EDF - El Bandito und F 16

Claus Eckert

Ein schöner Tag und zwei unterschiedliche Modelle...

Es gibt Tage auf dem Modellflugplatz, an die man sich immer wieder gerne erinnert. Der letzte Samstag im März 2003 ist ein solcher Tag. Ralf Dvorak, Helmut Wenzl und ich hatten uns auf dem Elektro-Modellflugplatz des Traunreuter Modellfliegerclubs verabredet. Ralf wollte seinen El Bandito mit Einziehfahrwerk von der Graspiste starten und Helmut seine F 16 von JePe einfliegen. Zwei EDFs, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Das reizte mich, über dieses Zusammentreffen einen kurzen Bericht zu schreiben.

Pünktlich, wie bestellt, entlud sich zum vereinbarten Zeitpunkt der Himmel mit einem Regenschauer. Kurze Zeit später lachte aber schon wieder die Sonne und die inzwischen vollgeladenen Akkus für den El Bandito, ohne Fahrwerk, meldete das Ladegerät mit einem deutlichen Piepsen. Ralf spannte den Mega-Rubber von EMC-Vega, hängte die Ringöse an der Auslösevorrichtung ein und legte den „kleinen Bandit“ auf das Katapult.

Auffällig ist die Konzentrationsphase der EDF-Piloten vor dem Katapultstart, ähnlich wie bei Sportlern im Wettkampf. Nicht nur die materielle Investition, auch der ideelle Wert, der in den EDF-Jets steckt, kann bei einem Startfehler in Sekundenbruchteilen vernichtet werden.

Ralf schiebt den Gasknüppel nach vorn, tritt auf den Auslöser und der Gummi beschleunigt den El Bandito auf raketengleiche Geschwindigkeit. Bis zu 10 g zerren in diesen Zehntelsekunden an den Bauteilen des Modells. In steilem Bogen steigt der Jet nach oben und der Impeller dreht, was der Motor hergibt.

Ein weicher Abschwung und schon geht es mit dem Wind über den Platz. Da bleibt so mancher Mund offen. Wie das sprichwörtliche Brett liegt der Flieger in der Luft. Und das trotz stärkerem Wind weiter oben, wie die anderen anwesenden Piloten bestätigten. Ein neuer Abschwung und dann, gegen den Wind über den Platz, hochziehen zu einem wirklich riesigen Looping. Wer das beobachten konnte, merkte sofort die Kraft, die der Schübeler Impeller DS 51 3ph Carbon, angetrieben von einem HP 220/30/A4SP4 Motor, erzeugt.

Ohne übertreiben zu wollen, der Durchmesser betrug weit über 150 m. Da am selben Tag noch ein Segler mit Vario und Höhenansage in der Luft war, konnte man sich durchaus ein Bild über die Höhe des oberen Scheitelpunktes machen, der Nahe an der Sichtgrenze war.

Vierzeiten Rollen wie an der Schnur gezogen, Rückenflug und Messerflug gehören zum Standardprogramm. Trotzdem ist der ewig lange Messerflug ohne Höhenverlust, wie auf einer Linie geflogen, erwähnenswert. Insgesamt eine phantastische Performance, die nur durch den Umstand geschmälert wird, dass sie nicht vernünftig zu fotografieren ist. Entweder ist das Modell zu schnell oder zu weit weg. Also, Langsamflugeigenschaften testen. Klappen raus und langsam über den Platz. So klappt´s auch mit dem Bild.

Gas geben, Klappen einfahren und weiter im Programm. Es scheint geradezu, als ob die Leistung der 22 Zellen (NiMH 3000 HV) überhaupt nicht nachlässt. Bis zum Schluss fliegt der El Bandito so kraftvoll, als wäre er gerade eben erst gestartet. Verwunderung macht sich unter den Anwesenden breit.

Was bleibt, ist nach 370 Sekunden eine butterweiche Landung. Das sind bekanntlich etwas über sechs Minuten. Da kam doch glatt die Diskussion auf, ob denn das nicht eine Alternative zur Turbinenfliegerei sei. Immerhin hat Ralf im letzten Jahr Platz vier auf der DM Jetmodelle in der Klasse Sport-Jets mit dem El. Bandito erreicht.

Dieser Erfolg brachte es mit sich, dass Ralf eine Kleinserie dieses Sport-Jets aufgelegt hat. Die meisten seiner El. Banditos fliegen in den USA. Demnächst soll dort einer mit Turbine ausgerüstet werden. Stellt sich nur die Frage: warum kompliziert, wenn´s einfach, sprich elektrisch, auch geht?

Einschalten, losrollen und starten war das nächste Ziel, das Ralf verfolgte. Ein richtiger Jet startet im Normalfall ja auch vom Boden.

Ein Einziehfahrwerk musste her. Nach viel probieren, fand er schließlich ein pneumatisches Einziehfahrwerk, das mit einem Gewicht von unter 200 g seinen Ansprüchen genügte. In Eigenregie optimierte 18 g leichte Räder und ein verbessertes, gefedertes Bugfahrwerk aus einer Alu-Titan-Kombination, ließen den „kleinen Banditen“ auf eigenen „Füßen“ stehen. Diese haben 3370 g zu tragen, doch damit werden sie spielend fertig. Für die Steuerung der verschiedenen Funktionen sind jetzt insgesamt 10 Servos im Einsatz.

Jeder wird schließlich mal erwachsen und so durfte er zeigen, was in ihm steckt. Die ersten Starts auf Asphalt verliefen zur Zufriedenheit, allerdings sind die Pisten der meisten Modellflugplätze nur eine Grasbahn. Der erste Start aus dem Gras erfolgte dann vor einer Woche, als Ralf sich mit Christian Hofmann traf, der seine Heinkel auch mal wieder in die Luft bringen wollte.

An diesem Samstag klappte es in Traunreut dann wieder ohne Probleme. Wer die beiden verschiedenen Versionen im Vergleich nacheinander fliegen sieht, merkt das etwas höhere Gewicht des EzFw-Modells. Allerdings ist immer noch Leistung im Überfluss vorhanden. Und der Vorteil des Fahrwerks ist unbestritten. Wer die Wahl hat – hat hier keine Qual.



Technische Daten zum El Bandito findet man unter http://www.rd-jets.de/


F 16 von JePe

Wesentlich kleiner, fast schon zierlich, liegt die F-16 von Helmut Wenzl im Gras. Entstanden aus einem Bausatz von http://www.jepe.org/ und angetrieben von einem Impeller und Motor des gleichen Herstellers, hat sie eine Länge von 105 cm bei einer Spannweite von 78 cm. Das Gewicht beträgt lediglich 1711 g inkl. PCM-Empfänger. Als Energielieferanten stehen 18 CP 1600 bereit.

Der charakteristische Einlauf der F 16 ist genau so nachgebildet wie der Auslass am Heck.

Im Gegensatz zum Original ist hier der Durchblick möglich. Lediglich der vierblättrige Rotor und der sechsblättrige Stator versperren etwas die Sicht.

Eine detaillierte Oberfläche und ein ansprechendes Cockpit ermöglichen einen vorbildähnlichen Bau.

An diesem Samstag sollte der Moment der Wahrheit kommen. Helmut trotzte seiner Grippe und wollte die F 16 dahin befördern, wo sie hingehört - in die Luft.

Eine kleine Unaufmerksamkeit, passiert beim Anstecken der Servos am Empfänger, machte eine etwas aufwändigere Operation nötig. Gemeinsam gelang es Ralf und Helmut das Malheur zu beseitigen und dann gab es keine Ausrede mehr.

Ohne große Umschweife legte Helmut die F 16 auf das Katapult, die übliche Konzentrationsphase, ein Tritt auf den Auslöser und:

Sie fliegt, und zwar so, als ob sie noch nie etwas anderes getan hätte. Die erreichte Geschwindigkeit traut man dem leichten Modell überhaupt nicht zu. Die Steuerung erfolgt nur über Tailerons, trotzdem, oder gerade deswegen, ist die F 16 sehr wendig. Bei einem weichen, Jet typischen Flugstil ist die Landung nach ungefähr vier Minuten einzuleiten. Die vorher getesteten Langsamflugeigenschaften bleiben im Bodeneffekt voll erhalten. Eine „bei Fuß“ Landung lässt die Anwesenden spontan applaudieren.

Natürlich gerate ich jetzt in den Verdacht, hier Werbung zu machen und das auch noch, ohne die Modelle selber geflogen zu haben. Das ist vollkommen richtig. Wie viele Modelle werden aber gekauft, ohne dass man sie vorher fliegen sah, geschweige denn selber geflogen hat, nur weil die Werbung so ansprechend war? Das wird wohl die Mehrzahl sein. Trotzdem ist es durchaus legitim, wenn man ganz subjektiv, einfach aus der Beobachtung anderer, ein Fazit zieht und dieses kommuniziert.

Sollte aber jemand Zweifel an den gemachten Aussagen haben, der sei herzlich eingeladen, sich eines Besseren belehren zu lassen. Ralf und Helmut werden natürlich beim E-Meeting in Traunreut ihre EDF-Jets vorführen.

Stand: 02.04.2003