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Teil 1 - Die Gerlitzen
Wer kennt sie nicht, die beeindruckenden Bilder
von Kunstflugseglern, die in ein tiefes Tal hinunterjagen, um anschließend
mit abenteuerlichen Flugmanövern weit über den Horizont hochzuziehen.
Oder die Bilder von Großseglern, die vor schroffen Felswänden
kreisend sehr schnell Höhe gewinnen, oder man fliegt in gleißendem
Sonnenlicht, während gleichzeitig die Wolken von oben zu sehen sind.
Diesem Reiz des alpinen Segelfliegens kann sich kaum ein Pilot entziehen.
Meine Artikelserie
soll einen Einstieg in diese faszinierende Welt bieten, die bekanntesten
Ziele sollen hier vorgestellt werden. Teil eins beschäftigt sich
neben grundsätzlichen Dingen mit der Gerlitzen in Kärnten, unmittelbar
am Ossiacher See gelegen.
Segelfliegen am Hang, und hier speziell im alpinen Raum, unterscheidet
sich in einigen Dingen grundsätzlich vom Fliegen in der Ebene.
Die Landemöglichkeiten sind oft nicht so weiträumig
wie im Flachland. Die Luft ist wegen der Höhe dünner und deshalb
ist die Landegeschwindigkeit höher. Da der Wind von vorne kommt und
man meist nicht von oben nach unten landen kann, ist eine Landung gegen
den Wind nur selten möglich. Häufig muss vor der Landung Höhe
abgebaut und aus dem Tal, also von unten nach oben, gelandet werden. So
banal es klingt, so wichtig ist es, sich darüber klar zu sein, dass
ein Modell auch mal ein Stück absaufen kann. Aus diesem Grund ist
die wichtigste Regel: Ruhe bewahren. Wer hektisch wird, macht Fehler und
das erleichtert das Hochkommen nicht. Dazu gehört auch, sich vor
dem Flug geeignete Außenlandemöglichkeiten zu suchen.
Am besten ist
es, die erfahrenen Piloten am Hang zu Thermik, Windverhältnissen
und Landung zu befragen. Außerdem bietet es sich an, wenn man an
einem Gelände neu ist, erst mal zuzuschauen, wie die anderen das
machen. Oft ist es nämlich im Gebirge nicht so, wie es dem ersten
Eindruck nach zu sein scheint. In vielen Gebieten entwickelt sich die
Thermik erst sehr spät, so dass ein zu früher Start mit Sicherheit
zur Außenlandung führt. Damit ist immer das Risiko der Beschädigung
oder sogar des Totalverlustes gegeben. Schließlich sollte man bedenken,
dass die Verhältnisse im Gebirge viel extremer als in der Ebene sind.
Auf- und Abwinde mit mehreren Metern Steigen oder Fallen pro Sekunde sind
möglich. Die dabei auftretenden Kräfte stellen entsprechende
Anforderungen an die Festigkeit der Modelle. Trotzdem sollte man nicht
nur die schweren Kaliber mitnehmen. Zum antesten eignen sich für
viele Gelände HLGs und F3B/F3J- aber auch Elektromodelle wunderbar,
entsprechende Landefähigkeiten des Piloten vorausgesetzt. Die meisten
Profis setzen vormittags bei schwachen Bedingungen andere Modelle ein
als nachmittags bei Hammerwetter.
An den Anfang dieser Reihe habe ich die Gerlitzen
gestellt, da hier die Landebedingungen wie auch die thermischen Verhältnisse
für eine erste alpine Erfahrung ideal sind. Die sehr großzügigen
Landemöglichkeiten sind auch für weniger geübte Piloten
geeignet. Am besten ist es allerdings, die ersten Flüge oder Landungen
unter Anleitung eines erfahrenen Piloten zu machen.
Die Gerlitzen liegt bei Villach in Kärnten. Die Anfahrt erfolgt über
die A8 von München nach Salzburg, dann weiter auf der A10 durch den
Tauern- und Katschbergtunnel. Hier lohnt es sich, auf die Verkehrsnachrichten
im Autoradio zu achten, denn im Sommer ist vor den Tunneln meistens Blockabfertigung
und dies führt zu kilometerlangen Staus. Als Alternative bietet sich
im Sommer die Fahrt durch die Radstätter Tauern und über den
Katschberg an.
Gerade bei schönem Wetter unbedingt an der
Abfahrt Ennstal/Altenmarkt die Autobahn verlassen.
Man spart nicht
nur die Tunnelmaut, sondern wird darüber hinaus mit einem tollen
Panorama belohnt. Die Bundesstrasse 99 ist sehr gut ausgebaut. Sowohl
die Radstätter Tauern als auch der Katschberg sind schnell und bequem
zu bewältigen. In Rennweg geht es dann wieder auf die A10.
Diese wird dann
erst wieder an der Ausfahrt Villach/Ossiacher See verlassen.
Auf die Gerlitzen
kommt man auf zwei verschiedenen Wegen. Der eine führt entlang des
Ossiacher Sees und über Bodensdorf bis zum Hotel Berger Alm (früher
Dorfhotel), ca. 200 Höhenmeter unter dem Gipfel gelegen. Der andere
Weg führt über Ariach bis auf den Gipfel. Hier findet man zwei
weitere Übernachtungsmöglichkeiten, den Alpengasthof Pacheiner
und das Gipfelhaus, preislich gibt es keinen Unterschied.
Wer mit Familie kommt oder auf Komfort nicht verzichten
möchte, wird das Hotel Bergeralm vorziehen. Hier muß man dann
aber täglich die 200m Höhenmeter zum Gipfel überwinden.
Das entspricht einem Fußmarsch von 20 min Dauer. Die meisten Modellflieger,
die im Hotel gastieren, fahren allerdings mit dem Auto auf den Gipfel
und parken beim Pacheiner. Das bedeutet aber 20 min den Berg hinunterzufahren,
20 min um den Berg herum und dann wieder 20 min die Gerlitzen Gipfelstrasse
hoch. Die Straßen auf die Gerlitzen sind mautpflichitg und dies
ist durch automatische Schranken mit Kassenautomat geregelt.
Die Maut für die Gipfelstrasse von Ariach hoch beträgt sechs
Euro (Stand Juli 2005). Es empfiehlt sich daher das passende Kleingeld
bereit zu haben.
Die Zimmer im Hotel sind groß, hell und
geschmackvoll eingerichtet, das Frühstücksbuffet ist wahrlich
traumhaft. Wurst, Käse, Marmelade, Müsli, Joghurt , Schinken,
Speck, Ei und Omelette in diversen Variationen, Pfannkuchen, Obst, einfach
alles, was man sich nur vorstellen kann, wird angeboten. Entsprechendes
gilt für das Abendbuffet, bei dem ein kaltes Vorspeisenbuffet, warme
Vorspeisen, ein Salatbuffet, mehrere Hauptgerichte, das Dessertbuffet
und Eis ebenso selbstverständlich sind wie vegetarische Gerichte.
So betrachtet ist es ein Glück, dass zwischen Hotel und Modellfliegen
ein kleiner Spaziergang liegt. Außerdem bietet das Hotel Schwimmbad,
Sauna und ein finnisches Dampfbad, sowie Massage, auf neudeutsch Wellness.
Da das Hotel
selbst schon beinahe einen Bericht wert wäre, habe ich hier noch eine Bildergalerie angefügt
Wer allerdings nur übers Wochenende bleibt
oder auf etwas Luxus verzichten kann, der ist auch beim Pacheiner oder
im Gipfelhaus gut versorgt, und genießt dafür den Vorteil,
bereits am Hang zu sein , wenn er „aus dem Bett fällt.“.
So ist es problemlos möglich, morgens der Erste und abends der Letzte
in der Thermik zu sein. Außerdem bekommt man dann auch etwas von
der Ruhe der Berge mit, die tagsüber oft schon mal vermisst wird.
Der Gipfel der
Gerlitzen ist auf einer Höhe von 1911 m. Man kann sich das Gelände
am besten als eine Art Hochplateau vorstellen. Auf diesem geht man einfach
die wenigen Meter bis zu dem Hang, an dem gerade der Wind hochkommt. Aus
diesem Grund ist es für Modellflieger geradezu ideal.
Damit der Flugbetrieb
in geordneten Bahnen verläuft, holt sich jeder Modellflieger im Alpengasthof
Pacheiner an der Kasse gegen eine Kaution von 5 Euro seine Frequenzklammer.
Diese berechtigt zum Fliegen. Ist die gewünschte Frequenz schon vergeben,
ist Quarzwechsel oder Klammerbesitzer suchen angesagt. Dieses System hat
sich über Jahre bewährt.
Die ideale Windrichtung aus meiner
Sicht ist West, denn dann wird direkt vorm Pacheiner geflogen. Hier befindet
man sich direkt bei den Autos und in den Pausen kann man das Treiben der
Anderen von der Sonnenterasse aus bei einem Kaffee oder einem anderen
Genussmittel verfolgen. Hier kommt jeder auf seine Kosten. Egal, ob Schmeißgeier,
auf neudeutsch HLG, oder Grossegler mit 5m Spannweite, die Landeflächen
sind exzellent und ohne Steine. Letzteres ist beim Alpinfliegen leider
nicht immer gewährleistet. HLGs und leichte F3B/F3J landen oft im
hohen Gras, Großsegler einfach 20m weiter weg butterweich im Kurzgras.
Da der Hang eine Art Kessel ausbildet, kann man, bei entsprechender Sonneneinstrahlung,
ab Nachmittag mit sehr guter Thermik rechnen, so dass auch Kunstflugsegler
hier ideale Bedingungen vorfinden.
Dreht der Wind mehr auf südliche
Richtungen, so wandern wir ca. 200m weiter zum Wasserturm. Hier sollte
man sich aber seine Landestelle genau anschauen, im Zweifel lieber ein
paar Meter laufen, um den Steinen etwas aus dem Weg zu gehen. Leider sind
hier häufig viele Gleitschirmflieger, so dass immer Vorsicht angesagt
ist. Wenn es schwach geht, hat sich das Problem oft schnell erledigt,
denn dann sind sie bald ins Tal abgesoffen. Bei Hammerwetter steigen sie
dagegen zügig weg und sind dann hoch über uns. Nur bei mäßigen
Bedingungen ist es kritisch, vor allem, wenn sie auch wieder oben landen.
Bei echtem Südwind
kann man dann weiter hinten in Richtung Ossiacher See, bzw. Hotel fliegen.
Hier hat man oben eine flache, große Wiese. Man muss nur etwas auf
die Wanderer achten, aber das ist kein Problem. Außenlandemöglichkeiten
sind an dieser Stelle aber eher bescheiden. Die Wahrscheinlichkeit, einen
größeren Segler zwischen Sträuchern, Steinen und Sesselliftbahn
unbeschadet zu landen, ist recht gering. Hier werden bei schwachen Bedingungen
also meistens F3B/F3J-Modelle zum Testen eingesetzt, da diese einen großen
Aktionsradius mit hervorragenden Flugleistungen kombinieren. Wenn es dann
mit der Thermik so richtig losgeht, kann man auch Kunstflugsegler und
Großmodelle herausholen.
Bei Südost
bis Ostnordost dreht man sich einfach und fliegt auf derselben Wiese,
dann aber Richtung Osten am Blaubeerhang. Die Außenlandemöglichkeit
in den Blaubeerbüschen stellt für mich keine Alternative dar,
wird aber von Anderen durchaus genutzt.
Bei Wind aus Nord bis Nordwest fliegt man hundert
Meter nördlich vom Pacheiner auf der Kuhwiese. Wie der Name schon
sagt, muss dort mit großen, braunäugigen Tieren gerechnet werden,
die dort nicht nur ihre Spuren hinterlassen, sondern auch noch an den
ungeeignetsten Stellen im Weg stehen und ausgesprochen neugierig sind.
Weitere Bilder zum Hang gibt es hier.
Zusammenfassend
kann ich sagen, dass die Gerlitzen aus meiner Sicht ideale Voraussetzungen
für den Einstieg in das alpine Segelfliegen bietet. Hier findet man
alpine Thermik ohne schwierige Landebedingungen, eine wirkliche Ausnahme
im Alpenraum. Vom Großsegler über F3B/F3J-Modelle bis zum Handlaunchglider,
alles kann hier geflogen werden. Man findet am Hang genauso Thermik wie
draußen im Tal.
Der große
Freizeitwert Kärntens mit seinen zahlreichen Seen und anderen Ausflugszielen
macht die Gerlitzen außerdem für Familien attraktiv. Das Kinderprogramm
im Hotel Bergeralm sorgt ebenso wie Sauna, Pool und Reitmöglichkeit
dafür, dass Eltern sich mal erholen können. Es wird einfach
für jeden etwas geboten.
© Thommy Seidel
2002
Stand: 30.08.2005 |
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