Scale-Lackierung für Flugmodelle

Ein Bericht von Ralf Schneider

Scale-Lackierung für Flugmodelle am Beispiel meiner F-16

Wenn es an das Finish geht, scheuen die meisten Modellbauer. Rumpantschen mit Farbe und Verdünnung liegt nicht jedem bzw. nur wenige wissen, wie man es richtig, aber einfach anstellt. Und so werden viele schöne Modelle, in denen viele Baustunden stecken, zu guter Letzt "verunstaltet". Natürlich ärgern sich die Erbauer selbst am meisten.

Nun ist es aber gar nicht so schwer, die Farbe auf´s Modell zu bringen, und zwar so, dass schließlich ein gutes Scale-Finish heraus kommt.

Ich möchte hier Schritt für Schritt aufzeigen, welche Arbeitgänge notwendig sind, um zu einem guten Ergebnis zu gelangen. Demonstrieren werde ich es mit vielen Bildern an meiner WeMoTec F-16. Ebenfalls werde ich auf die erforderlichen Materialien und Techniken eingehen.

Die Vorbehandlungen, wie Spachteln, Porenfüllen, Füllern, schleifen usw. bzw. das Behandeln von Balsaholz, Bespannen bzw. Überziehen mit Glasgewebe sind nicht Gegenstand der Beschreibung, da meine F-16 eine feine, weiße GfK-Oberfläche hatte. Von der gehe ich aus.



Da die F-16 völlig glatt war, aber alle Blechstöße und Klappen bzw. Deckel sichtbar sein sollten, musste ich gravieren. Hätte ich vorher gewusst, was das für eine Arbeit macht, hätte ich es sein lassen. Ein weicher Bleistift tut es auch. Für diejenigen, die es interessiert:
Zum Gravieren der Blechstöße verwendete ich eine kleine, sehr feine Dreikantfeile und ein Stück von einem Eisensägeblatt. Die Zähne des Sägeblattes wurden im Schnitt gesehen etwas angefast, damit nicht so breite Fugen entstehen.

Nach dem Aufzeichnen der Stöße mit Bleistift (grob) wurde immer nur eine Linie mit Klebeband markiert und anschließend mit der Feile an der Klebebandkante entlang geritzt. Ist das Material (Deckschicht) nicht zu hart und spröde, kann man das Sägeblatt benutzen. Dieses wird im Gegensatz zur Feile gezogen. Ein Zahn oder auch mehrere gleichzeitig "hobeln" das Material aus der Fuge. Bei beiden Varianten ist bei diesem dünnen GfK-Material Vorsicht geboten, da man nur die Deckschicht anritzen aber niemals die Gewebeschicht verletzen darf.





Nachdem alle Gravuren fertig waren, musste gefüllert werden. Füllern deshalb, weil die Kanten der Fugen "hart" und auch manchmal etwas ausgefranst aussahen. Zum Füllern sollte man nur 1K-Produkte verwenden, da die 2K-Füller einen höheren Feststoffanteil besitzen und deshalb schwerer sind. Ich verwende den 1K-Füller aus der Spraydose. Vor dem Füllern muss die Oberfläche gut angraut werden. Dazu benutze ich entweder Schleifpapier Korn 500 oder einen Schleifpad (Nylonvlies) von 3M. Beim Füllern darauf achten, dass man nicht in einem Arbeitsgang zu dick sprüht. Viele dünne Schichten trocknen besser und Nasen lassen sich schwer unsichtbar entfernen. Wenn alles gut getrocknet ist, kann die Oberfläche geschliffen werden. Dazu verwendete ich 600er Nassschleifpapier oder einen Softpad. Der Softpad macht sich gut bei Rundungen und Ecken. Diesen gibt es von 3M (Herstellernummer:03810). Kaufen könnt Ihr ihn beim Autolackierer.



Geschliffen wird solange, bis die weiße GfK-Schicht wieder sichtbar wird. Nur in den Fugen bleibt der Füller zurück und rundet diese etwas ab.
Die Klappen und Deckel imitiere ich mit einfacher Klebefolie (3M oder Oracal). Diese Folien gibt es im Werbestudio. Eigentlich kostenlos, da man doch nur die Restestücke aus dem Abfalleimer benötigt. Die Folie wird, genau wie der Rumpf, mit einem Schleifpad angeraut (vor dem Schneiden). Zum Schneiden der Folie kommt ein Cuttermesser (neue Klinge), eine gute Schere und eine Nagelschere zum Einsatz. Beim Aufkleben darauf achten, dass keine Luftblasen entstehen (eine Seite auflegen und dann von dieser aus die Folie aufreiben) oder Staubkörner eingeschlossen werden.



Nach dem Reinigen mit Silikonentferner ist die F-16 fertig zum eigentlichen Lackieren. Wenn nicht gespachtelt und/oder graviert wurde, kann man sich das Füllern ersparen. Dann reicht ein Anschleifen der weißen GfK-Oberfläche mit Schleifpapier Korn 500 oder das Anrauen mit dem Schleifpad.



Die Farben von Revell, Humbrol etc. eignen sich am besten für Scale-Lackierungen. Für die F-16 benötigten wir ca. 8 Töpfe. Lästig sind nur die Minidosen, da sich die Farbe daraus schlecht bzw. nur mit Gepansche entfernen lässt. Auf jeden Fall müssen die Farben 1:1 verdünnt werden. Ich verwende eine ganz normale Spritzpistole mit der in der Woche Fahrzeuge lackiert werden. Die Düsengröße ist 1,3. Eigentlich viel zu groß, aber es geht.



Aber völlig ausreichend sind die günstigen Airbrushpistolen von Revell (die mit Saugbecher zu 7,50 Euro). Gespeist werden sie aus Druckluftflaschen.



Wer keine Übung oder Erfahrung hat, spritzt "trocken", dass heißt: eigentlich wird nur genebelt, bis die Farbe gedeckt hat. Da können keine Nasen laufen. Das dabei die Oberfläche etwas rau wird, ist nicht so schlimm. Orginale Flugzeuge sind auch nicht hochglanzpoliert. Außerdem kommt ja zum Schluss Klarlack drüber.

 

Stand: 08.10.2002