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  • Rasty - ein Double-Skin RC-Paraglider entsteht

    Rasty

    Ein Double-Skin RC-Paraglider entsteht

    Herry Hoffner







    Im Frühjahr 2018 hatte ich die Idee, einen Double-Skin-Paraglider zu entwickeln und zu bauen.
    Die Double-Skin-Paraglider der Vergangenheit hatten den Nachteil, dass diese bei Klappern schwierig zu stabilisieren waren. Aus diesem Grunde entwickelten die RC-Para-Hersteller die Single-Skin-, und später die Hybrid-RC-Paraglider. Mein Ziel war es jedoch, einen Double-Skin-Paraglider zu entwickeln, bei dem Klapper so ausfallen, dass sie sich selbständig aufheben.
    Mit der in 14 Eigenbauten gesammelten Erfahrung setzte ich mich an meinen PC und begann mit der Konstruktion von Nummer 15.


    Meine Vorgaben

    Spannweite: 4,00 m
    Fläche: etwa 2,3 m2
    Streckung: > 7
    Zellen: 39
    V-Rippen, dadurch weniger Leinen,
    Porcher Skytex 27 g,
    Edelrid-Aramid-Leinen 0,4 mm,
    Liros Technora 0,45 mm für die Stammleinen.



    Wie muss ich einen Double-Skin-Paraglider konstruieren, damit er stabiler und sicherer ist?

    Meiner Meinung nach geht das nur über das Profil, den Zellenaufbau und die Segelspannung.
    Zunächst wählte ich ein passendes Profil und das Shape unseres GIN-Fly aus.
    Dieses gefällt nicht nur mir sondern auch anderen sehr gut. Ein weiterer wichtiger Bestandteil eines RC-Paragliders ist die Leinengeometrie. Wegen des Widerstandes sollten es so wenige Leinen wir möglich sein, aber gleichzeitig ausreichend viele, um eine gute Kappenspannung zu erzielen. Erfahrungsgemäß sind bei einem 4 m-Paraglider mit einer Streckung >7 V-Rippen unumgänglich.



    Um eine noch bessere Zellenstabilität zu bekommen, teilte ich die Zellen in einen vorderen und hinteren Zellenbereich. Weil es damit aber noch keine Erfahrungen gab, habe ich diese Einteilung an einer Modellzelle aus Holz ausprobiert.
    Stück für Stück konstruierte ich so meinen Paraglider mit dem Namen RASTY.

    Zwischenzeitlich setzte ich mich mit Andreas „Elchdive“ und Alex in Verbindung, um ihre Meinung einzuholen.

    Andreas hat sich bereit erklärt, die Näharbeiten zu übernehmen. Es stand von Anfang an fest, dass die Näharbeiten sehr kompliziert und umfangreich werden.
    Alex stand mir bei der Anfertigung der Holzmodellzelle hilfreich zur Seite.





    Der Test mit einem Heißluftföhn am Modell war erfolgreich. Dem Bau des RASTYs stand somit nichts mehr im Wege.




    Der übliche Fertigungsprozess begann

    Die Schablonen aus Surfplan wurden auf DIN A 0 ausgedruckt. Danach ging es ans Ausschneiden der Schablonen. Für die Rippen wählte ich das etwas dickere Porcher-Skytex-Tuch mit 40 g/m2.




    Für alle anderen Bauteile das Porcher-Skytex-Tuch 27 g/m2. Das Segeltuch wird auf die ausgeschnittenen Schablonen gelegt, mit vielen Magneten auf der Stahlpatte fixiert und mit dem Lötkolben ausgeschnitten. Anschließend wird die Nählinie auf das Tuch aufgezeichnet. Eine Arbeit, die mir am wenigsten liegt.
    Bis alle Einzelteile ausgeschnitten und die Linien aufgezeichnet sind vergehen einige Stunden.



    Von Profis wird dieser Prozess mit einem Laserplotter in einem Arbeitsschritt erledigt und ist um ein Vielfaches einfacher. Falls wir in der Zukunft auch mal einen Laserplotter zur Verfügung haben, wäre das eine erhebliche Zeitersparnis.

    Momentan benötigen wir für die Fertigung eines 4 m Double-Skin-RC-Paragliders rund 100 Stunden, ähnlich wie die Profis. Die Stunden für die Konstruktion sind dabei noch nicht eingerechnet.




    Leinen - nichts als Leinen

    Nachdem ich alles ausgeschnitten hatte, machte ich mich an die Leinen. Eine flott von der Hand gehende meditative Arbeit, nachdem ich mittlerweile schon über 3000 Leinen gespleißt habe.

    Als Leinenmaterial verwende ich die Edelrid-Aramid-Leinen 0,4 mm in rot; für mich die beste Leine auf dem Paraglidersektor. Vielen Dank an den Beschaffer!
    Die Stammleinen bestehen aus Liros-Technora-Leine in blau und für die Stabiloleinen wählte ich die Liros-Technora-Leine in grün. Beim RASTY kommen die Beschleuniger-Tragegurte von Melchior L. (ehem. RC Paraworld) zum Einsatz.




    Teamwork

    Beim Jahres-Event in Heidelberg überreichte ich Andreas das Paket mit den ausgeschnittenen Einzelteilen. Wird jede Leine gezählt, besteht der RASTY aus etwa 700 Einzelteilen.

    Andreas Aufgabe war es, diese hunderte Einzelteile perfekt zusammenzufügen und zu vernähen. Für diese Arbeit brauchte ich einen Profi mit sehr viel Erfahrung an der Nähmaschine. Andreas besitzt diese Erfahrung durch die Fertigung von fast 50 RC-Paraglidern.

    Für mich immer ist es immer wieder faszinierend, mit welcher Perfektion (in nichts den Profis nachstehend) Andreas diese Arbeit bewältigt.
    Tausend Dank an dich Andreas, dass du mich immer wieder unterstützt und ich so meine Träume realisieren kann.
    (Anmerkung d. Redaktion: Andreas ist Schweizer. Er kann nicht anders als präzise zu arbeiten.)



    Andreas hielt mich über den Baufortschritt auf dem Laufenden.
    Anfangs sah es so aus, als würde der RASTY für Damüls II 2018 fertig werden. Da kein Zeitdruck vorhanden war, signalisierte ich Andreas, dass er sich für diese komplizierte Aufgabe ruhig Zeit lassen könne.




    Die Spannung steigt

    Sonntagabends, zwei Wochen nach Damüls, erreichte mich die Mitteilung, dass der RASTY fertig sei. Montags, gleich nach der Arbeit, setzte ich mich in den ICE und fuhr nach Basel.
    Nach der Übergabe stieg die Spannung ins Unermessliche.

    Wie ich gleich feststellen konnte, hatte Andreas wieder einmal einen super Job gemacht:
    Alle von mir gefertigten Teil waren millimetergenau zusammengenäht.

    Auf der Heimfahrt gingen mir so einige Fragen durch den Kopf:
    - Ist die Idee erfolgreich?
    - Trifft alles so zu, wie ich es mir vorgestellt habe?
    - Wie startet der RASTY?
    - Wie ist das Lenkverhalten?
    - Wie stabil ist die Kappe?
    - Wie ist das Klappverhalten?

    Zu Hause angekommen, erhielt der RASTY seinen Namen.



    Danach begann das Einleinen, Dauer rund 4 bis 5 Stunden.




    Der Erstflug

    Der Wind am nächsten Tag war sehr böig und bis 40 km/h stark, für einen Erstflug definitiv zu viel. Ich musste mich in Geduld üben, Aber für ein Groundhandling und zur Überprüfung der Schirmkappe war dieser Wind perfekt.

    Kaum war der RASTY ausgelegt, lag der Paraglider prall gefüllt startklar auf dem Boden. Die Schirmkappe musste ich über meinen Piloten Alex, im Maßstab 1:3, anbremsen, da diese ständig aufsteigen wollte. Das war schon einmal ein gutes Zeichen. Dann kam der Augenblick des ersten Aufziehens. Minimaler Impuls und schon stand der RASTY im Zenit. Der Kontrollblick zeigte, dass alle Leinenaufhängungen, die Zellen und die Form der Kappe perfekt waren. Besser geht es nicht.




    Sogar die Bremsleinen waren von Anfang an top eingestellt.
    Das ist mir bei den anderen 14 Eigenbauten noch nie gelungen. Ein Paraglider, der direkt von der Nähmaschine kommend in der Luft sofort geniale Flugeigenschaften hat. Das gab es noch nie!
    Bei einigen Modellen, gerade am Anfang, musste ich 4 bis 6 Wochen trimmen, testen, trimmen, testen, bis ich endlich mit dem Ergebnis zufrieden war. Nach nur 20 Minuten Groundhandling packte ich wieder glücklich und zufrieden ein. Der RASTY ist sehr gut gelungen und überzeugt voll!

    Am nächsten Tag bei 5 bis 15 km/h Wind konnte ich gleich beim Erstflug Nullwind-Starts testen. Ungeduldig ging ich in der Mittagspause auf die nächste Wiese und packte meinen RASTY aus.
    Der Pilot Alex wurde startklar gemacht, der Schirm ausgelegt und zum Wind ausgerichtet.
    Endlich konnte es losgehen – Geduld ist so gar nicht meine Stärke.



    Es ist immer wieder ein ganz besonderes Gefühl, wenn ein Modell zum Erstflug startet.
    Puls, Adrenalin und Spannung steigt …
    Ich zog den Schirm bei 3 km/h Wind auf und der RASTY startete total easy, und das mit Double-Skin mit einer Streckung > 7. Die Handhabung war so einfach wie bei einem Single Skin.



    Nach dem Start flog ich ein bisschen Höhe und leitete problemlos die erste Kurve nach links ein, danach ebenso ohne Probleme nach rechts. Die Steuerleinen stimmen perfekt.
    Anschließend teste ich die Geschwindigkeit: Im Grundtrimm war ich zufrieden.
    Nun beschleunigte ich erst mal 3 cm und der RASTY nahm sichtbar Fahrt auf. Mir kam es vor, als ob er noch stabiler wurde. Nun ein paar Achten fliegen, Vollkreise und auf Höhe gehen.



    Wie würde er auf die Steilspirale reagieren? Die Einleitung bereitete keine Probleme und auch in der Spirale verhielt er sich, als wäre es das Einfachste der Welt. Die Ausleitung erfolgte ohne großes Pendeln.



    Bei der Landung konnte ich ihn schön ausflaren und mein großer Pilot Alex setzte sehr sanft auf. Das war also der Erstflug mit meinem neuen „Baby“!
    Meine Finger zitterten immer noch als ich happy zurück ins Büro fuhr.

    Bereits beim Erstflug hat sich gezeigt, dass die Idee mit der Partitionierung der Zellen super funktioniert.
    Weitere Flüge werden zeigen, wie er sich in turbulenter Luft verhält oder im Vergleichsflug zum CrossAlps, der für mich momentan das Maß der Dinge ist.


    Mein Fazit

    Es gibt nichts Schöneres, als eine Idee umzusetzen und diese bis ins letzte Detail verwirklichen zu können. Das Fertigen eines wunderschön fliegenden Paragliders aus einem einfachen Stück Stoff Nylon, das war immer mein Traum.

    Diesen Traum konnte ich verwirklichen.

    Das ist Modellbau, der süchtig macht und den ich sehr liebe. Jede einzelne Stunde, die wir investiert haben, hat sich gelohnt. Allen Beteiligten vielen herzlichen Dank für ihre Mithilfe und Unterstützung.
    Kommentare 2 Kommentare
    1. Avatar von bumerang
      bumerang -
      sehr sehr schöner packender Bericht...herzlichen Glückwunsch
    1. Avatar von pietie
      pietie -
      Mein Vorredner hat es getroffen, ich kann ihm nur beipflichten. Einfach toll......
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