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  • CFK/GFK Fahrwerk

    Fahrwerk im Eigenbau

    Wofür benötige ich ein Fahrwerk?

    Michael Stroisch

    Erstveröffentlichung 11.11.2009



    Anfang Oktober fand, wie jedes Jahr, die "Modell-Hobby und Spielemesse" in Leipzig statt. Da es mittlerweile zum guten Ton gehört, diese zu besuchen, machte ich mich mit meinem Bekannten am Freitagmorgen, den 02.10.2009, auf den Weg dorthin. Pünktlich um 10:00 Uhr wurden die Pforten geöffnet, so dass wir tatsächlich gegen 10:03 Uhr am Stand eines bekannten Modellbauhändlers eintrafen.
    Dort erregte ein großer Karton mit der Aufschrift "Robbe - Christen Eagle - ARF Baukasten" meine Aufmerksamkeit, weil ich wusste, dass dieses Modell von Robbe nicht mehr vertrieben wird. Noch viel interessanter war ein kleiner gelber Aufkleber, auf den mit schwarzem Edding folgendes geschrieben worden war: „II. Wahl -130 € “! Da nun mittlerweile mehre Messebesucher den von mir erspähten Karton interessant fanden, fragte ich den Verkäufer schnell nach dem Haken dieses Angebotes, da das Modell eigentlich um die 350 € kostet und gerade in der heutigen Zeit keiner mehr etwas zu verschenken hat. Die Aussage des Verkäufers kam schnell und präzise: „Kabinenhaube und Fahrwerk, einschließlich der Räder, fehlen!“.

    Nach der Bezahlung und der damit verbundenen Sicherstellung meines Winterprojekts überprüften wir den Inhalt des Kartons auf Vollzähligkeit. Der Verkäufer wusste anscheinend was er tat. Der Bausatz war bis auf die genannten Teile vollständig und ich behaupte, für 130 € jeden Cent wert.


    …das kann man doch im Internet bestellen!

    Nun begann die Suche nach einem passenden Fahrwerk im Internet. Da das Fahrwerk im Verhältnis zum Flugzeug sehr flach, dafür aber breit ist und es außerdem aus CfK gefertigt sein sollte, verlief meine Suche nach einem passenden oder zumindest annähernd passenden Fahrwerk nahezu ergebnislos. Mir wurde sehr schnell klar, dass ich mir ein wirklich 100%ig zum Modell passendes Fahrwerk wohl selbst bauen müsste.


    Auf geht’s!

    Bei meiner vorausgegangenen Fahrwerkssuche war ich im Internet auf ein sofort lieferbares Fahrwerk für die Weiershäuser Christen Eagle mit etwa 200 cm Spurweite gestoßen. Die dort angegeben Maße rechnete ich nun auf mein Modell mit 168 cm Spannweite um und schon waren die Fahrwerksgrundmaße ermittelt. Einige schöne Bilder ließen es zu, die Form des Fahrwerks so exakt wie möglich zu kopieren. Ich machte mir eine Zeichnung und schnitt diese aus und übertrug sie 2x auf eine Sperrholzplatte. Dann wurden die Sperrholzteile ausgesägt und glatt verschliffen. Diese Teile klebte ich mit 5min-Epoxi auf die Unter– und Oberseite einer 10 cm dicken Styropordämmplatte.


    Nachdem das Harz fest war und die beiden Sperrholzplatten mit dem Styropoorblock dauerhaft verband, schnitt ich mit dem heißen Draht einfach an den aufgeklebten Sperrholzplatten entlang.


    "Glatt wie ein Kinderpopo", das Styropor!


    Jetzt wird mit 5 Minuten-Epoxi die eigentlich zum Laminieren benötigte Fläche mit einem Streifen Pappelsperrholz, 3-4 mm breiter als die Form, flächig aufgeklebt. Dazu habe ich den Streifen zunächst auf die ebene, obere Fläche geklebt.


    Danach habe ich die Styroporfläche mit 10 Minuten-Epoxi bestrichen und anschließend den Streifen Pappelsperrholz unter Zuhilfenahme von Sekundenkleber über die Rundungen geklebt. Anschließend habe ich ihn mit zwei Gurten fixiert und dann wieder gewartet.


    Nach dem Trocknen wurden alle Kanten fein säuberlich verschliffen und anschließend die Formfläche mit Selbstklebefolie blasenfrei bespannt.
    Als meine Frau diese Form sah, fragte sie: "Baust Du jetzt Gitarren?"

    Wie ihr seht, liegt hinter der Form ein Spannriemen. Diesen benötigt man zum Spannen bzw. Pressen des Laminats. Er wird über die Form gelegt und ist mit je einem Brett am Ende befestigt. Die Bretter nenne ich Spannbretter.


    Die Spannfläche des Riemens muss etwa 10 cm kürzer sein als das Umlaufmaß der Form. Die Spannbretter werden mit dem Riemen am Ende eingeschlagen und festgetackert. Die Auflagefläche des Riemens kann genauso breit sein wie die Form.


    Nun die alles entscheidende Frage: "Woraus mache ich den Riemen, damit er nachher auf dem frischen Harzlaminatwunderwek nicht für immer kleben bleibt??"

    Ganz banale schwarze PVC Teichfolie

    PVC-Teichfolie hat eine sehr glatte Oberfläche. Das Ergebnis wird jedoch seidenmatt, was aber sehr technisch und hochwertig aussieht.

    Vorbehandeln der Form!

    Die Formfläche habe ich 4x mit Trennwachs behandelt und abgerieben. Dabei ist darauf zu achten, das Wachs nicht durch allzu intensives Reiben wieder von der Fläche zu entfernen. Hier sollte man sehr vorsichtig und überlegt arbeiten. Bekanntlich macht beim Laminieren die korrekte Vorarbeit 85% des Ergebnisses aus. Nachdem das Wachs abgelüftet ist, habe ich mit einem Pinsel Trennmittel über der Form verteilt. Nach dem gleichmäßigen Verlaufen beschleunigte ich den Trockenvorgang des Trennmittels mit dem Fön und beugte damit der Bildung von Fehlstellen im Trennmittel vor.

    Laminieren!

    Da mein Model um die 8 kg wiegen wird und ich keine Erfahrung mit der Berechnung von Fahrwerken habe, orientierte ich mich am Fahrwerksausschnitt der Christen Eagle. Dieser ist 5 mm dick. So habe ich mit zwei Schichten 160 g-CfK-Gewebe begonnen. Anschließend 8 Schichten aus eingefärbtem 240 g-GfK-Köper, dann eine Lage CfK-Rovings und wieder 7 Schichten eingefärbten 240 g-GfK-Köper und zum Abschluss zwei Schichten mit 160 g-CfK-Gewebe. Das Gewebe schön von unten nach oben durchziehen lassen, um Lufteinschlüsse zu vermeiden. Wenn das geschehen ist, den Teichfolieriemen auflegen und am besten mit zwei Mann vorsichtig und vor allem gleimäßig mit zwei Schraubzwingen abspannen.




    Und jetzt das Wichtigste!
    Nehmt ein Stück Rohr oder ein Stück Besenstiel und rollt das überschüssige Harz aus dem Laminat! Rollt solange über den Spannriemen bis sich keine Wulst mehr vor dem Rohr bzw. Besenstiel, oder was auch immer, bildet.
    Dann nehmt ihr ein Stück Holz, ich habe eine Fliese genommen, und klemmt diese mit einer Schraubzwinge auf den Bereich, der später die Auflagefläche des Fahrwerks sein wird.


    Das Ergebnis!

    Nachdem das zukünftige Fahrwerk ausgehärtet ist, entfernt Ihr den PVC-Teichfolien-Riemen und hebt das Rohteil von der Form. Jetzt werdet Ihr merken, ob ihr im Umgang mit dem Trennmittel erfolgreich wart.


    Jetzt wird das Fahrwerk noch in Form gebracht und, zumindest in meinem Fall, geteilt, da ich es sonst nicht in den Rumpf bekommen hätte!


    Alles in allem eine sehr schöne Arbeit und in Anbetracht der Tatsache, dass man ein Teil für sein Modell mal wieder selbst hergestellt hat und damit die Bezeichnung "Modellbauer" zu recht auf sich beziehen darf, ein wirklich gutes Gefühl!
    Kommentare 9 Kommentare
    1. Avatar von MaJa
      MaJa -
      Für mich sind solche Beiträge sehr interessant, lehr- und hilfreich, vielen Dank dafür.Eine Frage hätte ich, möglicherweise ist sie dumm, ich frage mal trotzdem:Wenn ich den Teil mit Wachs und Trennmittel richtig verstanden habe, wurde nur der Formkörper behandelt. Daraus schließe ich, dass sich die Teichfolie nicht verbindet, also leicht ablösbar ist.Wenn dem so ist, wäre es dann eine Option über den Formkörper einfach auch einen Streifen Teichfolie zu ziehen, und sich so die Arbeit und das Risiko mit Wachs / Trennmittel zu sparen?mfg. Maik
    1. Avatar von Bernie
      Bernie -
      Auch ich finde Beiträge zu Verfahrensweisen und -Techniken spannend und immer wieder hilfreich. Vielen Dank dafür! Wenn jetzt noch jemand eine Laminatberechnung beisteuern könnte, wäre das perfekt! LG, Bernie
    1. Avatar von pedropit
      pedropit -
      Hallo Maik Du kannst den Formkörper auch mit Paketklebeband abkleben,das trennt dann ohne Wachs, oder eine ganz normale Plastikfolie geht auch. Hallo Bernie Eine Laminatberechnung gibts hier: https://www.youtube.com/watch?v=V2QK...ature=youtu.be Gruß Peter
    1. Avatar von _Andreas_
      _Andreas_ -
      Top Beitrag und passt gerade in meine laufende Arbeiten. Vielen Dank. Gruß Andreas
    1. Avatar von chrilu07
      chrilu07 -
      Hallo, Gute Beschreibung. Mich würde noch interessieren womit du die fertigen Cfk-Teile schneidest. Wünsche allen ein gesundes und bruchfreies 2016 Rainer
    1. Avatar von .Claus
      .Claus -
      Super Beitrag, Danke Ich muß demnächst auch ein Fahrwerk bauen, da es kein passendes zu kaufen gibt. Für die Mischung von GFK und CFK Gewebe hast Du da irgendein Konzept oder rein aus dem Bauch raus?
    1. Avatar von blonthomas
      blonthomas -
      Danke für den sehr nützlichen Beitrag auch von mir! Und noch zwei Verständnisfragen dazu: Dienen die außen liegenden Cfk-Lagen nur der Optik? Gewichtsmäßig lohnen die ja nicht, da innen jede Menge Gfk-Lagen verbaut sind. Wozu die Cfk-Rovings in der Mitte? Danke, Thomas
    1. Avatar von pazzopilota
      pazzopilota -
      tolle Arbeit - Respekt - auch von mir vielen Dank für diesen sehr anschaulichen Beitrag!Andy
    1. Avatar von _Andreas_
      _Andreas_ -
      Womit schneidet ihr GFK?
      Gruß und Danke
      Andreas
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    Respekt Peter! Schaut super aus!

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    Grüße

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