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simon_123

Senderdebatte

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Ich wollte mal eine möglichst objektive Zusammenfassung für die verschiedenen Sendermarken zusammenstellen.
Wenn ihr Ergänzungen in den Kommentaren habt werde ich sie, falls sie passen einarbeiten.
Disclaimer: ich bin erst kürzlich auf FrSky umgestiegen, deswegen vermutlich noch rosa Brille

Spektrum und Futaba kenne ich leider nicht gut genug, deswegen:



Jeti vs Multiplex vs Graupner vs FrSky



Jeti: (You get what you pay for)
DC/DS 16 und 24 sind feature überladen, alles funktioniert out of the box. Für Großmodelle im Besonderen Segler eine gute Wahl mit den ganzen Mischern und Einstellmöglichkeiten. Eine großartige Telemetrieumsetzung und regelmäßige Updates. Zusatzschnickschnack wie die Assistempfänger (Kreisel) sind sehr ausgereift und funktionieren traumhaft. Einzig der Preis…
Persönliche Anekdoten: Ich kenne mich mit Jeti aus, da es die meistgenutzte Marke in unserem Verein ist und ich als angehender ITler und Elektronikbastler unseren Rentnern die Modelle einstellen „darf“. Probleme, die ich mitbekommen habe: Bruckmann auf der Segelflugmesse 2017 als ihm eine komplette Senderhälfte wegen eines Softwarefehlers ausfiehl und er ohne Höhe, Seite und Wölbung landen durfte (auf Youtube zu finden, spektakulär). Jeti brachte sehr zeitnah einen Fix per Update raus. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass darauf zu achten ist, dass die Schalter immer ordentlich auf der Oberseite festgezogen sind. Es kam schon vor, dass beim BERÜHREN eines lockeren Schalters dieser ausgelöst wurde und eine Schleppkupplung auf oder eine Zündung aus ging… Trotz Allem ist Jeti eine der zuverlässigsten Varianten sein Modell zu betreiben.


Graupner Hott: (Apple unter den Sendern)
Vorab sei klargestellt, mit Graupners Hott hatte ich bisher die wenigsten Berührungen (konkret mx 12 und zur mc 20), dennoch halte ich meine Erfahrungen für ausreichend ein Statement abzugeben.
Zunächst ist das Telemtriekonzept im Vergleich zu anderen Marken wie Jeti oder FrSky wirklich schlecht. Sensoren sind fest vorgegeben, 3d party Module müssen diese emulieren und die nicht benötigten Werte mit Nullen füllen was Bandbreite frisst. Alarmschwellen sind im Sensor statt Sender gespeichert, die Anzeigen der Messwerte am Sender sind fest vorgegeben, die Sprachausgabe ist so gestaltet, dass man mit einem Schalter einen Messwert ansagen lassen kann und mit einem weiteren Schalter einen Messwert weiter springen kann. Spätestens ab 3 anzusagenden Werten wird das nervig.
Des Weiteren gefällt es mir persönlich nicht, wie Graupner mit billigen 6-Kanal Anlagen lockt und sobald man einen Flieger mit irgendwelchen Sonderfunktionen fliegen will muss man auf die teure Variante zurückgreifen. (Es ist heutzutage für den Hersteller kein technischer Zusatzaufwand extra Kanäle zu übertragen). An sich halt einfach eine Verkaufsstrategie. Es ist dasselbe Konzept wie das von einigen Handyherstellern, die das Speicherupgrade für einen 50% höheren Kaufpreis anbieten und dafür einfach nur einen ein paar Euro mehr kostenden Flash Chip verbauen müssen. Der Bastler in mir empfindet sowas als Betrug. Auch die Namensgebung z.B. mx 12 (für 12 Richtungen bei 6 Kanälen) empfinde ich gelinde gesagt unpassend, da es alle anderen Hersteller anders handhaben.
Nach so viel Negativem aber noch die guten Seiten: Die Qualität ist gut. Die Sender sind preislich völlig in Ordnung. Die so „schlimme“ Kanalnummerierung ist eine Tradition und das ist auch die Marke. Wer Nostalgie mitbringt und sich deswegen eine Graupner kauft wird nicht enttäuscht werden. Und damit ist auch wieder der Rückbezug auf Apple geschlossen


Multiplex: (Graupner ohne Tradition mit Innovation)
Mein Vater und Großvater flogen Multiplex seid es die Marke gab. Von Royal über Picco bis hin zur berühmten 3030 war alles dabei. Als ich mich dann mit 10 Jahren auch langsam für die Technik begeistern konnte kam pünktlich Multiplex mit ihrem M-Link System auf den Markt. Sofort wurde die 3030 umgerüstet und eine Royal Pro 9 für den Enkel gekauft. Seitdem sind 9 Jahre vergangen und es gab noch keinen Absturz, für den die Multiplex-Technik verantwortlich gewesen wäre.
Das Telemetriesystem ist im Vergleich mittelmäßig. Inzwischen hat es Multiplex zwar geschafft in die meisten Sender eine Sprachausgabe einzubauen, um sich Messwerte ansagen zu lassen, jedoch können maximal 16 Werte übertragen werden (Bei der Cockpit SX evtl. sogar nur 8?). Die Sensoren müssen am Pc umgestellt werden falls ihre IDs kollidieren (z.B. mehrere Sensoren des gleichen Typs). Sensoren für Multiplex selbst zu entwickeln ist aufgrund der einfachen MSB Schnittstelle deutlich einfacher als bei Graupner oder Jeti. Die Tatsache, dass man für einen Telemetriefähigen Empfänger um die 30€ mehr auf den Tisch legen muss ist ebenfalls gewöhnungsbedürftig.
Das Einstellungskonzept der ProfiTX ist sehr ähnlich zur Royal Pro (zur Cockpit SX kann ich nichts sagen). Ein relativ übersichtliches Mischerkonzept trifft auf Servokurven. Daraus entsteht ein sehr visuelles Programmiererlebnis. Funktional und dennoch einfach zu verstehen.
Preislich und qualitativ bewegt sich Multiplex auf einem ähnlichen Niveau wie Graupner. Multiplex legt offensichtlich mehr Fokus auf Innovation und weniger auf Tradition im Vergleich zu Graupner, ansonsten sind sich die Marken garnicht so unähnlich.


FrSky – lets you set the limits:
Der Slogan ist auf jeden Fall Programm. Aber der Reihe nach.
Ich bin vor kurzem auf die Taranis x9e von FrSky von der MPX Royal Pro umgestiegen da ich endlich vernünftige Telemetrie haben wollte. Das ist mit allen FrSky Sendern auch problemlos möglich. Alle Sender haben Sprachausgabe und ein Display auf dem Werte abgelesen werden können. Außerdem sind alle Empfänger der X-Serie (alle anderen Serien laufen in Europa eh über kurz oder lang aus) Telemetrie fähig. Vom 20€ PPM/SBUS Empfänger bis hin zum 50€ für den 8 Kanal Redundanz Empfänger. Hier ist bereits das erste Muster zu erkennen: die Empfänger sind im Vergleich eher günstig. Das ist auch bei den Sendern der Fall. Die Q-X7 ist bereits für gut 100€ zu haben. Das kann doch nichts taugen, oder? Doch: 16 Kanäle, Sprachausgabe, ein Modulschacht für Fremdmodule, das selbe Betriebssystem und damit Feature Set wie die Top Modelle des eigenen Hauses. FrSky geht hier einen anderen Weg als viele andere Hersteller. Man zahlt nicht für die Features sondern für die Fertigung plus Gewinnspanne. Außerdem spart sich FrSky fast überall das Marketing. Das wichtigste aber um den Preis so niedrig halten zu können ist, dass FrSky das Betriebssystem nicht selbst schreibt sondern das sogenannte OpenTX, eine OpenSource Software verwendet. Genaueres hierzu bitte selbst ergoogeln. Ich möchte nur darüber reden was das für den Nutzer bedeutet.
OpenTx ist von Programmieren die das kostenlos hobbymäßig machen. Manche behaupten das sei ein Sicherheitsrisiko oder anderweitiger Nachteil. Als IT Student möchte ich dem ganz klar widersprechen. (Einfach mal OpenSource vs ClosedSource oder OpenSource Sicherheit googeln und sich informieren wie die verschiedenen Standpunkte aussehen, beide Ansichten sind nämlich berechtigt). Btw die Software der Empfänger und des HF-Moduls sind von FrSky selbst und nicht OpenSource.
So jetzt aber wirklich: was bedeutet das für den Nutzer. Zunächst ist OpenTX nicht so Benutzerfreundlich wie andere Systeme (z.B. Jeti). Das bedeutet anhand eines Beispiels, es gibt bei OpenTx kein Alarmmenü für Telemetriewerte (z.B. niedrige Akkuspannung). Vielmehr muss man einen Logischen Schalter definieren (z.B. Spannung < 11,1V) der dann eine Ansage einschaltet (z.B. „Akku leer“). Der Aufbau ist also deutlich logischer und es gibt sehr viel weniger Menüs. Ein anderes Beispiel wäre ein Butterflymischer. OpenTX löst das so: Ich habe z.B. festgelegt auf Servokanal/Empängersteckplatz 1 liegt Quer links. Jetzt lege ich fest zum Anteil Querruder mische/addiere ich jetzt noch einen Anteil Butterfly und dann noch einen Anteil Klappen. Und das mache ich jetzt für jedes einzelne Servo. Das Einstellen eines Modells ist somit ein kleinwenig aufwendiger als bei fertigen Mischern (wie sie bei fast allen anderen Herstellern genutzt werden) aber es ist deutlich einfacher zu begreifen.
Soweit zur Software OpenTx, nun nochmal zur Hardware. Die Oberklasse Sender der Taranis Serie bewegen sich bei 300€ +-50. Die neue Horus Serie ist mit 350-550€ deutlich teurer, allerdings immer noch deutlich billiger als vergleichbare Konkurrenzmodelle. Leidet da nicht die Qualität? Es sind keine Sender Made in Germany, FrSky ist eine chinesische Firma. Ich als jemand, der nicht mehr mit dem zwanghaften Festhalten an diesem Gütesiegel aufgewachsen ist, habe damit kein Problem. Ich denke wenn man auf Made in Germany wert legt und sich dennoch halbherzig eine FrSky Anlage kauft, tritt der Placeboeffekt ein und man wird über die definitiv existierenden kleineren Macken nicht hinweg sehen können und daran verzweifeln. Wer allerdings gerne an Elektronik herumbastelt und ein logisches Verständnis von moderner Technik hat wird an allen FrSky Anlagen große Freude finden können.

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Kategorien
Technik , Meinung

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