Der Sea Jet lernt „fliegen“...

Ein Bericht von Andreas Schneider


...oder: Wie rüste ich den Robbe „Sea Jet“ auf Jetantrieb um?

Der „Sea Jet“ von Robbe ist in der Baukastenversion ein ideales Modell für den Einstieg in den motorisierten Schiffsmodellbau.
Der Rumpf, aus leuchtend gelbem ABS, ist bereits ausgeschnitten und verklebt. Das Rumpffinish ist nach dem Aufkleben der Dekore ohne viel Mühe erledigt. Es sei denn, man gönnt seinem Modell eine individuelle Lackierung, dann ist etwas mehr Aufwand nötig.
Ein Elektromotor der 500er Baugröße treibt über ein Getriebe zwei gegenläufige Oberflächenschiffsschrauben an. Zur Steuerung des äußerst wendigen Modells ist eine Zweikanalanlage ausreichend. Als Stromversorgung für Motor und Empfänger dient ein siebenzelliger Schnellladeakku. Die Montage beschränkt sich auf den Einbau von Motor, Antrieb und Fernsteuerung sowie das Zusammensetzen und Lackieren der Fahrerfigur.

Der „Sea Jet“ bietet Fahrspaß pur. Durch den tief liegenden Schwerpunkt ist das Modell in der Lage, sich immer wieder aufzurichten und lässt sich problemlos um jeden Kurs steuern.

Die im Original „Jet Ski“ oder auch „Jet Bike“ genannten Sportgeräte werden von sogenannten „Jet Drives“ angetrieben. Diese Jetantriebe funktionieren ähnlich wie Düsen an Flugzeugen, das Medium wird angesaugt und durch eine Düse ausgestoßen. Zum Lenken wird der Wasserstrahl durch die Steuerdüse abgelenkt. Für die Rückwärtsfahrt wird der Strahl durch eine Rückfahrklappe (nicht im Bild) nach vorne umgelenkt.
Diese Antriebsart hat den Vorteil, dass sich unter dem Rumpf des Fahrzeugs keine Ruder oder Antriebsteile befinden.

Der Umbau

Wer schon einen normalen „Sea Jet“ besitzt, muss sich erst mal überwinden, diesen zu zerstören.
Sämtliche Antriebsteile, die Akkuwanne sowie der Motor/Getriebespant werden entfernt. Das Ober- und Unterteil sind voneinander zu trennen, möglichst ohne den Rumpf zu beschädigen. Am besten geht das mit einem Cuttermesser, welches man hebelnd durch die Klebenaht zieht.

Der Modellbauer, der sich von vornherein entschieden hat, den „Sea Jet“ mit Jetantrieb auszurüsten, hat es da ein wenig einfacher.
Die Firma Robbe bietet sämtliche ABS Teile einzeln an, d.h. Rumpfunterteil, Oberteil, Sitzbank und Fahrerpuppe.

Auch gibt es von der Firma Kehrer Modellbau einen „Sea Jet“ aus GFK, in den der Antrieb schon installiert ist. Ich habe von dem Kehrermodell allerdings keinerlei Informationen bezüglich Fahrverhalten.
Nach meinen ersten missglückten Versuchen und vielen Fehlschlägen was das Fahrverhalten betrifft, das Modell hatte nach wenigen Metern immer wieder Strömungsabrisse am Jet, was zum sofortigen Stillstand führte, wurde dieses Modell entsorgt und vor dem Bau einer neuen Version zunächst ausführlich recherchiert.

In erster Linie war für mich interessant, wie das Rumpfprofil im Bereich des Ansaugtunnels auszuführen ist.

Um diese Rumpfform hinzubekommen erschien es mir am einfachsten, eine Negativform anzufertigen, in der ich das gewünschte Rumpfprofil ausarbeitete. Dafür habe ich Gipsbinden, die normalerweise einen Armbruch stabilisieren, auf den Rumpf gelegt.

Nach dem Abbinden des Gipses wurden Rumpf und Gipsschale getrennt und ich konnte beginnen, die Form zu bearbeiten.


Die Gleitflächen und die Stufe waren relativ schnell ausgearbeitet. Anschließend kam der Rumpf wieder in die Form und wurde mit einem Heißluftfön stark erwärmt, damit sich der Kunststoff der Form anpassen konnte. So stellte ich mir das jedenfalls vor.
Doch nach Murphy, bei dem ja alles, was schief gehen kann auch schief geht, tat mir der Rumpf nicht den Gefallen, sich in die Form zu legen, sondern wurde statt dessen immer flacher.
Logische Erklärung:
Der Rumpf ist aus einer ebenen ABS-Platte tiefgezogen worden und wenn das Teil erneut erhitzt wird, nimmt das Material wieder seine ursprüngliche Form an (Anm. d. Red.: Das ist einer der Unterschiede zwischen Thermoplasten und Duroplasten).

Letztendlich Erfolg brachte schließlich eine mit Sand gefüllte Plastiktüte, die das weiche Material in die Form drückte.

 

 

Das erste Erfolgserlebnis stellte sich dann bei der Testfahrt ein. Das Fahrverhalten hatte sich wesentlich gebessert. Der „Sea Jet“ neigte zwar immer noch dazu, mit der Nase zu wippen. Aber nur noch bei Gegenwind, bei starkem Seegang und in schnell gefahrenen Kurven kam es zum Strömungsabriss.

Nachdem die Fahreigenschaften bei Glattwasser schon ganz passabel waren, bei Rauhwasser aber noch zu wünschen übrig ließen, habe ich versuchsweise mehr Ballast zugeladen. Den meisten in die Nase. Schon wieder war eine Verbesserung sichtbar.

Man konnte bei der Vorbeifahrt deutlich erkennen, wie sich die Nase, trotz Ballast, bei einer kleinen Welle immer noch erhob. Der Wind tat ein Übriges und der „Sea Jet“ schaukelte sich dann so weit auf, bis der Jet Luft zog und die Strömung abriss.

Die Form des „Sea Jet“-Rumpfes begünstig m.E. das Einfangen des Windes und es bildet sich ein Luftpolster unter dem Rumpf. Die meisten Rauhwasser-Boote, egal ob Modell oder Vorbild, haben einen V-förmigen Rumpf. Daher habe ich mir einen solchen V-Rumpf besorgt. Ein örtlicher Händler hatte noch einen Graupner „Hydro-Speed“ in der Kramkiste. Diesen habe ich an den „Sea Jet“-Rumpf angepasst.
Das Ganze sieht nun so aus.

Um auch noch das Hüpfen in den Kurven und bei Gegenwind in den Griff zu bekommen, wurden Trimmklappen montiert.

Dieser Umbau brachte den gewünschten Erfolg. Aber erst nachdem ich die Akkupacks vor den Motor gelegt hatte, war ich vollauf zufrieden.
Das Gerät liegt nun wie das sprichwörtliche Brett auf dem Wasser und mit 16 Zellen kann man jetzt richtige Stunts hinlegen.

Damit sich das Modell von der Masse abhebt, habe ich die Heckpartie und das Cockpit umgestaltet und mit einem Lenker versehen, sowie zwei Rückspiegel montiert. Und das Schönste ist, dass er jetzt auch so rasant fährt, wie er aussieht.

 

Stand: 14.11.2002