Ein Bericht von GER 61,
Zitat:
Nachdem gerade die 10R-Klasse im Forum ein Thema ist, möchte ich doch noch ein paar Worte zur ital. Meisterschaft dieser Klasse sagen, die letztes Wochenende, also am 23./24.Sept.2017, stattfand.
Italien ist immer eine Reise wert und auch regattakritische Partnerinnen können davon überzeugt werden. So reisten wir schon am Mittwoch davor an, als Rentner kann man sich das leisten, und machten einige Tage Urlaub bevor die "Arbeit" mit der Regatta anfing. Unser Quartier fanden wir wieder im Hotel Villa Carmen, direkt oberhalb der Startstelle, so dass man dort das Auto parken konnte und zu Fuß zur Regatta ging.
Die Meisterschaft war international offen und die Liebhaber dieser Klasse kannten den Termin. So kam ein internationales Starterfeld zusammen. Letztes Jahr fand die WM der 10R-Klasse am Gardaseeufer gegenüber in Limone statt. Dort war alles vertreten, was in dieser Klasse Rang und Namen hat. Nicht viel weniger Rang und Namen fand sich zu dieser Meisterschaft ein.
Gut, der Weltmeister, Brad Gibson macht gerade Pause im RC-Segeln, aber anwesend waren der 2., 3., 4., 5., 8., 12., 14., 17......der letztjährigen WM. Ein italienischer Segelfreund meinte, es wäre fast eine Europameisterschaft mit kleiner italienischen Beteiligung.
Die Regatta war relativ einfach organisiert, aber sehr effektiv. Zwei Schiedsrichter des italienischen Segelverbandes leiteten die faire und freundschaftliche Regatta ohne große Mühe. Die Laufergebnisse wurden in der altbewährten Weise mit den Magnetkarten festgehalten. Jeder Teilnehmer konnte die Ergebnisse jederzeit einsehen und verfolgen, nach jedem Lauf wurde addiert und man war stets im Bilde, wo man stand. Getränke standen bereit und zum Mittagessen gab es einmal gut schmeckend Lasagne und am Sonntag Penne mit Tomatensoße. Wie man sich Italien halt vorstellt.
In Malcesine sind die Windverhältnisse normalerweise recht konstant. Morgens Starkwind von Norden, gegen Mittag Flaute und am Nachmittag Südwind. Mit kleinen Variationen war es auch dieses Mal so. Deshalb kamen auch mehrere Rigggrößen zum Einsatz, bei mir waren es A, B, C1 und C2.
Die meisten Teilnehmer hatten ihre Diamond im Einsatz, weiter vertreten waren Kamsin und einige italienischen Eigenkonstruktionen. Die vorderen Plätze machten aber Diamond und Kamsin aus.

Das Endergebnis:

1. GBR 195 Graham Bantock............28 Punkte.................Diamond
2. ITA 24 Matteo Longhi................28...........................Kamsin (punktgleich, aber weniger 1.Plätze)
3. GER 61 Gerhard Schmitt.............43...........................Kamsin
4. FRA 38 Patrice Montereau...........44...........................Diamond
5. GER 6 Henning Faas..................55...........................Diamond (aus der "Küche" von boatsetc.)
6. FRA 83 Arnaud Toureau..............67...........................Diamond
7. FRA 144 Yannick Rossignol............74...........................Kamsin
8. ITA 105 M. Apostoli.....................78...........................Diamond
9. FRA 305 M. Albiges.......................86..........................Diamond
10.FRA 42 Remi Bres.......................93...........................Prizm (?)

Da ich nicht vorhatte, einen Bericht zu schreiben und auch mit mir und meinem Boot stark zu tun hatte, habe ich keine Notizen über die einzelnen Läufe. Stichwortartig kann ich aber berichten, was mir besonders aufgefallen ist und im Gedächtnis blieb:
- Graham Bantock segelte in bewährter Manier. Keine Extremstarts, aber meistens gleich vorne dabei. Wenn es einmal am Start nicht so klappte, dann verhalf kluges und den Problemen aus dem Weg gehendes Segeln am Ende doch wieder zu einem vorderen Laufergebnis.von insgesamt 13 Läufen gewann er 4.
- Matteo konnte Graham mit der Kamsin Paroli bieten, und so kam es, dass am Ende beide punktgleich waren. Er hatte aber nur 2 erste Plätze, was das Endergebnis beeinflusste.
- GER 61 schon in einigem Abstand. Die Kamsin lief gut bei mehr Wind (trotz Swing), meine Punkte sammelte ich in den Läufen mit "Lotteriewind"). Ich konnte 3 Läufe gewinnen und so jedes Mal entweder Graham oder Matteo in matchraceähnlichem Schlußspurt auf Distanz halten. Man möge es mir nachsehen, dass ich hierüber besonders stolz über Skipper und Boot bin. Die Kamsin lief bei viel Wind und auch Welle wirklich gut. Graham stand einmal ehrfürchtig vor dem Boot und kopfschüttelnd vor den Swingriggs.
Christoph Boisnault, FRA13, immerhin 3. der WM, der eine französische Konstruktion im Einsatz hatte (ich glaube, es war nicht sein WM- Boot), bei dem es nicht so gut lief, war von der Kamsin so beeindruckt, dass er sich gleich am Montag eine bestellte.
- Patrice Montereau, FRA 38, war mein härtester Gegner. Wir kämpften lange um den 3. Platz, den ich im Schlußspurt mit einem Punkt Vorsprung erzielen konnte. Seine Diamond ist gut im Trimm, Patrice versteht, immer auf der richtigen Seite zu starten. Das ist in diesem Revier nicht so einfach. Man lässt sich leicht täuschen, indem man glaubt, weiter draußen wäre der Wind besser. Das ist vielleicht auch so, aber weiter am Ufer wird der Wind so abgelenkt, dass man eine viel bessere Höhe laufen kann.
- GER 6, Henning, hatte anfangs etwas Mühe, in die Gänge zu kommen. Zum Schluss lief es aber besser, was in einem 2. Platz im letzten Lauf zum Ausdruck kam.
- FRA 144, Yannick Rossignol, hatte die Kamsin von Marc Pomarede im Einsatz. Er konnte zwar 2 Läufe gewinnen, hatte aber nicht die sonst von ihm bekannte Konstanz. Er hatte das Boot schon mehrmals im Einsatz, aber irgendwie fehlte ihm das Vertrauen. Vielleicht auch ausgelöst durch die Meinung von Marc, dass die Kamsin hinten zu wenig Volumen hätte und deshalb nach einer Wende oder Halse zu lange braucht, um anzuspringen. Eine Vermutung, die ich bei meiner Kamsin nicht bestätigen kann. Allerdings hat Marc auch die Kamsin verändert und Flosse und Rigg um ca. 4cm nach hinten versetzt. Andererseits, die Kamsin von Matteo ist auch so verändert, und er wurde 2.
- FRA 142, Remi Bres, fuhr ein im Vergleich zu Diamond und Kamsin schwerfälliges Boot. Ich vermute, es war eine "alte" Prizm, also ein recht breites Boot im Vergleich zu den neueren Konstruktionen. Ich hatte den Eindruck, Remi kann besser segeln als es ihm das Boot erlaubte.

GER61hard
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