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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gustav Gans - Spassnurflügel aus Holz



Holger W.
16.06.2016, 20:39
Hi in die Runde,

es ist mal wieder soweit: mieses Wetter, Holzreste, RC- und Antriebskomponenten übrig und etwas Zeit. Da muss sich doch was draus machen lassen!
Diesmal geht es nicht um Ästhetik, sondern die maximale immer-dabei-Tauglichkeit steht als so ziemlich einziger Punkt im Lastenheft.
Das lässt sich am besten umsetzen, indem man möglichst viel weglässt, und so kommen wir fast zwangsläufig zum Nuri. Positiv und negativ gepfeilte Exemplare habe ich schon gemacht, aber was mit gebogenen Linien gibts noch nicht im Hangar.
Also erstmal eine Skizze, am besten gleich mit reproduzierbarer Geometrie:

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Es handelt sich um ein einfaches Gebilde mit 600mm Spannweite, ti=150mm, ta=100mm, und um die Form etwas aufzulockern beschreibt die Nasenleiste ein Kreissegment, dessen Radius ich auf dem vollgekritzelten Blatt hergeleitet habe.

Wie gesagt, damit gewinnt man keinen Schönheitspreis, aber die Flugeigenschaften dürften sehr anständig werden.
Nicht berücksichtigt bei den genannten Abmessungen sind die Ruderklappen, die aus 25mm Endleiste entstehen und später auch für den S-Schlag sorgen werden.

Holger W.
17.06.2016, 07:37
Die Unterseite der Tragfläche bleibt topfeben. Aus 1mm Balsareststücken entsteht so die untere Schale, auf die dann der Radius des Nasenbogens übertragen wird:

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Jetzt kommen die Hausaufgaben: Neutralpunkt ermitteln.
Das erfolgt grafisch direkt auf der Unterschale. Der Nasenbogen wird dabei ignoriert, dafür werden auch die Ruderklappen nicht berücksichtigt. So kommt man in zwei Minuten auf den NP, und mit 10% Stabilitätsmass liegt der Schwerpunkt dann bei 45mm hinter der Nasenleiste an der Wurzel.

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Etwas näher:

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Soweit zur Theorie.

Holger W.
17.06.2016, 10:56
Auf die untere Schale kommen jetzt nacheinander die Nasenleiste,

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sowie der Holm, die Endleiste und die wenigen Rippen:

1618277

Alle Klebungen bis hier erfolgen mit Sekundenkleber.
Die untere Schale besteht aus 1mm Balsa, Nasen- und Endleiste sind 5x5mm, die Rippen 3mm Balsa.
Der Holm (auch 3mm Balsa) hat hier eigentlich keine statische Funktion, sondern dient in erster Linie als profilbildendes Element: er verläuft bei 1/3t und ist so verjüngt, dass sich über die ganze Spannweite eine Dicke von 10% ergibt.
Die Halbrippen vor dem Holm sind zur Nasenleiste hin frei Hand gekrümmt, während die hinter dem Holm schnurgerade zur Endleiste verlaufen.

Holger W.
17.06.2016, 11:13
In diesem Zustand wird die Fläche jetzt auf dem Baubrett an sechs Punkten festgezackt.

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Die obere Schale aus 1mm Balsa kann so garantiert verzugsfrei aufgebracht werden. An Nasen- und Endleiste klebt Pattex Classic, Holm und Rippen sind mit Weissleim eingestrichen:

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Die obere Schale an der Endleiste ansetzen, nach vorne glattstreichen und auf die Nasenleiste drücken, das geht ungefähr so schnell wie das Lesen dieses Satzes.
Danach wird die Oberseite flächig belastet, bis der Weissleim trocken ist:

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Pipmatz
17.06.2016, 12:45
sehr Intersant

werde auf jeden Fall weiter dabei sein und bin auf das Ergebnis gespannt.

mfg

pipmatz

Holger W.
17.06.2016, 19:57
So,
nachdem alles durchgetrocknet ist, wird die Fläche vom Baubrett getrennt und verschliffen.
Vorne kommt noch ein Ausschnitt rein, der so breit ist wie die Rumpfinnenbreite. Dadurch ist später in jedem Fall genug Platz, um den Schwerpunkt durch verschieben des Akkus ohne Ballast hinzubekommen.

Inzwischen sind auch die Rumpfseitenteile aus 3mm Balsa ausgeschnitten. Die Form ergibt sich daraus, dass die Motorachse etwa auf Höhe der Fläche sein soll und alle Komponenten im Rumpf Platz finden sollen. Das sieht dann so aus:

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Und zusammengesteckt:

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Einen Motorspant habe ich noch aus einem ausgemusterten Modell recycelt:

1618520

Soweit für heute. Bauzeit bis hier: ca. vier Stunden.

Dominik.l
17.06.2016, 21:21
Sieht nach einem recht einfachen kleinen Spaß Modell aus.
Bitte Berichte weiter ein auf das Ergebnis gespannt 😊

Holger W.
18.06.2016, 08:54
Der Rumpf wird langsam. Naja, eher schnell. Nach vorne soll es einen anständigen Übergang zum Spinner geben, deshalb brauchen wir ordentlich Substanz zum verrunden:

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Motorspant und Rumpfboden geben dem ganzen schon etwas Halt:

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Und zusamnengesteckt kann man schon ahnen, was da herauskommen wird:

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Holger W.
18.06.2016, 09:52
Allmählich wirds etwas runder. So ein Schleifklotz ist schon ein tolles Werkzeug...

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Der Motor hat auch schon probegesessen. Der 28mm/30g/1100/min/V Aussenläufer passt mit dem Schuhanzieher rein.

KUDI
18.06.2016, 11:36
Da staune ich, wie schnell man von einer Skizze ausgehend ein Rohbaumodell vor sich liegen hat.

Etwas Bedenken habe ich aber: Wie kriegst du den Schwerpunkt an die richtige Stelle. Da musst du wohl den Rumpf nach hinten verlängern um das Gewicht der Rumpfnase mit möglichst weit hinten platziertem Akku auszugleichen.
Aber das kriegst du schon hin :)

Kudi (der alles zuerst bis ins Detail konstruieren muss :confused:)
www.keiro.ch

Jott Emm
18.06.2016, 11:49
Schön, einfach scratch-build, wer das kann !
Wenn ich mir jetzt eine Alula ähnliche Schwanz-/Stabiflosse vorstelle,
die eben ggfls ein bissle schwerer wird, passt das bestimmt !
Bin ebenfalls gespannt, wie es weitergeht ...
Gruss, Jens

Holger W.
18.06.2016, 20:15
Hallo zur nächsten Runde,
danke für die Anteilnahme!;)
Es gibt einen Grund, warum Gustavs Rumpf hinten ziemlich geräumig ist: da soll ausser Akku und Motor alles andere rein!
Das passt auch:

1619000

Holger W.
18.06.2016, 21:44
Zum Thema Seitenleitwerk:
Sicher, so eine zentrale Flosse hinter der Fläche sieht elegant aus und wäre sogar als "Gegengewicht" geeignet. Aber sie macht den Rumpf aufwändiger, und eine verdeckte Elevon-Anlenkung würde auch komplizierter.

Deshalb bekommt Gustav Gans Ohren:

Holger W.
18.06.2016, 22:12
Die Nurflügelfüchse werden zurecht anmerken, dass die Endscheiben viel zu gross sind.
Es gibt aber zwei gute Gründe für die Riesenfinnen:
1. Lageerkennung.
2. Bei Verlust einer Endscheibe passiert - gar nix!;)

So ganz nebenbei ist damit der Rohbau vollendet. Netto-Bauzeit etwa 8 Stunden.

Holger W.
19.06.2016, 13:08
Komplettiert mit Kabinenhaube und den Ruderklappen, sieht man hier die vollständigen Proportionen:

1619331

Und von hinten:

1619337

Jetzt fehlt nur noch das Finish und die Anlenkungen.
Erstmal geh ich aber fliegen:D

Bernd E.
19.06.2016, 14:46
Hey Holger,

ich finde den Flieger Klasse!

Da kommen Erinnerungen an meinen Geier, den Wonder oder den Twinjet auf.
Ich mag Flieger mit zwei Seitenflossen!

Hab ichs überlesen? Welches Profil nutzt du? Ist das wirklich frei Schnauze?
Das wäre ein schön schnelles Nachbauprojekt.

Grüße, Bernd

Holger W.
19.06.2016, 16:46
Hallo Bernd,

nee, du hast nichts überlesen: das "Profil" ist tatsächlich handgemalt. Ist aber für diesen Einsatzzweck auch völlig unwichtig.

Für ein paar Hintergrundinformationen und die Wurzeln von Gustav Gans bitte hier klicken:

http://www.rc-network.de/forum/showthread.php/547013-KOOKABURRA-Spassnuri-selbst-gemacht?highlight=Kookaburra

Daher stammt das aerodynamische Konzept, es ist narrensicher und bürgt für problemloses Flugverhalten. Hochleistung? Gleitzahlrekord? Eher nicht. Aber wer das braucht, liest hier eh nicht mit;)
H.

ebrandi
19.06.2016, 18:34
Hallo Holger,

schnuckelig! So was gefällt mir!

Gruß
Ernst

Bernd E.
19.06.2016, 22:46
Hallo Holger,

danke für den Link. Das mit dem Nuriforum kann ich nachempfinden!;)

Wenn du mal ein Flugvideo vom Vorgänger hast, oder vom Gustav wäre das interessant.

Zum "Profil" bin ich schon überrascht. So änlich wurde ja auch der Dizzybird ausgelegt. Zwischenlage aus Depron und dann einfach Schaum drüber gezogen. Nur war ich von einigen Dizzys auf unserem Platz überhaupt nicht angetan. Die Flugeigenschaften waren eher grottig. Und manches verhalten nicht wirklich reproduzierbar. Ich meine natürlich die Urversion. Meine beiden Flügelhälften liegen noch ungeflogen irgendwo auf Halde, weil ich mir den Krampf nicht antun wollte.

Grüße, Bernd

Holger W.
20.06.2016, 21:13
...von Gustav gibts noch nicht, weil der noch immer nicht fertig ist. Das wird auch noch ein paar Tage dauern, bis ich wieder Muße dafür habe.

Aber von einem aerodynamisch sehr engen Verwandten gibt es dieses Erstflug(!)filmchen:

http://www.rcmovie.de/video/f1cb73d97d96c1c65354/FAST-FORWARD-selbst-gemacht-Teil-6

Der ist zwar viel grösser, aber nach exakt derselben Masche gestrickt.

Den Dizzy kenn ich nicht, aber am Profil liegts so gut wie sicher nicht.

Gruss,
H.
der bescheid sagt, wenn Gustav Gans fertig ist

Bernd E.
20.06.2016, 22:10
Danke Holger für den Videolink!

Grüße, Bernd

Holger W.
21.06.2016, 20:25
Was die Folienreste so hergeben;)

1620455

H.

Holger W.
24.06.2016, 20:28
Nach ein paar Tagen Pause gehts jetzt weiter.

1621492

Wenn das Wetter weiterhin so grottig bleibt, dann ist er bald fertig.

Holger W.
25.06.2016, 09:40
So,
Bügeln ist fertig und die Ruder mit Tesafilm angeschlagen.

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Rumpf und Fläche sind verleimt und trocknen gerade. Die "Kabinenhaube" sitzt ordentlich per Magnet. Dann nur noch die beiden Anlenkungen, und wenn es gerade mal nicht Katzen und Hunde regnen sollte, will ich ihn eigentlich in die Luft werfen.
Na, mal sehen:D
H.

Holger W.
25.06.2016, 19:48
Salü,
Gustav Gans ist gerade fertig geworden.
Die beiden 4g-Servos sitzen unter einer Klappe, die ich aus dem Rumpfboden geschnitten habe:

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Die 0,8mm Gestänge gehen direkt zu den Rudern, das ganze ist leichtgängig und spielfrei:

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Weiter vorne geht es aufgeräumt zu, rechts im Rumpf liegen die Motorkabel, links an der Seitenwand ist Klett für den Akku:

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Holger W.
25.06.2016, 19:55
Einschliesslich der 15g Blei im Heck wiegt der Apparat genau 200g ohne Akku.
Der Motor mit den Graupner 9x4,5" Cam Folding Blättern zerrt kräftig, aber lautlos.

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Holger W.
25.06.2016, 19:59
Einziges Problem:
Wenn ich jetzt damit rausgehe, kann ich Gustav höchstens auf seine Schwimmfähigkeit hin untersuchen...

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Der Akku da ist ein 3S450er.
Morgen dann:)

Gruss,
H.

Jott Emm
26.06.2016, 08:15
Prima ist er geworden, viel Erfolg beim Erstflug !

Gruss, Jens

Holger W.
26.06.2016, 12:38
Und Äktschn!
Gerade hat Gustav Gans seinen Erstflug gemacht. Genauer: die sechs ersten Flüge.
Aber der Reihe nach.
Schwerpunkt auf gut 40mm, Klappen 2mm hoch.
Beim ersten Abwerfen gewann der Apparat wie geplant schnell Höhe, beim senkrechten Steigen spielt die Aerodynamik nicht sooo die Rolle. Nach ein paar Metern wollte ich nun wissen, ob er auch geradeaus kann. Kann er, aber der SP liegt grenzwertig weit hinten. Im Kraftflug muss ich so weit drücken, dass vom S-Schlag nix mehr übrig ist, und wer das schon mal probiert hat, weiss, wie ein um-die-Querachse-indifferentes Modell sich anfühlt;)
Also Motor aus - und Gustav gleitet wie verrückt! So ein weit hinten liegender SP hat eben auch seine Vorteile:cool: Landung ohne Probleme nach anderthalb Minuten.

Im Verlauf der nächsten vier Flüge hab ich nach und nach das Trimmblei rausgenommen und den Akku Stück für Stück nach vorne genommen. Und siehe da: Gustav fliegt sauber geradeaus, lässt sich problemlos starten und benimmt sich auch sonst manierlich.

Nun muss man wissen, dass es heute im Bergischen Land ziemlich bockig ist. Eine kreativ über der Wiese stehende Verwirblung hat den guten Gustav dann unplanmässig zu Boden gezwungen, wobei unsere mangelnde Bekanntschaft ihren Teil beigetragen hat - ich kenn ihn halt noch nicht so gut. Der Schaden hält sich in Grenzen, vielleicht 10 Minuten kleben, ist aber hier auf dem Flugfeld nicht zu kitten.

Macht also nix, wir werden uns noch aneinander gewöhnen, Gustav und ich!

Zufriedene Grüsse,
H.

Holger W.
26.06.2016, 19:25
Siehste,
Gustav Gans ist wieder flugklar. Nach einer Viertelstunde gemütlicher Bastelei sind Rumpf und Fläche wieder vereint, und ein paar Knitter aus der Folie gebügelt.
Das Trimmblei ist wie erwähnt raus, und wie das so ist, wenn man Gewicht rausnimmt: Gustav ist leichter geworden. 181 Gramm stehen ohne Akku zu Buche. Kann man nicht meckern.
Zur endgültigen Schwerpunktlage kann ich noch nichts sagen, die Bö in Verbindung mit meinem Unvermögen haben den siebten Werkstattflug verhindert - siehe oben.

Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben, demnächst geht die Erprobung weiter, und danach wird auch Gustav Gans genauso vernünftig fliegen, wie seine 15 Hangarmitbewohner.

Ich bin zufrieden damit, wie es gelaufen ist. Wäre ja auch langweilig, wenn alles vom Baubrett weg perfekt funktionieren würde!

H.

1622759

ruvy
26.06.2016, 19:47
Ich finde es - auch aus eigner Erfahrung - immer Cool, wenn eine Idee umgesetzt und erprobt wird, und Dein Gustav wird Dich sicher bald belohnen dafür :D

Aber aufpassen, so viel Limo ist ungesund (Bild -> Hintergrund)! :p

lg
Rudi

Daniel Jacobs
26.06.2016, 20:00
Hey,

mal wieder ein schöner Bericht mit tollem Modell von dir.


Gruß.

Holger W.
01.07.2016, 20:57
So,
bevor es am Wochenende mit der Flugerprobung weitergeht, habe ich Gustavs Inkognito noch schnell gelüftet.
Geht ja gar nicht, so ohne Namen herumfliegen!
Den Akku, der beim Einschlag drin war, musste ich entsorgen. Eine Zelle hat beim Laden rumgezickt.

1625360
Gustav Gans - bereit zu neuen Taten

Holger W.
02.07.2016, 07:47
...ist genau die richtige Zeit, um in Ruhe den Nuri auszuprobieren.
Also neuen 3S600mAh Akku rein und los!
Gustav zieht sauber aus der Hand, und geht in einen sanften Steigflug. Die Manövrierbarkeit ist gut, ich brauche gefühlt etwas zu viel Höhenruder in den Kurven - da war ich wohl etwas zu vorsichtig mit dem SP. Auch mit ausgeschaltetem Motor nimmt er die Nase runter, bleibt aber bei alledem völlig harmlos.
Also landen, den Akku 10mm nach hinten und gleich wieder rauswerfen.
Aha! Jetzt passt das. Gustav fliegt geradeaus, und geht auch ohne übermässiges Ziehen sauber um die Ecken.
Steigflug, Motor aus: OK, das ist kein Gleitwunder, aber das war vorher klar. Er behält die Fluglage bei und setzt sich gegen den (wieder mal) bockigen Wind ordentlich durch.
Jetzt mal überziehen. Langsam die Fahrt rausziehen und gucken, was er macht. Wie meine anderen Nurflügel bleibt er fast waagerecht und geht in einen Sackflug über, der mit QR sogar noch kontrollierbar ist.
Zum Landen kann man ihn schön aushungern, nachdem man ihn ziemlich nah rangeschleppt hat. Er baut nach Ausschalten des Motors sofort Fahrt ab und setzt sich sanft vor die Füsse. Sehr schön! So braucht man wenig Platz, und zusammen mit der fast völligen Lautlosigkeit ist er damit überall und immer einsetzbar.

Fazit:
Der Schwerpunkt hat sich mal wieder an die eiserne Regel gehalten: er liegt weiter vorne, als du denkst!;)
Wo genau das ist, werde ich mal zu hause ermitteln und markieren. So kann ich dann die unterschiedlichen Akkus jeweils an die richtige Position kletten, und die "lange Nase" hat sich gelohnt!
Erstaunlich finde ich, wie weit der "fliegbare" Bereich der SP-Position ist: angefangen habe ich bei ca. 40mm, jetzt bin ich bei geschätzten 30mm.
Man muss dabei allerdings berücksichtigen, dass es mir nicht um bestmögliche Flugleistungen unter Laborbedingungen geht, sondern um maximale Gutmütigkeit. Und da ist reichlich Stabilitätsmass nunmal das passende Rezept. Soll heissen: mit mehr SP-Rücklage und dafür etwas mehr Sturz wären die Flugleistungen besser, das aber zu Lasten der Sauwetter-Tauglichkeit. Man muss halt nur wissen, was man will.

Jetzt geht es an die Feinabstimmung. Gustav will noch nicht so recht auf dem Rücken fliegen, aber das üben wir mal bei etwas besserem Wetter. Heute nehme ich ihn am Stück wieder mit nach hause, und das ist gegenüber dem letzten Mal ja schon eine messbare Steigerung!
H.

1625404
Gustav Gans in zwergiger Gesellschaft auf der Wiese

Holger W.
02.07.2016, 19:11
Zu hause hab ich dann den Akku wieder an dieselbe Stelle gepappt, wo er beim zweiten Flug heute war.
Dann stellt sich die Frage, wie man diese Position so markiert, dass sie auf dem Flugfeld, also vor jedem Flug reproduzierbar ist.
Ein Strich am Rumpf auf der Unterseite? Oder sogar ein Klebestreifen, den man ertasten kann?
Alles zu ungenau.
Und dann fiel mir ein: wenn ich Gustav direkt vorne unter der Nasenleiste balanciere und dabei so lange auf beiden Seiten gleich weit nach aussen gehe, bis er gerade liegt, dann brauche ich nur diese Stelle(n) an der Nasenleiste zu markieren, und fertig.
Gesagt, getan:

1625689

Wer genau hinsieht, bemerkt die beiden Filzstift-Striche. Wenn ich Gustav dort direkt unter der Nasenleiste auspendele, entspricht das etwa 18mm hinter der Nasenleiste an der Wurzel.
Und das klappt jetzt mit jedem Akku vor jedem Flug, auch ohne SP-Waage (die ich sowieso nicht besitze).
H.

Holger W.
02.07.2016, 19:30
Mir ist aufgefallen: ich habe noch kein Bild von Gustav Gans' Unterseite reingestellt.
Bitte schön:

1625696
alles blau...

Holger W.
03.07.2016, 13:18
Gustavs heutige Erprobung hat spürbare Ergebnisse gebracht:

1626098

Beim zweiten Start bin ich leicht abgerutscht, und es gab ein "Klack", das, wie ich schnell merkte, vom Kontakt meines rechten Mittelfingers mit dem Prop stammte.
Zum Glück fliegt Gustav inzwischen so harmlos, dass ich die Platzrunde mit bei Fuss Landung locker zu Ende bringen konnte, obwohl ich ständig meinen Finger entbluten musste. Das Zeug soll schliesslich nicht in den Kreuzknüppel tropfen...

Der gestern ermittelte Schwerpunkt hat sich voll bestätigt. Eine weitere echte Verbesserung sind die neuen Propellerblätter in 8x6", die Geschwindigkeit macht jetzt richtig Spass, und der Übergang vom Gleit- in den Kraftflug geht ganz unspektakulär: kein Aufbäumen oder Wegtauchen, einfach Pulle rein und gut is.

Alles gut also, der Finger wummert schon nicht mehr. Was noch fehlt, ist Gustavs Erprobumg bei ruhigen Bedingungen, heute war wieder Punk in der Bergischen Luft:cool:
H.

Bernd E.
03.07.2016, 23:34
Hallo,

schön das sich deine Erwartungen voll erfüllt haben.

Grüße, Bernd

Holger W.
09.07.2016, 15:09
Hallo miteinander,
Gustav Gans hat die nächste Entwicklungsstufe erreicht: er funktioniert einwandfrei auf der Hauswiese. Die ist nur ein paar hundert Meter entfernt, aber damit sind die Vorteile auf den ersten Blick auch schon aufgezählt. Etwa so gross wie ein Fussballfeld, liegt sie rundum von Bäumen begrenzt in einer Art Talkessel, was den Vorteil hat, dass man von oben auf den Vogel gucken kann, wenn man am Rand der Wiese steht.
Diese Location erfordert einen ausgetesteten Flieger, weil für Korrekturen von fliegerischen Zicken einfach kein Raum ist.

Gustav hat das aber souverän gemeistert. Völlig lautlos liess er sich zwischen Grashalm- und Baumhöhe hin und her kurven.
Achja: landen muss man möglichst auf einem drei Meter breiten Streifen - quer wohlgemerkt! Schliesslich will ich nicht unnötig auf des Bauern Wiese rumlaufen. Aber auch das war kein Problem, die Landung sass im ersten Anflug.

Voll tauglich also, der kleine Nurflügel. Nach sieben Minuten war es in der Nase dann doch spürbar warm, so dass ich ihm etwas Luft spendiert habe:

1628940

Gustav lag heute spürbar ruhiger, das Feintuning an den Anlenkungen hat sich offenbar gelohnt. Als nächstes kommt die Kunstflug-Erprobung. Rollen fliegt er sehr sauber in beide Richtungen, viel mehr hab ich noch nicht ausprobiert.
Aber das wird schon noch.
H.

Holger W.
10.07.2016, 18:43
Flug Nummer 16 und 17 heute fanden bei ziemlich knalligen Bedingungen statt. Wind war nicht viel, dafür briet die Sonne ungestört auf die Fliegewiese. Jeder Schaumflieger hätte sich schon im Kofferraum verzogen...
Nicht so Gustav Gans. Der musste heute die nicht-mehr-geradeaus-Erprobung über sich ergehen lassen.
Dass er sauber rollt, wusste ich ja schon. Auch Loops klappen sehr anständig, so dass alles, was aus den beiden Figuren kombinierbar ist, schonmal klargeht: Immelmann, Abschwung, Slit-S, Kubanacht - gebongt.
Senkrecht steigen, Motor aus und gucken, was passiert: Gustav klappt um, und ohne die Knüppel zu berühren, fängt er sich 20m tiefer in Normallage ab. Das aerodynamische Konzept funktioniert also wie eingangs beschrieben.
Rückenflug geht auch gut, allerdings ist der Tiefenruderausschlag zum Herausdrücken aus dem Rückenflug etwas knapp. Weil Gustav ohnehin durchaus grössere Ausschläge verkraften würde, werde ich im nächsten Schritt ein wenig umprogrammieren. Hätte ich das am ersten Tag gewusst, wäre er nicht beim sechsten Flug eingeschlagen. Aber ich ziehe meine Modelle erst dann voll durch, wenn ich weiss, dass sie das auch können. Naja, ich hätte ja auch auf Windstille warten können - aber dann wäre Gustav immer noch nicht in der Luft.

Ach ja: die gestern angebrachte Luftschleuse funktioniert, denn nach 7 Minuten gründlichem Rumheizen kann man den Motor noch anfassen.

Es geht voran.
H.

Holger W.
16.07.2016, 09:08
Guten Tag allerseits,
heute war ich zum Sunrise Fliegen bei absoluter Windstille draussen (ich kann die Freiflieger was das betrifft verstehen. Man muss halt nicht so weit laufen, um die ungesteuerten Dinger wieder einzusammeln).

Nicht besonders überraschend macht Gustav Gans unter Laborbedingungen noch mehr Spass. Praktisch lautlos in Knöchelhöhe über die Wiese, dann senkrecht hoch und ein wenig rumkurbeln. Das alles geht ohne jede Tücke und mit einem weiten Geschwindigkeitsbereich.

Der Cut im Finger am dritten Flugtag war übrigens völlig unnötig, weil man Gustav garnicht werfen muss: einfaches Loslassen reicht, und er zieht gerade und ohne Tendenz nach oben oder unten weg.

Sehr geil, das. Meinen Bestand an Zwergenakkus (3S450 bis 650mAh) habe ich mittlerweile auf 10 Stück erweitert. Mit Gustav und seinem gleichgrossen Hangarkumpel Go Ahead bedeutet das mindestens 80 Minuten Airtime ohne laden.

Da fällt es leicht, die aktuelle Diskussion um eine Höhenbegrenzung mit einem Lächeln zu ignorieren.

So long,
H.

Holger W.
22.07.2016, 19:00
Hi,
morgen kriegt Gustav Gans Saures: die Erprobung durch meinen Sohn steht an:D
Den will ich nicht mit dosierten Ruderreaktionen langweilen, also mussten erstmal grössere Ruderausschläge her.
Nutze ich den vorgesehenen Mischer im Sender, dann teilt der die Ausschläge für QR und HR so auf, dass der Servoweg nur bei Vollausschlag beider Funktionen genutzt wird. Zum normalen Rumgurken reicht das locker, wie ich ja inzwischen weiss.
Aber etwas mehr Pfeffer kann nicht schaden, und deshalb habe ich den Nurflügelmischer rausgeklickt und dann QR und HR mir zwei freien Mischern überkreuz 1:1 gemischt.

Das sieht schon zackiger aus, wie man an den maximalen QR-Ausschlägen ahnen kann:

1635349

1635350

Mal gucken, wie sich das auswirkt.
Demnächst auf diesem Kanal.
H.

Holger W.
23.07.2016, 18:33
Nach 22 Flügen ist Gustav jetzt da angekommen, wo ich ihn ursprünglich haben wollte. Flugeigenschaften und Ruderreaktionen sind nach der Vergrösserung der Ausschläge einfach nur genau richtig, und auch mein Testpilot war nach seinem Flug zufrieden mit Gustav.

Somit ist der Hangar um eine Allzweckwaffe reicher, man kann den Nuri jederzeit in den Kofferraum und dann in die Luft werfen. Es ist erstaunlich, wieviel Spass man mit winzigen 3S Akkus haben kann, wenn man die richtige Zelle dazu baut.

Und endlich gibt es ein paar Flugbilder von Gustav Gans. Der Fotograf hat zwar auf die Lichtverhältnisse geschimpft, aber ich finde die Bilder sehr gelungen:

1635998

1635999

1636000

1636001

Holger W.
23.07.2016, 18:45
Danke an meinen Sohn für die Bilder!

Gustav ist damit fertig entwickelt, also von der Idee bis zu etwas, was auch so fliegt wie die Idee.
Der Aufwand war im Verhältnis zum Ergebnis bemerkenswert gering, und zwar sowohl zeitlich, als auch materiell.

Gustav zu bauen und zu fliegen hat bis hier viel Spass gemacht, und die Aussichten sind gut, dass das auch so weitergeht. Er benimmt sich wie gewünscht und hat keine überraschenden Zicken parat, so dass man sich aufs Rumkurbeln und Blödsinn machen konzentrieren kann.

Wie immer nach so einem Projekt rede ich mir selbst ein, jetzt den Hangar komplett zu haben.
Das hält erfahrungsgemäss so lange vor, bis mir irgendwas einfällt, was ich noch nicht ausprobiert habe.
Aber im Moment fällt mir nix ein;)

Gustav verbeugt sich und sagt:
Danke fürs Lesen,
H.

Bernd E.
24.07.2016, 15:44
Hallo Holger,

schöner Bericht und ein Ansporn auch mal selbst etwas auszuprobieren!

Vielleicht kannst du mal ein Video vom Gustav erstellen, wenn es die Zeit erlaubt. Musik muß auch nicht sein.

Grüße, Bernd

Holger W.
16.10.2016, 14:06
Hi,
nachdem Gustav sich praktisch jedes Mal in den Kofferraum mogelt, wenn es zum Fliegen rausgeht, hat er jetzt schon ein paar Dutzend Cycles auf dem Buckel. Und weil es auf den Herbst zugeht, ist mit mehr und mehr Wind zu rechnen.
Damit kommt der Nurflügelzwerg gut zurecht, aber er liegt nicht ganz so ruhig, wie ich das von seinen etwas grösseren Hangargenossen kenne, die nach demselben Rezept gemacht sind.

Abgesehen von der geringen Grösse dürfte im Fall von Gustav die Tatsache eine Rolle spielen, dass ich hier mit Rippen in der Fläche besonders sparsam war und deshalb hinter dem Holm die eine oder andere nicht ganz symmetrische Formabweichung vorkommt. Die Strömung weiss also zuweilen nicht so genau, was sie denn jetzt machen soll:D

Um das möglichst früh zu klären, hab ich mir das hier ausgedacht:

1678287

oder näher:

1678290

Bei etwa t/10 verläuft über die ganze Spannweite eine Stolperkante aus einem Streifen Gewebeband, freihändig aufgeklebt.

Der Effekt ist extrem angenehm: Gustav liegt spürbar ruhiger, und er hat auch keine "Schokoladenseite" mehr. Die Ruderreaktionen kommen direkter und noch besser dosierbar als ohne Turbulator.

Das war offenbar die richtige Idee!
H.