Last Down XXL
Elektroversion von Staufenbiel

Toni Bäuerle

Last Down XXL - dieses Mal elektrisch

 

Nachdem ich doch sehr positiv von der Seglerversion des >Last Down XXL< überrascht war, orderte ich kurzer Hand noch einen Elektrorumpf des >Last Down XXL E<. Die Flügel bzw. das Höhenleitwerk der Seglerversion wollte ich weiter benutzen. Den von mir gewünschten Lieferumfang in Form von Rumpf mit schon abgetrennter Rumpfspitze, ein Seitenruder, eine Kabinenhaube und die Innereien wie Akkurutsche, Servohalterung, Motorspant, Flächenverbindungsteile sowie Kleinteilebeutel wurden seitens der Firma Staufenbiel prompt geliefert.

Als Motor wählte ich einen TORCMAN 350-20/14, also einen Brushless Aussenläufer mit 35 mm Statordurchmesser, 20 mm Statorlänge und 14 Windungen pro bewickelten Zahn. Diesen Motor wählte ich nach mehreren Gesprächen mit Klaus Kraft, der die TORCMAN-Motoren vertreibt. Bei dieser Firma wird nach meiner Erfahrung Support und Kundenorientierung ganz gross geschrieben. Meine Anforderungen an den Motor waren ein Akku mit 10 Zellen und ein Standstrom von ca. 35-40 Ampère. Nach meinen Berechnungen erwies sich der oben genannte Typ als die optimale Variante. Der Motor lag dann auch innerhalb einer Woche fertig konfektioniert auf meinem Basteltisch und machte wirklich einen perfekten Eindruck. CNC-Technik vom Feinsten, erstklassige Verarbeitung und der ganz grosse Vorteil ist die Gewährleistung bei den Fertigmotoren. Wichtig für meine Entscheidung waren folgende Kriterien:

  • Fliegen, auch am Hang, wo die Landeflächen nicht immer als optimal zu bezeichnen sind.
  • Die Motorwelle hat am hinteren Lagerschild eine verlängerte Führung, wodurch sie bei einer Bodenberührung nicht so schnell verbogen wird.
  • Die gute Verarbeitungsqualität, die mich auch schon auf der Messe Sinsheim 2002 überzeugen konnte.
  • Support sowie Gewährleistung bei den Fertigmotoren.
  • Das reichhaltige Sortiment von Reglern, Spinnern und Luftschraubenmitnehmern usw.

Zuerst wurde der Motorspant eingeklebt. Dazu sind zwei Stanzteile aus Sperrholz zusammenzukleben, die dem Bausatz beiliegen. Die Befestigungslöcher und das Mittelloch wurden angebracht und der Motor erst mal probehalber festgeschraubt und in den Rumpf geschoben. Bei der schon abgeschnittenen Rumpfspitze sind bereits Sturz und Seitenzug berücksichtigt. Da jedoch mein vorgesehener Motor mehr Drehmoment entwickeln würde als der vorgeschlagene Speed 700 mit Getriebe, wurde gleich mehr Sturz und Seitenzug eingeplant. Nachdem die Position des Spantes klar war, wurde der Rumpf kräftig angerauht und der Motorspant mittels eingedicktem Langzeitharz eingeklebt.

Das Höhenruderservo wird, wie in der reinen Seglerversion, in der Seitenflosse untergebracht. Gleiche Prozedur wie beim Segler. Also einschrumpfen, aufrauhen und verkleben. Dazu ist es nötig, das Höhenleitwerk mittels zweier Nylonschrauben an den Rumpf zu schrauben. Hier ist zu bemerken, dass die zwei Gewinde zur Befestigung des Höhenruders schon in den GFK-Rumpf geschnitten worden sind. Bei der Rumpfherstellung wurde an dieser Stelle nicht mit Harz gespart, sodass genügend Gewindegänge vorhanden sind. Saubere Lösung ...

Ein auf der Servoseite Z-förmig abgewinkelter 2 mm dicker Draht wird am schon vorgeschnittenen Gewinde des anderen Endes mit einem Gabelkopf bestückt. Diesen hängt man am Ruderhebel ein und die Position des Servos ergibt sich von selbst. Die Abstützung des Gestänges, bestehend aus Balsaformklotz und einem Bowdenzugröhrchen, wie in der Seglerversion eingebaut, habe ich aus folgendem Grund weggelassen: Beim Ausschlag des Höhenruders bzw. beim Drehen des Servohebels verändert sich der Winkel zum Ruderhorn, was zur Folge hat, dass sich bei einer Abstützung mittels dieses Balsaformklotzes das angeklebte Servo mitbewegt. Also die Anlenkung besser ohne zusätzliche Abstützung ausführen.

Nach Trocknung der Motorspantverklebung wurde der Motor festgeschraubt.

Jetzt ging es um die Positionierung des Servobrettes und der Akkurutsche. Dazu baute ich den kompletten Vogel provisorisch mit allen Teilen zusammen und positionierte alle benötigten Teile so, dass ich davon ausgehen konnte, nur noch geringe Bleizugaben zu benötigen, um den korrekten Schwerpunkt zu erreichen. Dazu war es allerdings erforderlich, das Servobrett und die Akkurutsche so weit wie möglich vorne zu positionieren. Grund war der nur 223 Gramm schwere Motor. Bei Einbau eines schwereren Motors können sicher die in der Bauanleitung angegebenen Maße verwendet werden.

Die Servobrettkonstruktion ist in ihrer Form entsprechend anzupassen, sodass sie weiter vorne ihren Platz finden kann. Die Akkurutsche verklebte ich, wie in der Bauanleitung beschrieben, nicht mit dem Servobrett, sondern wählte eine lösbare Verbindung. Dabei wird die Akkurutsche mit einer Nylonschraube am Servobrett festgehalten. Das hat den Vorteil, dass man bei Änderungsarbeiten bzw. bei eventuell anfallenden Reparaturen mehr Freiraum hat. Ein weiterer Vorteil ist, dass der unter der Akkurutsche liegende Empfänger ausreichend Platz findet und dank der lösbaren Akkurutsche jederzeit zugänglich ist. Das Servobrett wurde deshalb um eine Zackenmutter ergänzt. Für die Seitenruderanlenkung konnte ich diesmal nicht auf die Seilzugmethode zurückgreifen und verwendete deshalb den eingeharzten Bowdenzug.

Das Einpassen der Messingröhrchen für die Flächenarretierung könnt ihr im Bericht der Seglerversion auf unserer Vereinshompage der Modellbaugruppe Radolfzell e.V. Seite 3 nachlesen. Da gibt es nichts mehr hinzuzufügen.

Weiter geht's:

Damit der Motor genug Kühlluft bekommen kann, wurden in den Motorspant drei Langlöcher gefräst. Im Rumpf wurden auf der linken und rechten Seite auf Höhe des Motors ebenfalls Kühlluftöffnungen angebracht.

Jetzt wurden die ersten Gehversuche mit dem Motor gemacht. Dazu bestückte ich die Welle mit einem Propellermitnehmer und einem dazu passenden Spinner, ebenfalls aus dem Hause TORCMAN. Eine Klappluftschraube vom Typ Graupner CAMProp mit den Maßen 14"x9,5" sollte den von mir geforderten Wert von 35 Ampère Standstrom aus dem Motor zaubern. Mittels Zangenampèremeter wollte ich dann auch gleich das erwünschte Ergebnis überprüfen. Doch fehlgeschlagen. Der von mir verwendete Jeti-Regler 70-3p mit dem weißen Aufkleber, also noch mit uralter Firmware, wollte dem Motor nicht zu der erhofften Drehzahl verhelfen. Der Antrieb kam im oberen Drittel der Gasstellung aus dem Tritt. Eine kleinere Luftschraube, Aeronaut 13"x7", ergab keine Probleme, wobei man allerdings nur ganz langsam Gas geben durfte.

Ein Jeti-Gold meines Vaters zeigte dieses Verhalten nicht. Dort war alles ok. Nach einem weiteren Telefonat mit Klaus Kraft von TORCMAN wurde mir der Umstand genauso erklärt und ich entschloss mich, den neuen Regler Master 70-3p zu bestellen, den ich dann 2 Tage später in meinen Händen hielt. Wer die Eigenschaften der neuen Reglergeneration nachlesen möchte, kann dies tun unter folgender URL. Nachdem der Regler auf die Timing-Stufe 4 eingestellt worden war, gab es überhaupt keine Probleme mehr bzgl. Anlaufverhalten, Regelung bis Vollgas und Bremse. Ich konnte jetzt schlagartig Gas geben ohne die geringste Zuckung. Das Zangenampèremeter zeigte endlich auch beim CAMProp die erwünschten 35 Ampère. Der Motor macht richtig Wind und ich bin mit meiner gewählten Variante sicher auf der richtigen Seite. Und das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange bei diesem Motor...

Flugbericht:

Jetzt war es soweit, der Erstflug stand ins Haus. Aber nachdem ich schon gute Erfahrungen mit der Seglerversion gemacht hatte, sollte ich dieses Mal nicht nervös werden. Also den RC 2400 Akku geladen, alles eingeschaltet und erst mal einen Reichweitentest durchgeführt. Alles ok. Noch mal einen Rudercheck und dann konnte mein Vater den >Last Down< seinem Element übergeben. Was dann kam, war für mich überraschend, denn der Steigflug war mehr als ordentlich. Mit gut 40° Steigwinkel zog es den Vogel nach oben und nach ca. 20 Sekunden waren etwa 200 Höhenmeter erreicht. Was ich jetzt bereits festgestellen konnte, war der zu geringe Motorsturz für diese Antriebsauslegung. Das musste ich noch ändern.

Auch die von mir vorgenommene EWD-Verkleinerung hat sich als richtig erwiesen. Bei der Seglerversion hatte ich schon festgestellt, dass jede kleinste Fahrtzunahme sofort ein Steigen verursachte und das Modell wollte deshalb nicht so richtig marschieren. Absolut neutral liegt der E-Segler in der Luft. Enges Kreisen ist möglich und eine Abreißtendenz ist bei dieser Auslegung nicht zu erkennen.

Anschließende Rolle und Looping bestätigten die Kunstflugtauglichkeit, wobei der >Last Down XXL< in seiner Grundauslegung kein Hotliner oder F3B-ler ist, sondern eher eine thermikgierige Maschine. Es folgten dann noch schnelle Vorbeiflüge, wobei zu sagen ist, dass der >Last Down< fast geräuschlos seine Bahnen zieht, ein Verdienst der aerodynamischen Güte.

Mit dem von mir eingesetzten Flugakku RC 2400 sind 5-6 Steigflüge möglich und bei verhaltenem Flugstil sind ohne thermische Einflüsse locker 30 Minuten Flugzeit zu erreichen. Was will man mehr ...?

Auf der Messe in Friedrichshafen habe ich mir den neuen Akku von Sanyo mit 3300 mAh in NiMh-Technologie zugelegt, ebenfalls mit 10 Zellen. Dieser Akku soll 45 Ampère Dauerstrom und kurzzeitig 55 Ampère vertragen können. Die Tests mit dem neuen Akku stehen noch aus. Schaun' 'mer mal...

Fazit:

Ein tolles Gerät, das sicherlich seine Freunde finden wird!!
Infos bzgl. Flächenbau und weiterer Details könnt Ihr auf unserer Vereinshomepage der
Modellbaugruppe Radolfzell e.V. in der Galerie 6 nachlesen.

Technische Daten: