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  • Leidenschaft Doppeldecker

    Ein Baubericht von Gregor Treml aus der Modell 2/2012


    Nachdem nun unsere beiden in der Ausgabe 5/2011 vorgestellten »Fokker DVII« seit dem Erstflug im Juni 2009 für sehr viele fantastische Flüge gesorgt hatten, stand die Überlegung an, was man in der Bausaison 2010 bauen könnte. Da Horst Keul die »Fokker« noch in einem etwas kleineren Maßstab hatte, überlegten wir, dass es doch toll wäre, wenn wir auch hier im Verband fliegen könnten.

    Zudem passte dieser Maßstab auch zu meinen anderen Doppeldeckern wie der »Sopwith Pup« oder der »Tiger Moth«, die immer gut zu transportieren und unterzubringen waren. Ein 70-cm³- King-Motor stand auch noch zur Verfügung – und Holzbauweise sollte es ja auch wieder sein. So wurde schnell die Entscheidung getroffen: Ja, es wird wieder eine »Fokker DVII«, diesmal mit 2,70*m Spannweite.

    Über das Finish war ich mir noch nicht so ganz im Klaren und dachte eigentlich wieder an eine rot-weiße Version, ähnlich der schon bestehenden »Fokker«. Als ich dies äußerte, meinte meine Frau, zwei fast identische Modelle seien langweilig. Jetzt kam mein entscheidender Fehler …
    Um ihr das neue Bauprojekt etwas schmackhafter zu machen, bot ich ihr an, sich die neue Bemalung auszusuchen.
    So ging es schnell an den Bau des Modells. Durch die vorhandene Erfahrung und die tatkräftige Unterstützung von Horst Keul ging alles zügig voran und der Rohbau stand bald auf der Werkbank.




    Viele originalgetreue Details wurden hergestellt. Hier der Gashebel im Rohbau:



    Die Seitenverblendungen sind aus 1,5-mm-Buchensperrholz aufgebaut. Sie sind funktionstüchtig und sorgen für den Motor für eine super Zirkulation der Kühlluft. Hierdurch wird es nie zu warm unter der Haube.



    Auch der Reihenmotor nimmt Formen an:



    Hier wird der 70-cm³-King-RV eingepasst:



    Technische Daten:
    Original Modell
    Baujahr 1918 2010/2011
    Länge 6,95 m 2,28 m
    Spannweite 8,90 m 2,70 m
    Höhe 2,75 m 0,97 m
    Leergewicht 684 kg 18,2 kg
    Startgewicht 910 kg 19 kg
    Motor BMW IIIa, 185 PS King 70 RV, 6,1 PS
    Luftschraube 26 x 8 Zoll Menz Zweiblatt
    Drehzahl 5700 min–1


    Da sich der Bau nicht wesentlich zu den beiden im Mai beschriebenen Modellen unterscheidet, möchte ich hier nicht noch einmal gesondert darauf eingehen (sh. Modell 5/2011)

    Meine Frau nahm parallel mein Angebot auch ernsthaft an und recherchierte im Internet die verschiedenen Bemalungsvarianten der »Fokker DVII«.
    Als sie in den Bastelkeller kam, um mir ihren Vorschlag zu zeigen, verschlug es mir zugegebenermaßen kurzfristig den Atem. Was war das? Ein bunter Doppeldecker mit Zwergen auf der Seite. Im Ernst?!? Da man mir meine Begeisterung wohl ansah, begann meine Frau sofort, ihr gefundenes Finish anzupreisen: Es sei eher unüblich, deswegen gebe es dieses sicherlich auch auf Flugtagen nicht allzu oft, sei somit auch für das Nicht-Fachpublikum mal etwas anderes usw.
    Haben Sie schon mal mit einer Frau versucht zu diskutieren, wenn ihr was gefällt? O. K., es handelte sich um eine Originalbemalung, also warum eigentlich nicht? Nachdem ich zugesagt hatte, begann ich mit den Überlegungen, wie man so ein Finish umsetzen könnte. All meine Freunde (auch mein lieber Horst) meinten: Sieht ja super aus, aber …?
    An ein zügiges Fertigwerden war jetzt nicht mehr zu denken. Wie bekommt man als absoluter Nicht-Künstler diese Bemalung hin???
    Schon angefangen beim Lozenge-Muster: 8 Farben nur auf der Fläche! Da die Fläche zuerst bügelfertig war, befasste ich mich hier mit der Umsetzung des Musters. Zwar werden fertige Folien im vier- oder fünffarbigen Lozenge angeboten, entschieden habe ich mich aber, nicht zuletzt durch verschiedene Gespräche mit Herrn Clark und Herrn Reinsch motiviert, das Muster selber zu lackieren.



    Zuerst wurden die rohbaufertigen Tragflächen mit Solartex bebügelt, anschließend die Knotenimitate mit Weißleim aufgetragen und die Bänder nach Vorbild des Originals aufgebracht. In der Zwischenzeit habe ich auf eine Overheadfolie die Umrisse des Lozenge-Musters übertragen. Das hat zwar viel Arbeit gemacht, hat aber den großen Vorteil, dass man durch das Verschieben des Overheads genau den Maßstab auf dem zu ackierenden Teil zu sehen bekommt und man dadurch schon einen Eindruck davon erhält, wie es einmal aussehen wird.

    Da es draußen bereits sehr kalt war und ich keine Möglichkeit habe, in meinem Bastelkeller zu lackieren, beschloss ich, das Muster im Tupfverfahren herzustellen. Verschiedene Tests, mit welchem Schwamm man am besten arbeiten und bei welchem Klebeband ein Verlaufen der Farbe trotz Gewebefolie verhindert werden kann, wurden im Vorfeld gemacht.



    Bedacht werden musste schon zu Beginn die räumliche Begrenztheit des Bastelkellers, denn dadurch, dass exakte Übergänge von einer Flächenseite zur anderen nur dann möglich sind, wenn diese mit ihrer Spannweite von 2,70 m zusammengesteckt gegenüber dem Overhead platziert werden können, gab es kaum Möglichkeiten für das Aufstellen des Geräts und der Hilfsmittel.
    Anschließend wurde dann das Muster der jeweiligen Farbe abgeklebt und getupft. Ganz dünn wurden dabei die Farben aufgetragen und anschließend das Klebeband sofort wieder entfernt, sodass beim Trocknen der Farbe keine Ränder entstanden. Zwar klingt das hier beschriebene Verfahren leicht und zügig durchzuführen, es hat aber doch sehr viel Zeit in Anspruch genommen.



    Zudem entstand folgende Schwierigkeit, an die ich beim ersten Versuch nicht sofort dachte und die die Euphorie über das Gelingen des Auftragens der ersten Farbe und die Freude aufs Weitermachen zunächst empfindlich trübte: Ich glaubte, man könne nach dem Trocknen die Fläche wieder nehmen und sie zum erneuten Abkleben „einfach“ wieder hinstellen – schließlich hatte ich auf dem Basteltisch eine Markierung angebracht, sodass ich wusste, wo genau das Flächenende anzulegen war. Doch „einfach“ geht anders …

    Denn: Gesagt, getan … jedoch schien absolut gar nichts mehr zu stimmen! Die bereits lackierten Flächenstücke passten nicht mehr in die Umrisse des Lozenge-Musters, das der Overhead auf die Fläche warf, und alles war völlig verzogen. Das Problem war schnell gefunden: Jedes noch so leichte Verrutschen der Flächenkante auf dem Bastelltisch, jede noch so kleine Veränderung der Neigung der stehenden Fläche rächte sich – nicht zuletzt verschärft auch wegen des Profils, wegen dem ohnehin ein Verziehen der Linien auf den Rundungen vorprogammiert war. Auf den fragwürdigen „Spaß“, die Fläche vor allen Arbeitsschritten, jeder Farbe (wohlgemerkt auf Unter- und Oberseite), wieder neu zu justieren, hätte ich gerne verzichten können. Zwischendurch überlegte dann auch meine Frau, ob die Unterseiten nicht einfach einfarbig lackiert werden sollten, um Zeit zu sparen – ein solcher Mehraufwand war schließlich nicht abzusehen gewesen. Aber „wenn schon, denn schon“, und so war nach drei Urlaubswochen intensiven Abklebens und Lackierens das (vorläufige) Ende in Sicht.

    Insgesamt habe ich übrigens nur für das Abkleben der Rauten auf den Flügeln 20 (!) Rollen Klebeband verarbeitet. Mit dem Ergebnis bin ich aber mehr als zufrieden.



    In der Zwischenzeit waren auch die Arbeiten am Leitwerk, Fahrwerk und auch am Rumpf abgeschlossen, sodass alle Teile bebügelt werden konnten. Da die Grundfarbe dieser Teile jeweils einfarbig ist, wurden diese von Horst in seiner Garage lackiert.



    Jetzt musste ich mir langsam Gedanken machen, wie die, inzwischen wusste ich ja, dass es sich nicht um Zwerge handelte, „sieben Schwaben“ auf den Rumpf kommen würden.
    Da ich schon in der Vergangenheit zu Themen rund ums Folienfinish immer sehr gut von der Firma JR Foliendesign beraten und mit qualitativ hochwertigen Produkten unterstützt worden bin, nahm ich Kontakt zu Herrn Redl auf und erzählte ihm von meinem Problem. Sofort sagte er seine Hilfe zu.

    Zuerst wurde im Internet nach brauchbaren Sieben-Schwaben-Motiven geschaut, deren Qualität jedoch für eine direkte weitere Bearbeitung, d. h. für eine Reproduktion in beachtlicher Größe, passend zum Modell, unzureichend war. Daher mussten von beiden Rumpfseiten der Sieben-Schwaben-Motive neue Reinzeichnungen erstellt, coloriert und mit einer Konturschnittlinie versehen werden. Der Vorteil dieses Vorgehens liegt darin, dass die so entstandene Vektordatei in die benötigte Größe ohne Qualitätsverlust skaliert werden kann.

    Es folgten die Hoheitszeichen, Beschriftungen und Cockpit-Armaturen, die per Digitaldruckverfahren auf sehr dünne, opake Selbstklebefolien gedruckt wurden.



    Nach dem Aufbringen der Motivfolien und Aufschriften kam für mich ein großer Moment: Obwohl ich den Vorgang bereits vom Vorgängermodell her kannte und ich mir eine »Fokker« ohne Weatheringeffekt nicht mehr vorstellen kann, kostete es mich trotzdem wieder sehr große Überwindung, das gesamte Modell mit Antikpaste einzustreichen. Es sah schon schlimm aus, wie das Modell danach so vor mir stand!



    Motiviert allerdings durch den Gedanken, wie es am Ende aussehen würde, ging es nach dem Trocknen an das Abwaschen mit Terpentin, was in mehreren Schritten so lange durchgeführt wurde, bis ein schöner Weatheringeffekt erzielt war. Nach Abschluss dieser Arbeiten wurde das gesamte Modell dünn mit Klarlack, seidenmatt, überlackiert.

    Nach dem Einbau des Motors und der RC-Komponenten gab’s kein Halten mehr.




    Fliegen

    Der Erstflug erfolgte an einem sonnigen Samstagvormittag bei leichtem Wind. Der 70-cm3-King lief vom ersten Moment an sehr zuverlässig und überzeugte durch sehr gute Leistungsentfaltung wie auch sehr guten Leerlauf. Noch ein Reichweitentest und los ging’s.



    Der Start verlief, wie erhofft, ohne Probleme. Keine Korrekturtrimmung war nötig. Nach ein paar Runden der *Eingewöhnung wurden erste Tests bezüglich der Langsamflugeigenschaften durchgeführt. Auch hier zeigte sich die »Fokker« wie ihr großer Bruder von ihrer besten Seite. Im Anschluss an die Tests konnte es an die erste Landung gehen. Schön eingeteilt, mit leichtem Schleppgas, schwebte die »Fokker« heran.


    Ein leichtes Ziehen am Höhenruder und sie setzte butterweich auf. Direkt im Anschluss folgten noch weitere drei Flüge, wobei hier jetzt schon leichter Kunstflug wie Rollen, Rückenflug und Loopings geflogen wurde.




    Mein Fazit

    Wie erhofft, erstand hier ein Modell, das meine Leidenschaft Doppeldecker bestätigt. Die "Fokker DVII" lässt sich sehr vorbildgetreu fliegen, alle Flugmanöver wie Turn, Looping, Trudeln und auch Slippen sind möglich.



    Zwar war die Erstellung des Finishs eine große Herausforderung mit sehr hohem Arbeitsaufwand, mit dem Ergebnis bin ich aber mehr als zufrieden – stellt es doch mit Sicherheit eine abwechslungsreiche Variante auf dem Modellflugplatz dar.
    An dieser Stelle noch mal vielen Dank an meine Frau für den tollen Finish-Vorschlag.




    Hier noch einige Infos zum Original:

    Die »Fokker DVII« war das leistungsfähigste deutsche Jagdflugzeug seiner Zeit. Ihr Entwurf geht auf den Herbst 1917 zurück, als ein Nachfolger für »Fokker Dr. I« und »Albatros DV« gebraucht wurde. Die hier nachgebaute Version wurde vom 13. Juni 1918 bis zum Ende des Großen Krieges von Wilhelm Scheutzel geflogen.
    Warum Wilhelm Scheutzel sich für das Motiv eines Kindermärchens und nicht, wie zur damaligen Zeit üblich, für eins der sogenannten männlichen Motive, wie zum Beispiel das eines Totenkopfs, entschieden hat, konnte ich trotz langer Recherche weder in meiner vorhandenen Literatur noch im Internet herausfinden.
    Mögliche Spekulationen, die zu seinem Entschluss für dieses Motiv geführt haben könnten, gehen von einem ironischen Kommentar zur Albernheit des Kriegs bis dahin, dass er durch dieses für seine Zeit außergewöhnliche Finish in der Geschichtsschreibung einfach nicht vergessen werden wollte. Da bezüglich seiner »Fokker DVII« nur ein Abschuss einer englischen »DH4« über Frankreich im August 1918 dokumentiert ist, sie aber bis heute einen hohen Bekanntheitsgrad besitzt, scheint Letzteres auch aufgegangen zu sein.

    Bei der Geschichte der sieben Schwaben geht es um die Abenteuer von sieben als tölpelhaft dargestellten Schwaben. Einzig mit einem Speer bewaffnet zogen sie los, um große Abenteuer zu erleben. Als Höhepunkt der Erzählung steht der Kampf mit einem Untier, das sich am Ende als Hase herausstellt. Kurze Zeit später ertranken alle sieben durch ein Missverständnis.

    Als mögliche Erklärung, warum auf den beiden Seiten des Rumpfs zwei Varianten der Schwaben mit leichten Unterschieden im künstlerischen Stil gemalt wurden, geht wohl darauf zurück, dass es zwei Künstler gab; möglicherweise im Wettbewerb miteinander, um zu sehen, wer das beste Bild zum vorgegebenen Thema malen würde.
    Kommentare 3 Kommentare
    1. Avatar von flyer4353
      flyer4353 -
      Hammer geiles Modell!!!!!!!!!!! Ich hab vor 5Jahren angefangen eine Balsa USA Sopwith Pup im Masstab 1/3 zu bauen. Bauzeit waren knapp 2Jahre. Ich hab als Antrieb einen ZG38 mit Getriebe 1/2,8 eingebau, ist zwar ein schweres Eisenschwein aber mit der 32" Latte sieht die Pup noch erwachsener aus. Flugeigenschaften sind als Anfängertauglich zu bezeichnen, ausser dass man in jeder Kurve kräftig mit Seitenruder unterstützen muss. An sonsten ein sehr gelungenes Modell mit einigen Materialproblemen (Qualität). Ich wünsche dir weiter hin viel Erfolg mit deinem Modell und vieleicht sieht man sich mal auf der ein oder anderen Veranstaltung.
    1. Avatar von Os Max 10 RC
      Os Max 10 RC -
      Super Modell!!! War aber bestimmt viel Arbeit! Weiterhin viel Spaß mit deinem Modell und einen sturzfreien Flug!!!
    1. Avatar von bleriot
      bleriot -
      Das ist wirlich ein tolles Modell geworden. Dafür könnte ich mich auch begeistern. Kann mann bei dir vieleicht einen Plan bekommen?