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  • Fliegertraum aus Holz und Seide



    Fliegertraum aus Holz und Seide


    Klemm L25-D von Krick


    Klaus Bartholmä


    Die Konstruktion der Klemm L25-D wurde von Krick grundlegend überarbeitet und modernisiert. Der Baukasten kommt nun in zeitgemäßer Lasercut-Technologie und ist konsequent auf den Elektroflieger ausgerichtet

    Schlicht ist der Karton, in dem die Klemm L25-D zum Kunden kommt. Lediglich ein buntes Bild mit dem Modell drauf ziert die kleine Kartonage, kaum ist der Baukasten vom Vorgänger zu unterscheiden. Groß ist jedoch der Unterschied beim Inhalt, denn die gestanzten Brettchen des Vorgängers sind sauber gelasertem Material gewichen. Viele Teile sind es, aber schon durch die Nummerierung erfolgt eine saubere Zuordnung der Bauteile zu den Bauabschnitten der toll gemachten und gut bebilderten Anleitung. Am Anfang jeder Baustufe ist eine Stückliste mit den benötigten Bauteilen abgedruckt, die sich dann in den folgenden, detailliert beschriebenen Arbeitsschritten zu einem exzellenten Modell zusammenfügen lassen.


    Holzwurmspaß
    Der Rumpfbau beginnt ganz klassisch mit dem Aufbau der Seitenwände, in die man die Spanten einsetzt, wodurch sehr schnell der dreidimensionale Rumpf entsteht. Schwierigkeiten gibt es dabei keine, sofern man akribisch der Bauanleitung folgt. Lediglich die Montage des Rumpfrückens ist anspruchsvoll, da man das Material wässern muss, bevor es mit viel Klebeband auf den Rumpf kommt. Ich habe beim Bau des Modells fast ausschließlich Weißleim verwendet, der natürlich einige Zeit zum Aushärten benötigt. Dafür erhält man eine dauerhafte Verbindung und keine Versprödung des Balsaholzes, wie sie häufig durch Sekundenkleber hervorgerufen wird. Außerdem soll ja schon der Bau der Klemm eine Freude sein – und was hat man davon, wenn der Bauspaß allzu schnell vorüber ist?
    Auch das Cockpit erfordert etwas Geduld. Obwohl man nur sieben Teile zusammenkleben muss, wird schon etwas Zeit benötigt, denn auch hier wollen die beiden Beplankungshälften gut gewässert und sauber um die Spanten gebogen werden. Viel Papierklebeband hilft dabei, das Cockpit während der Trockenphase des Klebers in Form zu halten. Ich habe zudem vor den beiden Cockpitausschnitten noch jeweils einen zusätzlichen Halbspant aus Reststücken eingesetzt, weil sich damit eine gleichmäßigere Rundung der Beplankung ergab. Das Seitenleitwerk ist direkt am Rumpf angeformt und etwas filigran. Sind jedoch die Beplankungsteile angebracht, wird es sehr steif. Die Ruderflosse entsteht in Gitterkonstruktion, die nach dem Aushärten der Einzelteile sauber verschliffen wird. Genau gleich ist das Höhenleitwerk aufgebaut, nur dass es nicht fest mit dem Rumpf verbunden ist, sondern nach dem Bespannen verschraubt wird. Es bleibt abnehmbar, womit das Modell sehr transportfreundlich ist.


    Zu viel Balsa
    Neu bei der überarbeiteten Klemm ist, dass das Flächenmittelstück, das im nächsten Schritt gebaut wird, fest mit dem Rumpf verbunden ist und die Außenflügel angesteckt werden. So gestaltet sich der Aufbau des Modells auf dem Flugfeld recht einfach. Die Kräfte des Fahrwerks und der Flügel werden über eine stabile Sperrholzaufnahme flächig in den Rumpf eingeleitet – eine leichte und dennoch sehr stabile Konstruktion. Bei der Montage des Mittelstücks am Rumpf treten jedoch kleine Schwierigkeiten auf, denn der Konstrukteur hat übersehen, dass die Balsa-Beplankung auf dem Sperrholzrahmen des Rumpfes zu einer zu großen Breite führt. Hier muss man mit dem Balsamesser die Beplankung der Rumpfseitenwand abschälen, damit man das Flächenmittelstück an Ort und Stelle verkleben kann. Als Nächstes folgt der Motorträger, der aus fünf Teilen montiert wird. Ich habe den Motor auf dem Träger montiert, bevor er an den Rumpf geklebt wurde, weil man so besser an die Muttern zur Motor-Montage herankommt.

    Kein Plan
    Ungewöhnlich ist der Aufbau der Flügelhälften. Dem Baukasten liegt ja kein Bauplan bei und so kann ich das Rippengerüst nicht, wie sonst üblich, nach Bauplan erstellen. Stattdessen beginne ich den Bau mit der unteren Beplankung, auf der die Rippen aufgeklebt werden, und dem Hauptholm. Damit die Rippen sauber positioniert sind, versehe ich sie mit kleinen Füßchen, die passgenau in der Beplankung einrasten. So wird Rippe für Rippe zusammen mit der Verkastung des Hauptholms auf der Beplankung aufgebaut. Den Abschluss bilden das Einkleben des oberen Hauptholms und das Aufbringen der oberen Beplankung, die ich nebenher separat angefertigt habe. Die Nasenleiste entsteht zudem noch aus einer Sperrholzleiste, auf die ich eine Balsaleiste aufleime und nach dem Aushärten des Leims sauber verschleife. Die Querruder werden wieder in Rippenbauweise erstellt und die Randbögen in Schichtbauweise. Jetzt folgt des Modellbauers Lieblingsbeschäftigung: das Schleifen. Mit einem Hobel und einem kleinen Blockbandschleifer habe ich die groben formgebenden Arbeiten durchgeführt. Die Feinarbeit erfolgt wie üblich mit dem Schleifbrett und von Hand. Das Tragen eines Mundschutzes ist dabei obligatorisch, wenn man kein Fan von schweren Hustenattacken ist.


    Ohne Grundierung und Beize, aber antik
    Die Anleitung empfiehlt, das Modell mit Oratex zu bespannen und davor mit Kiefern-Beize und einer Schicht Schleifgrundierung zu streichen. Aber das Schöne an einem selbst gebauten Modell ist ja, dass man es nach Herzenslust und eigenem Geschmack gestalten kann. Also entschied ich mich, weder Schleifgrundierung noch Beize aufzubringen, sondern das Modell mit Oratex zu bespannen und hinterher zu lackieren. Nach kurzer Recherche im Internet fand ich das Original, das ich nachbauen wollte: die D-EKDJ sollte es sein. Der dunkelrote Rumpf in Verbindung mit den beigefarbenen Flügeln gefiel mir auf Anhieb. Also wird das ganze Modell in der Farbe antik bespannt und entsprechend des Originals lackiert. Zur Anwendung kommen Acryl-Farben von Duplicolor, mit denen ich schon gute Erfahrungen gesammelt habe. Zunächst werden die nicht zu lackierenden Flächen sauber abgeklebt, dann das ganze Modell mit Basic-Grundierung hellgrau grundiert und die silbernen Teile lackiert.
    Hinter dem Cockpit hat die Original-Klemm eine Klappe aus Alu. Die klebe ich ab und lackiere den ganzen Rumpf mit Basic-Grundierung in Rostrot. Das Original ist allerdings hochglänzend lackiert, mein Modell jedoch matt, was ihm nach meinem Geschmack besser zu Gesichte steht. Den Dekorbogen habe ich nicht verwendet, sondern stattdessen die passenden Schriftzüge bei „Folien-Arbeiter“ erstellen lassen.


    Die Querruder-Servos sollen laut Hersteller auf einem Brettchen verklebt und dann im Flügel verschraubt werden. Mir gefiel diese Lösung nicht, weshalb ich die Rudermaschinen auf kleinen Holzklötzchen verschraube, wodurch sie bei einem Defekt leicht ausgetauscht werden können. Wie sich zeigt, ist das schon vor dem Erstflug notwendig, da eines der Servos nicht einwandfrei funktioniert. Verwendung finden dabei Graupner-DES 477BB-Servos, deren Kabel ich auf die notwendige Länge verlängere. Die gleichen Rudermaschinen verwende ich für die Anlenkung des Höhen- und Seitenruders. Außerdem findet noch ein Sky-Master-Drehzahlsteller aus dem Antriebsset seinen Platz neben der Motorhalterung, wobei mein kleiner Multiplex-RX-7-Empfänger ebenfalls exakt passend seinen Platz zwischen den beiden Servos findet, wo er mittels Kabelbinder gesichert wird. Damit die Antenne sauber verstaut ist, habe ich zusätzlich noch ein zehn Zentimeter langes Bowdenzugröhrchen hinter dem Cockpit eingebaut. Zum Abschluss des Baus dürfen noch die Cockpit-Umrandungen angefertigt und die beiden Windschutzscheiben angebracht werden. Dann montiere ich das Fahrwerk. Ein Freund, der das Modell schon früher einmal hatte, empfahl mir hierbei, die beiden Fahrwerksdrähte etwas nach vorne zu biegen, um die Tendenz zum Kopfstand zu reduzieren. Auch die Anleitung gibt den Hinweis, also habe ich die originalgetreue Stellung der Räder gar nicht erst ausprobiert, sondern biege meine Fahrwerksbeine gleich entsprechend, bevor ich sie einbaue.


    Abgehoben und genossen
    Fertig ist die Klemm. Aber was ist ein offenes Flugzeug ohne Pilot? Ich entscheide mich diesmal für eine schicke Pilotin passenden Maßstabs aus dem Vertrieb von PAF. Damit sie auch in der richtigen Höhe durch die Windschutzscheibe sehen kann, muss sich die Dame einer Rückenoperation mittels Säge unterziehe. So findet sie ihren Platz im hinteren Cockpit auf dem Brettchen, das den Magneten für den Haubenverschluß trägt. Nun ist sie wirklich fertig, meine Klemm L25-D von Krick und möchte gerne in ihr Element. Vorher widme ich mich aber noch ausgiebig der Schwerpunktlage. Das Problem: Die Anleitung empfiehlt die Verwendung eines 3S-2.600-mAh-Akkus. Damit lässt sich der in der Anleitung angegebene Schwerpunkt nicht ohne Bleizugabe erreichen. Deshalb entscheide ich mich, im Kopfspant eine rechteckige Öffnung anzubringen, sodass ich den Akku bis unter den Motorträger nach vorne schieben kann. Ein kleiner Anschlag verhindert, dass der Akku in die Motorhaube fällt.


    Start mit Vollgas
    Als es endlich zum Erstflug gehen soll, stelle ich fest, dass alle meine 2.600-mAh-Akkus über den Winter den Heldentod gestorben sind. Also habe ich meine 2.200er-Akkus hervorgekramt und das fehlende Gewicht mit etwas Blei ausgeglichen, damit der Schwerpunkt wieder stimmt.
    Also los zum Start. Meine Rollversuche auf der Asphaltbahn zeigen allerdings, dass die Klemm aufgrund des fehlenden Spornrades und des relativ kurzen Hecks nur schwer auf Spur zu halten ist. Den ersten Startversuch muss ich deshalb abbrechen, weil das Modell seitlich ausbricht. Beim zweiten Start gebe ich mutig Gas und die Klemm zieht davon. Mit Vollgas liegt genügend Strömung am Seitenruder an, so dass sie gut auf Kurs gehalten werden kann, bis sie nach etwa 20 Metern Rollstrecke vom Asphalt abhebt. Der Antrieb, der sich im Stand gerade mal 21,5 Ampere genehmigt, ist eben nicht der kräftigste, aber das Original war ja auch nicht üppig motorisiert.


    Genuss pur
    Die Motorleistung reicht für einen Steigflug mit 30 Grad Neigungswinkel aus, wobei der Stromkonsum im Horizontalflug auf 17 Ampere sinkt – wohlgemerkt bei Vollgas. Nimmt man das Gas zurück, sinkt die Geschwindigkeit nur unmerklich, die Stromaufnahme geht aber auf acht bis zehn Ampere zurück. Dass man damit auch mit einem 2.200er-Akkus lange fliegen kann, ist klar. 20 Minuten sind kein Problem und wenn es gut trägt, auch mehr. Der Abfangtest zeigt mir, dass der Schwerpunkt noch etwas zu weit vorne liegt. Ich nehme die 60 Gramm Zusatzgewicht raus und bin zufrieden. Der Schwerpunkt liegt nun bei 80 Millimetern hinter der Nasenleiste, fünf Millimeter weiter hinten als die hintere Angabe in der Anleitung. Diese Lage wäre ohne meinen Umbau mit dem 2.600er-Akku ebenfalls erreichbar gewesen.
    Die Klemm ist aber kein Rennflugzeug und auch kein Kunstflugzeug. Sie begeistert nicht mit hoher Geschwindigkeit und auch nicht mit abstrusen Kapriolen am Himmel. Nein, die Klemm von Krick ist ein reiner Genussflieger! Es macht Spaß, sie zu fliegen und sie fliegen zu sehen. Kreisen in der Thermik ist ein toller Anblick, denn die klassische Flügelgeometrie hebt sich gut von anderen Modellen ab und es ist ein Traum, die tolle Holzkonstruktion durch die Bespannung hindurch anzusehen. Besonders schön ist Wiesenschleichen mit der Klemm und der wiederholte Vorbeiflug am eigenen Standplatz. Meine Pilotin zwinkert mir dabei zu und freut sich ebenfalls – meine ich jedenfalls zu bemerken …

    Kurzer Rumpf, kleines Leitwerk
    Ein Anfängerflugzeug ist die Klemm L25-D jedoch nicht. Sie will mit allen Rudern geflogen werden und ist aufgrund des kurzen Rumpfes um die Hochachse etwas empfindlich. Die geringe Motorisierung erfordert eine gute Einteilung des Fluges, denn die Leistungsreserven für Manöver der letzten Minute sind gering. Aber dafür ist das Flugverhalten absolut gutmütig. Einen Strömungsabriss kennt die Klemm nicht, sie sackt einfach durch und sie liegt exakt auf den Rudern. An den Ruderausschlägen aus der Bauanleitung gibt es also nichts auszusetzen, lediglich den Höhenruderausschlag habe ich von neun auf zwölf Millimeter erhöht, um beim Landen die Geschwindigkeit besser aus dem Modell ziehen zu können. Landungen wollen übrigens gut eingeteilt werden, denn das Modell gleitet ewig, bevor es mit etwas Schleppgas sanft aufsetzt. Das Ausrollen ist wegen des Sporns wieder Zufallssache. Ich werde wohl ein kleines Spornrad nachrüsten, das hat mein Original auch. Aber das macht nichts, denn ich habe meine Klemm bereits ins Herz geschlossen, mit all ihren Ecken und Kanten ist sie eben ein charaktervolles Flugzeug, das man gern haben muss!


    Mein Fazit
    Die Klemm L25-D von Krick ist ein tolles Flugzeug, das wie eh und je mit guten Flugeigenschaften überzeugen kann. Sie fliegt gutmütig und hat ein einzigartiges Flugbild, das genussvolles Feierabendfliegen für den fortgeschrittenen Piloten zum Erlebnis werden lässt. Aufgrund des toll gemachten Baukastens und der super Anleitung ist schon der Bau eine Freude und obendrein kann man das Modell individualisieren, wie man möchte. So kann die Klemm L25-D von Krick nun auch die nächsten 30 Jahre unsere Modellflugplätze bereichern.
    Kommentare 1 Kommentar
    1. Avatar von Peter2
      Peter2 -
      Hallo Klaus
      Vielen Dank für Deinen Bericht über den Bau und das Fliegen mit der "neuen" Klemm !
      Ich habe mir vor über 15 Jahren eine Klemm L25d rein nach dem originalen Plan der Fa. Krick eerbaut. Also die Zeichnung aufs Holz übertragen, aussägen bzw. schneiden, viel schleifen und schließlich zusammen leimen (ebenfalls mit Holzleim).
      Mein Modell (noch aus der früheren Entstehungsphase konventionell von einem hängend eingebauten OS FS 30 Viertakter mit 4 ccm und Glühung angetrieben) begeistert mich auch heute noch bei schwachem oder ohne Wind stets aufs Neue, auch durch den typischen tuckernden Viertaktersound bei Teillast. Etwas 1/4 bis 1/3 Gas reichen aus, um die Höhe zu halten (Motorsegler).
      Ich habe meine Klemm damals mit gelbem und weißem Papier bespannt.
      Bilder und weitere Infos findet Ihr unter früheren Beiträgen dazu von mir (u. a. modifiziertes und gefedertes Hauptfahrwerk und Motorhaube aus GfK).
      Ich wünsche allen Klemm Besitzern ebenfalls ganz viel Freude beim Bau und Fliegen dieses tollen Oldies.
      LG
      Peter
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