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NYX - F3B
von Breta Model (Modellbau Pollack)
Ich bin Freizeitpilot und habe keine Wettbewerbsambitionen.
Warum will ich also ein F3B-Modell? Für manche liegen die Vorteile
klar auf der Hand, ausgezeichnete Streckenflug- und gute Thermikeigenschaften
zeichnen F3B-Modelle eben aus.
Weshalb meine Wahl auf die NYX fiel, ist nicht schwer zu erklären.
Ein Profil von Norbert Habe in Kombination
mit tschechischer Qualitätsarbeit, ein Kreuzleitwerk für guten
Geradeauslauf, ein vollständiges Zubehörpaket und der robuste
Aufbau zeichnen die NYX aus. Von Baukasten kann man gar nicht mehr sprechen,
es ist ja alles fertig, aber dazu später.
Von der NYX gibt es 3 verschiedene Varianten. Light-Version und D-Box
für F3J, und die Carbon-Variante für F3B. Die NYX-F3F läuft
extra und hat kein HN-354SR als Flächenprofil.
Wo bekommt man die NYX in Deutschland? Dank Internet ist die Suche kein
Problem. Bei Gerhard Pollack
wurde ich fündig und ein freundliches Telefonat folgte. Da ich sehr
genau wusste was ich wollte, beschränkten sich meine Fragen auf Modelldetails,
die sehr ausführlich beantwortet wurden. Es war nur ein Modell am
Lager und das hatte einen kleinen Farbfehler. Kein Problem für mich,
denn ich kann nicht warten. Zudem soll sie ja gut fliegen und nicht nur
an der Wand hängen. 6 Tage später war sie schon da.

Das Auspacken dauerte etwas länger, alle Komponenten waren wirklich
sehr gut verpackt. Die Qualität der Einzelteile ist gut, auch wenn
am Seitenruder beim Heraustrennen die Schleifscheibe einmal abgerutscht
ist. Der Rumpf erschien mir bleischwer, aber es folgte eine Überraschung:
der Ballast, im Rumpf verpackt, ist schon dabei und keine teure Option.
Wahlweise oder in Kombination stehen je 9 Holz- und Stahlzylinder mit
7 bzw. 80gr Gewicht zur Verfügung.
Der verstellbare Hochstarthaken ist eingebaut, der Kabelbaum eingezogen
und an der Flächenverbindung mit 9-poligen Computersteckern versehen.
Die Servokabel sind mit Graupner-Steckern versehen, was will man mehr.
Der CfK-Flächenverbinder scheint mit 12x10mm bei einer dreiteiligen
Fläche ausreichend dimensioniert. Die Oberfläche ist dank CfK
schön hart, absolut glatt und wellenfrei. Hier muss man keine Angst
haben, schon beim Bau Dellen reinzudrücken. Die Flächenspitzen
wurden in der Form zweifarbig lackiert, bei meinem Modell blau-gelb, ein
schöner Kontrast zur weißen Grundfarbe.
Alle Ruder sind mit GfK-Dichtlippen versehen. Die Wölbklappen werden
von oben, die Querruder von unten angelenkt. Besonders der große
Ausschlag der Wölbklappen bei einer Klappentiefe von 21% wird für
einen kurzen Landeanflug sorgen. Der Rumpf ist sehr stabil und besteht
aus Aramid-Kevlar-Gewebe. Das Seitenleitwerk ist groß genug, oben
und unten geschützt. Das Pendelhöhenruder wird mittels einer
6mm CfK-Schubstange und Umlenkhebel angelenkt, das Seitenruder direkt
über einen normalen Bowdenzug.
Der Zugang zu den RC-Komponenten erfolgt über eine CfK-Kabinenhaube
mit Stahldrahtfeder, selbstredend liegt sie fertig bei. Auch die Servoanlenkungen
sind schon gekröpft. An den Querrudern sind sie zwar etwas zu lang,
aber das ist in nur 2 Minuten korrigiert.
Dann fiel mir ein Lunker an der Nasenleiste des Mittelteils auf. Der Fingernageltest
zeigte, dass hier die Deckschicht an einem 5x5mm großen Loch komplett
abgelöst war. Die Reparatur dauerte nicht lange, aber ich hatte keinen
weißen Lack zum Einfärben des Harzes parat. In der
Serie wird man solche Fehler jedoch nicht antreffen. Die Modelle
von Jaro Müller bleiben zwar in der Qualität Referenz, die NYX
von Breta Model ist aber nicht weit entfernt und glänzt mit größerer
Robustheit und vollständigem Zubehörpaket.

Was bleibt nun beim Ausbau noch zu tun? 6 Servos, Empfänger und Schalter
einbauen, einen Akku konfektionieren, mehr nicht. Zum Auswiegen werden
ca. 280 g in der Nase benötigt, das schränkt die Akkuauswahl
etwas ein. Weniger Blei und größere Kapazität ist immer
die bessere Alternative. Mit RC2000 oder RC2400 käme man gut hin,
jedoch ist dann kein Platz mehr für den Empfänger in der Rumpfnase.
Hier bieten sich NiMH-Akkus an. Die Abmaße sind geringer und das
Gewicht stimmt auch fast. Bei der Servoauswahl habe ich auf Bewährtes
zurückgegriffen. Von Volz kommen WingMaxx auf Quer und MicroMaxx-X
auf Wölb und Seite zum Einsatz, Höhe wird mit einem Graupner
DS3328 angelenkt. Das DS3328 schaut nur 15mm über das Servobrett
hinaus, das MicroMaxx-X immerhin 20mm. Diese 5mm Höhenunterschied
machen sich besonders im Rumpf bemerkbar, wenn man den Ballast wechseln
will.

Bleibt noch die Dokumentation. Sie beschränkt sich, wie bei Modellen
dieser Art üblich, auf eine Seite mit Einstelldaten. Wie schon oft,
hat Stefan Eder den Erstflug für Gerhard Pollack durchgeführt
und im Januar 2002 die Einstellwerte erflogen. Seine Angaben zu Schwerpunkt-
und Hakenposition weichen jedoch erheblich von der Standardkonfiguration
ab. Hier kann man den Wettbewerbspiloten und seine Vorlieben erkennen.
Aber so instabil werde ich meine NYX wohl nicht einstellen und starte
den Erstflug mit den Normalvorgaben. Es lagen noch 3 Seiten mit illustrierten
Bautipps bei. Wichtig ist, dass man den Randbemerkungen zum Servoeinbau
unbedingt folgen sollte. Unliebsame Überraschungen beim Ausfädeln
der Ballaststange sind sonst, wie bereits oben erwähnt, die Folge.
Detaillierte Baustufenfotos kann man bei F3X.com
anschauen, wenn man vorgenanntem Link direkt folgt. Deshalb habe ich meine
DigiCam auch nicht oft eingesetzt.
Wer einen Logger oder ein Variometer einsetzen möchte, muss etwas
tricksen. In der Nase des Rumpfes ist kein Platz, jedoch unter der Flächenauflage.
Wenn man den Computerstecker der Flächenverbindung abschraubt, kann
man Vario bzw. Logger auf der Ballaströhre platzieren. Einfacher
wird es, wenn man schon beim Bau ein Kabel nach hinten verlegt. Dann stören
weder Servos noch Kabelgewirr.
Ich habe den Stecker der Flächenverbindung am Rumpf durchgemessen,
um dessen Belegung zu dokumentieren. Ich war einfach neugierig, und es
könnte ja irgendwann einmal nützlich sein. "I"
steht hier für Impuls und die Beschriftung folgt
der Kanalbelegung von Graupner.

Erstflug
Wir haben den 7. August und das Wetter ist prächtig. Die Temperatur
liegt bei 24°C, es weht ein leichter Wind, der ab und zu auffrischt
und dreht. Thermik ist vorhanden, auch wenn sie schnell versetzt.
Vorab möchte ich festhalten, dass ich bis auf Butterfly keinerlei
Mischer für den Erstflug programmiere. Die saubere Ruderabstimmung
steht für mich im Vordergrund. Den Schwerpunkt habe ich laut Datenblatt
auf 107mm eingestellt, die Hakenposition liegt bei 109 mm.
Ich habe mich einfach vermessen!
Das sorgt auch gleich beim ersten Start für einen gewaltigen Schreck.
Aus dem Seitenwind wird plötzlich Rückenwind und die NYX springt
in 15m Höhe aus dem Seil. Ruhe bewahren, fallen lassen, dann erst
abfangen. Uff ...gleich wieder in den Sattel, Cowboy.
2. Start. Nun ist es klar, der Haken liegt zu weit hinten, denn die NYX
hüpft in ca. 40m Höhe wieder aus dem Seil. Es folgt trotzdem
ein Flug von 5min. Dauer – super!! Ohne Ballastzugabe nimmt die
NYX F3B jeden Hauch Thermik mit.
Erst einmal die Hakenposition auf 105 mm korrigiert,
Combiswitch gegen den Seitenwind eingestellt, und es geht an die Grobeinstellungen.
5° Tiefe bei Butterfly sind viel zu wenig, die NYX bäumt sich
auf. Die Seitenruderwirkung dagegen ist sehr stark. Ich muss den Ausschlag
bei Combiswitch ziemlich entschärfen. Ein Wert von 10% hat sich schließlich
als gut herausgestellt.

Was gleich auffällt: die NYX wartet mit keinerlei üblen Überraschungen
auf. Sie fliegt sich einfach schön rund und setzt sich auch bei Gegenwind
gut durch. Bestes Gleiten zeichnet sie aus - klasse. Die NYX ist sehr
agil und die Ruderwirkung ist sehr direkt. Gefühl am Knüppel
ist gefordert. Das liegt wohl am Pendelhöhenleitwerk, das ist neu
für mich. Auf geringste Veränderungen an den Wölbklappen
reagiert die NYX sofort.
Bevor es weitergeht, muss die Winde umgebaut werden. Als das erledigt
ist, dreht der Wind zurück. Noch einmal schleppe ich Winde und Akku
nicht über den Platz, auch wenn Rückenwind beim Start kein Spaß
ist. Die Werte für Butterfly einmal richtig erflogen und alle Landungen
liegen im 10m-Kreis aus Maulwurfshügeln. Butterfly lässt sich
sehr gut dosieren, die Ruderwirkung auf Quer bleibt auch bei Vollausschlag
recht gut. Um die Klappen nicht schlagartig einfahren zu lassen, habe
ich eine Verzögerung von 1sek. eingestellt. Die NYX sackt aber keinesfalls
durch, wenn man die Klappen schnell einfährt. Wie gern würde
ich jetzt an einem Hang stehen und die Ballaststange einfädeln...
wehe, wenn er losgelassen.
Die Starthöhe wird immer besser. Mal sehen, wie es aussieht, wenn
es beim nächsten mal stetigen Wind von vorn gibt. Lässt man
sie laufen, zeigt sie sofort ihre Stärken, nur in enge Kurven fällt
sie etwas hinein. Das ist nicht kritisch und liegt meiner Meinung nach
an den Grundeinstellungen von EWD und Schwerpunkt, die müssen noch
verfeinert werden. So etwas macht man eben nicht mal schnell an einem
Nachmittag.
Mein Fazit: Ein super Wurf von Breta
Modell und ein klasse Profil von Norbert
Habe. Hier ist jeder Euro gut angelegt, die NYX ist eben ein Topp-Modell
und kein Schnäppchen.
Einstellungen und Gewichte:
Schwerpunkt: 107mm
Hakenposition: 105mm
EWD: 0,8°
Gewicht: 2170 g ohne Ballast
Die NYX-Einstelldaten von Breta Modell und F3X.com befinden sich in dieser
PDF-Datei

Nachtrag:
Nach Veröffentlichung dieses Beitrages erreichte mich
eine Mail von Nikolei Dotzek mit wichtigen Informationen zur NYX:
Die Nyx - die Nacht
- eine Figur des Dichters Hesiodos (dt. Hesiod - ca. 700 v.u.Z.) der griechischen
Mythologie -
- sie entstand aus dem Chaos und wird auch als Göttin der Finsternis
benannt.
Ich danke Nikolei Dotzek für die Erläuterungen
zur Namensgebung.
Sie zeugt von sehr viel Selbstvertrauen des Herstellers Breta Model (Modellbau
Pollack).
Nachtrag vom 27.04.2003:
Die NYX läuft gut, ist thermikstark und relativ robust. Sie wird
bei der F3B-Eurotour kaum vorderste Plätze erzielen, dazu fehlt ihr
der letzte Pfiff im Speed und in den Wenden. Es gibt auch einige Details,
die einer Überarbeitung bedürfen. Dazu zählt z.B. der schwache
Rumpfabschluß am Seitenleitwerk. Hier sind
Beschädigungen bei ungünstigen Landungen vorprogrammiert. Eine
Lage Glas reicht einfach nicht aus,
auch wenn am Heck jedes Gramm eingespart werden muß.
Ein anderes Kapitel ist der Rumpf selbst. Bei seinem Durchmesser dürfte
man gnadenlose Steifigkeit erwarten, mich hat er im direkten Vergleich
zu anderen Modellen nicht überzeugt. Das Bessere ist immer des Guten
Feind. Ein wichtiger Punkt persönlicher Kritik ist die offensichtliche
Schwäche der Deckschicht. Schon normales Tesa, zur Verbindung von
Mittelteil und Außenflügeln genutzt, reicht aus, um den Lack
in winzigen Stückchen abzulösen. Es ist abzusehen, wann aufwendige
Reparaturen notwendig werden, vom optischen Mangel ganz abgesehen. So
etwas habe ich bei Produkten anderer Hersteller in dieser Form noch nicht
erlebt und schwächt den sonst guten Gesamteindruck deutlich.
Was bleibt abschließend zu sagen: Sie glänzt mit einem runden
Konzept, ist leistungsstark, wenn auch nicht überragend, und ein
formschönes F3B-Modell mit interessanten Details. Kann das jedoch
einen Preisunterschied von über 350,- EURO zu Brisk oder Flower rechtfertigen?
Mal sehen, was der Nachfolger zu bieten hat. Die Furio ist schon auf dem
Markt und der Test folgt in Kürze.
Viel Spaß!
Grüße vom
AirWolff
Stand: 27.04.2003
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