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  • F3F mal anders – Covid-19 Edition

    F3F mal anders

    Covid-19 Edition

    Monika Reichenberger

    Die aktuelle Situation ist nicht einfach – aber Piloten sind gut im Improvisieren, haben Humor und die Fähigkeit, Dinge auch mal gelassen zu sehen. Daher schlage ich vor, das Feeling des schnellen Hangflugs einfach zu Hause aufkommen zu lassen.


    Alles b(e)reit?

    Widmen wir uns dem Rumpfausbau. Anstelle der Schwerpunktwaage benötigen wir dafür erst die Küchen-Waage und anschließend die Personen-Waage. Statt den Windmesser in die Hand zu nehmen, nach dem Küchenmesser greifen. Statt den Pitbull zu inspizieren, einfach mal die „Kalte Schnautze“ probieren und so die eigene Massenzentrierung justieren.



    Für wen der Schokoladen-Keks-Kuchen nichts ist, der kann sicher einen anderen Kuchen backen und diesen mit Hilfe der ganzen Holzstäbe, angesammelter Tupperware etc. mit einem Schokoladen-Coating überziehen, Kratzer und Dellen im Backwerk füllen und so seine Technik der Oberflächenversiegelung üben. Oder warum nicht mal den Lötkolben oder den Heißluftfön verwenden, um die Kruste der Crème brûlée zu erschaffen?



    So bauen wir die Flächen aus – vergrößern unsere Oberfläche. Ob dabei über Modell-Maße oder Model-Maße gesprochen wird, bleibt jedem selbst überlassen.


    Frischen Wind gekühlt genießen

    Nun muss man nicht mal mehr auf Wind warten – man bringt ihn einfach in die eigene Küche! Windbeutel heißt das Zauberwort.


    Im Gegensatz zur Luft draußen, kann man sogar die (Geschmacks-)Richtung selbst bestimmen: Klassisch mit Sahne und Vanille, raffiniert mit Mascarpone, Heidelbeeren und Zitrone oder natürlich mit Schokoladencreme.

    In Windeseile sind die Windbeutel verputzt – die Zeit könnte man dann als Windgeschwindigkeit angeben. Masse bzw. Menge pro Sekunde. So lecker wie die sind, kommen sicher gleich alle herbeigestürmt.

    Für noch mehr Wind sorgen Zwiebelsuppe, Bohneneintopf und Co. Wer auf Turbulenzen in den eigenen vier Wänden verzichten will, kann auf einen Strudel ausweichen, der die Strömungslinien der Windkarte widerspiegelt. Ob Apfel oder Hack ist dabei dem eigenen Geschmack überlassen. Und den Fön hat man ohnehin im Bad.



    Auch Wolken kann man sich ins Zimmer zaubern: Von Eier-Wolken bis Creme-Desserts sind der Kreativität hier keine Grenzen gesetzt. Vielleicht noch eine Pizza-Sonne oder Pesto-Blume dazu? Oder einen Baumkuchen, dem es auszuweichen gilt?

    Wer noch ungefestigtes Sediment in Auto, Werkstatt oder Material findet oder das Küsten-Gefühl nachahmen möchte, kann einen Sandkuchen fabrizieren und diesen zwischen die Zähne schieben. Gegebenenfalls kann man sogar noch Sand von der Windschutzscheibe kratzen und diese Brise vom Meer beim Abschmecken verwerten.

    Von der Küche dürfte inzwischen ein derartiger Geruch ausgehen, dass sämtliche Möwen im Umkreis von 100 km angeflogen kommen, was dem Outdoor-Ambiente jedoch zuträglich ist.

    Berge an Geschirr ersetzten die Hügel und Hänge und wenn man so lange beieinander sitzt, tun sich ohnehin Abgründe auf – fertig ist die Steilklippe. Klipp und klar.

    Man könnte sogar die Kuhfladen auf der Wiese nachbilden, etwa mit Mousse-au-Chocolat-Klecksen, aber ich fürchte, da bekomme ich Ärger mit unseren französischen Freunden.

    Wem der Sportsbrella zu sperrig in der Wohnung ist, kann sich abschließend mit einem Schirmchen im Cocktailglas bedienen.

    Ist die Kulisse endlich geschaffen, heißt es:


    Jetzt wird aufballastiert!

    Bevor geflogen wird, erstmal ein Briefing abhalten. Das geht im Selbstgespräch: Herzlich willkommen, die Verhältnisse sehen gut aus, die (Pfannen-)Wender sind hier und da, Einflug links, Sicherheitslinie einhalten, sonst gibt es Penalty, gelandet wird anschließend auf dem Sofa. Als Judge gibt es Familienmitglieder, die gnadenloser sind als jeder Restaurantkritiker.

    Sidenote – die empfohlenen 1,50 m Abstand halten automatisch alle ein, wenn man ausriechend Knoblauch gegessen hat. Für die 50 m Abstand zu den Wendenrichtern muss man dagegen wohl einen Surströmming verputzen.

    Letzte Vorbereitungen: Mit ein paar Köstlichkeiten erst die Anwohner beschwichtigen, dann den Werfer bestechen und ihm mit Kraftfutter mehr Power verleihen.

    Zum Zwiebelschneiden schnell die Nase abkleben. Statt Schutztaschen abnehmen, Maultaschen runterschlingen. Statt dem Verbinder, Soßenbinder (oder anderweitige Emulgatoren) zur Hand nehmen. Statt den Sender, den Salat anmachen – sonst ist es fad und dann haben wir den Salat!


    Start working time

    Zum Höhe gewinnen sind wir zu alt, aber Breite dürfte klappen.

    Anstatt auf die Energie am Hang mal auf die im Essen achten.

    Statt der Stoppuhr nimmt man die Eieruhr zur Hand oder bedient sich des Ofen-Timers.

    Stellt man Kameras statt zum Üben zum Filmen auf, kann man gleich noch seinen eigenen Koch-Channel starten.

    Besitzer von Bauchläden können anschließend die Ergebnisse der Kocherei auch gleich in eben genannten feilbieten. Zumindest innerhalb des eigenen Haushalts.

    Doch zurück zur Sache: Auch beim Kochen braucht es Übung, Taktik und die richtige Vorbereitung. Also überlegen: Wieviel Bowle macht man? Auf welcher Seite fängt man an?

    Für gute Luft, einfach mal lüften oder die Dunstabzugshaube einschalten. Thermik auf Knopfdruck. Ich weiß zwar nicht, ob die krasseste Stufe für unterhaltsame 15 m/s reicht, aber immerhin dürften es sehr laminare Bedingungen sein und kein Crosswind.

    Statt sein Flugsportgerät zu werfen, schmeißt man etwas in die Pfanne. Auch hier sollte es keinen Late Entry geben, sonst sind die einzelnen Komponenten des Gerichts nicht zum richtigen Zeitpunkt fertig. In der Haute Cuisine kommt es auf Punktlandungen an, eher wie im F3J.

    Beim Wenden sollte man natürlich aufpassen, nicht dass man sich verwendet und auch nicht die Kante streift. Das Signal erfolgt akustisch – zischt es, ist das Öl heiß.

    So wie beim F3F nicht nur verschiedene Flugstile, sondern auch Steh-Stile beobachtet werden können, ist dies auch in der Küche möglich. Ist die Höhe des Piloten zu groß und die der Anrichte bzw. des Herds oder eben der Arbeitsfläche zu gering, so sieht man zuweilen Menschen wie eine Giraffe beim Trinken mit gespreizten Beinen etwas schneiden, um sich nicht noch einen Bandscheibenvorfall einzuhandeln.

    Etwas fraglich ist, wofür es den 1000er geben würde. Für die schnellste oder originellste Zubereitung, oder das leckerste Ergebnis?

    Doch bevor man bei Gedanken an Trophäen auf Wolke 7 schwebt, sollte man erst mal runterkommen und die Landung meistern, ohne auf dem Weg zu stolpern. Auf den Wiesen finden sich ja häufig Maulwurfshügel und bevor man sein Meisterwerk in Stracciatella-artige Carbon-Splitter verwandelt oder am Ende vor Streuseln und Trümmerhaufen steht, bringt man die Sache doch lieber ordentlich zu Ende.



    Unterbrechung: Statt sich bei Regen in das Tarp einzuwickeln mit dem Ergebnis einer Art menschlichen Calzone, kann an dieser Stelle der italienische Klassiker ausprobiert werden. Alternativ gehen auch Wraps oder Empanadas. Da wir schon dabei sind: So ein Regenschutz für die Sender erinnert optisch mit etwas Fantasie an Reispapier – warum nicht mal Sommerrollen fabrizieren?

    ...und für echtes Hang-Feeling einfach mal den Gouda mit dem Schraubendreher abstechen.

    Wird dann gefragt: „Wie schwer warst du?“ ist definitiv das Ursprungsgewicht des Piloten gemeint.

    Siegerehrung: Selbst, wenn es nicht gelaufen ist wie gewünscht – bloß kein süß-saures Gericht – äh Gesicht machen.


    Eine runde Sache

    Abends findet man sich zwar nicht im Ferienhaus zusammen, aber es geht doch nichts über Nachtruhe im eigenen Bett. Man kann die Freunde rund um den Globus anfunken und sie zumindest virtuell am Abendessen teilhaben lassen, während man über Materialien und Einstellungen fachsimpelt. Gegebenenfalls ist nach den Koch-Experimenten neue Teamkleidung von Nöten, dies kann hierbei ebenfalls besprochen werden, denn wenn Essen verbindet, dürfte der Gruppenzusammenhalt enorm wachsen. Alles was die Mannschaft anschließend macht, hat gleich mehr Gewicht.

    Hat man das Prinzip einmal raus, kann man beliebig variieren. Hartgesottene nehmen sich einfach den Wettbewerbskalender und veranstalten in ihrer Küche eine kulinarische Reise durch die Wettbewerbsländer: Dänemark, Spanien, Tschechien, Österreich, Island, Polen, Frankreich, Slowenien, England, Taiwan.

    Wer auch bei über 25 m/s das nächste Mal noch standfest an der Kante sein will, dem empfehle ich abschließend noch Spätzle. Original wie im Schwabenländle vom Brett geschabt. Mit Käse und Zwiebeln überbacken. Dazu einen Salat, so bunt wie die Hangfliegermode – die Vitamine nicht vergessen.

    Ich hoffe ich konnte euch die Zeit etwas versüßen und freue mich schon darauf, euch mal wieder bei einem Wettbewerb zu treffen.

    Liebe Grüße, euer F3F-Spätzle!

    Kommentare 2 Kommentare
    1. Avatar von Andreas Maier
      Andreas Maier -
      Toller Covid-19 F3F Bericht.



      .... und apropos Süßspeise aus Eigelb, Sahne und Zucker.... jene „gebrannte Creme“.
      Meine Nachbarn mit französchischen Wurzeln,
      deren Kleinkind ist Abends immer am schreien!
      Daher denke ich, sie füttern jenes Baby allabendlich mit Crème brûlée.




      duck und ...


      Gruß
      Andreas
    1. Avatar von F3F Spätzle
      F3F Spätzle -
      Ja, so ein Lärm kann einem schon gehörig auf den Keks gehen, sodass man den Schreihals dahinwünscht wo der Pfeffer wächst oder gar vor Wut kocht – etwa Penne all’arrabbiata.


      Aber du scheinst es gelassen zu nehmen, dann ist ja alles in Butter


      Und nicht vergessen: alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei – und auch Geschrei, das geht vorbei. Also abwarten und Tee trinken, der Dreikäsekoch wird auch noch groß.