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  • Pump up the volume, babe!

    Pump up the volume, babe!


    Bertram Radelow

    Erstveröffentlichung 07.11.2004


    Fahrlässig leicht gebaut

    Moderne preisgünstige Segler wie GIGASPEED, SPIDER-X und andere werden mit leichten Kevlar-/Aramid-Halbschalenrümpfen ausgeliefert. Mit ihren geraden Nähten sehen sie nicht nur toll aus sondern sind auch schön leicht.


    (Bild 1 – schöne Optik)

    Aber nach zwei Bergsommern mit insgesamt wenigstens fünf Rumpfbrüchen immer an der gleichen Stelle bei eher harmlosen Landungen, bei fünf verschiedenen Seglern von mir und Kollegen, nämlich eine Handbreit hinter der Fläche, sehe ich das inzwischen etwas kritischer:
    Eine einzelne Lage Kevlar/Aramid ist zu hart. Beim gemeinsamen Fliegen haben elastische GfK-Rümpfe ganz andere Landungen überlebt. Die beiden Schalen überlappen sich auch nicht, sondern werden nur durch ein dünnes GfK-Band zusammengehalten.


    (Bild 2 – nur 6 mm breites GfK-Band als Überlappung)

    Die Untersuchung der Brüche zeigte, dass dieses Band im hinteren Rumpfbereich öfters verrutscht ist, sodass die Überlappung teilweise nur noch 2 mm oder sogar weniger betrug.
    Bei starkem Wind am Jakobshorn in Davos fliegen, heißt auch, teilweise ruppig zwischen Murmeltierlöchern und Steinen zu landen. Dafür sind die Rümpfe einfach nicht stabil genug. Also müssen wir sie „modden“, wie das heutzutage heißt...

    Wir behandeln einige Problemzonen:
    1. Die Risse im Bereich der vorderen Rumpföffnungen,
    2. die Leitwerksbefestigung,
    3. die Peitschenbrüche im vorderen Rumpfauslegerbereich.


    Risse im Bereich der vorderen Rumpföffnungen.

    Meist harzt der Hersteller oder der Pilot in gutem Glauben ein paar Rovings ein, die in den Testberichten auch immer wieder lobend erwähnt werden. Bei mir sind die „gerne“ durchgerissen. Das einzige Mittel gegen diese Risse ist die vom Flächenbau bekannte D-Box. Wir müssen also das Rumpfboot mit einem horizontalen Brett zu einer D-Box umbauen, was den Einbau von Empfänger und Servos wenig beeinträchtigt, den vorne liegenden Akku aber dann doch sehr. Dieser Akkubereich bekommt deshalb quasi eine Sohle, entweder als ovales Brett, das an den Boden geharzt wird oder in Form von zwei oder mehr Lagen kräftigem Gewebe.

    Im Folgenden sei die „Davosisierung“ eines GIGASPEED 1,5 Q gezeigt.

    (Bild 3 – die einzubauenden Komponenten)

    Die einzubauenden Komponenten müssen sehr sorgfältig eingepasst werden– die Servos haben nur einen Millimeter Luft am Servohebel:

    (Bild 4 - Einpassen)

    Der vordere Rumpfbereich wird innen sehr sorgfältig mit grobem Schleifpapier aufgeraut (Kevlar ist zum Glück extrem schleiffest).


    (Bild 5 – aufgerauter Rumpf)

    Das hintere Servobrett wird einschließlich der eingebauten Servos(!) mittels Sekundenkleber fixiert (Platzkontrolle); anschließend werden die Servos ausgebaut, wozu hier erst einmal die Hebel abmontiert werden müssen. Die Verstärkungsmatten werden zurechtgeschnitten und bereitgelegt:

    (Bild 6 - Verstärkungsmaterial)

    Hier ist es schwarzes 163er Glas für die Rumpfauskleidung und weißes 49er für die Abdeckung der Brettchen. Sie liegen auf dem Foto in etwa neben den Zielgebieten.

    Juli-Einheizer und Parkflieger verstärken zunächst nur den Rumpf von innen mit dickem Glas und dünnflüssigem Laminierharz und lassen alles aushärten:

    (Bild 7 - Bootsauskleidung)

    Highscorer geben sich den Kick und setzen sofort das vordere Brett ein...

    (Bild 8 – Servo- und Empfängerbrett)

    ...und laminieren die dünnen Matten gleich mit dazu:

    (Bild 9 – alles drin)

    Adrenalin ist garantiert. Keine Angst, das wird schon wieder:




    (Bild 10,11 – fertiger Innenausbau mit unserem edlen Nussbaum-Sperrholz)


    Leitwerksverstärkung

    Die lackierte Schaumwaffel, die beim 150er GIGASPEED als V-Leitwerk mitgeliefert wird, ist sowohl unklebbar als auch nicht gerade stabil, um es einmal höflich zu sagen. Irgendwann muss man sich entscheiden, ob man einen SAL-Flieger oder ein Spaßgerät haben will. Mit ein paar GfK-Streifen werden die Dämpfungsflossen im Schritt verstärkt:




    (Bild 20 und 21 – VLW-Verstärkung)

    Eine passend dreieckig geschliffene Kieferleiste stabilisiert das V von oben:

    (Bild 22 – VLW-Montage).

    Wegen des außerordentlich geringen Platzes unter der Tragfläche wurden die Flossenanlenkungen vorne mit Z-Kröpfungen an den Servos eingehängt und hinten trimmbar an den Flossen befestigt.

    (Bild 23 - Leitwerksanlenkung. Erstflug natürlich prompt ohne die eine Mutter...)

    Zu den Hitec-55 sei noch angemerkt: Die Servohebel sind so flach, dass die mit einer Z-Zange gebogene Kröpfungen zu viel Spiel haben; der Stahldraht muss sorgfältig mit einer Spitzzange von Hand gekröpft werden.


    Die Peitschenbrüche im vorderen Rumpfausleger.

    Ich habe „weiche“ GfK-Anfängersegler-Rümpfe bei schlimmen Landungen zittern sehen, die sie aber ohne Beschädigung weggesteckt haben. Dagegen sind dünne CfK-Rümpfe bei eher sanften Landungen zerbrochen. Die zwei halben Lagen AfK/CfK sind einerseits zu hart und andererseits zu wenig stabil. Voluminöse Rümpfe kann man von innen verstärken, aber einen 15 mm Leitwerksträger, auf dessen Innenseite wahrscheinlich noch Reste von Trennmittel sind?

    Also verstärken wir von außen. Erste Versuche, die GfK-Matten mit Wickelband aus Polyethylen (Plastiktüten-Streifen) anzudrücken, waren erfolgversprechend. Eine Rumpfverstärkung mit der daraufhin gekauften professionellen schrumpfbaren Wickelfolie endete jedoch in einer Katastrophe: Die Folie war nicht elastisch (kein Problem, wir können ja schrumpfen...), das Bügeleisen erzeugte sehr stechende Dämpfe und der Föhn blies Luftblasen unter die Wicklung...

    Am einfachsten und preiswertesten ist es, eine Einkaufstüte in etwa 4 cm breite Streifen zu schneiden. Auf das Harz und die Glasfasermatten kommt die unbedruckte Innenseite (wichtig!) – deswegen eignet sich i.d.R. auch kein beidseitig bedrucktes Absperrband.

    Der Rumpf wird ab Tragflügelhinterkante intensiv angeraut:

    (Bild 30 – angeschliffener Rumpf)

    Dann üben wir zunächst das Wickeln. Wenn man einen konischen Rumpf von hinten bewickelt, wird die Überlappung immer schmaler!

    (Bild 31 – konischer Folienwickel)

    Deswegen arbeite ich mit zwei Streifen: Der Erste wird von hinten bis zur Mitte, der Zweite, mit neuem Winkel, von der Mitte bis nach vorne gewickelt.

    Wenn das faltenfreie Wickeln mit korrekter Überlappung sitzt, wird es ernst: Nacheinander werden zwei lange 49er-Glasmatten, etwa 3,5 mal so breit wie der Rumpf, oben mittig auf den teilweise beharzten Rumpf aufgesetzt und die beiden Seiten in Richtung Rumpfbauch anlaminiert (mit gummibehandschuhtem Finger).

    Beim anschließenden Wickeln der PE-Folie ist ein Helfer, der die Rumpfnase festhält und dreht, während man selber mit dem laokoonischen Band kämpft, hilfreich. Das Band muss mit deutlichem Zug aufgewickelt werden! Man lasse sich nicht von der entstehenden Harz-Schmiererei überraschen: Durch den Zug wird das Harz ausgepresst, was ein durchaus gewünschter gewichtsenkender Effekt ist.




    (Bild 32, 33 – ausgepresstes Harz)

    Wenn man nach dem Aushärten das Band abwickelt, traut man seinen Augen kaum: Glänzende Oberfläche, und vom Glas ist nichts zu sehen!

    (Bild 34 – nach dem Abwickeln)

    Leider sind da noch die Stufen, die beim Abschleifen (erst eine gerade Feile, dann 320er und 640er) sichtbar werden:

    (Bild 35 – leicht geschliffen).

    Aber eine dünne (dünne!) Lage Klarlack rettet am Schluss alles.

    (Bild 36 – GIGA 1,5 m Schlussbild)

    Der so verstärkte GIGA 1,5 m braucht nur 25 g Blei in der Nase und wiegt 475 g – mein vorheriger Unverstärkter mit den gleichen Komponenten wog 440 g.

    Alternative

    Man kann die Glasmatten auch „freihand“ um den Rumpf harzen, ohne sie anschließend mit einem Folienwickel anzupressen. Das Harz wird mit Hilfe eines Spachtels verteilt und mit dem Finger (Handschuhe) und ein wenig Brennspiritus versäubert. Nach dem Aushärten wird die Gf-Wicklung vorsichtig aber deutlich abgeschliffen, um gröbere Unebenheiten zu beseitigen, und danach noch dünn klar lackiert.

    Vorteile:
    - keine Blasen
    - keine Treppchen
    - viel einfacher herzustellen

    Nachteile:
    - Oberfläche nicht so glatt, aber aerodynamisch noch akzeptabel,
    - keine Harzauspressung, deswegen schwerer: Der (deutlich schwerere) mittlere 2 m-GIGASPEED wog nachher 150 g mehr (was er aber als Hangfeile gut verträgt): etwa 50 g Glas und Harz und rund 100 g mehr Blei als Ausgleich in der Nase.

    Beispiel mit schwarzem Glas und blauem Flitter:

    (Bild 37 – GIGA 2 m-Rumpfausleger)


    Erfahrungen
    • Anlässlich des Davoser Weißfluh-Cups (ein Pylon-Wettbewerb am Hang) im Oktober 2004 haben beide hier gezeigten Rümpfe harte Landungen (sollten eigentlich Ziellandungen sein, und mit 90°-Flaps hab' ich es auch noch nicht so...) einwandfrei überstanden.
    • Bei starkem Föhn in 2300 m Höhe blies es den kleinen GIGASPEED weit ins Lee mit anschließender Blindlandung in einer steilen Felswand, bei der die CfK-Steckung brach und der fest sitzende Quarz aus dem Empfänger geschleudert wurde. Der Rumpf blieb praktisch heil (der Rest auch) – mit Originalrumpf unvorstellbar.
    • Die Schaumwaffeln haben am heftigen Gummiseil (Erwin meinte, Vollauszug kann nicht schaden...) ein wenig gewunken und sind jetzt durch 3 mm hartes Balsa mit großen Lochaussparungen und foliert, ersetzt. Die Ruder habe ich übernommen. Ich kannte das ja schon von meinem vorherigen 1,5er GIGA und habe es geahnt. Es war stocksimpel: Schaum vom GIGA-Heck wegkratzen und neue Flossen mit Sekundenkleber und Glasfiller in den schwarzen Glasfaserschuh (siehe Bilder 22 und 23) einkleben.
    • Seit dem Felsknaller ist das Landen unvergleichlich viel entspannter. Wenn er DAS überlebt... einfach angstfrei dahin schmeißen, wo man ihn hin haben möchte.





    (Bild 40,41 – nach dem katastrophalen Flug)

    Der verstärkte Rumpf verdient wirklich die Bezeichnung rock proof – Davos style

    Also beim nächsten Sturm: Pump up the volume, baby!

    Kleines Träumerli aus Davos:

    (der "Bangla" - ein möglichst hangnah geflogener Riesenhuber-Looping mit Mittelpunkt in Augenhöhe)


    ("Wasserholen" - 350 Höhenmeter (Piccolario) hinunter und wieder herauf - am 1.8.2004 ohne Höhenverlust (!) möglich gewesen)
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