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  • Orion V.4...(m)ein Urlaubsflieger, einfach, handlich, billig...

    Orion V.4

    (m)ein Urlaubsflieger, einfach, handlich, billig


    Mirko Krämer



    Vor einigen Wochen machten wir Urlaubspläne für den nächsten Sommer und als Ergebnis dessen wurde eine Hütte im Norden Jütlands gemietet. Damit ist natürlich völlig klar, dass bei aller Familien- und Kinderbespaßung auch Zeit zum Hangfliegen abfallen wird. Dänemark und kein Modell dabei? Geht ja wohl gar nicht!

    Aber mein Hangar gab leider nichts wirklich Dünentaugliches her. Ich wollte aber auch kein Monatsgehalt opfern, um im Urlaub ein wenig den Hang unsicher zu machen. Dank früherer Erfahrungen wusste ich, dass es nicht sonderlich viel braucht, um am Hang Spaß zu haben, außer vielleicht ein handliches Format und ein Mindestmaß an Nehmerqualitäten, da die Landungen schnell zu kontrollierten Abstürzen werden können. Zunächst war jedoch nur klar, dass ich einen Elektrosegler mit rund 2 m Spannweite wollte, der preiswert auszurüsten ist und folglich kein Servograb werden durfte. Außerdem wollte ich wirkliches ARF. Nicht weil ich zu doof oder zu faul zum Bauen bin, nein, meine Werkstatt ist derzeit schlicht nicht nutzbar. Daher musste etwas Fertiges her. Die Suche ließ mich bei Lindinger über den Orion V.4 stolpern, der ganz nett aussieht und mir für den aufgerufenen Preis recht ordentlich erschien. Okay, im Netz und auch bei RCN fanden sich einige kritische Berichte. Aber die weiß ich inzwischen auch einzuordnen. Der einzige ernste Mangel, nämlich unzureichend verarbeitete Löthülsen, war mit einfachen Mitteln zu beheben, wenn er denn bei meinem Bausatz tatsächlich auftreten sollte. Da dies aber schon mindestens seit 2017 bemängelt wird, sollte das heute eigentlich kein Thema mehr sein. Also habe ich den Bausatz (na ja, Montagekasten) sowie den vorgeschlagenen Motor nebst Spinner und Propeller bestellt. Den Rest, also Akku, Regler und vier Servos entnahm ich der häuslichen Kiste.




    Das Auspacken überraschte mich gleich in mehrfacher Hinsicht. Die Teile des Modells entpuppten sich als sehr sauber und ordentlich gefertigte Baugruppen. Der Rumpf ist stabil, gerade und vernünftig laminiert. Flächen und Leitwerke sind ebenfalls ansprechend gebaut und sauber gebügelt. Ich meine, das bekommen die meisten Modellbauer nur mit viel Mühe und Erfahrung so gut hin. Ein paar Blasen waren zu beseitigen, aber das ist erstens normal und zweitens schnell erledigt. Und es waren wirklich nur wenige Stellen, die ich nacharbeiten musste. Die Kleinteile sind ordentlich, die Steckung passt super, es könnte also gleich losgehen. Aber halt, da waren ja die Warnungen vor schlecht verlöteten Löthülsen. Also nahm ich die Anlenkdrähte aus dem Modell und siehe da, auch bei meinem Bausatz konnte ich den Draht beim Seitenruder ohne große Kraft aus der Löthülse ziehen.




    Beim Höhenruder war es in Ordnung. Keine Frage, das geht gar nicht! Erst recht, da diese Mängel schon seit Jahren bekannt sein sollten. Ich war der festen Überzeugung gewesen, dass Lindinger das im Rahmen der Qualitätskontrollen inzwischen im Griff hätte. Haben sie aber nicht... Ich möchte das nicht dramatischer machen, als es ist. Den Draht vernünftig einzulöten, dauert nicht länger als das Schreiben dieser Zeilen. Wenn ich es mal vorwegnehmen darf, dies war der einzige ernst zu nehmende Mangel an dem Modell! Der Rest ist wirklich okay. Und bei einem Preis von unter 200 € sollte man es mit dem Meckern auch nicht übertreiben. Wer perfekte Ware erwartet, muss schlicht mehr Taschengeld opfern und bekommt sie selbst dann nicht immer.

    Ich hatte im Urlaub schon mal ein Modell im Vorzelt meines Wohnwagens gebaut und über dieses Abenteuer berichtet. Hier wird es auch kein Bericht aus der Werkstatt, da diese nach einem Umzug (noch) nicht wintertauglich ist.




    Also wird zum ersten Mal auf dem Küchentisch gebastelt. Da ich aber nicht bauen muss, also auch kein nennenswerter Schmutz entsteht, ist das machbar und wird von meiner Liebsten toleriert. Und so lange dauert die Belagerung der Küche ja auch nicht an. Ich habe mit dem Rumpf begonnen. Der Regler muss unter das Akkubrett geschoben und natürlich noch mit dem Motor verbunden werden.




    Da der Rumpf relativ klein und das Akkubrett schon fertig verklebt ist, gibt es hier keinen Platz, das vernünftig zu montieren. Das bedeutet, der Regler muss an seinen Platz, bevor der Motor verschraubt wird. Die Kabel sollen aber auch ordentlich liegen, um nicht an der Motorglocke zu schleifen. Ich habe den Regler daher etwas präpariert und die Leitungen zum Motor mit Klebeband fixiert. Dann wurde der Motor angeschlossen und beide Teile kunstvoll in den Rumpf verfrachtet. Das ist echt ein wenig Fummelkram, aber es geht und passt am Ende eigentlich sehr vernünftig hinein. Dass die Motordrehrichtung vorher geprüft werden muss, sollte klar sein. Der Spinner kann auch schon ohne Propellerblätter installiert werden.

    Die Rumpfservos werden von unten über eine separate Rumpföffnung eingebaut.




    Das ist sehr pfiffig gemacht und es bleibt viel Platz für den Akku.




    Die Anlenkung der Ruder ist Standard und in der Anleitung gut beschrieben. Das sollten auch Anfänger schaffen.




    Was einer Verbesserung bedurfte, war der Bowdenzug des HRs. Dieser konnte sich ungehindert durchbiegen und würde so im Flug bestimmt für Stimmung sorgen. Ein Stopfen aus Styropor, der bis in die Mitte der Rumpfröhre geschoben wurde, schaffte leider keine Abhilfe. Also musste doch etwas Kleber auf eine Leiste, um den Bowdenzug an der Rumpfwand zu befestigt. Die restlichen Dinge, die etwas Optimierung brauchten, waren die Steckung des HLWs, die mir nicht stramm genug saß. Sie hatte zwar kein Spiel, aber die Leitwerkshälften konnte ich zu leicht wieder auseinander ziehen. Ich habe etwas Sekundenkleber in die Öffnungen geträufelt und lange trocknen lassen. Dann war die Angelegenheit behoben.

    Die Gabelköpfe haben etwas Spiel in den Augenschrauben der Ruder und diese klappern ein wenig. Ob ich das noch ändern werde, weiß ich im Augenblick noch nicht. Das wird das Fliegen zeigen. Aber sonst? Eigentlich alles soweit okay. Klar, es gäbe einige Dinge anders, vielleicht auch besser zu machen. Nur darf man nicht vergessen, dass hier ein 2 m Elektrosegler komplett fertig gebaut für unter 200 € verkauft wird.




    Der GfK-Rumpf ist gut und sehr fest. Die Flächen und Leitwerke sind sehr gut gebaut und noch besser bespannt. Die Steckungen passen spielfrei, das Zubehör ist mehr als okay, die Anleitung auch. Was sollte man da noch groß meckern? Ja, die Nummer mit den Löthülsen ist mindestens kritikwürdig, ich würde eigentlich sagen, ein ziemliches Desaster. Zumindest vor dem Hintergrund, dass das schon seit über zwei Jahren beschrieben wird, angeblich sogar in einem Bericht in der FMT, an den ich mich leider nicht mehr erinnern kann. Hier fehlt mir wirklich das Verständnis für die Firma Lindinger und ich lasse deren Reaktion auf meine Info dazu auch nicht gelten. Der Mitarbeiter schrieb mir, dass sie zum ersten Mal von diesem Problem hören würden...“Nachtigall ick hör' dir trapsen“ würde der Berliner sagen. Ich meine, das ist ein Detail, was ohne jede Mehrkosten in der Produktion gelöst sein sollte (müsste). Selbst ein lumpiger Beipackzettel wäre zunächst machbar. Also bitte Lindinger, packt das mal an, denn es würde sich für dieses Modell absolut lohnen.

    Der Bau (die Montage) hat bei mir ein Wochenende gedauert, jeweils abends ein paar Stunden und noch etwas Kleinkram am Montag danach. Ich vermute, mehr als 8-10 Stunden waren das nicht. Die vorgeschlagenen Komponenten sind preiswert und okay. Ich finde die Joker-Motoren eh sehr gut gemacht und ihr Geld wert. Meine Servos und der Regler stammen aus China, sind preiswert und arbeiten absolut unauffällig, so gefällt mir das.





    Die Flugerprobung fand, wie so oft bei mir, um die Weihnachtszeit statt. Warum die Modelle gerade immer zu dieser Zeit flügge werden, weiß ich auch nicht so genau. Aber wenn sie im Winter vernünftig fliegen, wird es auch im Sommer gehen. Es war also der 24. Dezember, als ich vormittags bei 1°C, kaltem Wind und dichten Wolken auf den Platz fuhr, um das gute Stück seinem Element zu übergeben. Dass es ausgerechnet Heiligabend sein musste, lag schlicht daran, dass es an diesem Tag mal nicht regnete und der Wind, wie schon erwähnt, zwar kalt, aber nicht zu heftig war. Die Nummer lief dann recht schnell und absolut unkompliziert ab, da ich natürlich schon zu Hause alle Einstellungen vorgenommen hatte, um erst einmal fliegen zu können. Also Leitwerk und Fläche anstecken, Akku rein, Ruder kontrollieren und dann mit halber Leistung wegwerfen.




    Nachdem das Modell ganz kurz Fahrt aufgenommen hat, schob ich den Knüppel für einige Sekunden nach vorn und der Orion schoss fast senkrecht nach oben. Der Antrieb stellt also eine mehr als ausreichende Leistung zur Verfügung, auch wenn der Motor damit garantiert im Überlastbereich läuft. Ich habe es nicht gemessen. Aber laut Datenblatt soll der Motor mit einer 13 x 6,5 Latte betrieben werden. Ich habe, wie übrigens auch in der Anleitung vorgeschlagen, einen 14 x 8 Propeller montiert. Na ja, Fakt ist, dass das Modell abgeht wie Schmidts Katze und der Motor nicht länger als 5 - 8 Sekunden laufen muss. Danach kann man das Modell gut laufen lassen. Das macht es wirklich schnell. Ich war beim Erstflug mit grob eingestelltem Schwerpunkt und EWD und viel zu großen Ruderausschlägen unterwegs gewesen. Trotzdem bewegte sich das Modell sehr gut kontrollierbar durch den ruppigen Wind. Die Rollen kamen schnell und zackig, Loopings gehen auch ganz ordentlich, saubere Kurven brauchten etwas Seitenruder, das Gleiten ist sehr gut, die Geschwindigkeit eher hoch. Trotzdem oder gerade deswegen kann man den Orion auch bei suboptimalen Bedingungen fliegen lassen.




    Ich denke, die Feineinstellungen werde ich vornehmen, wenn es etwas angenehmer ist. Aber auch so, mit den provisorischen Ersteinstellungen, fliegt der Orion vernünftig und ich bin mehr als zufrieden. Ich wage zu behaupten, dass alle Kritik und Meckerei, so berechtigt sie an einer Stelle auch ist, sich spätestens beim Fliegen erledigt haben wird. Auch wenn Geschmack immer individuell bleiben wird, hat Lindinger einen sehr schicken und handlichen Elektrosegler im Programm, der den geforderten Preis mehr als rechtfertigt.

    Das Fluggewicht liegt mit einem etwas schwereren 3600er Akku bei 1530 g und ist damit für ein 2 m-Modell absolut im Rahmen. Ich musste auch kein Blei einlagern, was durchaus befriedigend ist.




    Was bleibt also als Fazit?
    Ich denke, ich habe ein ziemlich schickes und im wahrsten Sinne des Wortes preiswertes Urlaubsmodell gefunden, das sich zudem sehr schnell und unkompliziert ausrüsten lässt. Man könnte fast von Fastfood sprechen, was ja eigentlich nicht so ganz meine Kragenweite ist. Aber bitte, wenn das Ergebnis so aussieht, lasse ich mich da gern hinreißen, zumal es kein fliegender Verpackungsmüll ist. Dass es Details gibt, die der eine oder andere Pilot anders lösen würde, ist kein Beinbruch. Wer will, findet garantiert immer etwas zu meckern. Aber insgesamt bin ich echt angetan, was da für´s Geld angeboten und geliefert wird. Wenn es also keine der üblichen Schaumwaffeln sein soll und ein richtiges Holzmodell aus verschiedenen Gründen ausfällt, findet sich garantiert eine gute Alternative, die natürlich nicht unbedingt Orion V.4 heißen muss, aber durchaus kann.
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