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  • So kann es gehen - Modell bespannen

    Modell bespannen

    So kann es gehen

    Mirko Krämer


    Immer wieder taucht im Forum irgendwo die Frage auf, wie man ein Modell bespannt oder ob ein Ruder mit Folie angeschlagen werden kann. Natürlich sammeln sich dann gute Tipps an, die leider aber auch häufig mit relativ sinnfreien Beiträgen vermischt sind, wo auf Tante Google o.ä. verwiesen wird. Schade ist auch, dass diese guten Beiträge schnell im Nirvana verschwinden und sich später nur wenige Experten noch daran erinnern, dass da mal was war...

    In diesem Beitrag möchte ich daher exemplarisch beschreiben, wie man eine Fläche mit Oratex Gewebefolie bespannt. Es gibt beim Hersteller und auch in diversen Foren schon einige gute Informationen, an denen sich der geneigte Modellbauer orientieren kann. Letztlich haben alle Beschreibungen, einschließlich dieser hier, ein großes Manko: Sie ersetzen nicht die Praxis. Man muss also in jedem Fall üben, um ein Gefühl für Material und Werkzeuge zu bekommen. Nach meiner Erfahrung wird es auch so sein, dass jeder seinen ganz persönlichen Masterplan beim Bespannen entwickelt, nach dem er immer wieder vorgehen wird. Das hat schlicht etwas mit Erfahrung, persönlichen Vorlieben und auch den individuellen Fähigkeiten zu tun. Deshalb will die hier beschriebene Vorgehensweise nur als Beispiel dienen, wie es funktionieren kann.

    Ich beginne bei meinen Modellen grundsätzlich mit den Leitwerken, um mich wieder „warm zu bügeln“. Wenn dabei mal etwas daneben geht, ist der Materialverlust nicht so groß, wie bei den Flächen. Diese folgen nämlich immer anschließend, danach dann der Rumpf. Bevor ich meine Abläufe am Beispiel der Tragfläche des Baby Ace beschreibe, möchte ich noch einige grundsätzliche Dinge erklären, die natürlich auch schon an anderen Stellen beschrieben sind und daher zu den Grundlagen gehören.

    Die erste und oberste Regel lautet ganz klar: Es muss sauber und möglichst staubfrei sein. Das gilt für den Arbeitsplatz genauso wie für alle zu bespannenden Baugruppen! Mit Staub verhindert zuverlässig, dass die Folie auf dem Holz hält. Wenn man also möchte, dass die Bespannung nicht hält, lässt man das Putzen sein. Ich räume vor der Bügelorgie immer ordentlich auf und sauge wirklich alles gründlich ab.




    Eins sollte jedem klar sein: Die Bespannung verdeckt keinen Pfusch! Der kommt damit erst richtig zur Geltung. Das ist genau das gleiche Dilemma wie beim Lackieren. Die Bespannung wird nur so gut, wie der Untergrund. Das gilt gleichermaßen für übrig gebliebenen Dreck und Staub, s.o.
    Die notwendige Ausrüstung ist eigentlich überschaubar und nicht unbedingt teuer. Wer öfter bügelt, sollte sich unbedingt ein gutes Folienbügeleisen kaufen. Als Heißluftgebläse kann man den normalen Haarfön getrost vergessen, der bringt es nicht! Ich habe mir inzwischen ein temperaturgeregeltes Gerät mit Digitalanzeige von Steinl zugelegt. Das ist wirklich lohnenswert, denn jetzt brate ich keine ungewollten Löcher mehr in die Folie und das Schrumpfen kann viel genauer über die Temperatur kontrolliert werden.




    Ansonsten liegt bei mir nur noch eine Schere, ein Lineal, zwei Cuttermesser mit frischen Klingen und eine Zange auf dem Tisch. Eine Zange? Ja, damit breche ich regelmäßig die Klingen ab! Daran zu sparen, bringt nur Ärger und ergibt Pfusch.
    Okay, jetzt aber ans Eingemachte. Ich denke, genauso wichtig wie das handwerkliche Können, ist die richtige Reihenfolge der Arbeitsschritte. Man braucht also den schon erwähnten Masterplan, sonst wird es ärgerlich.

    Ich beginne damit, an den Querrudern und den entsprechenden Ausschnitten der Fläche die Stirnkanten zu bespannen.







    Dabei reicht die Folie an allen Seiten etwa 3-4 mm um die Ecken. Ich schneide den entsprechenden Überstand gerade ab, indem ich auf die Kante eine Leiste lege, die so dick ist, wie mein Überstand sein soll. Daran schneide ich mit dem Messer entlang der Leiste die Folie ab. So wird die Folienkante sehr gleichmäßig und sauber. Die paar Millimeter Überstand können dann Stück für Stück um die Ecken gebügelt werden, wobei es wichtig ist, die Kanten nicht mit dem Bügeleisen zu beschädigen und trotzdem ohne Blasen alles fest anzubügeln. Ich prüfe immer wieder sorgfältig, auch bei allen anderen Schritten, indem ich die Bügelkante ins Licht halte und so lose Stellen und Blasen entdecken kann.

    Im zweiten Schritt bespanne ich die Randbögen, erst unten dann oben. Daher ist die Stoßkante nicht zu sehen, wenn man das Modell von oben betrachtet. Dies gilt auch für alle anderen Bereiche. Immer hinten unten beginnen und nach vorn oben weitermachen. Die Stoßkanten zeigen somit immer nach hinten und unten, was optisch ideal ist und den Fahrtwind nicht verwirbelt.

    Beim Randbogen bügele ich das ausreichend große Folienstück zuerst entlang der Endrippe an.
    An dieser Stelle bitte nicht mit der Folie geizen.



    Das geschieht mit wenig Temperatur, sodass nur angeklebt, aber noch nicht geschrumpft wird. Dann ziehe ich mit hoher Temperatur die Folie Stück für Stück um den Randbogen herum und bügele sie gleichzeitig an.






    Ich arbeite dabei von der Mitte nach vorn und hinten. Durch das durchaus kräftige Ziehen wird die Folie schön glatt um die Rundungen gelegt und Falten herausgezogen. Dabei sollte man mit dem Bügeleisen nicht auf Falten herumdrücken, da diese dann für ewig verklebt werden. Lieber das Eisen schön vorsichtig auflegen, sodass die Falten herausgezogen werden und erst dann fester anbügeln.



    Mein Randbogen ist an den Kanten nicht verrundet. Daher kann ich an der Oberkante schön glatt abschneiden und die Unterseite ist damit fertig.




    Im vorliegenden Fall ist das Profil ein Clark-Y, der Randbogen liegt also sehr weit unten. Deshalb ist die Unterseite des Randbogens auch die einfachere Seite, weil hier die Folie recht flach weiter verläuft. Oben ist das schon etwas anders und das Bügeln erfordert hier mehr Einsatz, denn die Folie muss in drei Dimensionen faltenfrei aufgebracht werden.



    An der Oberseite hefte ich die Folie nicht auf ganzer Länge entlang der Endrippe an, denn vorn und hinten wird die Folie aufgrund der Biegungen etwas nach innen ausweichen müssen. Sonst gibt es Falten, die nicht weggeschrumpft werden können.



    Also erst mittig anheften, dann am Randbogen schön um die Ecke schrumpfen und vorn und hinten beidseitig vorsichtig weitermachen. Letztlich hilft nur ausprobieren, denn man kann nicht erklären, wie man wann und wo ziehen muss, um alle Falten herauszuziehen. Es ist kein Problem, ein Stück wieder herunter zu reißen, wenn es nicht perfekt ist. Der Materialverlust ist dabei noch nicht so dramatisch.



    Wenn die Folie komplett um den Randbogen herum angebügelt ist, wird an der Unterseite die überstehende Folie vorsichtig bündig abgeschnitten und die Kante präziese verschlossen, also mit dem Eisen angebügelt.



    Der Randboden ist somit fertig, aber noch nicht komplett geschrumpft. Das mache ich erst, wenn die Fläche fertig bespannt und alle Stoßkanten sorgfältig verklebt sind. Andernfalls kann es passieren, dass sich die Folie beim Schrumpfen an den Kanten löst und diese nach innen zieht. Das wäre so ziemlich der Supergau, weil man es nicht mehr korrigieren kann.
    So, der Randbogen ist fertig, nun kann die Unterseite folgen. Ich schneide das Stück so groß zu, dass an allen Seiten einige Zentimeter überstehen, an denen man die Folie anfassen kann.





    Nur am Randbogen, also an der Endrippe, steht nichts über. Es wird bündig mit der Rippe angesetzt, und das als erste Seite. Wenn hier, wieder mit geringer Temperatur, komplett angeheftet ist, wird auch gegenüber, also an der Wurzelrippe angebügelt. Die Folie wird dazu nur ganz sachte gestrafft. Dann folgen Endleisten- und Nasenbereich, wobei man hier fast nicht an der Folie ziehen sollte, da das ganze Stück sonst verzerrt wird. Wenn rundherum alles fest ist, darf die Folie in der Mitte ruhig noch Beulen und Wellen haben, das wird locker heraus geschrumpft. Bevor es aber so weit ist, werden alle Ränder nochmals gründlich festgebügelt. An der Endleiste bügele ich um selbige herum, bis auf die Oberseite. Um einen sauberen und geraden Abschluss zu erreichen, lege ich wieder eine 3-4 mm Leiste an die hochstehende Folie und schneide daran entlang ab. Den schmalen Rand kann ich nun sauber festbügeln. Im Ausschnitt des Querruders wird die Folie nur bis zur Oberkante angeheftet und dort bündig abgeschnitten, also nicht um die Ecke bis auf die Oberseite herum gelegt. Warum? Ich will das Querruder mit einem Folienscharnier befestigen. Dabei würde der schmale Streifen auf der Oberseite stören.

    Jetzt könnte die Unterseite schon etwas gestrafft werden, also alle Flächen zwischen Nasen- und Endleiste. Ich mache das aber erst, wenn die Fläche komplett fertig eingeschlagen ist, als letzten Schritt.
    Daher kommt zunächst das Querruder an die Reihe. An dessen Stirnseite ist ja schon Folie dran. Ich bespanne also die Unterseite des Ruders, wobei die Folie über die Vorderkante (also an der Scharnierlinie) hinaus stehen bleibt.





    Hier muss man nur darauf achten, dass dieser überstehende Streifen möglichst nicht direkt mit dem heißen Bügeleisen in Berührung kommt und wir mit unseren Fingern nicht so dolle darauf herum grapschen. Dieser Streifen ist nämlich sozusagen Teil Eins des Scharniers. An den Seiten kann die Folie bündig mit dem Ruder abgeschnitten werden, bevor das Ruder kopfüber auf die Oberseite der Fläche, natürlich an seinen Platz im Querruderausschnitt, gelegt wird.



    Um das Ruder nicht zu eng anzubügeln, es würde schwergängig werden, kann man zwischen Ruderklappe und Fläche einen 0,4-0,6 mm dicken Sperrholzstreifen legen. Jetzt wird der Folienstreifen vorsichtig aber gründlich im Ruderausschnitt festgebügelt. Dabei muss man das Ruder schön in Stellung halten, sonst sitzt es am Ende schief drin... Ist der Streifen fest, kann das Ruder umgeklappt werden und es hängst schon da, wo es hin soll.



    Jetzt kann man auch schauen, ob es an den Rändern nicht irgendwo anschlägt oder schleift, bzw. ob die Endleisten schön in einer Flucht verlaufen.




    Wenn das passt, kommt ein großes Stück Folie auf die Oberseite der Fläche und zwar so groß, dass auch die Oberseite des Querruders gleich mit gebügelt werden kann, denn das hängt ja nun schon an der Fläche dran.



    Was nun folgt, ist das gleiche Prozedere wie bei der Unterseite, also rundherum vorsichtig alle Kanten anbügeln. Am Querruder hefte ich zunächst nur den Bereich kurz vor der Scharnierlinie an, sodass die Folie noch nicht am Querruder haftet. Dann schneide ich an den Stirnseiten des Ruders die Folie komplett ein. Nun kann das Ruder nach unten in seine Endstellung ausgeschlagen werden und die Folie wird über die Scharnierlinie hinweg vorsichtig komplett am Ruder angebügelt.



    Das Ausschlagen des Ruders ist sehr wichtig, da es sonst nicht nach unten ausschlagen kann oder halt nur sehr schwergängig.

    An der Nasenleiste wird die Folie bis auf die Unterseite herum gebügelt, sodass die Stoßkante nach hinten zeigt. An der Endleiste schneide ich die Folie an der Oberkante bündig ab, schlage sie also nicht noch nach unten um. Damit zeigt auch diese Stoßkante nach hinten.
    Sind alle Kanten sorgfältig festgemacht, wird die Temperatur zum Schrumpfen erhöht und zuerst das Scharnier an der Oberseite gründlich nachgebügelt. Aber bitte nur mit nach unten ausgeschlagener Klappe! Jetzt kann man auch testen, ob das Ruder leichtgängig ist und gerade an der Fläche hängt.
    Ist das alles in Ordnung, werden Ober- und Unterseite endgültig gestrafft und so alle Falten aus der Gewebefolie entfernt. Aber bitte nicht mit roher Gewalt, also zu großer Hitze, vorgehen. Filigrane Flächen könnten sich auch jetzt noch herrlich verziehen. Gerade im Bereich der Randbögen bzw. überall dort, wo die Folie bündig mit einem Rand abgeschnitten wurde, besteht immer die Gefahr, dass sich die Folie durch die große Hitze wieder löst, schlagartig schrumpft und damit Löcher bzw. krumme Folienränder hinterlässt. Das wäre so kurz vor dem Ziel echt fatal.



    Wer Zweifel hat, ob so ein Folienscharnier auch stabil und langlebig genug ist, dem kann ich versichern, dass diese Methode echt nachhaltig ist. Ich habe noch kein Modell gehabt, bei dem sich ein so befestigtes Ruder verabschiedet hätte. Das flattert und klappert nicht, es hat auch keinen Luftspalt. Okay, eine Hohlkehle fällt damit aus. Einfacher ist es, wenn das Ruder an der Oberseite angeschlagen wird. Zugegeben, diese Lösung ist auch kein Allheilmittel., aber das gibt`s eh nicht.
    Ich habe versucht, mein Vorgehen so gut wie möglich zu beschreiben und mit einigen Bildern zu illustrieren. Trotzdem wird der nicht so erfahrene Modellbauer nun denken: "Mein Gotte, wat `ne komplizierte Kiste, ick lass dat lieber...!" Nein, bitte nicht! Das erste Modell wird wohl nur bei absoluten Naturtalenten oder extremen Perfektionisten richtig toll aussehen. Alle anderen werden etwas Übung brauchen, bis sie ein Gefühl für die Materialien und das Arbeiten mit den verschiedenen Folien bekommen haben. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ich Gewebefolie für das Material halte, welches am einfachsten zu verarbeiten ist und was vor allem nicht so schrecklich kratzempfindlich ist. Man kann also die Oberfläche nicht so schön mit dem Bügeleisen verhunzen.
    Ich würde immer empfehlen, sich ein paar olle Reststücke, vielleicht auch Teile von Absturzmodellen zu nehmen, um daran zu üben. Dann wird eben mal ein Meter Folie geopfert. Das ist immer noch besser und billiger, als am Ende eine ganze Fläche neu machen zu müssen, weil die verwurstet wurde. Na ja, es ist vielleicht auch ratsam, nicht gleich mit vielfarbigen Designs zu beginnen. Schon zwei Farben setzen voraus, dass man sich vorher Gedanken macht, wo die Folien aufeinander treffen. Jeder Stoß muss absolut exakt geschnitten werden, da man hier noch viel deutlicher sieht, wenn mal ein Schnitt nicht ganz gerade geworden ist...




    Aber wenn das Modell dann fertig ist und auf der Piste steht, kommt immer das nicht zu beschreibende innere und äußere Grinsen. Das kann einen niemand nehmen, niemals!

    Zum Abschluss vielleicht noch folgende Gedanken:
    Dieser Bericht ist natürlich nicht abschließend. Es gibt noch viele Kleinigkeiten, die beschrieben werden könnten. Aber irgendwann wird`s dann doch unübersichtlich. Mir ist klar, dass meine Methoden nicht der Weisheit letzter Schluss sind. Es ist aber das Vorgehen, das sich bei mir bewährt hat. Ich achte z. B. eher darauf, mit gründlich gewaschenen Händen zu arbeiten, also kein Fett an den Fingern, als überall noch zusätzlich Heißsiegelkleber zu verteilen. Auch beschränke ich mich lieber auf einfachere Modelle und Designs, die dann aber vernünftig aussehen. Da muss eben jeder Modellbauer sein Ding finden, um hinterher so etwas wie Zufriedenheit zu erfahren.

    In diesem Sinne, ran an die Bügelbretter...
    Kommentare 21 Kommentare
    1. Avatar von Rc Ray
      Rc Ray -
      Zitat Zitat von fliegerassel Beitrag anzeigen
      Danke für die positive Rückmeldung.
      Ich weiß aber auch, dass es viele Kollegen gibt, die mit Folie noch weit besser umgehen können. Und natürlich gibt es immer verschiedenen Lösungsansätze. Letztlich helfen die besten Anleitungen nichts, wenn man nicht selbst viel übt und seinen eigenen Stil entwickelt, mit den Materialien umzugehen. Auch die Ansprüche an die Qualität der Arbeit sind unterschiedlich hoch. Mir fehlt z.B. der Hang zum Perfektionismus und ich bewundere immer wieder toll bespannte Modelle. Aber ich bin mit dem, was ich so baue auch sehr zufrieden, weil es eben meine Ansprüche befriedigt. Und da muss halt jeder so sein Maß finden, denn am Ende soll es ja Spaß machen und keinen Stress bringen.

      Vielleicht macht sich ja noch der eine oder andere Modellbauer daran, seine Methoden hier zu beschreiben. Auf diversen privaten Seiten finden sich ja schon echt tolle Anleitungen.

      Gruß Mirko
      Vielen Dank für den Beitrag hier.Sehr gut gemacht und rübergebracht.
      Wenn ich mich nochmal ans folieren wage,werde ich deinen Beitrag hier zur Herzen nehmen.

      Gruss Markus