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  • Sommerliga: ein minimal-F3J-Wettbewerb

    Sommerliga

    Otto Fröhlich


    Es ist noch nicht so lange her, dass ich meinen letzten motorgetriebenen Flieger für einen F3J-Segler in Zahlung gegeben habe. Von Seiten meiner Kollegen gab es darauf merkwürdig mitleidig Reaktionen: "Ach ja, stimmt. Vor zehn Jahren sind wir ja alle so geflogen." Ein wenig fühlte ich mich wie ein Außenseiter. Wenn ich mich um etwas bemühe, was andere "früher" mal gemacht haben, dann sagt das doch irgendwie, dass sich die Zeiten verändert haben. Ich ließ mich jedoch nicht entmutigen und die Phase der ungewollten Außenlandungen dauert auch nicht sehr lange. Aber wen kann ich nach Hochstarttechniken fragen, wenn keiner mehr ein Modell mit Hochstarthaken hat?

    Da ich nun wirklich nicht von gestern bin, habe ich im Internet recheriert. Da gab es dann die nächste Überraschung: Alle interessanten Videos stammen aus Amerika! Nirgends einen Veranstaltungshinweis auf einen F3J-Wettbewerb in Deutschland! Ich dachte mir, dass es wohl am sinnvollsten ist, direkt an der Quelle nachzufragen. Deshalb habe ich den Importeur meines F3J-Seglers in München angerufen. Der konnte mich zumindest auf die Winterliga in der Schweiz und ein paar übriggebliebene Purflieger verweisen. Zum Schluss des Telefonates empfahl er mir, doch selbst einen Wettbewerb zu veranstalten, wenn es mir danach wäre. Mir leuchtete ein, dass Initiative gefragt war, wenn sich die Situation in Deutschland verbessern sollte. Der Zeitpunkt erschien mir jedoch ungeeignet.



    In den amerikanischen Videos konnte ich zumindest sehen, wie so ein klassicher Wettbewerb abläuft: Zwei kräftige Männer ziehen an einem Joch, das wirklich so aussieht, als stamme es ursprünglich von einem Pferdefuhrwerk. Die Zugkraft der Beiden wird über eine Umlenkrolle auf den Segler übertragen. Per Zeichen mit dem Fuss signalisiert der Pilot, dass er zum Abflug bereit ist. So ein Wettbewerb erfordert also etwa die Fläche von einem Hektar (10.000 m2) Land und mindestens fünf Mitglieder pro Team. Allmählich leuchtete mir ein, warum es nur noch einen solchen Wettbewerb in Deutschland gibt, der im Rahmen der Eurotour ausgetragen wird: Der Aufwand ist einfach gigantisch!

    In der Schweiz, einem Land mit wenig Platz und vielen bebauten Flächen, geht man da etwas pragmatischer ran und startet mit einer Elektrowinde. Das erspart nicht nur die Schlepper, sondern der Startvorgang kann auch von weniger geübten Teams bewältigt werden. Dank der großzügigen Hilfe meiner schweizer Kollgen habe ich es geschafft, nach drei Wettbewerben die geforderten 10 min. Rahmenzeit voll zu fliegen und zumindest in Steinwurfnähe zu landen. Bernd Brunner, der mir als erfahrener Purflieger empfohlen wurde, nahm mich dieses Jahr zum Hessencup mit. Die Hessen hatten sich eine weitere Vereinfachung ausgedacht: Es wird mit einem sieben Meter langen Gummi an einem 75 m langen Seil gestartet. Ziemlich sportlich, aber nach zwei- bis drei Mal üben bekommt man das ganz gut hin. Auch dabei gab es großzügige Hilfe und viele, viele Hinweise. Aber kaum hatte der Spass begonnen, war er auch schon wieder vorbei. Der Hessencup besteht nämlich nur aus zwei Wettbewerben und somit war im Juni schon wieder Schluss.



    Mein Freund Bernd Brunner und ich haben deshalb die Sommerliga aus der Taufe gehoben. Das ist ein minimal-F3J-Wettbewerb, der dazu einladen soll, mit überschaubarem Aufwand regelmäßig Wettbewerbe zu fliegen. Den Namen haben wir in Anlehnung an die schweizer Schwesterveranstaltung gewählt, bei deren Organisatoren Kurt Strasser und Reto Schmid wir uns an dieser Stelle für ihr herausragendes Angebot bedanken. Unser Ziel ist es, im Laufe des Sommers fünf bis sechs Wettbewerbe zu organisieren. 2017 werden es unter Einbeziehung der beiden Hessencup-Veranstaltungen zunächst vier Wettbewerbe sein. Von den Hessen haben wir die Starteinrichtung übernommen. Es wird kein Fly-Off geben und da die vier bis sechs Durchgänge an einem Tag zu schaffen sind, wird sich der Reiseaufwand für alle Beteiligten in Grenzen halten. Es würde uns sehr freuen, wenn sich auch Piloten anmelden, die erstmals an einem Wettbewerb teilnehmen wollen. Bei ausreichend großem Interesse werden wir eintägige Vorbereitungsseminare durchführen.



    Wer mehr über unser aktuelles Angebot erfahren möchte, findet die Informationen ab sofort auf unserer neuen Website. Dort ist auch noch mehr bezüglich Motivation und Hintergründe zu lesen. Teilnehmer können sich bereits jetzt auf der Website registrieren. Sie werden zeitnah über alle Entwicklungen informiert und rechtzeitig zur Einschreibung in den jeweiligen Wettbewerb aufgefordert. Wer unsere Idee unterstützen will und Plätze kennt, die sich für die Durchführung eines solchen Wettbewerbs eignen, kann uns über die Website anschreiben. Gerne dehnen wir unseren Aktionskreis über Baden-Württemberg und Hessen aus.

    Beginnen wird die Sommerliga am 1. April 2017 in Kirchzarten bei Freiburg. Als Gast des MSFK fliegen wir in einer wunderschönen Naturkulisse, den hügeligen Ausläufern des Schwarzwaldes, in einem romantischem Tal mit alten Bauernhöfen und ebenen, obstbaumbestandenen Wiesen. Für mich ist das (Modell-) Fliegen in seiner schönsten und natürlichsten Form.

    Für Fragen, Kritik und Diskussion gibt es im Forum einen entsprechenden Thread

    Ich wünsche allen ein bruchfreies Jahr 2017 und vielleicht begegnen wir uns ja bereits beim nächsten Wettbewerb der Sommerliga!



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