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  • Faszination Freiflug – aus der Sicht eines Einsteigers

    Faszination Freiflug – aus der Sicht eines Einsteigers

    Eine Reminiszenz an das Modell „Der kleine UHU“

    Dieter Brehm
    Erstveröffentlichung 12.11.2008


    Ach, wer kennt ihn nicht, den kleinen UHU! Seit nunmehr über 50 Jahren hat dieses Modell interessierten Kindern und Jugendlichen den Weg zum Modellflug geebnet. So erging es auch mir, als ich zusammen mit meinem Vater im zarten Alter von 10 Jahren einen kleinen UHU baute. Wie stolz war ich, als dieser nach der langwierigen Fertigstellung aus dem „Schnellbaukasten“ zum ersten Mal an der Hochstartleine hing. Nun, anders als bei den leidvollen Erfahrungen vieler Modellflugkollegen, entschwand meiner nie in der Thermik, sondern hatte ein langes Leben mit vielen Löchern in der papiernen Bespannung und etlichen Rippenbrüchen.

    Fast 30 Jahre später erinnere ich mich immer noch gern an die vielen Stunden, die wir mit dem kleinen UHU auf der freien Wiese verbrachten. Zugegeben, ein wenig Jugendromantik ist mit dabei. Ursprünglich als Reminiszenz an den kleinen UHU gedacht, wollte ich ein Freiflugsegelmodell in etwas leistungsfähigerer Form erstellen. Später sollte sich jedoch herausstellen, dass die Faszination des freien Fluges immer noch unvermindert in meiner Seele wohnt – doch dazu später mehr.

    Dank der Möglichkeiten, die uns heutzutage das Internet bietet, wurde ich bei der Suche nach einem geeigneten Modell schnell fündig. Auf der Freiflieger-Homepage www.thermiksense.de war die Baubeschreibung und der Plan des F1A-Modells FA-13 von Frank Adametz zu finden. Wer es – so wie ich – lieber etwas größer mag, der kann den 1:1 Bauplan auch beim VTH bestellen. (Nr. 320 1313, www.vth.de)

    F1A steht dabei für die Wettbewerbsklasse der freifliegenden Segelflugmodelle. Modelle dieser Klasse haben ein vorgeschriebenes Mindestgewicht von 410 g, eine Spannweite von ca. 250 cm bei 32 bis 34 dm² Flächeninhalt und werden mit einer 50 m-Leine in den Himmel geschleppt. Moderne Wettbewerbsmodelle werden fast ausschließlich aus CfK gefertigt und sind mit einer aufwendigen Mechanik bzw. Elektronik ausgestattet, welche die Steuerung in unterschiedlichen Flugphasen übernimmt. Die Konstruktion der FA-13 ist allerdings wesentlich schlichter gehalten und in klassischer Holzbauweise ausgeführt. Damit das Ganze für den Einsteiger einfach zu bauen ist, hat der Konstrukteur bei Nasen- und Endleisten sowie bei den Holmen im Handel erhältliche Leistenmaße verwendet. Für die Steuerung ist eine relativ einfache Mechanik vorgesehen, die ich später näher erläutern werde. Ich kann aber jetzt schon sagen, es wird eine spannende Sache.

    Einige schöne Baustunden im Bastelkeller mit dem unvermeidlichen Balsastaub waren ins Land gegangen, bis schließlich der Rohbau vor mir auf dem Basteltisch lag. Welch eine herrliche Beschäftigung war das – weit abseits des üblichen ARF- und Hartschaumdschungels. Bauen macht halt doch viel Spaß und gehört für mich zum Modellflugsport wie das Yin zum Yang. Dennoch, auch bei althergebrachter Bauweise gab es noch Neues zu entdecken: Hätte ich früher noch die Papierbespannung favorisiert, so durfte ich nun feststellen, dass Polyestervlies ungleich geeigneter für das Vorhaben Freiflug ist. Der wohl augenscheinlichste Vorteil liegt in der geringen Anfälligkeit der Bespannung für Löcher und Risse. Nicht weniger wichtig ist aber die wesentlich geringere Feuchtigkeitsempfindlichkeit; nasses Gras oder Tau führen nicht mehr automatisch zu welligen, schlaffen Oberflächen.

    Obwohl mir zugetragen wurde, dass das Ablichten eines Modells vor dem Erstflug angeblich Unglück bringen soll, konnte ich nicht widerstehen. Hier also ein Bild meiner FA-13.




    Das Einfliegen

    Vor dem Vergnügen kommt die Arbeit – so sprach der Herr. Nicht anders verhält es sich beim Einfliegen der FA-13. Bekanntermaßen beginnt das „Einfliegen“ bereits mit den Grundeinstellungen in der Werkstatt, wobei ich folgende Werte verwendet habe:
    1. Schwerpunkt bei 52% der Profiltiefe, an der Flächenwurzel gemessen
    2. EWD 3°
    3. Seitenruder gerade


    Ich denke, dass der geneigte Leser diese Punkte ohne jede Schwierigkeit meistern wird. Ersten Gleitflügen steht insofern nichts mehr entgegen. Feinkorrekturen der EWD werden auf dem Flugfeld durch Unterlegen mit 0,4 mm starken Sperrholzplättchen erledigt – wenn das schon zu dick ist, hilft auch ein Schnipsel Papier. Wenn die FA-13 nun den lang gestreckten Gleitflug gelernt hat, ohne dabei zu pumpen, darf sie an’s Seil. Da ich die FA-13, so wie moderne F1A-Modelle, mit einem speziellen Kreisschlepphaken ausgestattet habe, ist der Hochstart nun nicht mehr so ganz simpel, wie es einst beim kleinen UHU war. Daher erst noch ein wenig Theorie:

    Der Himmelsspaziergang hoch am Seil

    Im Gegensatz zum klassischen, hinten offenen Haken, wird der Kreisschlepphaken um den Ring der Hochstartschnur geschlossen. So kann man mit dem Modell hoch in der Luft umhergehen, ohne befürchten zu müssen, dass es vom Seil geht. Eine eingebaute Steuerungsmechanik ermöglicht es, bei Nachlassen der Schnurspannung eine relativ enge Kurve einzuleiten – das Modell beginnt zu Kreisen. Nach einem Dreiviertelkreis kann man durch Ziehen an der Hochstartschnur den Seitenruderausschlag wieder herausnehmen und das Modell wieder ein Stück weiter schleppen. Diesen Tanz kann man beliebig lange betreiben, bis dass der Schweiß nicht nur von der Stirne trieft.

    Der Schleuderstart

    Hat man bei seinem Himmelsspaziergang Thermik gewittert, wird es Zeit, das Modell in die Freiheit zu entlassen. Hierzu muss man recht kräftig am Seil ziehen. Das heißt im Klartext: Laufen, laufen und laufen. Durch den erhöhten Zug wird der Haken geöffnet, das Seil kann raus und tut das auch. Das Modell hat jetzt natürlich etwas Überfahrt, die es in Höhe umsetzt. Gleichzeitig stellt sich das Seitenruder auf eine weite Gleitflugkurve ein, in der das Modell bis zum Ende des Fluges bleibt.

    Die Thermikbremse

    Nach einer voreingestellten Zeit löst der Timer die Thermikbremse aus – das Höhenleitwerk wird in einem Winkel von ca. 40° hochgeklappt und das Modell beendet seinen ruhigen Gleitflug und trudelt oder sackt zu Boden.

    Und wie sieht das in der Praxis aus?

    Nutzen wir also die Gelegenheit, die Funktionen des Kreisschlepphakens näher zu betrachten: Ein Schwenkmechanismus im Hochstarthaken steuert das Seiteruder. Der vordere Anschlag bestimmt die Hochstartstellung. Die Seitenruderstellung wird über die Länge des Steuerseiles definiert. Ein Gegenzug wird auf der anderen Seite des SLWs mit Hilfe einer Feder oder eines Gummis erzeugt. Soweit ganz einfach, oder?



    Wenn der Haken nach hinten schwingt, trifft er auf einen von zwei Anschlägen und gibt so das Steuersignal für einen großen Seitenruderausschlag, die enge Kreisschleppkurve. Das untenstehende Bild zeigt einen Kreisschlepphaken in Hochstartstellung, also geschlossen.



    Bei einem Seilzug von ca. 2,5 kg öffnet der Haken, gibt das Seil frei und schwingt wieder nach hinten, wobei er auf den zweiten Anschlag trifft. Dieser Weg ist kürzer, erzeugt also den kleineren Seitenruderausschlag für die Gleitflugkurve. Gleichzeitig wird das Drähtchen für die Timerhemmung nach hinten weg gezogen – der Timer startet. Dieser Zustand ist im folgenden Bild zu sehen.



    Die im Modell eingebaute Mechanik ist über einen seitlich angebrachten Rumpfdeckel jederzeit zugänglich. So können Einstellungen einfach vorgenommen werden.



    Soviel zur relativ übersichtlich gehaltenen Steuerungsmechanik der FA-13. Kommen wir nun endlich zur Flugerprobung unserer FA-13. Die ersten Hochstarts erfolgen noch mit offenem Haken, um sich an das Modell zu gewöhnen und um das Gleitflugverhalten zu beobachten. Gegebenenfalls kann die Seitenrudereinstellung und die EWD verändert werden, falls die Flugbahn noch nicht richtig passt.

    Richtig lustig wird es bei den ersten Versuchen mit geschlossenem Haken. Am besten wartet man auf einen Tag mit gleichmäßigem Wind, damit die Nerven nicht gleich blank liegen und das viele Laufen zur Qual wird. Der Hochstart fängt ganz harmlos an – der erste Teil läuft ja wie bisher üblich ab. Ist das Modell oben, bleibt man stehen und geht ein paar Schritte zurück. Wenn alles klappt, kurvt das Modell also relativ eng ein. Nach einem Dreiviertelkreis kann bereits wieder gezogen werden. Jetzt sollten wir in der Lage ein, das Modell am Himmel zu führen. Nun – zugegebenermaßen – gelegentlich führte das Modell mich….

    Die Profis gehen mit ihrem Modell an der Leine auf Thermiksuche, wir beschränken uns fürs Erste einmal darauf, das Modell nicht außer Kontrolle geraten zu lassen. Nach ein paar Gewöhnungskreisen schleppen wir beschleunigt an, um ein Gefühl für die Hakenöffnung zu bekommen. Sehr hilfreich ist es dabei, den Zug frühzeitig aus der Kurve heraus zu erhöhen. Ist nämlich kein oder nur wenig Wind, wird der nötige Zug im geraden Lauf kaum zu erreichen sein.

    Wenn es uns nun gelungen ist, den Haken zu öffnen, dann ist der Zeitpunkt für den Schleuderstart gekommen: Gefühlvoll weiter beschleunigend geben wir die Leine aus der Hand und das Modell steigt in einer Kurve hoch und stabilisiert seine Flugbahn nach einigen Pumpbewegungen. Wenn wir alles richtig gemacht haben, dann konnten durch den Schleuderstart einige Höhenmeter gutgemacht werden.

    Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, den freien Flug des Modells mit Genuss zu verfolgen. Kommt es in Thermik, dann kann das Modell bei etwas Wind in kurzer Zeit weite Strecken zurücklegen. Das spätere Bergen aus Gestrüpp und Bäumen sowie weite Rückholwege zeigen deutlich, dass wir hier einen Sport ausüben.


    Die FA-13 schwebt zur Landung ein

    Ein paar Tipps möchte ich gerne noch mit auf den Weg geben:
    1. 50 m Hochstartschnur (z. B. aus Anglerschnur Dyneema 0,8 mm) verwenden, nicht kürzer. Keine Nylonschnur verwenden! Nylon ist elastisch. Damit lässt sich der Zug zur Hakenöffnung nicht aufbringen
    2. Für die Schnur vom Timer zum Niederhalten des Höhenleitwerkes ist eine Nylonschnur hingegen sinnvoll.
    3. Ist das Fluggelände klein, Flugzeit auf 20 s begrenzen.
    4. Zur Anlenkung des Seitenruders eine sehr dünne Anglerschnur mit Stahlvorfach verwenden.
    5. Mal auf die Homepage der Thermiksense gehen und einen Blick auf die Wettbewerbstermine werfen. Ein Besuch eines solchen Wettbewerbs ist eine spannende Sache, und man bekommt von den Profis bereitwillig Hilfestellung.


    Und wie geht es nun weiter?

    Mittlerweile hat mich der Freiflugvirus voll erwischt. An eine rasche Heilung ist nicht zu denken. Da hilft mir nur, im kommenden Jahr an Wettbewerben in meiner Gegend teilzunehmen und vorher natürlich reichlich zu üben! Wie es das Glück wollte, bin ich dank der Hilfe von freundlichen Forumsteilnehmern des neuen Bereiches „Freiflug“ in den Besitz eines Einsteiger F1B-Modelles gekommen. In dieser Klasse geht es ohne Hochstartschnur, dafür aber mit Hilfe von 30 g Antriebsgummi auf Höhe. Wie ich erkennen konnte – Freiflug ist ein weites Feld, das viel Fachwissen mit einer naturverbundenen Art des Fliegens kombiniert. In einfachen Worten steht dies auf der Thermiksense-Homepage:

    „Outdoor Sports with built-in Satisfaction“

    Auch zeigt es sich, dass es mir wohl kaum möglich sein wird, mehrere Freiflugklassen ernsthaft zu betreiben – viel zu viel spezifisches Wissen und Training wären dafür erforderlich. Wo jetzt meine Zukunft liegt? Nun, wir werden sehen…


    Mein Einsteigermodell in der Gummimotorklasse F1B (Wakefield), eine Vivchar-Prima
    Kommentare 1 Kommentar
    1. Avatar von Andreas Hornung
      Andreas Hornung -
      Hallo Dieter! Sehr zufällig bin ich auf diesen sehr schönen 10 Jahre alten Beitrag von Dir gestoßen. Wirklich wunderbar geschrieben!
      Besteht die Chance Dich auf einem Wettbewerb zu treffen?

      Viele Grüße Andreas
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