"Faszination Modellbau" Sinsheim 2003 - aus der Sicht eines Schiffsmodellbauers.

13. bis 16. März 2003

Andreas Schneider

An einem schönen Samstagmorgen, es war der 15.03.03, machten sich vier Schiffsmodellbauer in aller Herrgottsfrühe zur „Faszination Modellbau“ nach Sinsheim auf.
Nach einer ereignislosen Fahrt, mal abgesehen von einem Gruppenfoto am Darmstädter Kreuz, kamen unsere vier Schiffsmodellbauer pünktlich zum Einlass vor den Messehallen an.
Der erste Eindruck war dann ein ohrenbetäubender Lärm von den RC-Car-Rennen. Nachdem diese Halle eiligst durchquert war, standen sie in der Halle mit dem Wasserbecken, hier waren sie richtig.

Es gab einiges zu sehen, so zum Beispiel das umfangreiche Beschlagteileprogramm sowie einige Rümpfe von Elde-Modellbau, nur war es leider der einzige Hersteller von Arbeitsschiffsmodellen, der sich nach Sinsheim aufgemacht hatte.

Elde Modellbau bietet neben einigen Modellen auch hervorragende Beschlagteile aus Messingguss an, die zwar auf die angebotenen Modelle abgestimmt sind, aber auch für andere Zwecke benutzt werden können. Zum Beispiel Davits, Ankerketten mit Steg, Verschlüsse von Treibstoff- und Frischwasser-Bunkerstutzen, Werkzeuge, sowie Schleppgeschirre um nur einige zu nennen.

Mit hervorragenden Beschlagteilen konnte man sich auch bei der Firma MKP eindecken die mit dem französischen Hersteller Cap Maquettes zusammenarbeitet.

Hier eine grobe Übersicht der Teile:

             

Fender, Schiffslaternen, Fässer Rettungsinseln, Zubehör für Segelyachten, Figuren

 

Rettungsringe, Rettungsinseln, selbst die Rettungsleuchten fehlen nicht, Bootshaken, eine komplette Taucherausrüstung, Poller, Anker, Schleuderscheiben, Solarpanels (leider ohne Funktion),

Gasbuddeln, Kompanten, Lüfter, Instrumente, Radar- , Echolot- und GPS-Monitore sowie Seekarten und Kalender in verschiedenen Größen runden das Programm ab. Wer nicht das Interesse oder die Fähigkeiten besitzt, diese Beschlagteile selbst herzustellen, ist bei MKP in besten Händen.



Des weiteren sind bei MKP Produkte von Deans Marine und Krick erhältlich.

Für den Powerboater gab es mit zwei Anbietern schon eine größere Auswahl, hier waren die Firmen Gundert  und Hydro & Marine vertreten.

Bei beiden Firmen kann man sich sowohl mit Rümpfen als auch mit Zubehör versorgen, wie zum Beispiel Propeller in allen Größen und Formen, behandelte Akkus und Motoren.

Bei Gundert bekommt man darüber hinaus noch Jetantriebe und Wellenkupplungen, was die Firma Gundert für den "normalen" Schiffsmodellbauer interessanter macht.

Die großen, Robbe, Graupner und Krick präsentierten sich in der neuen Halle sechs, wobei Graupner die wohl interessantesten Neuheiten zu bieten hatte.

Die Neuauflage des Löschkreuzers "Weser"

Die "Weser", älteren Schiffsmodellbauern noch ein Begriff, wurde von Graupner nach einigen Jahren wieder aus dem Archiv geholt und als Classic Line auf den Markt gebracht.

Bleibt die Frage, warum das Modell überhaupt eingestellt wurde, ist es doch ein Modellbaukasten, der den Namen noch zu Recht tragen darf, weil er nicht nur ein "Akku-rein-und-losfahren" Bausatz ist.

Von Graupner gab es dieses Jahr aber noch "echte" Neuheiten zu sehen, so zum Beispiel eine Dampfbarkasse, die "Otto Lauffer".

Im Jahre 1928 wurde diese Dampfbarkasse unter der Baunummer 651 auf der Stülckenwerft in Hamburg erbaut und für die Hafenpolizei Hamburg in Dienst gestellt.
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Als "Wasserschutzpolizei VI" wurde sie 1968 außer Dienst gestellt und ging in den Besitz des Museums für Hamburgische Geschichte über. Sie erhielt den Namen Otto Lauffer, nach dem ersten Direktor des Museums.

Die „Otto Lauffer“ ist Modell, welches sowohl mit einem Elektromotor als auch mit einer Dampfmaschine angetrieben werden kann. Die für das Modell passende Dampfmaschine ist ebenfalls bei Graupner erhältlich.

Eine weitere Neuheit von Graupner war die "Jules Verne", ein wunderschöne alte Yacht,

mit einer super Detailierung. Hier kann man wirklich sagen, dass Graupner in diesem Jahr mal an die Schiffsmodellbauer gedacht hat.

Des weiteren hat Graupner einige "Ready-to-run" Modelle für den Schnelleinstieg in das Schiffsmodellbauhobby auf den Markt gebracht.

Da wir nun schon bei Ready-to-run sind, bei Krick gibt's ein paar neue Modelle von Cen Racing die es im letzten Jahr schon bei Simprop als Neuheiten gab.

Eine wirkliche Neuheit ist wohl ein Titanicmodell, welches in fünf Abschnitten gebaut werden kann und deshalb auch aus fünf(!) Baukästen besteht, die entsprechend der Baureihenfolge gepackt sind.

Last but not least, ein Schlepper englischer Herkunft, aus dem zweiten Weltkrieg. Dementsprechend ist das Modell auch bewaffnet. Mal ein Marinemodell nicht in einheitlichem Grau.

 

 


Außer den Firmen, die ihre Neuheiten präsentierten, haben auch einige Vereine , ja selbst ein Verein aus den Niederlanden, und Interessengemeinschaften ihre Modelle der breiten Öffentlichkeit präsentiert,

 

es gab super lackierte Powerboote zu sehen,

          

aber auch Baukastenmodelle mit kleinen Modifikationen wie diese Pollux.

Leider bietet auch die „Faszination Modellbau“ im Bereich Schiffsmodellbau immer weniger ausstellende Händler. Mit Hydro & Marine und Gundert konnte der Powerboatbereich abgedeckt werden, aber auch hier gibt es mehr bekannte und auch weniger bekannte Anbieter, für den Freund von Arbeitsschiffen hatte eben nur Elde Modellbau seine Produkte der Öffentlichkeit vorgestellt. Elde ist aber ein eher exklusiver Anbieter mit einem entsprechenden Preis für seine sehr hochwertigen Produkte. Der Papa, der mit seinem Sohnemann ein günstiges Modell für den Einstieg suchte, hatte eher schlechte Karten. Entweder eine Rennsemmel oder ein Ready-to-Run Modell, womit nun auch die Großen der Branche verstärkt auf den Markt gehen. Einsteigermodelle, die noch gebaut werden müssen, waren echte Mangelware.

Nach wie vor ein Magnet in Sinsheim ist das riesige Wasserbecken, in dem die Schiffsmodelle vorgeführt wurden sowie auch einige Aktivitäten der Fachzeitschrift Modellwerft.

Alles in allem lohnt sich für den Schiffsmodellbauer m. M. nach eine Anfahrt von über 200 km nicht mehr. Zumal die großen Messen ja schon fast flächendeckend in Deutschland veranstaltet werden, Hamburg, Dortmund, Leipzig, Sinsheim, Stuttgart, Friedrichshafen..

Und da unsere vier Freunde leider recht schnell durch die Messehallen gestreift sind, blieb ihnen noch genug Zeit, sich im benachbarten Technikmuseum umzusehen Aber das ist eine andere Geschichte..

 

Stand: 23.03.2003