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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Recht am eigenen Bild



Martin Stein
17.01.2015, 15:59
Die Situation:

An unserer Schule soll fächerübergreifend ein kleines Projekt realisiert werden:
Ein skurril aussehendes Fantasiewesen mit einer "Haut" aus Federn, Kunstfell, Schlangenlederimitat usw... läuft durch die Fußgängerzone.
(Technischer Hintergrund: Arduino, Servos, Ultraschallsensor, Stereomikrofon)

Die Fächer Technik und Kunst bauen das Teil, die Fächer Soziologie und Deutsch analysieren das Verhalten der Passanten und berichten darüber.
Problem: Das Ganze soll natürlich gefilmt werden. Wie das Material verwertet wird, weiß ich nicht. Sicher zumindest auf der Schulwebsite, möglicherweise aber auch in Social Media oder im Lokalfernsehen, weil unsere Video-AG tolles Material abliefern kann.

Sofort wurden Bedenken laut: "Das Recht am eigenen Bild".
Darf man Personen filmen, wie sie auf unser "Tier" reagieren?

JA: Ich selbst war schon ein paar mal ungefragt im Lokalfernsehen (Einweihung der Schule, Laternenlauf im Kindergarten und ähnliche Sensationen). Wenn das Fernsehen eine Aufnahme am Brandenburger Tor zu Silvester macht, dann fragen die auch nicht jeden Hansel, ob er im Fernsehen gezeigt werden darf.

NEIN: Diese ganzen Versteckte-Kamera-Filmchen dürfen meines Wissens nicht ohne schriftliche Einwilligung des Gefilmten gezeigt werden.


Was tun? Doof stellen? Einwilligungen einholen? Wo kein Kläger, da kein Richter?

Soulslotter
17.01.2015, 16:13
Auf jeden Fall Einwlligung von jedem Gefilmten schriftlich dokumentieren - und zwar für jede einzeln definierte Nutzungsart!

Keine Einwilligung braucht man nur dann, wenn Menschenmengen aufgenommen werden, in denen keine Individuen identifizierbar sind, vgl. §§ 22, 23 Kunsturhebergesetz.

Gruß
Bodo

Martin Stein
17.01.2015, 17:53
Danke zunächst.
Ich will dir nicht widersprechen, aber was ist beispielsweise mit den oben zitierten Aufnahmen von mir mit unserer Jüngsten beim Laternelaufen?
Auf einer Einstellung sieht man nur mich mit Kind.
Keine Menschenmenge.

bochers
17.01.2015, 19:55
Ziemlich einfache Antwort.
Hast Du keine Einwilligung gegeben, kannst Du die Löschung verlangen, bzw. einen finanziellen Ausgleich fordern.

Gruß
Manu

BA-Biene
17.01.2015, 20:07
Hallo Martin,

wenn ihr euer Fantasiewesen filmt und dabei nebenbei auch Passanten erfaßt werden,
sollte das ohne deren Einwilligung ok sein ,
filmt ihr aber direkt die Reaktion der Passanten, braucht ihr deren Einwilligung

mfg Rene

Edouard Dabert
17.01.2015, 22:26
Sehe ich auch so.
Solange Personen nur als bloßes "Beiwerk" zufällig erscheinen ist keine Einwilligung nötig.
Das ist hier aber anders (geplant).
Siehe wikipedia, "Recht am eigenen Bild".
Es kann - und soll - zu durchaus skurilen, vom Betroffenen unbeabsichtigten, Reaktionen kommen, dann wäre zusätzlich das "Recht auf informationelle Selbstbestimmung" (>wikipedia) betroffen. Niemand muss sich auf diese Art bloßstellen und weltweit abrufbar veröffentlichen lassen (Art. 1 GG - Menschenwürde).

Dieter Wiegandt
18.01.2015, 15:37
Dieses dargestellte Szenario wäre auch strafrechtlich interessant.
Siehe 22 KUG (http://www.gesetze-im-internet.de/kunsturhg/__22.html)

Man darf unterstellen, dass die gefertigten Filme gedreht werden, um sie zu verbreiten. Dreht ja niemand, um sie in die Schublade zu legen.
Der Tatbestand wäre bis zu einem Verbreiten noch nicht erfüllt, jedoch käme dann die gefahrenabwehrende Komponente zum Tragen als Aufgabe z.B. der Polizei.
Die müsste das dann im Rahmen ihrer Eilkompetenz erledigen, wenn gerichtliche Hilfe nicht zeitnah zu erlangen ist.

Hans Rupp
18.01.2015, 15:57
Die Fächer Technik und Kunst bauen das Teil, die Fächer Soziologie und Deutsch analysieren das Verhalten der Passanten und berichten darüber.
Problem: Das Ganze soll natürlich gefilmt werden. Wie das Material verwertet wird, weiß ich nicht. Sicher zumindest auf der Schulwebsite, möglicherweise aber auch in Social Media oder im Lokalfernsehen, weil unsere Video-AG tolles Material abliefern kann.


Wenn ich Dieters verlinkten Paragraphen lese und richtig interpretiere, ist danach Filmen und analysieren nicht verboten, verbreiten des Videomaterials auf dem Personen erkennbar / identifizierbar sind ohne mit deren Einwilligung aber nicht zulässig.

zum Thema Umzug steht im nachfolgenden Paragraph:
§ 23
(1) Ohne die nach § 22 erforderliche Einwilligung dürfen verbreitet und zur Schau gestellt werden:
1. Bildnisse aus dem Bereiche der Zeitgeschichte;
2. Bilder, auf denen die Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit
erscheinen;
3. Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen
teilgenommen haben;
...

Erfahrungsgemäß ist unter den Eltern der Schüler ein Rechtsanwalt. Den würde ich suchen und einbinden.

Die gefilmte Personen sofort befragen, Uhrzeit zum identifizieren festhalten und deren Adresse notieren und fragen, ob man veröffentlichen darf. nachfragen soll oder nicht veröffentlichen darf. Bei Unsicherheit nicht verbreiten / verpixeln, wäre mein Ansatz.

Hans