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  • Motorausfall-Training am Modellflugsimulator



    Motorausfall-Training am Modellflugsimulator


    Damit Mehr(mot) am Ende nicht weniger ist!

    Stephan zu Hohenlohe

    Airliner und Mehrmotorige haben so Ihre eigenen Regeln. Fliegerisch durch die Flügelgeometrie zuweilen anspruchsvoller, kommt meist noch ein Kitzel durch die Wahl des Antriebs dazu. Und da stellt sich die Frage, ob man die Tücken der Verbrenner nicht simulieren kann.

    Viermal Elektro-Zuverlässigkeit in einer Airliner-Schaumwaffel, das mag der ideale Einstieg sein, aber fliegerisch und technisch stellt das erfahrene Modellflieger nicht wirklich auf die Probe. Viel spannender wird es dagegen bei zwei, drei oder sogar vier Verbrennern, deren Kräfte sich mit zunehmender Größe immer deutlicher auf die Flugeigenschaften auswirken.

    Solange alles sprichwörtlich rund läuft, fliegt sich eine Mehrmotorige mehr oder weniger wie eine Einmotorige. Doch bei Ausfall eines Motors hängt das Schicksal des Modells nur noch vom Können des Piloten ab. Ich habe schon sehr früh leidvolle Erfahrungen mit einer Twin-Comet von Topp machen dürfen.


    Wenn’s kommt, kommt's dicke!

    Kurz nach dem Start oder im Landanflug – der Worstcase! Und was ist, wenn die Höhe nur noch ausreicht, um mit Rückenwind reinzukommen? In solchen Situationen hilft nur Routine. Und wo kann man sich die besser antrainieren als an einem Modellflugsimulator. Wer sich so für den Tag „X“ vorbereiten möchte und wer vor allem vorher einmal fühlen möchte, wie sich wohl eine DC-3 mit nur einem Triebwerk fliegt, der sollte das doch im Flugsimulator üben können.

    Mit dieser Fragestellung im Hinterkopf habe ich den aeroflyRC8 von IKARUS installiert und ausprobiert. Welche Optionen hat man, um mit einer Mehrmotorigen den Notfall zu trainieren? Für diesen Versuch will ich erschwerend mit der Minimal-Hardwareaustattung auskommen, nämlich mit einem RSat2 von Jeti an einem IKARUS-Interface. Und, siehe da, für die DC-3 im aeroflyRC8 reicht das schon vollkommen aus.


    Vorbereitungen des RC-Senders

    Dank IKARUS-Interface in Verbindung mit dem Jeti-Satellitenempfänger kann ich den Simulator entspannt mit meinem „Jeden-Tag-Sender“ fliegen. So weiß ich bei diesem Sender genau, wo die Schieber und Knöpfe liegen.
    Vor der Verwendung der Jeti DS-12 im aeroflyRC8 ist der Sender zu programmieren. Dazu lege ein neues Modell an: Querruder, Höhe, Seite und Motor. Einzige Spezialität in diesem Fall: Ich sorge dafür, dass der Gasknüppel nicht mehr den Gaskanal direkt anspricht, sondern zwei getrennte Kanäle den linken und rechten Motor ansteuern. In meinem Beispiel sind das die Kanäle 5 und 6. Zwei freie Mischer(Gas auf Motor rechts, Gas auf Motor links) helfen dabei. Wenn beide Mischer aktiv sind, laufen beide Motoren auch synchron. Durch Abschalten eines Mischers oder Vorgeben einer bestimmten Gasposition beginnen dann die „Zweitmotfreuden".
    Allerdings laufen nun die Motoren beim Abschalten des Mischers mit Halbgas, da ja das virtuelle Drosselservo in Mittelstellung geht. Kein Problem, mit zwei weiteren Mischern, die die Schalter selbst mit dem Gas mischen, werden die beiden Gaskanäle auf -100% gebracht.


    Zunächst werden die Geber konfiguriert. In diesem Fall sind es zusätzlich zwei Schalter, um die Motoren abzuschalten. Zwei Gaskänäle werden auf Kanal 5 und 6 gelegt.


    Vier Mischer werden benötigt: Zwei Mischer mischen den Gasstick auf jeweils Kanal 5 und 6, abgeschaltet mit separaten Schaltern. Die Schalter selbst werden auch auf Kanal 5 und 6 gemischt, um die Motoren in den Leerlauf zu bringen.

    Das hört sich echt kompliziert an, ist aber sehr logisch. Für Jetipiloten ist am Ende dieses Berichtes mein Simulatorflieger als Datei angehangen. Dateiendung von .txt auf .jsn ändern, per USB in den Ordner "Model" im Sender schieben und los geht es...


    Im Simularor werden alle Knüppel und Schieber kalibriert


    Grundeinstellungen im aeroflyRC8


    Nun kann der Sender eingeschaltet werden. Ich beginne mit der Kalibrierung der Steuersignale im aeroflyRC8. Die einzige Besonderheit hier: Beim Kalibrieren der Sendersignale werden neben dem Gasknüppel auf Kanal 1 auch gleich die beiden gemischten Geber 5 und 6 eingelernt, die dann später den linken und rechten Motor getrennt ansteuern.


    Mit dem RSat2 und dem Interface kann ich den Simulator mit dem Jeti-Sender steuern: So wird er verschaltet.


    So muss der RSat2 im Menü "Geräteübersicht" konfiguriert werden

    Noch ist das Gas auf Kanal 1, erst nach einer kurzen Proberunde mit der DC-3 ändere ich im Steuergeräte-Menü „Regler zuweisen Profi“ gemäß der Abbildung unten die Kanalzuordnung der aufgeklappten Gas-Funktion wie folgt:

    Der Button in Zeile „Gas-1“: (=linker Motor) wird auf auf Kanal 5 gesetzt.

    Der Button in Zeile „Gas-2“: (=rechter Motor) wird auf auf Kanal 6 gesetzt.


    Die Motoren werden auf getrennten Kanälen gesteuert, die Mischung erfolgt im Sender

    Fertig: mit diesen Grundeinstellungen kann ich bereits die ersten Versuche machen.
    Mit den aktiven Mischern auf beide Motoren geht es erstmal in die virtuelle Luft! Dann ziehe ich einen Außenmotor auf Leerlauf und lasse die Physik Ihres gnadenlosen Amtes walten…
    Die erste Überraschung ist groß, über den stehenden Motor zu kreisen, kann übel ausgehen. Eine Kurve ist ganz easy einzuleiten aber man kommt kaum noch raus! Schnell lerne ich, dass es in vielen Situationen besser ist, auch den anderen Motor auf null Leistung zu ziehen, anstatt die asymmetrischen Schubverteilung irgendwie in den Griff zu bekommen. Im Geradeausflug bei der Landung hingegen ist ein vorsichtiger Gasstoß durchaus händelbar. In jedem Fall wird der Seitenruderknüppel ein wichtiger Helfer.


    Die DC-3 ist ein dankbares "Opfer" für meine Versuche


    Grundeinstellungen für das Intensivtraining

    Die äußeren Motoren nur mal schnell auf Leerlauf bringen, ist nur der Anfang. Im nächsten Schritt versuche ich, einen der Motoren ganz abzuschalten. So möchte ich auch die Optik eines stehenden Props bekommen.

    Um die Motoren individuell bis zum Prop-Stillstand runterzuregeln, öffne ich im aeroflyRC8 zunächst den Modelleditor über „Modell bearbeiten“ und stelle bei den Motoren den Leerlauf auf -5 Prozent. Wenn nun der Gaskanal auf Leerlauf gestellt wird, bleiben die Propeller tatsächlich stehen.


    Mit dieser Einstellung bleiben die Motoren tatsächlich stehen

    Bis jetzt habe ich gezielt den einen oder anderen Motor gedrosselt oder abgeschaltet. Noch mehr Sinn macht das Training, wenn anfänglich beide Motoren dem Gasknüppel folgen und der Notfall per Schalter ausgelöst wird. Eine Frage der Senderprogrammierung:
    Allein durch das gezielte Deaktivieren der beiden Mischer für die Außenmotoren im Sender eröffnen sich alle Möglichkeiten, deren Programmierung auch in der Realität Sinn machen können.
    • Senderseitiges Programmieren eines Schalters, der beispielsweise nur einen Motor in der Leistung reduziert und den anderen Motor weiter synchron mit dem Gasknüppel laufen lässt.
    • Senderseitiges Programmieren eines Schalters, der beispielsweise bei der Ju52 die beiden äußeren Motoren abstellt, um dann nur mit dem Mittelmotor den Platz zu erreichen.
    • Senderseitiges Programmieren eines zuschaltbaren Mischers, der vom Seitenruder auf die äußeren Motoren wirkt, auch um bei einem Flugboot das Manövrieren auf dem Wasser zu verbessern. Die TwinOtter im aeroflyRC8 ist hier ein dankbares Testobjekt.


    Bei Wasserfliegern ist es beliebt, die Motoren zum Steuern auf dem Wasser mit dem Seitenruder zu mischen

    Mit wenigen Einstellungen kann ich Auswirkungen verschiedener Drehzahlen bei mehrmotorigen Modellen nun gezielt simulieren. Damit kann ich auch alle Notfallsituationen bis zur routinierten Sicherheit trainieren:
    • Landeanflüge aus jeder erdenklichen Ausgangssituation mit Kurven nur über den laufenden Prop.
    • Landungen bei Seitenwind mit einem stehenden Motor.
    • Ausfall eines Gasservos (ein Motor bleibt auf Vollgas).
    • Ausfall eines Motors im Landeanflug.

    Alles, was ich auf diesem Wege am Modell ändere, wirkt sich im Simulator ungefiltert auf die Flugeigenschaften des Modells aus.
    Gleich auf mehreren Ebenen ergibt sich dabei ein Trainingseffekt mit dem Simulator. Neben dem eigentlichen Fliegen bekomme ich schnell eine Routine, im Notfall schnell und cool zu reagieren. Auf der anderen Seite beschäftige ich mich endlich intensiv mit dem Thema „Motorausfall“, anstatt es womöglich zu verdrängen, was in Hinblick auf die Sicherheit für das Modell fast schon fatal ist.

    Mit einem Simulator wie dem aeroflyRC8 ist alles hier Beschriebene machbar. Wer noch einen Schritt weitergeht, kann zusätzlich auch mit Motorzug und -sturz experimentieren. Interessant ist die Beantwortung der Frage, welche Auswirkungen diese Parameter bei einer Eigenkonstruktion haben können.

    Und am Ende gilt einfach nur die alte Weisheit: „Trainieren geht über Studieren“…oder so ähnlich.

    Kommentare 1 Kommentar
    1. Avatar von Brumowski
      Brumowski -
      Danke für die Anregungen Stefan! Ich habe zwar keine JETI und nur einen elektrischen Zweimot aber interessant ist dieses Thema allemal und ich werde Deine Programmierung mal auf meine GRAUPNER umlegen.
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