendem Wasser?
Im Inneren eines Schnellkochtopfes (SKT) entsteht bei dessen Erwärmung durch die Wasserverdampfung ein Überdruck gegenüber der Umgebung. Kühlt sich der SKT jedoch wieder unter 100°C ab, dann ist dieser Überdruck auch wieder weg.
Hier wird der Überdruck also als direkte Folge der Abkühlung abgebaut.

Ist das beim Akku nicht ähnlich?
Bzw. wieso soll sich der Druck beim Akku langsamer als die Temperatur abbauen? Welcher chemische Vorgang soll das sein?

Walker
06.06.2002, 16:52
Original erstellt von Harri:
wieso soll sich der Druck beim Akku langsamer als die Temperatur abbauen? Welcher chemische Vorgang soll das sein?Hi,

der chemische Vorgang hat nichts mit Sieden oder Kochen zu tun, sondern mit Gasbildung, welches sich nicht mehr mit dem Elektrolyt verbindet und normalerweise durch ein Überdruckventil abgeblasen wird. (Kannst du auch beim Auto-Bleiakku beobachten)

Tschau
Walker

plinse
07.06.2002, 12:02
Moin Harri,

such mal bei google oder so nach akku, chemie, endotherm, Ladevorgang... , da wirst du sehen, daß dem so ist. Guck mal bevorzugt nach Uni-Seiten. Die behandeln die Chemie schön ausführlich, wenn du das haben willst.

Wie Walker es schon sagt, die genauen Prozesse müßte ich jetzt auch nachgucken, die Chemie an sich war für mich nicht so spannend, will schließlich keine Akkus selbst bauen, habe mir nur die Essentials gemerkt.

Kurzfassung: Die Gase entstehen als Abfallprodukte bei chemischen Reaktionen, nicht weil der Siedepunkt überschritten wird. Somit ist es nicht damit getan, daß der Akku nur wieder kalt ist.

Ulrich Horn
08.06.2002, 03:25
Moin,

@plinse: Eike, wenn Du bei der Frage nach dem 'warum' nur einen Hinweis auf google gibst, ist das wenig hilfreich. Letztlich zeigt das nur, dass Du es mal irgendwo gelesen hast, aber heute nicht mehr so genau weisst, was denn nun die Begründung war. Ich habe mal die Suchbegriffe in unterschiedlicher Kombination eingegeben, komme aber nur auf die Seiten, die ich schon kenne. Es wäre schön, wenn Du Dir doch mal die Mühe machst und die URL heraussuchst :)
---
Die bisherigen Begründungen laufen darauf hinaus: In einem hochbelasteten Akku baut sich ein Überdruck auf, der bleibt, auch wenn er kalt wird. Der Abbau des Überdrucks ist ein länger andauernder chemischer Prozess.

Ich will das gar nicht ausschließen. Merkwürdig erscheint mir nur, dass der Überdruck gering genug ist, dass der Akku nicht schon bei der ersten Belastung abgast, eine zweite Verwendung am selben Tag dann aber doch zum Abgasen und damit zur Verringerung der Lebensdauer führt.
Dass dieser kleine Rahmen quer durch die Typen und Bauarten gleich sein soll, kann ich mir nicht recht vorstellen.

Ich habe zumindest den Verdacht ;) dass es sich bei der 'einen Tag liegenlassen'- Regel um eine sinnvolle Faustformel ähnlich der 'nicht leerfliegen'- Regel handelt. Letztere kann man in genauer Kenntnis der (im Moment gültigen) Eigenschaften des Akkus umgehen, und gleichzeitig für den 'Normaluser' begründen.

Grüße, Ulrich Horn

plinse
08.06.2002, 12:24
Moin Ulrich,

da ich nun mal nicht Chemie studiere, hat mich das ganze als Anwender nur so weit interessiert, wie es für mich relevant war.

Das mit der Pause von einem Tag hat den einfachen Hintergrund, daß es mit unserem Tagesablauf praktikabel ist, es wird ja auch keine genaue Stromgrence (z. B. 60C) angegeben, ab der man so verfahren sollte, das hängt von den Zellen ab, wie empfindlich sie sind.

Das ganze habe ich mir mal ersurft, aber binnen einer Stunde oder so kann man das Thema nur mit viel Glück erschöpfend hinterfragen. Nix für ungut aber wenn es dich so interessiert, wirst du wohl das selbst machen müssen, meine Bookmarks sind leider nicht mehr so alt, als daß ich die Seiten noch gefunden hätte. Vielleicht hilft dir aber das weiter:

http://www.wu-wien.ac.at/usr/h97d/h9726095/chemie.html#chem4c

http://www.ostermann-net.de/electronic/dse-faq.htm

Sucheingabe war hierbei: "+*Akku* +*chemie* +*proze*"


Bei einem gasdichten Ni-Cd-Akku muß dafür gesorgt werden, daß der bei überladung entstehende Sauerstoff ungehindert zur Cadmiumelektrode gelangen kann, um dort
reduziert zu werden. Der Sauerstoff braucht Elektronen, um reduziert zu werden.Textauszug aus dem ersten Link.

[ 08. Juni 2002, 13:15: Beitrag editiert von: plinse ]

Georg Funk
08.06.2002, 21:10
Hallo

Bin zwar nicht der Große Chemiker, aber mit dem Innendruck der Zellen, könnte das vieleicht etwas ähnlich mit einer Geschüttelten Limoflasche sein?

Wenn ich die Limoflasche schüttle, und sofort öffne, dann merk ich ja auch, daß da ein ganz schöner Druck drin ist, lass ich sie dann aber einen Tag liegen, Hat sich Die Kolensäure wieder in der Flüssigkeit gelöst, der Druck ist abgebaut.

Kans das sein, oder lieg ich total falsch?