NYX - ein F3B-Flieger

Ein Bericht von Andreas von Wolff

 

NYX - F3B
von Breta Model (Modellbau Pollack)

Ich bin Freizeitpilot und habe keine Wettbewerbsambitionen. Warum will ich also ein F3B-Modell? Für manche liegen die Vorteile klar auf der Hand, ausgezeichnete Streckenflug- und gute Thermikeigenschaften zeichnen F3B-Modelle eben aus.

Weshalb meine Wahl auf die NYX fiel, ist nicht schwer zu erklären. Ein Profil von Norbert Habe in Kombination mit tschechischer Qualitätsarbeit, ein Kreuzleitwerk für guten Geradeauslauf, ein vollständiges Zubehörpaket und der robuste Aufbau zeichnen die NYX aus. Von Baukasten kann man gar nicht mehr sprechen, es ist ja alles fertig, aber dazu später.

Von der NYX gibt es 3 verschiedene Varianten. Light-Version und D-Box für F3J, und die Carbon-Variante für F3B. Die NYX-F3F läuft extra und hat kein HN-354SR als Flächenprofil.

Wo bekommt man die NYX in Deutschland? Dank Internet ist die Suche kein Problem. Bei Gerhard Pollack wurde ich fündig und ein freundliches Telefonat folgte. Da ich sehr genau wusste was ich wollte, beschränkten sich meine Fragen auf Modelldetails, die sehr ausführlich beantwortet wurden. Es war nur ein Modell am Lager und das hatte einen kleinen Farbfehler. Kein Problem für mich, denn ich kann nicht warten. Zudem soll sie ja gut fliegen und nicht nur an der Wand hängen. 6 Tage später war sie schon da.



Das Auspacken dauerte etwas länger, alle Komponenten waren wirklich sehr gut verpackt. Die Qualität der Einzelteile ist gut, auch wenn am Seitenruder beim Heraustrennen die Schleifscheibe einmal abgerutscht ist. Der Rumpf erschien mir bleischwer, aber es folgte eine Überraschung: der Ballast, im Rumpf verpackt, ist schon dabei und keine teure Option. Wahlweise oder in Kombination stehen je 9 Holz- und Stahlzylinder mit 7 bzw. 80gr Gewicht zur Verfügung.

Der verstellbare Hochstarthaken ist eingebaut, der Kabelbaum eingezogen und an der Flächenverbindung mit 9-poligen Computersteckern versehen. Die Servokabel sind mit Graupner-Steckern versehen, was will man mehr. Der CfK-Flächenverbinder scheint mit 12x10mm bei einer dreiteiligen Fläche ausreichend dimensioniert. Die Oberfläche ist dank CfK schön hart, absolut glatt und wellenfrei. Hier muss man keine Angst haben, schon beim Bau Dellen reinzudrücken. Die Flächenspitzen wurden in der Form zweifarbig lackiert, bei meinem Modell blau-gelb, ein schöner Kontrast zur weißen Grundfarbe.

Alle Ruder sind mit GfK-Dichtlippen versehen. Die Wölbklappen werden von oben, die Querruder von unten angelenkt. Besonders der große Ausschlag der Wölbklappen bei einer Klappentiefe von 21% wird für einen kurzen Landeanflug sorgen. Der Rumpf ist sehr stabil und besteht aus Aramid-Kevlar-Gewebe. Das Seitenleitwerk ist groß genug, oben und unten geschützt. Das Pendelhöhenruder wird mittels einer 6mm CfK-Schubstange und Umlenkhebel angelenkt, das Seitenruder direkt über einen normalen Bowdenzug.

Der Zugang zu den RC-Komponenten erfolgt über eine CfK-Kabinenhaube mit Stahldrahtfeder, selbstredend liegt sie fertig bei. Auch die Servoanlenkungen sind schon gekröpft. An den Querrudern sind sie zwar etwas zu lang, aber das ist in nur 2 Minuten korrigiert.

Dann fiel mir ein Lunker an der Nasenleiste des Mittelteils auf. Der Fingernageltest zeigte, dass hier die Deckschicht an einem 5x5mm großen Loch komplett abgelöst war. Die Reparatur dauerte nicht lange, aber ich hatte keinen weißen Lack zum Einfärben des Harzes parat. In der Serie wird man solche Fehler jedoch nicht antreffen. Die Modelle von Jaro Müller bleiben zwar in der Qualität Referenz, die NYX von Breta Model ist aber nicht weit entfernt und glänzt mit größerer Robustheit und vollständigem Zubehörpaket.



Was bleibt nun beim Ausbau noch zu tun? 6 Servos, Empfänger und Schalter einbauen, einen Akku konfektionieren, mehr nicht. Zum Auswiegen werden ca. 280 g in der Nase benötigt, das schränkt die Akkuauswahl etwas ein. Weniger Blei und größere Kapazität ist immer die bessere Alternative. Mit RC2000 oder RC2400 käme man gut hin, jedoch ist dann kein Platz mehr für den Empfänger in der Rumpfnase. Hier bieten sich NiMH-Akkus an. Die Abmaße sind geringer und das Gewicht stimmt auch fast. Bei der Servoauswahl habe ich auf Bewährtes zurückgegriffen. Von Volz kommen WingMaxx auf Quer und MicroMaxx-X auf Wölb und Seite zum Einsatz, Höhe wird mit einem Graupner DS3328 angelenkt. Das DS3328 schaut nur 15mm über das Servobrett hinaus, das MicroMaxx-X immerhin 20mm. Diese 5mm Höhenunterschied machen sich besonders im Rumpf bemerkbar, wenn man den Ballast wechseln will.



Bleibt noch die Dokumentation. Sie beschränkt sich, wie bei Modellen dieser Art üblich, auf eine Seite mit Einstelldaten. Wie schon oft, hat Stefan Eder den Erstflug für Gerhard Pollack durchgeführt und im Januar 2002 die Einstellwerte erflogen. Seine Angaben zu Schwerpunkt- und Hakenposition weichen jedoch erheblich von der Standardkonfiguration ab. Hier kann man den Wettbewerbspiloten und seine Vorlieben erkennen. Aber so instabil werde ich meine NYX wohl nicht einstellen und starte den Erstflug mit den Normalvorgaben. Es lagen noch 3 Seiten mit illustrierten Bautipps bei. Wichtig ist, dass man den Randbemerkungen zum Servoeinbau unbedingt folgen sollte. Unliebsame Überraschungen beim Ausfädeln der Ballaststange sind sonst, wie bereits oben erwähnt, die Folge. Detaillierte Baustufenfotos kann man bei F3X.com anschauen, wenn man vorgenanntem Link direkt folgt. Deshalb habe ich meine DigiCam auch nicht oft eingesetzt.

Wer einen Logger oder ein Variometer einsetzen möchte, muss etwas tricksen. In der Nase des Rumpfes ist kein Platz, jedoch unter der Flächenauflage. Wenn man den Computerstecker der Flächenverbindung abschraubt, kann man Vario bzw. Logger auf der Ballaströhre platzieren. Einfacher wird es, wenn man schon beim Bau ein Kabel nach hinten verlegt. Dann stören weder Servos noch Kabelgewirr.

Ich habe den Stecker der Flächenverbindung am Rumpf durchgemessen, um dessen Belegung zu dokumentieren. Ich war einfach neugierig, und es könnte ja irgendwann einmal nützlich sein. "I" steht hier für Impuls und die Beschriftung folgt der Kanalbelegung von Graupner.



Erstflug

Wir haben den 7. August und das Wetter ist prächtig. Die Temperatur liegt bei 24°C, es weht ein leichter Wind, der ab und zu auffrischt und dreht. Thermik ist vorhanden, auch wenn sie schnell versetzt.

Vorab möchte ich festhalten, dass ich bis auf Butterfly keinerlei Mischer für den Erstflug programmiere. Die saubere Ruderabstimmung steht für mich im Vordergrund. Den Schwerpunkt habe ich laut Datenblatt auf 107mm eingestellt, die Hakenposition liegt bei 109 mm. Ich habe mich einfach vermessen!

Das sorgt auch gleich beim ersten Start für einen gewaltigen Schreck. Aus dem Seitenwind wird plötzlich Rückenwind und die NYX springt in 15m Höhe aus dem Seil. Ruhe bewahren, fallen lassen, dann erst abfangen. Uff ...gleich wieder in den Sattel, Cowboy.

2. Start. Nun ist es klar, der Haken liegt zu weit hinten, denn die NYX hüpft in ca. 40m Höhe wieder aus dem Seil. Es folgt trotzdem ein Flug von 5min. Dauer – super!! Ohne Ballastzugabe nimmt die NYX F3B jeden Hauch Thermik mit.

Erst einmal die Hakenposition auf 105 mm korrigiert, Combiswitch gegen den Seitenwind eingestellt, und es geht an die Grobeinstellungen. 5° Tiefe bei Butterfly sind viel zu wenig, die NYX bäumt sich auf. Die Seitenruderwirkung dagegen ist sehr stark. Ich muss den Ausschlag bei Combiswitch ziemlich entschärfen. Ein Wert von 10% hat sich schließlich als gut herausgestellt.



Was gleich auffällt: die NYX wartet mit keinerlei üblen Überraschungen auf. Sie fliegt sich einfach schön rund und setzt sich auch bei Gegenwind gut durch. Bestes Gleiten zeichnet sie aus - klasse. Die NYX ist sehr agil und die Ruderwirkung ist sehr direkt. Gefühl am Knüppel ist gefordert. Das liegt wohl am Pendelhöhenleitwerk, das ist neu für mich. Auf geringste Veränderungen an den Wölbklappen reagiert die NYX sofort.

Bevor es weitergeht, muss die Winde umgebaut werden. Als das erledigt ist, dreht der Wind zurück. Noch einmal schleppe ich Winde und Akku nicht über den Platz, auch wenn Rückenwind beim Start kein Spaß ist. Die Werte für Butterfly einmal richtig erflogen und alle Landungen liegen im 10m-Kreis aus Maulwurfshügeln. Butterfly lässt sich sehr gut dosieren, die Ruderwirkung auf Quer bleibt auch bei Vollausschlag recht gut. Um die Klappen nicht schlagartig einfahren zu lassen, habe ich eine Verzögerung von 1sek. eingestellt. Die NYX sackt aber keinesfalls durch, wenn man die Klappen schnell einfährt. Wie gern würde ich jetzt an einem Hang stehen und die Ballaststange einfädeln... wehe, wenn er losgelassen.

Die Starthöhe wird immer besser. Mal sehen, wie es aussieht, wenn es beim nächsten mal stetigen Wind von vorn gibt. Lässt man sie laufen, zeigt sie sofort ihre Stärken, nur in enge Kurven fällt sie etwas hinein. Das ist nicht kritisch und liegt meiner Meinung nach an den Grundeinstellungen von EWD und Schwerpunkt, die müssen noch verfeinert werden. So etwas macht man eben nicht mal schnell an einem Nachmittag.

Mein Fazit: Ein super Wurf von Breta Modell und ein klasse Profil von Norbert Habe. Hier ist jeder Euro gut angelegt, die NYX ist eben ein Topp-Modell und kein Schnäppchen.

Einstellungen und Gewichte:
Schwerpunkt: 107mm
Hakenposition: 105mm
EWD: 0,8°
Gewicht: 2170 g ohne Ballast


Die NYX-Einstelldaten von Breta Modell und F3X.com befinden sich in dieser
PDF-Datei

Nachtrag:

Nach Veröffentlichung dieses Beitrages erreichte mich eine Mail von Nikolei Dotzek mit wichtigen Informationen zur NYX:

Die Nyx - die Nacht
- eine Figur des Dichters Hesiodos (dt. Hesiod - ca. 700 v.u.Z.) der griechischen Mythologie -
- sie entstand aus dem Chaos und wird auch als Göttin der Finsternis benannt.

Ich danke Nikolei Dotzek für die Erläuterungen zur Namensgebung.
Sie zeugt von sehr viel Selbstvertrauen des Herstellers Breta Model (Modellbau Pollack).

Nachtrag vom 27.04.2003:

Die NYX läuft gut, ist thermikstark und relativ robust. Sie wird bei der F3B-Eurotour kaum vorderste Plätze erzielen, dazu fehlt ihr der letzte Pfiff im Speed und in den Wenden. Es gibt auch einige Details, die einer Überarbeitung bedürfen. Dazu zählt z.B. der schwache Rumpfabschluß am Seitenleitwerk. Hier sind
Beschädigungen bei ungünstigen Landungen vorprogrammiert. Eine Lage Glas reicht einfach nicht aus,
auch wenn am Heck jedes Gramm eingespart werden muß.

Ein anderes Kapitel ist der Rumpf selbst. Bei seinem Durchmesser dürfte man gnadenlose Steifigkeit erwarten, mich hat er im direkten Vergleich zu anderen Modellen nicht überzeugt. Das Bessere ist immer des Guten Feind. Ein wichtiger Punkt persönlicher Kritik ist die offensichtliche Schwäche der Deckschicht. Schon normales Tesa, zur Verbindung von Mittelteil und Außenflügeln genutzt, reicht aus, um den Lack in winzigen Stückchen abzulösen. Es ist abzusehen, wann aufwendige Reparaturen notwendig werden, vom optischen Mangel ganz abgesehen. So etwas habe ich bei Produkten anderer Hersteller in dieser Form noch nicht erlebt und schwächt den sonst guten Gesamteindruck deutlich.

Was bleibt abschließend zu sagen: Sie glänzt mit einem runden Konzept, ist leistungsstark, wenn auch nicht überragend, und ein formschönes F3B-Modell mit interessanten Details. Kann das jedoch einen Preisunterschied von über 350,- EURO zu Brisk oder Flower rechtfertigen? Mal sehen, was der Nachfolger zu bieten hat. Die Furio ist schon auf dem Markt und der Test folgt in Kürze.

Viel Spaß!


Grüße vom AirWolff

Stand: 27.04.2003