PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ein "etwas größerer" Canard-Segler



Canard
20.03.2008, 20:08
Hallo Leute,

nach einigen kleinen bis winzigen RC-Modellen (u.a. ein 20 Gramm AVRO Doppeldeckerchen) musste mal wieder etwas größeres gebaut werden. Ist ja auch schon allein für die Augen erholsamer...

Und damit es nicht allzu langweilig wird, sollte es ein Canard werden.

Hier einige Eckdaten:


- Spannweite incl. Winglets 500 cm
- Flächentiefe: 38 cm
- Mittelflügel eben
* Profil: aus Familienbestand, Dicke: 13%
* Unterseite im hinteren Drittel leicht eingezogen
* 140 cm breiter Spoiler auf Oberseite
* I-Holm mit 16mm x 5mm CFK verstärkten Holmen (CFK-Gewebe über Balsakern gezogen)


- Außenflügel
* 5° V-Form
* Profil wie Mittelflügel
* Querruder
* I-Holm mit 16mm x 5mm CFK verstärkten Holmen (CFK-Gewebe über Balsakern gezogen); Holme außen auf 12 x 5 mm verjüngt

- Winglets mit 45° V-Form
* Profil wie Mittelflügel
* zum Randbogen linear geometrisch und aerodynamisch gestrakt
* Randbogenprofil: vollsymmetrisch mit 10% Dicke und 0° Einstellwinkel.
* 10mm CFK Rohrholm

- Rumpf
* Länge: 300 cm
* Durchmesser im Flügelbereich: 8 cm
* CFK Gewebeschlauch (über nachträglich zu entfernenden Positivkern)

- Canardflügel
* Spannweite: 150 cm
* CFK-Holm
* Profil: Laminarprofil aus Familienbestand, Dicke: 11,5%
* V-Form: t.b.d. (ca. 10°)

- Seitenleitwerk
* Höhe: 60 cm (Hilfe !!)
* 10 mm CFK Rohrholm

- Abflugmasse: ca. 4700 g

- Schulz TEK Vario mit Datenlogger
- FlyCamOne-2 an verschiedenen Rumpf- und Flügelstationen
- RC: Canard, Seitenruder, Querruder, Spoiler, Rettungssystem (siehe unten)

Da mir das Flugverhalten dieser Ente noch a bissl unheimlich ist (besonder bei größeren Geschwindigkeiten ---> Unterschneiden), kann die Unterseite des 80cm langen Hecks bei Gefahr "abgesprengt "werden und das Ganze segelt an einem Schwerpunkt-befestigten 2 m Fallschirm (früherer Lastenschirm aus Seide) sicher zu Boden.

Im Juni wird dieses Monster nach ausgiebigem Einfliegen auf der Koralpe eingesetzt. Vielleicht werde ich für die Tests in unserem Münchener Flachland einen E-Motoraufsatz benötigen; muss mal sehen, wie ich das kostengünstig bewerkstelligen kann.

Möglicherweise wird dieser Canard dem Einen oder Anderen häßlich vorkommen; sei' s drum, es ist halt ein reines Zweckmodell; kompromisslos auf Leistung ausgelegt, um lange Flüge in großen Höhen zu absolvieren. 6 Monate Rechnerei und Konstruktion sind nun vorbei und nun wird geharzt und gefräst!

Über Emails mit hoffentlich konstruktiven Beiträgen werde ich mich auf jeden Fall freuen: vkgroebi@aol.com

Habt ein ruhiges und bastelintensives Osterfest (der Wetterbericht lässt ja leider nicht viel Gutes erhoffen).

Volker

rubberduck
20.03.2008, 20:56
Das passt ja wie die "Faust aufs Auge"
http://www.rc-network.de/forum/showthread.php?t=98167
Segler mit 4 Tragfächen (ein Canard...oder zumindest ein Tandemflügler)

Endlich mal was für "Querdenker" ...

schau dir mal den Draganfly Tango an (eine Art US-Drohne / UAV)

der scheint nicht zum Unterschneiden zu neigen ...

gruss
jürgen

chrisrp
20.03.2008, 21:34
*einklink*

Hi Volker

von mir schon mal ein erstes "Hallo bei RC-N" :)

technisch kann ich Dir nichts zu sagen,
aber die Aussage "Möglicherweise wird dieser Canard dem Einen oder Anderen häßlich vorkommen; sei' s drum, es ist halt ein reines Zweckmodell; kompromisslos auf Leistung ausgelegt, um lange Flüge in großen Höhen zu absolvieren. 6 Monate Rechnerei und Konstruktion sind nun vorbei und nun wird geharzt und gefräst!" gefällt zumind. mir ganz gut...

Meine "Flieger" sind auch eher Zweckflieger und die Optik ist mir eher egal - und ich bin nicht der Meinung, daß Deine Ente häßlich aussieht; eher interessant und neugierig machend...naja Geschmackssache

Vielleicht ist es Dir ja möglich später hier im Forum mal ein kleines Video einzustellen ?

frohe Ostern
Christian

Chrima
20.03.2008, 21:54
ich bin nicht der Meinung, daß Deine Ente häßlich aussieht; eher interessant und neugierig machend...
Gleicher Meinung !

Hallo Volker
Super !
Enten haben mich auch schon fasziniert. Und es gab nicht nur die von Rutan !
Hier der Canard (http://www.ruppert-composite.ch/531251969e07ee402/531251969e07efa04/53125196a30bb160f/index.html) ! Damals musste mein "Kleiner Uhu" auch einmal für einen Umbau hinhalten ! :D

Grüsse
Christian

Markus B
20.03.2008, 22:20
Hallo canardfreunde,

muss mich zuerst entschuldigen,dass ich diesen thread damit jetzt unterbreche,nur denke ich, das ich mit dieser frage hier am besten aufgehoben bin;-)

es gibt ja eine speed-canard,das ist ja eigentlich der rumpf von der twin astir,nur eben abgeschnitten,einfach gesagt...
jetzt die frage: ich habe schon vermehrt bilder von dem rumpf gesehen, jedoch als segler mit einer weitaus grösseren spannweite,könnt ihr mir da weiterhelfen von wo ich bilder herbekomme,oder besser, ob es einen hersteller gibt,der es als modell baut und vertreibt???

die antworten am besten per pn um den thread nicht weiter zu stören! danke im vorraus

gruss markus

Chrima
20.03.2008, 23:28
Beim Googeln hab ich gerade noch den hier (http://www.youtube.com/watch?v=q_l2BAIdiv8) gefunden ! :D
Grüsse
Christian

Canard
20.03.2008, 23:46
Hi Markus,

auf der ILA 1996 hatte Jemand ein sehr interessanten flugfertigen Canard (2-Sitzer Tandem) ausgestellt, wo ein Twin-Astir-Rumpf verwendet wurde; kann mich aber leider nicht mehr an den Namen des Konstrukteurs erinnern.

Habe selber lange Jahre den Twin auf Strecke geflogen und auch meinen 300 km Diamanten damit gemacht. Damals die S-Klasse des Segelflugs!

Traurigerweise ist der Konstrukteur und Firmeninhaber noch im gleichen Jahr (also 1996) mit einem dieser Canard-Prototypen tödlich verunglückt.

So, wie ich es in Erinnerung habe, war dies aber dennoch ein sehr professionelles Design.

Vielleicht hilft Dir dies a bissl weiter.

Schöne Ostergrüße

Volker

Hans-Jürgen Fischer
21.03.2008, 00:01
Markus,

du meinst wohl: D-KMSE Reichelt Erpel

142953

Foto (c) by H.-J.FISCHER

Gruß
Hans-Jürgen

PS: andere, besser Bilder müssten sich noch ein paar bei mir finden.

FROHE OSTERN

Canard
21.03.2008, 00:05
Hi Jürgen,

Merci für Deine Mitteilung.

Diese pot. Gefahr des Unterschneidens ist schlicht eine Frage der verwendeten Profile (Verlauf des Ca) und der Hebel.

Die Hersteller des DRAGANFLY werden uns wohl sicherlich nicht (leider) deren Daten zur Verfügung stellen.

Um das kritische Flugverhalten meiner Ente quantitativ zu untersuchen, kann der Einstellwinkel des Vorflügels (also auch die berühmte EWD) in 1/10 ° Schritten variiert werden, um den optimalen Wert im Flug zu ermitteln.

Schöne Ostertage

Volker

hänschen
21.03.2008, 10:17
Hallo Volker, tolles geiles Teil, herzlichen Glückwunsch zu dieser Idee und alles gute für Bau und Flug.

Twin: "S"-Klasse: naja... als Flugschüler in den siebziger Jahren war die Ka 7 für mich auch "S"-Klasse, aber da gab´s auch schon: BS 1, ASW 17, Cirrus, DG 100, ASW 15, Kestrel, Libelle...

Canard
23.03.2008, 20:09
Bauphase "Ein etwas größerer Canard"


Teil 1

An dieser Stelle werden in regelmäßigen Abständen neue Bilder und Berichte zum Baufortschritt dieses Mega-Erpels erscheinen; wer interessiert ist: markieren und dran bleiben!

Gestern und Heute wurden die Positivformen für den Rumpf erstellt:

Zur besseren Handhabung wurde der Rumpf in Segmente von jewels 45 cm Länge (Vorderteil) bzw. 40 cm Länge Hinterteil unterteilt, welche bei der späteren Herstellung des CFK-Rumpfes auf ein gewöhnliches 1/2" Kupferrohr (aus dem Sanitärhandel) aufgezogen werden.

Erstellung der Grundrisse für diese Kegelkonusabschnitte: wie bei den 1:50 Papiermodellen (z.B. Wilhelmshavener Modelle oder Schreibers Modelle).

Material: stabiler Zeichenkarton.

Diese Kegelabschnitte sowie das zylindrische Mittelteil werden an ihren beiden Enden jeweils mit einer Sandwich-Platte aus 5 mm Balsa (innen) und 0.6 mm Sperrholz (außen) abgeschlossen. Alle erhalten die zentrale 1/2" Öffnung zum späteren Auffädeln sowie zusätzliche Entlastungsöffnungen für den einzubringenden stabilisierenden Bauschaum.

Weiter geht es in Teil 2

Canard
11.04.2008, 01:35
Teil 2

Weiter geht's nun mit Rumpf- und Holmbau.


Herstellung der Rumpfform
Die Urform für den 3 m langen CFK-Rumpf wurde in verschiedene 40 cm bis 45 cm Segmente in Form von Kegelstümpfen segmentiert, um die Handhabung handlicher zu gestalten.

Für die spätere Herstellung des CFK-Rumpfes werden diese Segmente auf zwei 1/2 " Heizungsrohre gefädelt, welche bereits in der erstmal zu erfolgenden Versteifung dieser Segmente bereits ihren Dienst verrichtet werden.

Nach dem Ausscheiden der Karton-Vorlagen wurden diese Segmente zu besagten Kegelstümffen gerollt und nahtlos verklebt (änlich wie bei z.B. den Kartonmodellen von Wilhelmshavener oder Schreiber).

Die Enden dieser Segmente wurden mit je einer Sandwich-Scheibe (1 mm Sperrholz, 10 mm Balsa, 1 mm Sperrholz) abgeschlossen. Jede Scheibe erhielt neben ihrer zentralen 1/2" Zentralbohrung weitere Entlüftungsöffnungen für den zu erwartenden Druck der kommenden Füllung mit Montageschaum.

Besagte 1/2 " Rohre wurden mit Silikonfett eingerieben und die Rumpfsegmente wurde nach und nach aufgefädelt und unmittelbar mit Montageschaum gefüllt.

Zugegebenermaßen resultiert dies in einer mittleren Sauerei (dies Zeug schäumt und expandiert, da sind Brausepulver und Großkonzerne nix dagegen); nach Abbinden des Schaums kann man diese hellen "Hundehäufchen" aber absolut rückstandslos entfernen - Haussegen sei Dank !!!

Durch Erhitzen der Kupferrohre mit einem Heißluft-Püster konnten die Segmente problemlos abgezogen werden.

Nach äußerer Säuberung der Segmente liegen nun alle Teile für die nun anstehende Fertigung des CFK-Rumpfes vor.


Herstellung der CFK-Holme
Die häusige 3 m Helling wurde mit Backpapier belegt.

Kerne dieser Holme sind Balsastege mit 5 mm x 16 mm (Mittelflügel) sowie nach außen auf 12 mm verjüngte Stege für die Außenflügel; jeweils in der Mitte geschäftet.

Diese Kerne wurden mit CFK-Gewebeschlauch überzogen und am Ende mit einer Schnur (ähnlich einer Wurst) verknotet; dabei mit Sekundenkleber gesichert.

Nun wurden die CFK-Holme mit Epoxyharz eingepinselt und das überschüssige Harz wurde mit einem Lappen abgewischt.

Alle 6 Holme wurden parallel auf der Helling angeordnet und die Schnüre wurden an den Stirnseiten der Helling SEHR straff gezogen und verknotet.

Eine weitere Lage Backpapier wurde draufgelegt und das Ganze wurde mit einem weiteren 170 cm Baubrett belegt und mit 2 Kästen köstlichen bayerischen Biers (voll !!) beschwert. Keine Bange; es war noch ein dritter Kasten (auch voll) vorhanden.

Nach 24 Stunden wurden die CFK Holme ohne jegliches Kleben aus dem Backpapier entnommen und in horizontaler Lage für 18 Stunden bei 40° getempert.

Letztendlich wurden die Schnurenden abgesägt und ein Set von 6 brettharten und absolut strammen Flügelholmen ist fertig für den weiteren Zusammenbau.

Im nächsten Bauabschnitt wird der 3 m lange CFK-Rumpf erstellt.

Bis nächste Woche


Volker

Canard
12.04.2008, 19:04
Teil 3

Weiter geht's nun mit dem Rumpfbau.

Die bereits benutzen 1/2“ Rohre wurden mit feinem Schmirgel gesäubert und wiederum mit Silikonfett bestrichen, wobei an beiden Enden ein ca. 20 cm langer Bereich frei gehalten wurde, um dort später die CFK-Schläuche fest anbinden zu können.

Die gesäuberten Segmente der Rumpf-Urform wurden auf die Rohre bündig aufgeschoben (Frontpartie auf Rohr 1 und Zentral- und Heckpartie auf Rohr 2).

Als Trennmaterial wurde darauf eine Lage Backpapier gerollt.

Entsprechend der jeweiligen Durchmesser wurden die CFK-Gewebeschläuche verteilt: 3 Lagen im Mittelbereich, 2 Lagen von der Rumpfmitte (80 mm Durchmesser) bis zum äußeren Drittel und nur noch 1 Lage bis zum 30mm vorderen bzw. hinteren Rumpfabschluss.

Alle Lagen wurden in Bereich der Rumpfmitte fixiert und nach außen straff fixiert, wobei besonders die äußere Lage extra straff gezogen wurde, um die Rumpfform zu erhalten.

Nun wurden diese aufgefädelten Segmente mit Harz bestrichen und ähnlich wie bei der Holmherstellung mit einem Lappen abgewischt, um überschüssiges Harz zu entfernen.

Es ist klar, dass hierbei kein aalglatter Rumpf entstehen wird; war aber auch nie die Absicht, da sich der Aufwand für eine Negativform bei solch einem Experimentalmodell kaum lohnt (vielleicht später nachzuholen).

Nach dem Aushärten wurden die beiden Rumpfröhren noch über ihren Formen getempert und abschließend abgedrückt.

Voilà; 2 schöne konische Rumpfsegmente mit nicht unansehnlicher Struktur.

Im nächsten Bauabschnitt geht es um den Bau des Flügels und des Canards.

Bis die Tage


Volker

Canard
17.04.2008, 22:51
Bauabschnitt 3a

Mittlerweile sind alle CFK-Teile fertig; viel schönes Carbon....

Rohmaterial für die Flügelholme sowie Flügelverbinder, Rohrholme für Winglets und Carnard von http://www.carbon-vertrieb.com/.

Ob der 5 m Spannweite musste ein Composit aus 2 Bildern angefertigt werden, um das Skelett dieser Ente noch auf's Bild zu bekommen.

Der helle Stock im Bild ist ein gewöhnlicher 2 m Maßstab.

Alle V-Formen des Flügels und des Canards sind hier in die Ebene geklappt; also bitte nicht mit einer Pfeilung verwechseln! Ebenso die beiden an sich übereinander angeordneten Holme des Flügels.

Gute Güte... D-Box, Endleisten und Rippenaufleimer werden 42 Balsabrettchen verschlingen!

Zusätzlich werden noch etwa 200 m CFK Rovings verbaut.

Als nächstes kommen aber wirklich die ersten Flügelbilder.

Bis die Tage


Volker

mikesch
05.05.2008, 15:55
Hi Volker,

vielleicht hilft´s Dir: Ich habe schon im Angelladen relativ günstig konische CFK-Rohre (Ersatzteile für Angelruten) gekauft, die ggf. bei Deinem Projekt als Rumpf einsatzbar wären.

Ich fliege selber auch Enten, z.B. eine Long EZ (vgl. www.torcman.de -> praxisbeispiele).

Mikesch aus Ulm