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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Irland-Reise



Bamboo
27.02.2006, 11:04
Hallo,

ich werde im Mai einen 10-tägigen Trip nach Irland machen. Ausgangspunkt ist Dublin, dann soll es mit dem Mietwagen weiter Richtung Südwesten gehen. Leider habe ich bis jetzt noch keinen blassen Schimmer welche Route ich nehmen soll, und wie man das am besten mit den Übernachtungen plant. Vielleicht hat ja von Euch jemand ein paar Tipps.


nette Grüsse

Dietmar

Philipp Gardemin
27.02.2006, 11:25
Hallo Bamboo,

es ist zwar schon ein paar Jahre her, aber ich bin 1999 mit Frau und Kind durch den Südwesten gefahren, immer die Hauptstraße an der Küste entlang.

Übernachtungsmöglichkeiten gibt es in jedem Dorf. Du musst halt nur auf die "B&B"-Schilder achten und an den Haustüren klingeln. Preise und Qualität sind sehr unterschiedlich.

Wirst Du ein Fliegerle mitnehmen?


Viele Grüße

PHILIPP

heiner
27.02.2006, 12:24
Ich war vor 7 Tagen noch in Irland mit meinen Kindern. B&B gibt es überall, auch Hotels. Billig ist das jedoch alles nicht, Irland ist recht teuer! Standart der Hotels recht fragwürdig.

Wenn du schon in den Westen fährst, musst du die Cliffs von Moher gesehen haben, auch wenn dort gerade gebaut wird. (eigentlich kannst du die gesamte Süd- und Westküste bereisen, sieht alles toll aus!)

Gruß

Heiner

Ingo Seibert
27.02.2006, 13:44
Hallo Dietmar,

das gibt jetzt einen längeren Roman. Kurz zu Beginn: Ich bin öfter in Irland, beruflich wie privat, habe die Insel schon mit meinem Moped umrundet bzw. durchquert und kenne mich ein bißchen aus dort.

Grundsätzliches: Wenn ihr euch kulturell betätigen wollt, sprich eine der ca. 59673 Schlösser, Burgen und ähnliche Denkmäler (die Kelten waren ziemlich "aktiv" dort) ansehen wollt, so besorgt euch direkt zu Anfang die Heritage Card. Die bekommt man an fast jedem P.o.I. Damit hast Du in den meisten Sehenswürdigkeiten (unter der Fittiche des Dúchas-Kulturstättenverbandes) freien oder extrem ermäßigten Eintritt. Für Erwachsene kostet die ca. 20 €, für Kinder und Studenten 8€, Familien zahlen 50 €. Dort gibt es dann auch eine Karte, auf der die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Wort und Bild beschrieben werden.

Ich schreibe jetzt mal möglichst kurz auf, wie das aus meiner Sicht sinnvoll wäre:

Angekommen am Airport solltet ihr euch überlegen, in Dublin den ersten Halt einzulegen. Pflichtprogramm: Trinity College mit dem "Book of Kells", St. Patrick´s Cathedral und Phoenix Park.
Dann weiter Richtung Süden über die M1 und M50, weiter auf der M11 in die Wicklow Mountains. Superschöne, teils schroffe, teils unglaublich grüne Gegend. Pflichtprogramm dort: Glendalough, der ersten Vermischung von keltischem Glauben und Christentum auf der Spur.

Alternativ kann (und sollte) man von Dublin aus einen Tagesausflug nach Norden (Drogheda) einplanen, um Newgrange und Knowth (Dowth lohnt sich nicht da eingefallen) zu besuchen. Riesige, über 5000 Jahre alte neolithische Hügelgräber (naja, Gräber ... wer sich mit dem Thema näher befasst, wird nicht von Gräbern sprechen wollen), deren präzise Ausrichtung nach Sommer- und Winter Äquinoktien einen doch staunen läßt und zum Grübeln anregt. Sehr gut aufgebautes Besucherzentrum mit Führungen und Vorführungen in allen möglichen Sprachen. Busshuttle zu den Gräbern.

So, weiter von Glendalough. Man kann sich von dort aus den Braveheart-Drive (der Film wurde größtenteils in Irland gedreht ...) entlanghangeln, oder aber durch die Wicklows runter bis nach Enniskorthy fahren, was aber bis auf die Landschaft nicht so viel aufregendes bietet. Ich würde empfehlen, von Glendalough aus quer rüber auf die N81 (eventuell Halt machen am Wicklow Mountains National Park; lohnt sich nur bei gutem Wetter) und N7 Richtung Kildare oder Carlow. Im Dreieck zwischen Kildare, Waterford (mein Arbeitsort dort) und Cork gibt es jetzt zahllose Sehenswürdigkeiten für jeden Geschmack, da fällt es schwer, eine Empfehlung auszusprechen. Pflichtprogramm: Rock of Cashel in Cashel und das Swiss Cottage, auch Dungarvan Castle, Kilkenny Castle oder die Tintern Abbey sind sehenswert. Für Cashel und Umgebung solltest Du zwei Tage einplanen, der Rock of Cashel nimmt mit Führung, Filmvorträgen etc. gut 3-4 Stunden in Anspruch. Tip: An der Hauptstraße zum R.o.C. sind vor der großen Kreuzung einige "normale" Läden. Dort mit Verpflegung eindecken und auf einer der Bänke unterhalb der Burg auf dem Parkplatz picknicken, die Buden dort sind viel zu teuer :)
Ebenfalls zu empfehlen ist das Swiss Cottage, welches man problemlos vom R.o.C. innerhalb von 15 Minuten erreicht. Sehr schöner Park, die Führung durch das Cottage ansich ist in Englisch. Streichelt den uralten Baum von mir - ihr werdet ihn erkennen :).

Gut, machen wir einen Sprung nach Cork. Meine Tips: Kunstgalerie und ein Stadtbummel, evtl. English Market und, vielleicht, die "Glocken von Shandon" läuten ;). Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder ihr fahrt die kurze Strecke nach Westen über die N22 Richtung Killarney, oder ihr fahrt mehr oder weniger an der Küste entlang über die N71. Deutlich schneller geht´s über die N22. Tip: Stein von Blarney küssen!
Dann Richtung Killarney, sehr schönes Städtchen. Dort in der Gegend sollte man eine Jaunting Car Tour zum Muckross House unternehmen, laufen ist a) zu weit und b) macht es Spaß! Falls das Pferd Timmy heißt, sagt dem Fahrer einen Gruß von uns. Ach ja: Der Fahrpreis ist verhandelbar!
Traditionell ist Killarney der Ausgangspunkt für die Tour um den Ring of Kerry. Kleiner Tip von mir: Killarney ist recht teuer, fahrt bis Killorglin, und quartiert euch im River´s Edge B&B ein. Sehr gutes Rührei mit Lachs! Die Straße hoch rechts ist ein gemütlicher Pub, ganz oben links an der Kreuzung ein günstiges Restaurant. Im Gegenuhrzeigersinn um den Ring fahren. Wenn ihr Zeit und Muße habt, biegt vor Mals Gap ins Black Valley ein. Hinter Caherdaniel, Halbzeit auf dem Ring, zum Cathair na Stéige bzw. Staigue Fort und dort eine kurze Mittagspause einlegen. Man darf übrigens nicht auf die mauern klettern. Es sitzt sich aber sehr bequem dort, habe ich mir sagen lassen ;). Schöner Blick bis zum Meer. Nicht vergessen eine kleine Spende beim Weggehen in den Kasten am Tor unten zu werfen.

So, was auf keinen Fall fehlen darf, ist die Dingle Peninsula bzw. Halbinsel! Dort in Dingle am Hafen spazieren gehen und im Murphys abends Live-Musik genießen. Bester Platz ist an der Treppe oben, also früh da sein. Tip: Quaiside B&B, gelbe Tür. Wenn man die Tür um die Insel macht, kommt man u.a. am Blasket Centre vorbei. Kann man auch überspringen m.M. nach. Dafür öfter mal Fotostop einlegen und die kleinen Strände besuchen. Auf dem Weg befinden sich auch die Beehive-Hats, die Behausungen der ersten Mönche. Nett anzusehen, aber, je nach Zustand, ist der Besuch recht teuer (zwischen 2 € und 8 €). Preise vergleichen und Familienpreise aushandeln, freundlich bleiben dabei.

Weiter nach Norden Richtung Limerick. Daziwschen gibt es nicht sooo viel, was sich bei einem Kurzbesuch lohnen würde. Pflicht wiederum ist Bunratty mit dem ältesten Pub Irlands (Dirty Nellys) und dem Bunratty Castle, welches Nachts sehr schöne beleuchtet wird. Übrigens kann man dort auch wie zu Ritterzeiten "speisen". Empfehlung: NICHT das Rockfield House B&B (rotes Haus) nehmen, die alte hat se nicht mehr alle ...

Ab nach Westen, immer Richtung Kilrush und Kilkee. In Kilkee gibt es ein paar sehr schöne Klippen, nicht so groß und bekannt wie die Cliffs of Moher, die danach kommen, aber weitgehend unbekannt und wirklich sehr schön. Mittagspause in Kilkee am Pavillon am Strand. Nicht die Krähen füttern, die Biester wird man sonst nicht mehr los!
Weiter über Miltown zu den Cliffs of Moher. Letztes Jahr haben die kräftig umgebaut, ich weiß nicht, wie es jetzt dort aussieht. In jedem Fall solltet ihr die 2 € für den Turm sparen, lohnt nicht wirklich. Dafür auf dem Weg zurück über die niedrigen Zäune mit den vielen Warnungen steigen und einmal vorsichtig über die Platte mehr als 200 m senkrecht runter ins Meer schauen oder den Weg an den Klippen entlang. Bis zum nächsten Turm sind es 8 Km, das ist nur was für wanderfeste Menschen mit ebensolchem Schuhwerk und dauert einen ganzen Tag! Ist aber sehr schön.

Tja, es gäbe noch sehr viel mehr in Irland. Auf dem Rückweg würde ich in Kinvarra einkehren, und zwar im Fallon´s B&B an der Hauptstraße (grün-gelbes Haus). Von dort aus die Straße runter ist rechts in einer Einfahrt ein unscheinbarer Pub, in dem es öfter Livemusik vom feinsten gibt! Die Wirtin ist etwas brummelig, aber trotzdem herzlich. Essen kann man aber besser gegenüber beim Chinesen.
Danach einen Spaziergang zum Schloß machen, immer der Straße nach (ihr fahrt auf dem Weg nach Kinvarra dran vorbei). Ab Mitte Mai kann man das Schloß besichtigen und gut essen. Im hafen gibt es ganz unten eine nette Kneipe mit Blick auf den hafen, die selbstgemachten Cider ausschenken.

So, jetzt könnt ihr euch, je nach Zeit, wieder auf den Weg nach Dublin über die N6 und N4 machen, zwischendrin noch Tullamore (die mit dem Whiskey) besuchen. Wenn ihr noch etwas Zeit habt, fahrt etwas weiter nördlich zum Corlea Track Way Visitor Centre, und schaut euch den Bogway an. Sollte eure Führerin Breda heißen, sagt a) einen Gruß und b) nehmt euch zwei bis drei Stunden Zeit. Die Frau ist ein wahres Feuerwerk an Wissen über das Moor, die Geschichte Irlands und Flora und Fauna, und weiß es entsprechend zu vermitteln! Nebenbei spricht sie perfekt gälisch, ich könnte stundenlang zuhören, ohne auch nur ein Wort zu verstehen ;)

So zwischendrin gibt es unheimlich viel anderes zu entdecken, fahrt auch immer mal durch kleinere Dörfer, setzt euch in einen Pub und esst und trinkt was, sprecht mit den Menschen - herzlichere werdet ihr so schnell nicht finden!

So, das war mein kleiner Beitrag zum Thema Irland. Wenn Du noch weitere Fragen hast, mail mich an, dann machen wir mal ne Telefonsession, wenn Du magst ;). Zu so ziemlich allen bekannten und unbekannten Sehenswürdigkeiten kann ich Dir ansonsten noch Bilder schicken.

Ach ja, ein wichtiges gälisches Wort, dass Du oft brauchen wirst, zum Schluß: Sláinte!!

Bamboo
27.02.2006, 17:20
@Phillip,

leider ohne Flieger, meine Frau würde mich erschlagen, und ich möchte doch Irland sehen:)

@Heiner,

wie muss ich das verstehen mit dem fragwürdigen Standard der Hotels?

@Ingo,

zunächst schon mal recht herzlichen Dank für die super ausgearbeitete Reiseroute. Ich werde mir morgen vom ADAC Kartenmaterial besorgen, und die Route dann mir dem Fingerauf der Karte schonmal "abfahren". Um eine Telefonsession wirst Du wohl nicht herum kommen, da ich noch zig Fragen habe, z.B. auch bezüglich des Mietwagens. Ich werde Dir per PN mal meine Mail-Adresse geben, damit wir einen Termin ausmachen können.

Achja, dieses "ominöse" gälische Wort behersche ich perfekt, was man von dem Rest dieser alten Sprache nicht behaupten kann:)
ich liebe Kilkenny:D

nette Grüsse

Dietmar

Ingo Seibert
27.02.2006, 17:29
Alles klar, schick menn :)

turbohartl
27.02.2006, 22:11
Das wichtigste habt Ihr vergessen.:D
Die Straßen sind schmal und oft von Steinmauern begrenzt und du fährst auf der linken Seite !!! Die Lastwagenfahrer die dir entgegenkommen, fahren aber deswegen nicht langsamer, und so fährst du so links wie möglich. Je schmäler das Auto umso glücklicher wird deine Frau sein.:)
Ich bin öfters auf Montage in Irland und meine Kollegen sind nicht scharf drauf bei mir mitzufahren. (Bin auch schon mal falsch rum im Kreisverkehr gefahren).


17716
Diese Größe ist nicht schlecht;)

P.S. Irland ist ein super Land. Viel Spass bei deinem Trip

Ingo Seibert
27.02.2006, 22:19
Hallo Leonhard,

nicht vergessen, eher verdrängt ;). Ich erinnere mich noch gut dran, als wir, auf 4 nicht wirklich langsamen Mopeds unterwegs, von einem Betonmischer auf einer solchen Straße überholt wurden, und wir schlicht nicht hinterher kamen :eek: . Aber man gewöhnt sich dran, ist wie das Fahren in südlichen Ländern :D.
Was die Autogröße angeht, kann ich Dir nur zustimmen. Übrigens weiß man nach den ersten Metern, warum die meisten am Leihwagenstand gaaaanz schnell auf den nächsten großen Parkplatz fahren: "Ach Du Sch...e, wo ist denn hier was" steht allen ins Gesicht geschrieben, da hab ich keine AUsnahme gemacht :D. Übrigens liefen immer wetten, wer den linken Außenspiegel als erstes abrasiert. Ging aber immer gut bisher ;)

heiner
28.02.2006, 07:56
Fragwürdiger Standart bei Hotels, soll heißen, die Sterne kannst du nicht unbedingt vergleichen, da kannst du 1-2 abziehen ....

Beim Leihauto unbedingt Vollkasko mit allem drum und dran, die Straßen sind echt eng und die fahren eher wie Südländer. Wie oben auf dem Foto, da wird locker auch über 100km/h gefahren ...... Mir wurde schon mal der Außenspiegel abgefahren, obwohl ich schon fast in der linken Mauer hing. Glaube aber nicht, dass der Unfallgegner angehalten hat.
Links fahren geht nach 1-2 Tagen, da bei Leihautos das Steuer ja auch auf der anderen Seite ist, haariger ist es wenn du dein eigenes Auto mitbringst, dann heißt es alle Sinne beisammen halten......

Irland ist auf jeden Fall eine Reise Wert, ich war beruflich einige Monate/Jahre in Irland und fahre auch heute noch ab und zu hin.

@ Ingo!
Das ist ja schon der halbe Reiseführer.......

Heiner

Bamboo
28.02.2006, 08:43
Hallo Ihr,

bezüglich des Autofahrens macht Ihr mir ja so richtig Mut, bin schon am üerlegen, ob ich Irland nicht doch besser "erwandere" als wie bisher geplant "erfahre":D


nette Grüsse

Dietmar

Ingo Seibert
28.02.2006, 11:19
Hallo Dietmar,

wie Heiner schon sagte: Halb so wild, Du gewöhnst Dich schnell dran, außerdem sind nicht alle Straßen so wie auf dem Bild. Sind teilweise noch enger ;) :D. Aber im Ernst, gerade im Westen hast Du diese Art von Straßen an der Küste entlang. Man fährt dann zwangsläufig langsam, außerdem kann man für den Anfang den linken Spiegel anklappen. Vollkasko ist ne gute Idee. Aber das klären wir am Telefon.

@Heiner: Iwo, da gibt´s noch tausend andere Sachen, die aber in keinem Reiseführer stehen ;)