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  • KGS 1940 - KGS mod. 2015

    KGS 1940 - KGS mod. 2015

    Hans-Reinhard Mette

    So oft ich konnte, ging ich an einem Ladengeschäft vorbei, das sich nicht weit um die Ecke meiner Unterkunft befand. Es war ein kleiner Modellbauladen, vollgestopft mit Dingen, die mich ständig zum Träumen brachten. Bisher unvorstellbare Schätze wurden im Schaufenster präsentiert und forderten ultimativ zum Eintreten in das Geschäft auf.

    Ich ergötzte mich im wahrsten Sinne des Wortes an den ausgestellten Flugmodellen, den Baukästen und Motoren sowie dem umfangreichen Zubehör.

    Dabei muss ich wohl eines der angrenzenden Geschäfte übersehen haben. Als ich wieder mal träumend an dem Schaufenster des Modellbaugeschäfts vorbei geschlendert war, fiel mir im Nachbarladen eine Dekoration ins Auge, das Diorama eines Fußballmatches zwischen Deutschland und Ungarn. Was hatte ich da verpasst?
    In den Sommerferien des Jahres 1954 hielt ich mich bei meiner Schwester in London auf. Die Reise zu jener Zeit in diese Weltstadt hatte mich so in ihren Bann gezogen, dass ich von der Fußballweltmeisterschaft keine Notiz genommen hatte. Außerdem beanspruchte "mein" Modellbauladen mein Interesse ständig. Doch als ich an jenem Tage dieses Diorama sah, sprang der Funke über und dafür sollte ich belohnt werden. Die Mietpartei unter uns besaß bereits einen Fernseher und lud mich ein, das Berner Endspiel bei ihnen anzuschauen. Dieses Ereignis hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt, denn wer konnte damals schon ein Fußballspiel live im Fernsehen verfolgen?

    Nachdem die Freude über den grandiosen Sieg der deutschen Nationalmannschaft langsam abebbte, überkamen mich wieder meine Modellbauwünsche. Und sie wurden erhört. Meine Schwester schenkte mir nicht nur den Baukasten eines Parasol-Motormodells, sondern auch einen kleinen passenden Diesel-Motor für diesen Freiflieger. Zur damaligen Zeit erschien mir das Modell, dessen Namen ich nicht mehr weiß, als riesig, obwohl es sicherlich eine Spannweite von einem Meter nicht überschritten hat. Mein Glück war grenzenlos; ich konnte es fast nicht erwarten, wieder nach Hause zu fahren, um mit dem Bau des Fliegers zu beginnen. Die Zwischenzeit verbrachte ich damit, für den Motor eine Holzplatte herzurichten, den Antrieb darauf zu montieren und einlaufen zu lassen. Dies erwies sich jedoch weitaus schwieriger, als ich es mir vorgestellt hatte. Es fehlte eben an der notwendigen Erfahrung.
    Es verstrichen die Jahre, doch ab und zu erinnerte ich mich an jene freudigen Ereignisse in meiner Jugend. Je länger die Zeitspanne wurde, desto mehr kam der Wunsch auf, ein ähnliches Flugmodell zu bauen. Ich befasste mich immer öfter mit diesem Gedanken und begann nach Bauplänen zu suchen. Der damalige Modelltyp sollte es unbedingt sein, allerdings mit einer größeren Spannweite. Ich tendierte so zwischen 150 und 180 cm, um das Flugzeug angemessen mit Fernsteuerung und Elektroantrieb ausstatten zu können. Schließlich fand ich im Internet einen Plan, der meinen Erinnerungen und heutigen Vorstellungen entsprach. Auf der Webseite http:/www.outerzone.co.uk gibt es Antikflieger in Hülle und Fülle. Ich entschied mich letztlich für den/die KGS von 1940. Die Bezeichnung bedeutet 'Kovel Grant Struck', Namen dreier bedeutender amerikanischer Modellkonstrukteure und -flieger (siehe hierzu auch https://www.modelaircraft.org/files/StruckHenry.pdf; http://www.obitsforlife.com/ obituary/413126/Struck-Henry.php; http://aeromodelismovolarlibremente.blogspot. de/2010/08/kg-s-de-henry-struck-usa1940.html ).



    Der KGS, ich benutze diesen Artikel, weil es sich um drei männliche Konstrukteure handelt, wurde 1940 entworfen und hat eine Spannweite von 66", also 165 cm. Der Plan, den ich mir von der Outerzone-Seite ausdrucken konnte, weist nach genauerem Studium etliche Schwächen in der Maßhaltigkeit und Symmetrie auf. Auch der Einbau einer Fernsteueranlage in der Originalversion des Rumpfes wäre kaum zu bewerkstelligen gewesen.
    Ich entschloss mich daher bloß zu Änderungen, die nur für die Festigkeit und den E-Antrieb nötig sein würden, den Einbau einer Fernsteuerung zuließen und die Konfiguration des Modells möglichst nicht beeinträchtigten. Es gibt keine Bauanleitung für den KGS. Bauphasen und -fortschritt müssen daher dem Plan intuitiv entnommen werden.



    Der Rumpf soll nach Plan so aufgebaut werden, dass zunächst ein sehr langer pyramidenförmiger Dreieckskörper hergestellt wird, auf den die Rumpfspanten im passenden Abstand aufgeschoben und verleimt werden. Danach soll dieses Spantengerüst komplett beplankt werden. Da der Dreieckskörper den Innenraum des Rumpfes total blockieren würde, musste ich eine andere Baulösung finden. Die Spanten veränderte ich dahingehend, dass ich sie auf ein konisch zulaufendes Sperrholzbrett auffädeln konnte. Danach war es möglich, sie mit dem fixierenden Hilfsbrett auf eine Helling aufzusetzen, um mit dem Weiterbau des Rumpfes fortfahren zu können.



    Dieses Hilfsbrett ließ sich je nach Notwendigkeit entfernen oder wieder einsetzen. Ich hatte mit dieser Änderung einen großen Rumpfinnenraum für alle notwendigen Ausrüstungen geschaffen.



    Die Rumpfbeplankung wollte ich vermeiden. Ich stellte mir eine filigranere Rumpfstruktur mit Bespannung vor. Statt der Vollbeplankung verband ich die Spanten mit 12 Kiefernholmen 5x3 mm, die sich zum Rumpfende hin in ihrer Breite vermindern. Bereits ohne die spätere Spezial-Vliesbespannung mit den längs eingelegten Rovings ergab sich eine große Steifigkeit dieser Konstruktion.



    Die Veränderungen am Rumpfende ergaben sich zwangsläufig wegen des Seiten- und Höhenleitwerks mit ihren für den RC-Betrieb notwendigen Ruderflächen. Als Profil für das Seitenleitwerk wählte ich das symmetrische NACA 0006. Erhebliche Bedenken hatte ich bei der Größe des Ruders, so dass ich dessen Fläche durch ein Ausgleichshorn vergrößerte; eine, wie sich später herausstellte, vollkommen unnötige Maßnahme.



    Ein Einbau von Servos, Empfänger, Drehzahlsteller und Akku sowie der spätere Zugang zu ihnen kann infolge der Parasol-Konfiguration nicht über die Rumpfoberseite erfolgen. Die notwendige Öffnung konnte nur auf der Unterseite hergestellt werden. Alle einzubauenden Komponenten hängen daher an ihren Befestigungen.

    Ganz oben befinden sich die RC-Teile, direkt darunter der LiPo-Akku, der nach dem Öffnen eines Deckels gut zugänglich ist und einfach gewechselt werden kann. Der Deckel reicht in der Länge vom Motor- bis zum zweiten Rumpfspant und in der Breite über vier zu bespannende Felder. Wenn das Modell fast senkrecht auf Fahrwerk und Propeller steht, ist einfacher Zugang zum Rumpfinneren möglich.



    Das Höhenleitwerk konstruierte ich so um, dass es sich aus zwei Hälften zusammensetzt, die auf einen Kohlestab mit 4 mm und einen Stahldraht mit 2 mm Durchmesser aufgesteckt werden. Auch hier wich ich vom Originalprofil ab und verwendete wieder ein symmetrisches NACA-Profil, das allerdings etwas dicker zu sein hatte, weil es zwischen oberem und unterem Hauptholm das Kohlerohr für den Flächenverbinder aufnehmen musste. Mit dem NACA 0007 erreichte ich die notwendige Dicke.



    Der Aufbau des elliptischen Höhenleitwerks gestaltete sich als sehr zeitaufwendig, da sich alle Rippen in ihrer Tiefe unterscheiden und keine gerade Unterseite haben. Es war also zunächst nötig, eine Helling zu erstellen, um darauf die Rippen korrekt positionieren zu können. Deshalb druckte ich mir mit dem PC die Konturen aller Rippen als Schneideschablonen aus und fertigte damit die notwendigen Hellingteile an.



    Nach dem Zusammenbau des kompletten Höhenleitwerks trennte ich die für den RC-Betrieb notwendigen Ruder aus dem HLW-Gerüst heraus, nachdem ich zuvor an den betreffen Schnittstellen Balsastreifen zwischen die Rippen geleimt hatte. Anschließend verstärkte ich Dämpfungs- und Ruderflächen an den eingeleimten Streifen mit durchgehenden Balsa- bzw. Kiefernleisten.



    Nach Plan besteht der Tragflügel aus zwei Teilen. Ich entschied mich, ein 10 cm langes Mittelstück zu integrieren, das mittels Schrauben auf dem Parasol befestigt wird.
    Dieses Flügelmittelstück, das bei Bedarf auf dem Rumpf verbleiben kann, dient zur Aufnahme der Tragflügel-Stähle (4 und 3 mm Durchmesser) und hält die beiden Flügelhälften über eine Zugfeder zusammen. Diese Konstruktion ergibt eine sichere Verbindung zwischen Flügel und Rumpf und der Auf- bzw. Abbau gestaltet sich äußerst einfach.



    Beim Tragflügel wurden die V-Formen am Mittelstück sowie am Ohr auf die Hälfte reduziert. Die vorgesehene Beplankung ersetzte ich durch zusätzliche Hilfsholme und Halbrippen, die ich zwischen den Rippen einfügte. Das Originalprofil war mir nicht bekannt und ich konnte auch keine Daten darüber finden.



    Aus diesem Grund wählte ich ein 10%iges Clark Y, welches sich später als äußerst geeignet erwies. Ich kann damit relativ schnell fliegen, langsam schweben und selbst Thermik nutzen. Als Bespannung verwendete ich wieder mein Spezialvlies, ein Polyestermaterial mit parallel zueinander eingelegten Rovings, ein in Querrichtung von Hand nicht zu zerreißendes Material.



    Der Motorspant fluchtet mit der Nasenleiste des Tragflügels. Das schafft Probleme durch den RC-Umbau, weil dadurch das Rumpfende etwas schwerer wird. Deshalb verlegte ich den Motorspant geringfügig weiter nach vorn, um nicht unnötige viel Trimmgewicht anbringen zu müssen. Mein Motorspant besteht aus mehreren demontierbaren Schichten, in welche die Fahrwerksaufnahme integriert ist. Diese Aufnahme musste ich später wegen eines stabileren Fahrwerks ändern.

    Für den E-Antrieb ergaben sich bestimmte Vorgaben. Als Akku sollte ein 3s-LiPo eingesetzt werden. Wegen der äußerst kurzen Schnauze des Modells benötigte ich im Hinblick auf den Schwerpunkt einen nicht zu leichten Motor. Er musste außerdem kurzbauend sein, um die Silhouette des Modells nicht zu stark vom Plan abweichen zu lassen. Der Antrieb sollte für gute Steigleistungen sorgen und der Regler über ausreichend Halbgasfestigkeit verfügen. Auf Empfehlung der Firma Reisenauer baute ich einen Scorpion S-3020-890KV-14p mit Propeller ACP Thin Electric 12x10 und einen Sunrise ICE-Drehzahlsteller ein. Dies stellte sich später als eine gelungene Kombination heraus, da der Motor bei Vollgas den Flieger rasant nach oben zieht, genau wie dies in der Vergangenheit ein Diesel-Antrieb tat, und auch mit wenig Gas ein kontinuierliches Steigen erreicht wird. So ergeben sich lange Flugzeiten, die stark ausgeweitet werden können durch segelflugartige Gleitphasen ohne jeglichen Antrieb.



    An die Rückwand des E-Motors schraubte ich ein Kreuz aus Platinenmaterial und verband dies über vier Gewindebolzen mit dem Motorspant. Ohne den Motor abzubauen, kann ich so die Distanz zum Motorspant sowie den Seiten- und Motorzug variieren, indem ich die Position der Befestigungsschrauben verändere.

    Nach der Montage des E-Motors konnte ich die Maße der Motorhaube festlegen. Für deren Herstellung fertigte ich aus Styropor ein Positiv an, welches mit zwei Lagen 80er und einer Lage 40er Glasgewebe mittels Epoxidharz umhüllt, dann gespachtelt, geschliffen, entkernt und schließlich lackiert wurde.

    Das Einfliegen zog sich einige Zeit hin. Für Clark Y wird allgemein eine Schwerpunktlage zwischen 29 und 35 % der Flächentiefe vorgeschlagen. Ich wählte zunächst 30 % und musste dadurch eine erhebliche Masse an Trimmblei anbringen. Die ersten Flüge verliefen trotz dieses hohen Gewichts unproblematisch. EWD-Korrekturen wurden ausprobiert, doch letztlich wieder verworfen. Immer mehr Trimmblei wurde entfernt, bis schließlich keines mehr verwendet werden musste. Durch die kontinuierliche Verminderung des Trimmgewichts wanderte der Schwerpunkt immer weiter zurück, bis er zum Schluss bei 52 % lag. Diese Schwerpunktposition, mit der ich nie gerechnet hatte, ist im Nachhinein sicherlich durch das sehr große Höhenleitwerk erklärbar.



    Wo Licht ist, ist auch Schatten, allerdings nur sehr wenig. Bei stärkerem Seitenwind ist wegen des sehr hoch liegenden Tragflügels ein Bodenstart nicht ganz unproblematisch. Herrschen dagegen Windverhältnisse moderaterer Art, gelingen mit Halbgas Bilderbuchstarts. Ein weiterer Punkt ist die Einsatzbreite des Modells im Hinblick auf vorherrschende Windstärken. Ab Windstärke 5 ist Fliegen nicht mehr möglich, es kann kein Vortrieb mehr erreicht werden. Bei Windstärke 4 ist ein Flugbetrieb zwar machbar, aber nicht so entspannend wie bei schwachen Winden. Dagegen stellt sich Genussfliegen ein, wenn bei lauem Wind oder Flaute auch Thermik genutzt werden kann.

    Mit dem modifizierten KGS habe ich nun einen Elektroflieger, der Jugendträume und damit verbundene Erinnerungen wieder lebendig werden lässt.
    Kommentare 5 Kommentare
    1. Avatar von viper330
      viper330 -
      Hallo Hans-Reinhard,

      super Modell, super Baubericht!!!
    1. Avatar von Slopefreak
      Slopefreak -
      Danke Dir für das Kompliment.
    1. Avatar von Uthred
      Uthred -
      Herzlichen Dank für diesen Bericht, man bekommt regelrecht Lust auf ein ähnliches Projekt!
    1. Avatar von Konrad Kunik
      Konrad Kunik -
      Könnte das vielleicht auch beabsichtigt sein?

      Nur Mut...
    1. Avatar von Brumowski
      Brumowski -
      Ein Gustostückerl !
      Photo von vorne wäre schön.
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