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  • Lehren und Vorrichtungen im Freiflugmodellbau

    Lehren und Vorrichtungen im Freiflugmodellbau


    Teil 3

    Andreas Hornung


    Manche Arbeiten beim Bau von Freiflugmodellen lassen sich durch die Zuhilfenahme von Lehren oder Vorrichtungen enorm erleichtern und dabei oftmals gleichzeitig eine deutlich höhere Präzision und Wiederholgenauigkeit erzielen. In dieser Beitragsserie werde ich solche nützlichen Hilfen vorstellen. Randbemerkungen zur Historie der Hilfsmittel und den Beweggründen für ihre Herstellung, sind unter anderem als Anstöße zum Nachdenken über die Entwicklung unseres Hobbys zu verstehen.


    Montage auf konischem Rohr

    Die Montage von Seitenleitwerk und Höhenleitwerksauflage auf einem konischen Rohr: Ein kniffliger Arbeitsgang wird zum Kinderspiel.
    Die Idee zum Bau der in Abbildung 1 zu sehenden Vorrichtung kam dem Autor wieder im Zusammenhang mit der Schülerarbeit. Das aktuelle Erstprojekt jedes Freiflugschülers der Schülerarbeitsgemeinschaft des MSV „AeroNautic“ ist momentan ein Modell mit T-Profil-Leitwerksträger und unten hängendem Seitenleitwerk – eine Variante, die keinerlei Probleme bei der Montage von Seitenleitwerk (SLW) und Höhenleitwerksauflagebrettchen bereitet.


    Abb. 1

    Als Zweitprojekt ist jedoch ein Freiflugmodell mit einem konischen CfK-Rohr als Leitwerksträger vorgesehen. Also hieß die Aufgabe, eine einfache, schülergerechte Möglichkeit zu entwickeln, die es auch einem Jugendlichen ermöglicht, Seitenleitwerk und Höhenleitwerksauflagebrettchen rechtwinklig zueinander mit dem vorgesehenen Abstand auf dem Leitwerksträger zu befestigen.
    Diese Vorrichtung wurde im Wesentlichen aus einem zufällig vorhandenen, leichten 5 mm dicken Schichtholz (Außenlagen: hartes 1 mm Buchenholz und Innenlage: 3 mm Birke o. ä.) gefertigt, welches sich als sehr gut geeignet erwiesen hat. Die Verwendung eines anderen Materials ist ebenso möglich. Abbildung 2 zeigt die Vorrichtung aus drei Perspektiven (links-oben: stehend, zusammengesteckt; rechts-oben: Fußteil und Ausleger in der Seitenansicht; unten: liegend, mit abgezogenem Klemmschieber für die Fixierung des Seitenleitwerks, man erkennt das Prisma im Fußteil für die Positionierung der Rumpfröhre und das Prisma im Klemmschieber für die Fixierung der Seitenleitwerksflosse).


    Abb. 2

    Bei Verwendung dieser Vorrichtung benötigt man für die Montage von Seitenleitwerk und Höhenleitwerksauflage lediglich einen fest stehenden Tisch mit ebener Arbeitsplatte und zwei Anschlagwinkel oder andere Hilfsmittel, um den Rumpfkopf senkrecht abzustützen. Das Prinzip der Vorrichtung beruht darauf, dass sich der Leitwerksträger in einem Prisma, welches sich im Fuß der Vorrichtung befindet, selbst zentriert. Die Höhenleitwerksauflage zentriert sich ebenfalls selbstständig durch einen Sockel aus zwei Furnierstreifen. Die Vorrichtung sorgt im Prinzip nur für die rechtwinklige Ausrichtung von Seitenleitwerk und Höhenleitwerksauflage. Wichtig ist dann nur noch, dass der Rumpfkopf senkrecht zur Arbeitsfläche oder der durchgesteckte Flächenstab waagerecht zur Arbeitsfläche ausgerichtet ist. Jeder Modellbauer sollte in der Lage sein, hierfür geeignete Hilfsmittel auszuwählen oder anzufertigen – der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.


    Verwendung
    Am Leitwerksträger markiert man den Punkt der hinteren Abschlusskante der Höhenleitwerksauflage. Man kann hierzu den Rumpf einmal mit farbigem Isolierband umwickeln! Auf den beiden nach hinten laufenden Auslegern der Vorrichtung bringt man dort eine Markierung an, wo das Ruderblatt enden soll (siehe Abb. 3).


    Abb. 3

    Die Methode erfordert eine bestimmte Ausführung und genaue Maßhaltigkeit der Höhenleitwerksauflage. Spannweite des Auflagebrettchens und Größe der seitlichen Kerben müssen den Vorgaben der Vorrichtung entsprechen. Die beiden Haltenasen an den Auslegern der Vorrichtung sollten passgenau in die Kerben des Auflagebrettchens eingreifen - eine Klemmpassung ist hier nicht unerwünscht. Sie sorgt für maximale Präzision – vorausgesetzt, man hat bei der Anfertigung der Vorrichtung die gleiche hohe Genauigkeit walten lassen wie bei der Herstellung des Brettchens.


    Abb. 4

    Auf der Unterseite der HLW-Auflage sind zwei Holzstäbchen (1,5 x 1,5 mm) im gleichen Abstand von der Längsachse anzukleben (Abb. 4), so dass diese spielfrei auf dem Leitwerksträger liegt. Lieber etwas enger liegend ankleben und dann die Innenkanten an den Leitwerksträger anpassen! Dies verringert den Klebstoffbedarf.
    Die Wurzel des 3 mm dicken Seitenleitwerks wird beidseits mit Furnierstreifen verstärkt (Abb. 4), und der so gestaltete SLW-Fuß mit einer passenden Rundfeile an den Radius des Leitwerksträgers angepasst (Abb. 4, rechts). Der Radius darf ruhig etwas kleiner sein, womit gewährleistet wird, dass die SLW-Wurzel mit ihren Verstärkungsstreifen sauber am Leitwerksträger anliegt, was wiederum Klebstoff spart.


    Abb. 5

    Sind diese Vorbereitungen erfolgt, stellt das Montieren und Verkleben auf dem Leitwerksträger mit Hilfe der Vorrichtung kein Problem mehr dar. Zuerst geschieht dies „trocken“, also ohne Kleber. Man steckt das Auflagebrettchen an die Ausleger der Vorrichtung und fädelt das Gebilde auf den Leitwerksträger. Der Rumpfkopf liegt dabei in senkrechter Position auf dem Tisch, durch die beiden Anschlagwinkel beidseits abgestützt (Abb. 6). Die Vorrichtung wird mit ihrem Fuß auf dem Tisch abgestellt, der Leitwerksträger in das Prisma im Fuß der Vorrichtung eingelegt und das Auflagebrettchen mit seinem Sockel auf dem Leitwerksträger abgelegt. Durch Verschieben der Vorrichtung wird die HLW-Auflage richtig positioniert (Abb. 3).
    Nun kann das SLW an seiner korrekten Position in der Vorrichtung aufgestellt werden. Die auf den beiden Auslegern angebrachten Markierungen für das Ende des Ruderblatts legen die Position fest (Abb. 3). Durch Herunterdrücken des Klemmschiebers wird das SLW an seinem Randbogen zentriert und fixiert (Abb. 5).

    Nun kontrolliert man, ob alles gut und richtig sitzt. Anschließend löst man den Klemmschieber wieder, entnimmt das SLW und zieht dann die Vorrichtung wieder nach hinten ab. Zum Auftragen des Klebers (z. B. Epoxi) wird die Vorrichtung auf den Auslegern kopfüber an der Tischkante abgelegt (mit eingelegter HLW-Auflage). Am Auflagebrettchen wird im Zwischenraum zwischen den beiden Stäbchen eine ausreichende Menge Epoxi aufgetragen (jedoch kein Berg!). Dann wird die Vorrichtung wieder auf den Leitwerksträger aufgeschoben und das Auflagebrettchen vorsichtig an seiner Position angedrückt. Anschließend wird der SLW-Fuß mit Epoxi bestrichen, an der richtigen Position auf den Leitwerksträger gestellt und am Randbogen wieder mit dem Klemmschieber fixiert.
    Weil sich die beiden Anschlagwinkel beim Arbeiten leicht verschoben haben, werden sie nun wieder beidseits eng an den Rumpfkopf geschoben (Abb. 6).


    Abb. 6

    Abschließend wird nochmals der richtige Sitz der Bauteile kontrolliert. Es können eventuell nötige Korrekturen vorgenommen werden. Der letzte prüfende Blick richtet sich wieder auf die Anschlagwinkel. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, beschwert die Ausleger der Vorrichtung noch mit einem kleinen Gewicht z. B. 100 g (Abb. 6 rechts). Nun muss man nur noch abwarten, bis der Klebstoff abgebunden hat. Nun kann man nach gegebener Zeit ein perfektes Ergebnis aus der Vorrichtung entnehmen.

    Die Vorteile dieser Vorrichtung sind die Einfachheit der Herstellung und Nutzung, sowie die universelle Einsetzbarkeit unabhängig von Modelldaten. In Grenzen passt sich die Vorrichtung an verschiedene Leitwerksträgerdurchmesser an. Auch eine Anpassung an größere Durchmesser ist jederzeit möglich, indem man die entsprechende Einkerbung vertieft. Für kleinere Durchmesser kann mit entsprechenden Beilagen gearbeitet werden. Diese könnten zum Beispiel aus 90°-Kunststoffwinkeln bestehen, die in das Prisma im Fuß der Vorrichtung unter den Leitwerksträger gelegt und dort fixiert werden können.
    Zur Fixierung des Auflagebrettchens in der Vorrichtung könnten noch Federplättchen oder Vorreiber aus Holz unter den Auslegern montiert werden. Dies war bisher nicht nötig. Es sind aber Ideen, um die Vorrichtung noch zu verbessern, ohne sie jedoch wesentlich zu verkomplizieren. Bei Verwendung von Rumpfköpfen ohne gerade Unterseite werden die beiden Anschlagwinkel durch eine waagerechte Lagerung des im Rumpfkopf steckenden Flächenstahls ersetzt – wie bereits oben erwähnt. Im einfachsten Fall sind dies zwei geeignete Holzklötze gleicher Höhe, die beidseits unter den durchgesteckten Flächenstahl gelegt werden.

    Das ist der Moment, um sich nochmal die Vorrichtung vor Augen zu führen, die in Teil 2 (THERMIKSENSE 2/2018) vorgestellt wurde. Der versierte Modellbauer wird erkennen, dass man diese beiden Vorrichtungen auch kombinieren kann. Es bleibt noch genug Spielraum für eigene Geistesblitze. In diesem Sinne wünsche ich allen interessierten Lesern viel Freude beim Nachbauen und Verwenden der vorgestellten Hilfsmittel, sowie beim Weitertüfteln an ihrer Verbesserung!


    Nachbetrachtungen

    Ein paar Nachbetrachtungen sollen an dieser Stelle nicht unterbleiben: Der Kommentar eines Modellsportfreundes, „Das braucht wahrscheinlich in Deutschland heute kein Mensch!“, bezogen auf die im ersten Teil der Serie vorgestellte Lehre zum Endleistenschlitzen, führt vor Augen, wie sehr sich unser Sport von dieser Art Modellbau entfernt hat – sofern die Aussage des Sportfreundes denn zutreffend ist! Dies möchte bitte jeder einzelne Leser für sich beantworten. Er kann es gerne auch mitteilen oder öffentlich kundtun!
    Für jede Entwicklung gibt es Gründe. Jedoch - eine Entwicklung ist nicht zwangsläufig, sie ist beeinflussbar.
    Deshalb sollte die Frage erlaubt sein, ob nicht mehrere Wege auf ihre Weise richtig sein können, besonders angesichts einer stärkeren Individualisierung.
    Diese Serie soll auch dafür werben, sich modellbaulich selbst mehr zuzutrauen und sich dabei zum Teil auch auf Bauweisen zu besinnen, die man selbst ausführen kann. Dies schließt nicht aus, sich auch neuen Bauweisen zu nähern, sofern man die Möglichkeiten hat, sie zu erlernen und auszuführen. Trotz, oder gerade wegen der allgemeinen Individualisierung sollte innerhalb der Freiflugszene ein Zusammenrücken erfolgen, um zu versuchen, gemeinsam alle Ausprägungen unter einen Hut zu bekommen. Dies kann nur gelingen, wenn die Regularien die gesamte Bandbreite berücksichtigen. Vor allem bei Änderungen ist genau zu prüfen, wie sie sich vollumfänglich auswirken. Es sollten alle Bereiche im Auge behalten werden, nicht alleine nur die Spitze! Die Basis unseres Sports ist breit und könnte noch viel breiter sein. Eine breite Basis ist nötig, um die Spitze zu tragen! Ich bitte alle interessierten Leser, und vor allem die maßgeblichen Verantwortungsträger des DAeCs, diesen Gedanken mal zu durchdringen und vor diesem Hintergrund rückblickend auf die Entwicklung des Freiflugs zu schauen!
    Reaktionen hierauf und eine faire und offene Diskussion sind ausdrücklich erwünscht!

    Dieser Beitrag schließt die Serie vorerst ab. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass sie bei neuen Ideen eine Fortsetzung findet. Auch andere Leser sind herzlich eingeladen, sich daran zu beteiligen!
    Bei Fragen zur Ausführung der vorgestellten Lehren und Vorrichtungen stehe ich selbstverständlich gerne zur Verfügung. as.hornung@t-online.de
    Thermiksense 4/2018
    Kommentare 3 Kommentare
    1. Avatar von Guido.Kruse
      Guido.Kruse -
      Moin Moin,
      einfach und funktionell gefällt mir gut, weiter so
    1. Avatar von Andreas Maier
      Andreas Maier -
      Klasse ! Chapeau


      Das funktioniert so auch bei kleineren RC-Modellen.


      Weiter so.


      Gruß
      Andreas
    1. Avatar von SZD 22 Mucha
      SZD 22 Mucha -
      Bauhilfen :
      Ich nehme oft die heiß geliebten " Lego Bausteine "
      Für Großmodelle die großen " Lego Duplo Bausteine "
      Fast so genau wie eine Lasermeßbrücke.

      VG
      Olaf
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