Ein Industriedenkmal, auf dem man segeln kann

Ein Bericht von Walter Ludwig

 

Ein Regattabericht

Torsten Hill hatte für das Wochenende vom 31.August bis 1. September zur 1. Duisburger Innenhafenregatta eingeladen. Die Veranstaltung fand im Rahmen der "Nacht der Industriekultur" im Duisburger Innenhafen statt. Ein Teil dieses ehemaligen Industriehafens wurde im Zuge der Sanierung des Hafengeländes abgeteilt und höhergelegt. Auf dieser Wasserfläche sollten also die Regatten stattfinden.

Der Ort bietet eine ganz andere Atmosphäre, als wir sie sonst bei solchen Veranstaltungen gewohnt sind. Er ist nicht vom üblichen Grün der Uferböschungen, sondern von den Fassaden alter und neuer Industriegebäude gesäumt. Hier wurde und wird ein Konzept von Arbeiten und Wohnen in unmittelbarer Nachbarschaft realisiert. An vom Hafenbecken abgehenden Grachten entstanden und entstehen Wohnhäuser, am Hafen selbst Büro- und Geschäftsgebäude, Gastronomie und Kultureinrichtungen. Ansichten und Aussichten wie in der Hamburger Speicherstadt. Eine ungewohnte, aber sehr interessante Umgebung für die klassischen Segelschiffsmodelle, die am Sonntag stark vertreten waren.

Am Samstag waren 19 Modelle in Duisburg und machten die Innenhafenregatta zu einem vollen Erfolg. Neben einem großen Dreieckskurs war auch ein kleines Dreieck für die MicroMagic ausgelegt und ein langer Up-and-Down-Kurs, der die gesamte Länge des Hafenbeckens von gut 600 Metern ausnutzte.

Leider war es mir aufgrund von privaten Terminen nicht möglich, am Samstag teilzunehmen. Aber ganz wollte ich darauf auch nicht verzichten und so fuhr ich mit meinem Namensvetter Stephan Ludwig am Sonntagmorgen nach Duisburg.

Vormittags wurde mit fünf Schiffen der Up-and-Down-Kurs gefahren, weil die Zeitnahme noch nicht besetzt war, nach dem Modus „First Ship Home“. Der Schoner Solaria von Manfred Magnus und die Marie von Borek Dvorak konnten sich schon beim Start etwas vom Feld absetzen, ein Vorsprung, den sie bis ins Ziel noch weiter ausbauen konnten.

Auf der ersten Bahn wehte der Wind raumschots, nur von der Abdeckung der Häuser kurz unterbrochen ging es in zügiger Fahrt zur Wendemarke. Auf dem anschließenden Kreuzkurs war die Colin Archer bauartbedingt nicht mehr so stark und fiel zurück. Torsten Hill war in der Lage, mit seiner Schamane (auf dem Rumpf der Koh-I-Noor von Robbe aufgebaut) zu Beginn der Kreuzstrecke einen Vorsprung herauszusegeln. Dann blieb sie jedoch in einem Windloch hängen und meine Albatros konnte aufschließen. Die letzen 150 Meter segelten wir Seite an Seite und im Finish war mir das Glück und der Wind hold. Auf den letzten Metern zog die Albatros an der Schamane vorbei und belegte mit gut einer Bootslänge Vorsprung den dritten Platz.

Zwischenzeitlich stießen mit Gerfried Scholz und Thomas Kroebel zwei weitere Teilnehmer zu uns. Den Nachmittag verbrachten wir mit Dreieckskurs, freiem Segeln und einer weiteren Wanderregatta über den großen Kurs. Auf allen Kursen waren Solaria und Marie nicht zu schlagen. Thomas Kröbel segelte den langen Schlag mit der Wupperelfe - einer MicroMagic - und hielt sich mit dem kleinen Boot sehr gut.

Die einzige Wasserpflanze im Hafenbecken wurde der Klio III, dem Boot von Gerfried Scholz, zum Verhängnis. Es blieb mit dem langen Schwertkiel im Grün hängen und bewegte sich keinen Zentimeter mehr voran. Leider kam damit kein echter Vergleich zwischen meiner Albatros und der modernen Klio III zustande. Auf dem Vorwindkurs konnte ich aufholen, an der Klio III vorbeiziehen und mich freisegeln, den Kreuzkurs hätte Gerfried Scholz jedoch bestimmt nutzen können um wieder aufzuschließen. So aber bleibt ein Kräftemessen einem anderen Treffen vorbehalten.

Mit dem Dank an die Teilnehmer und einer Teilnahmeurkunde endete dieser schöne Tag. Die Teilnehmer ihrerseits bedankten sich beim Organisator Thorsten Hill für diese gelungene Veranstaltung. Dass es soviel Freude gemacht hat, dazu hat der ungewöhnliche Austragungsort nicht unwesentlich beigetragen.

Ich bin im nächsten Jahr bestimmt wieder dabei und vielleicht kommt dann ja der eine oder andere RCN-User zum mitsegeln oder einfach nur um zuzusehen.

Stand: 26.10.2002