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  • Video im Modellflug

    Video im Modellflug

    Jörg Kukla
    Erstveröffentlichung 26.10.2009


    Teil 1 - Vorbereitung

    Es war einmal das „worst case-Szenario“, ein freundlicher Anruf, eine bunte Postkarte... ganz harmlos... und dann: Die Einladung zu einem Dia-Abend. Vier Wochen Urlaub in der Eifel, komprimiert auf 2500 Dias inklusive launiger Geschichten. Kurz: Extreme Anforderung an die Psyche!
    Irgendwann waren Dias dann out, was nun folgte war noch schlimmer: Der Videoabend! Garantiert zwei Stunden lang und der launige Kommentar ist auch schon drauf!


    Auch wir Modellflieger möchte ja gerne unsere Erlebnisse weitergeben, daher hier der Versuch, ein paar Grundlagen für die Produktion eines „zumutbaren“ Kurz(!)-Films zu legen. In diesem Teil des Beitrages geht es um die Vorbereitung.

    Eines sei vorweggenommen: Im professionellen Bereich sind etwa acht Spezialisten an einem Beitrag beteiligt, der nach einem kompletten Arbeitstag eine Sendelänge von nur zweieinhalb Minuten haben wird. Wir, oftmals als „one man show“ unterwegs, können uns daran nicht messen.
    Dennoch ist es mit der entsprechenden Vor- und Nachbereitung möglich, Videobeiträge zu erstellen, die sich sehen lassen können. Außer der entsprechenden Gerätschaften sind eine gute Vorplanung, ein strukturierter Dreh, die Nachbearbeitung, der Schnitt und die Vertonung entscheidend.
    Diese Punkte sind von gleich hoher Bedeutung für die Qualität des Endprodukts.

    Je nach Verwendungszweck sollte die Kamera den Anforderungen und dem Budget angepasst sein. Natürlich kann auf Leihkameras zurückgegriffen werden. Die sogenannten „offenen Kanäle“ in vielen Städten bieten hier teilweise hochwertige Technik zur kostenlosen Nutzung an. In der Praxis müssen diese Geräte aber im Voraus reserviert werden. Spontane Dreharbeiten werden also schwierig.

    Bei der Anschaffung einer eigenen Ausrüstung steht die Kamera an erster Stelle. Die Auswahl ist in diesem Bereich fast unendlich und richtig untaugliche Technik ist selten. Gedreht wird aktuell auf digitalen Camcordern mit unterschiedlichen Speichermedien im Bildformat 16:9.
    Bei einer Neuanschaffung ist die aktuelle HD-Technik angesagt. Falls bereits ein Schnittprogramm für die Nachbearbeitung vorhanden sein sollte, muss dieses auch HD-tauglich sein. Bei den Speichermedien werden Festplatten, Chips, DVDs oder Kassetten angeboten, teilweise auch mehrere gleichzeitig. Wichtiger sind allerdings andere Eigenschaften. Sogenannte „ultrakompakte“ Camcorder sind zwar handlich, dafür sind die Bedienelemente winzig und unpraktisch. Manuelle Einstellmöglichkeiten sucht man dort vergeblich.

    Etwas größere Modelle, wie die aktuelle Panasonic HDC-TM350,



    liegen besser in der Hand und bieten manuelle Schärfen- und Blendenregelung, ein wichtiger Vorteil für unsere Zwecke!

    Eine Nummer größer, die Canon XH A1s


    [IMG]file:///C:\Users\Konrad\AppData\Local\Temp\msohtmlclip1\01\clip_image002.jpg[/IMG]
    wäre ein Beispiel, liegt natürlich noch besser bzw. ruhiger in der Hand und verfügt über professionelle Toneingänge für XLR-Kabel und andere semiprofessionelle Merkmale, dafür geht es preislich schon in die 3000 Euro Region.

    Ganz oben auf der (Preis) Liste steht der Schulter–Camcorder,

    der weder preislich noch von der Handhabung her für den Gelegenheitsfilmer interessant ist. Als Zubehör sind ein Stativ mit geeigneter Größe sowie ein externes Mikrofon dringend zu empfehlen. Die neuen SLR-Fotoapparate mit Videofunktion sind mir leider nicht bekannt.

    Eine tolle Ergänzung für die Erstellung von Onboardaufnahmen sind die Fly-Cam 3




    oder die „Minox Spy Cam.“

    Kombiniert mit den Aufnahmen der Bodenkamera sind damit spektakuläre Szenen möglich.

    Bevor jetzt aber hektisch die Akkus geladen werden, geht es erst mal an die Vorbereitungen. Auch der kleinste Film erzählt eine Geschichte. Wichtig ist der Einstieg, dieser soll neugierig machen. Wie also baue ich den Film auf, eine Montage auf Musik, Landschaftsbilder am frühen Morgen mit Sonnenaufgang ist natürlich schön, viel Zeit bleibt aber dafür nicht. Da könnte es eine gute Idee sein, den Drehort vorher zu besichtigen. Welche Piloten werden zu sehen sein? Sind sie erfahren genug, um den Vorstellungen des Kameramannes folgen zu können (tiefe Vorbeiflüge, auch mal auf dem Rücken, das ganze mit dem gewünschte Hintergrund ... jetzt bitte noch mal, aber fünf Meter weiter links...), haben sie ausreichend Geduld? Die Montage einer Onboardkamera ist nicht immer einfach, verschlechtert eventuell die Flugeigenschaften und oft genug klappt es erst beim zweiten Mal richtig gut. Wenn gleichzeitig die Kollegen bereits die „Kante putzen“ kann das schon mal nerven. Ist ein Interview mit dem Piloten geplant? Nicht jeder ist gleich locker vor einer Kamera, daher müssen Fragen vorbereitet werden, um dem „Opfer“ den Einstieg zu erleichtern. Zeit und Ort sollten frühzeitig festgelegt werden, mancher Interviewpartner sucht sein Heil in frühzeitiger Flucht. Auch in der sogenannten „aktuellen Berichterstattung“ unserer abendlichen Magazinsendungen ist ein kleines Drehbuch oder Story-Board ein gern gesehener Begleiter. Ein weiter Vorteil: Jedes Mal, wenn wir uns mit diesem Drehbuch beschäftigen, kommen neue Ideen dazu. Ein Film wird besser, je öfter man sich intensiv mit dem Vorhaben beschäftigt.
    Ein Dreh ohne Konzept führt zu einem Überfluss an unnötigem Material und zu einem Mangel an Bildern, die für den Schnitt wichtig sind.

    http://www.movie-college.de/filmschu.../shot-list.htm

    Die Planung sollte dann mit allen Beteiligten besprochen werden, denn eines ist klar: Der Mann mit der Kamera wird irgendwann lästig! Sind die vorgesehenen Szenen jedoch besprochen, werden, hoffentlich, alle bis zum Drehende durchhalten. Erfahrungsgemäß sollten die wichtigsten Szenen schnellstmöglich gedreht werden, zu Tagesbeginn beispielsweise Ankunft und Aufbau interessanter Modelle, Startszenen. Dazu einige kurze(!) Interviews, O-Töne genannt, nehmen die Scheu vor Kamera und Mikrofon ein wenig und auch der Kameramann wird schon einmal warm. Sind unsere Piloten dann in der Luft, gönnen wir ihnen eine kurze Verschnaufpause, jedoch nicht uns: Es gilt, Zwischenschnitte zu drehen. Darunter sind Bilder zu verstehen, welche zu der geplanten Szene passen und diese später abwechslungsreicher aussehen lassen. Ist also der Freund am Hang die „Hauptperson“, die später auch im Interview vorgestellt werden soll, bieten sich Übersichten, sogenannte Totale des Fluggeländes, der Zuschauer aber auch Nahaufnahmen, wie die Hand am Sender, an.
    Verlassen Sie dabei die Ihre gewohnte Perspektive! Die Kamera darf auf dem Boden liegen oder vom Dach des Geräteschuppens herunter sehen, Weitwinkel oder Teleobjektiv bieten tolle Möglichkeiten.
    Unmotivierte Schwenks und vor allem Zooms sollten vermieden werden!

    http://www.bz-bm.de/downloads/praxisregelnKamera.pdf

    http://www.slashcam.de/artikel/Grund...itt.html#Vorbe

    Hier ein kleines Beispiel, wie ein kurzer Film geplant werden könnte:

    Ausgangssituation: Zwei Tage Hangflugurlaub mit ein paar Kollegen und deren Familie, ein Kollege hat einen großen SG-38 Schulgleiter gebaut, welcher seinen Erstflug machen soll.

    Wie könnte der Film, Länge fünf bis sieben Minuten, aussehen?
    1. (45 Sekunden): Originalaufnahmen gibt es zuhauf im Netz, herrliche Bilder von Hüpfern in schwarz weiß! Beachtet dabei Copyrights, bei rein privatem Gebrauch gibt es keine Probleme. „Mein“ Film würde mit einer solchen Sequenz beginnen, wie sie hier zu sehen ist: http://www.schulgleiter.de/
    2. (30 Sekunden): Harter Schnitt, ohne Musik: Ankunft der Gruppe am Urlaubsort, hier sehen wir zum ersten mal Piloten und Familien, das Ausladen der völlig vollgestopften Autos.
    3. (45 Sekunden): Zusammenbau, viele sehr nahe Einstellungen vom Montieren, konzentrierte Gesichter, Steuerseile des SG–38 spannen, ohne diesen gleich im Ganzen zu zeigen, erst nach und nach „totaler“ werden, d. h. den Bildausschnitt vergrößern, um beim Zuschauer Neugier zu erzeugen ... was ist das, davon möchte ich noch mehr sehen!
    4. (45 Sekunden): O-Ton mit dem Erbauer, gerne bei der Montage: “Zwei Jahre habe ich gebaut, nun müssen alle Seile gespannt und geprüft werden, bin natürlich aufgeregt ...“
    5. (60 Sekunden): Start der Kollegen, trägt´s ? Schöne Flugbilder, Musik, angespannter Gesichtausdruck des SG-38-Piloten, O-Ton mit der Ehefrau: „So kenne ich ihn, jetzt ist er nicht ansprechbar, so ist er immer ...“
    6. (90 Sekunden): Start des SG–38 durch zwei Helfer. Die Position für den Kameramann muss unbedingt schon zuvor mit dem Piloten besprochen worden sein, ebenso müssen sich Fotografen einen anderen Platz suchen. Einerseits gute Sicht auf den Piloten, andererseits auch auf den Hang. Sonnenstand beachten, nicht im Hang stehen, um sich nicht zu gefährden und den Piloten nicht zu ungewollten Manövern zu zwingen. Also mindestens 3 m seitlich zu den Startern, mit einem dynamischen Schwenk mitziehen, Kamera bleibt nach dem Start auf dem Modell! Wenn alles gut läuft, langsam(!) dem Piloten näherkommen, Naheinstellungen Hände, Gesicht... mit der Chance auf „sound bites“, also kleine Bemerkungen des Piloten. Schwenks vom Piloten auf das Modell und umgekehrt, verschiedene Einstellungsgrößen, nicht zu vergessen auch „Totale“ von weiter weg, auf denen der ganze Hang zu sehen ist. Landung des Modells, Kamera bleibt auf dem Piloten, der, hoffentlich, vor Freude strahlt!
    7. (45 Sekunden): Interview mit dem Pilot und den Starthelfern ... wie war´s?
    8. (30 Sekunden): Montage auf Musik, evtl. schwarz-weiß mit „Filmstreifeneffekt“ (uralter Film) mit schönen Flugszenen des SG–38.

    So in etwa könnte ein kleiner Film aussehen. Etwas Planung vorausgesetzt mit vertretbarem Aufwand zu realisieren und anschließend auch leicht zu schneiden.

    Vor dem Dreh steht allerdings der Technik-Check an: Akkus geladen, Kassette eingelegt, Mikrofon und Kabel getestet, Stativ dabei?

    Der Dreh und die Nachbearbeitung kommen im zweiten Teil zur Sprache!
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    Jürgen R.

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