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Thema: Holz-Finish mit Schellackpolitur!

  1. #1
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    Aufpassen! Holz-Finish mit Schellackpolitur!

    Hallo Gemeinde,

    Ich möchte über etwas ganz abgefahrenes berichten. Es geht um das von mir immer ertäumte und nie erreicht Klarlackfinish von Holzflächen. Nein ich habe nix erfunden und will auch niemanden animieren es mir nachzumachen, denn, ein gutes Finish fällt nicht vom Himmel.

    Also, ich habe mich immer gefragt, wie Musikinstrumente ihren unendlichen Glanz herbekommen, oder wie die Chinesen schwarz lackierte Kästchen herstellen von einer Glanztiefe, die schier unglaublich ist... Oder einfach nur ein Konzertflügel. Das ganze seit hunderten von Jahren.

    So würde ich gerne meine naturbelassenenen Segler haben.

    Ein möglicher Ansatz, ven dem ich hier berichten möchte ist Wanzenkot... genau... Besser bekannt unter den Namen Schellack. Das Verfahren selbst heißt Schellackpolitur.

    Und so sieht ein Flügel auf ca 50 % der Politurstrecke aus.

    PeterKaName:  DSC_0003.JPG
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    Die Abchifläche war natur, das Balsleitwerk hat ein 20 g GFK Beschichtung.

    Die Poren sind noch nicht alle gefüllt, aber alles auf einem guten Weg. Es sind bisher ca. 10 Schichten Lack aufgetragen..

    Also das ist ein gangbarer Weg. Extrem leicht, extrem billig. Der Zeitaufwand ist nicht unerheblich, insbeondere der Zeitraum, denn nach jeder Lackschicht, die mit einem Ballen aufgerieben wird, muß der Lack 24 Stunden trocknen.

    Sollte jemand aus Versehen Gefallen finden und genaueres wissen wollen.. nur zu.

    PeterKa
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  2. #2
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    Zitat Zitat von PeterKa Beitrag anzeigen
    Sollte jemand aus Versehen Gefallen finden und genaueres wissen wollen.. nur zu.
    Moin Peter,
    das mit dem Gefallen ist so eine Sache: Ja, aber...
    Das Verfahren scheint ja einen perfekten, mehr oder weniger ungespachtelten Holzbau vorauszusetzen, was eine nicht zu unterschätzende Einstiegshürde ist. Das Ergebnis (jedenfalls die 50%) überzeugen aber ziemlich gut! Ich habe ein wenig gelesen und mir dieses Praxisvideo angeschaut.

    Da bleiben schon ein paar konkrete Fragen übrig (die sich natürlich erledigen, wenn Dein Verfahren komplett anders ist):
    • Erfolgt die Porenfüllung auch bei Abachi mit dem Bimsstein?
    • Ist bei dem beglasten Balsa auch Füllung nötig?
    • Ist der nötige Druck am Ende des Poliervorgangs kritisch bei den filigranen Fliegerteilen?
    • Wie verhält es sich mit der Licht- und Wetterbeständigkeit? Hast Du da keine Sorgen?
    • In dem Video wird von Spiritus gesprochen. Geht der auch als Verdünnung oder ist reiner Alkohol ohne Zusatz erforderlich?
    • Ketzerfrage: Am Ende auch noch eine Kennung und/oder Flagge (Wasserschiebebild) aufbringen - geht das?


    Gruß Walter
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  3. #3
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    OkOk.... also das mit dem Bimsstein zuerst.

    Bei der glasierten Oberfläche darf kein Bimsstein zum Einsatz kommen. Der lässt sich nicht anständig in die Poren reiben, weil er da schlecht haftet. Es legt sich ein grauer Schleier über die Oberfläche. Richtige Freaks lehnen den Einsatz von Bimsstein sowieso ab. Es geht auch ohne, weil der Schellack beim Reiben sowieso schnell Partikel absondert, die als Schleif und Füllmittel wirken. Der Preis ist natürlich, daß später mehrere Schichten aufgetragen werden müssen.

    Für die Bimssteingrundierung auf dem Abachi habe ich mit Spiritus verdünnt (Stammlösung 1:6). Die Polierlösung habe ich mit Isopropanol angesetzt (1:3). Es geht auch mit Spiritus, aber das Isopropanol soll den bereits vorhandenen Auftrag weniger anlösen, als Spiritus.

    Grundsätzlich bleibt Schellack alkohollöslich. Gegen Wasser ist es ca. ein halbes Jahr lang empfindlich, da können sich Flecken bilden. Auch das engt den Einsatz stark ein.

    Mein Lack hat keine färbende Komponente. Er soll lichtecht sein. Das bleibt anzuwarten.

    Mechanisch ist die Oberfläche über jeden Zweifel erhaben, und vom Gewicht sowieso. Um es zu verdeutlichen: Der Lack hat einen Festkörperanteil von ca. 10%. Die Viskosität liegt etwas oberhalb von Spiritus. Jede aufgetragen Schicht hat fast nur molekuare Dicke. Es kommt kein richtiges Gewicht zustande. Der auszuübende Druck ist nicht unerheblich, ich denke eine beplankte Rippenfläche wäre total ungeeignet.

    So und alle anderen Fragen kann ich noch nicht beantworten, weil ich es ja zum ersten Mal mache.

    Nein es ist kein Allerweltsverfahren. Ich hatte in meinem Leben erst drei Flieger, die die Voraussetzungen erfüllt hätten. Und diesen habe ich mir extra wegen dieses Versuches gekauft.

    Schwierig ist das ganze nicht, zumal jederzeit mit Spiritus alles entfernt werden kann. Es ist sehr zeitintensiv, denn unter 20 Schichten wird das nicht vernünftig. Aber mir hat es irre Spaß gemacht zu sehen, wie ganz ohne Schleifpapier allmählich Glanz aufzieht.

    Andereseits... der Flieger liegt in der Ecke, und immer mal wieder hole ich ihn mir her und poliere einmal. Das dauert etwa 15 Minuten, macht weder Dreck noch Gestank und dann ist wieder Ruhe.

    Aber klar, das ist GAGGA

    PeterKa
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  4. #4
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    Ich möchte kurz noch berichten, wie die Sache ausgegangen ist.

    Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht 

Name:	IMG_0728.JPG 
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ID:	2143007

    Kurz vor dem Erstflug auf der Wasserkuppe ein nervöser Erbauer versucht das Modell zusammenzubauen.

    Übrigens habe ich auch den Rumpf mit Schellack poliert. Dazu habe ich ihn mattschwarz gespritzt und dann so etwa 10 Lagen Schellack nach und nach aufgebracht. Dieser war schwarz eingefärbt (Spiritusbeize) und kommt ann unter dem Namen Klavierlack daher. Sieht einfach nur klasse aus und ist auch sehr widerstansfähig.

    Das Modell, hmm fliegt standesgemäß

    PeterKa
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  5. #5
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    Kannst du mal noch Bilder vom Rumpf zeigen (wo der Klavierlack aufgetragen wurde)
    Gruß Jochen
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  6. #6
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    Auf besonderen Wunsch. Da es ja kein Baubericht ist, wollte ich das eigentlich nicht machen.

    Name:  DSC_0007.jpg
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    Name:  DSC_0008.jpg
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    Der Flieger hat 2m Spannweite, wiegt 500 Gramm und wird notangetrieben von einem 28mm Allerweltsmotor mit ca. 80 Watt an 3S.

    Die Haube ist mit Altgoldlack gespritzt. Da mein Airbruschkompessor defekt ist, ist die Chose gründlich in die Hose gegangen, aber eigentlich gefällt mir die matte Haube zum glänzenden Rest recht gut.

    Versuche die Haube mit Blattgold zu belegen sind leider mehrfach gescheitert. Da habe ich den Dreh immer noch nicht richtig raus.

    Er hat die erste Flugstunde an der Abtsroda Kuppe hinter sich.

    PeterKa
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  7. #7
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    Sieht sehr schick aus!

    So , und jetzt kann ich leider nicht anders ....

    "hier berichten möchte ist Wanzenkot... genau.."

    Wieviele Wanzen wird man wohl brauchen, bis so eine Dose voll wird?
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  8. #8
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    Die erreichbare Oberflächengüte steht ausser Frage. Und das Beispiel hier ist auch wirklich schön gemacht. An einem Freiluft-Modell würde ich das trotzdem nicht machen. Der Grund: Wetterbeständigkeit.

    Re Vergoldung: Was hast Du versucht: Anlege-Öl? "Deutsche" Mixtion? Optimaler Glanz verlangt nach Schnapsvergoldung. (Kreidegrund, Bolus, Gold, polieren mit Achat) Das allerdings ist erst recht nicht wetterbeständig.
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  9. #9
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    Ja das mit der Wetterbeständigkeit ist durchaus nicht zu vernachlässigen, auch wenn nach etwa einem Jahr kaum noch Angriffe durch Feuchtigkeit zu befürchten sind. Alkohol bleibt aber immer ein Problem. Ich habe dem Vogel deshalb eine sehr stabile Transportkiste verpasst. Er wird eh nur bei bestem Wetter geflogen, und da habe ich nicht die geringsten Bedenken.

    Ich will auch keine Werbung für das Verfahren machen, ich wollte nur mal ausprobieren was geht, und die Leichtigkeit der Arbeit hat mich überrascht.

    Das Vergolden scheiterte an der Grabbelfestigkeit. Ich habe es mit Köllner Milch gemacht. Das haftete auch prima, aber beim abreiben mit dem Achatstift war ich sofort durch. Am Besten ging es noch, wenn ich nur mit dem Wattebausch angedrückt habe. Dann allerdings bleiben halt die feinen Falten sichtbar. Und dann beim wegpolieren gab es Kratzer die das Bild kaputt machten. Ich habe noch nicht endgültig aufgegeben, aber es erst einmal weggelegt.

    PeterKa
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  10. #10
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    Zitat Zitat von PeterKa Beitrag anzeigen
    Das Vergolden scheiterte an der Grabbelfestigkeit. Ich habe es mit Köllner Milch gemacht. Das haftete auch prima, aber beim abreiben mit dem Achatstift war ich sofort durch. Am Besten ging es noch, wenn ich nur mit dem Wattebausch angedrückt habe. Dann allerdings bleiben halt die feinen Falten sichtbar. Und dann beim wegpolieren gab es Kratzer die das Bild kaputt machten. Ich habe noch nicht endgültig aufgegeben, aber es erst einmal weggelegt.
    Das wäre dann wohl das, was ich als Deutsche Mixtion kenne. Etwas ähnliches wie verdünnter Weissleim?
    Polieren mit Achat geht AFAIK nur bei Schnapsvergoldung. Die ist aber extrem aufwendig. Und eine Vergoldung mit Mixtion (Öl oder Milch) ist eigentlich immer matt. Interssant wäre, wie das Vorgehen bei den chinesischen Lackarbeiten ist. Das ist aber eigentlich auch immer leicht matt. Ich nehme an, die lösen den Schellack mit Alkohol an, legen da Gold an, und legen dann ein paar Lackschichten darüber.
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