Marktübersicht Ladegeräte

Ulrich Horn

Auswahl geeigneter Ladegeräte

Manchmal wundert man sich ein wenig über die enormen Preisunterschiede zwischen Ladegeräten – man kann unter 20 oder auch weit über 500 Euro dafür ausgeben. Und dabei haben sie doch alle mehr oder weniger dieselbe Funktion: sie laden Akkus.
"Tja," sagt jetzt der stolze Besitzer eines Profiladers mit Overkill-Funktion, "kommt halt darauf an, wie oft, wie lange und wie schnell!" und damit hat er sicherlich recht. Wer seine Akkus schnell und dabei gleichzeitig schonend laden will, muss schon etwas mehr anlegen. Die Überlegung ist nicht von der Hand zu weisen, gerade bei den derzeitigen Preisen für Akkus: ein gutes Ladegerät ist eine bleibende Investition, verglichen mit dem Kauf von Ersatz für frühzeitig verschlissene Akkus.

Kein Ladegerät ist gleichzeitig billig, leistungsfähig und auch noch Akku-schonend. Braucht man ein neues Gerät, muss man seine Ansprüche irgendwo zwischen diesen Anforderungen einordnen. Dabei ist es nicht unwahrscheinlich, dass zwei Ladegeräte zusammen die Ansprüche besser erfüllen als ein Einzelnes, und dabei zusammen auch noch billiger sind. Immerhin gibt es schon für unter hundert Euro Lader, die für die meisten Anwendungen alle wesentlichen Funktionen erfüllen, wenn auch vielleicht nicht so komfortabel wie die 'Luxusklasse'.


Merkmale von Ladegeräten

Jeder Akkulader verfügt über eine Reihe von Eigenschaften, die letztlich auch seinen Preis ausmachen. Ich werde sie im folgenden in ungefähr der Reihenfolge aufzählen, in der sie auch den Preis eines Geräts beeinflussen. Das bedeutet nicht unbedingt, dass sie auch bei einer Kaufentscheidung in dieser Reihenfolge wichtig sind – deswegen folgen jeweils ein paar Kommentare dazu. Vorher aber noch ein Hinweis: Ich beziehe mich immer auf NiCd/NiMH Zellen, es sei denn, ich weise ausdrücklich auf etwas anderes hin.

Zellenzahl

Der Preis eines Laders steigt proportional zur Zahl der Zellen der Akkus, die damit geladen werden können. Es gibt eine wichtige Schwelle bei 12V-Ladern, die bei 7 Zellen liegt. Oberhalb dieser Zahl benötigen diese Ladegeräte einen Wandler, um höhere Spannungen erzeugen zu können, als die Autobatterie sie liefert.
Für Einsteiger in den Modellbau ist die Überlegung, wie viele Zellen man verwenden möchte, sicher die wichtigste. Die 12V-Schwelle erklärt, warum es sehr viele preiswerte Ladegeräte für bis zu 7 Zellen gibt. Für den Car-Bereich ist das auch völlig ausreichend; Elektroflieger kommen jedoch mit 7 Zellen über einen gemütlichen Flugstil kaum hinaus. Andererseits sind 12 oder 16 Zellen für Einsteiger in den Elektroflug mehr als ausreichend, viele brauchen in ihrer ganzen Modellbauerkarriere nicht mehr als das.
Auch nicht ganz unwichtig ist die geringste Zellenzahl, die geladen werden kann. Die Eigenschaft, Einzelzellen zu laden und zu entladen ist unentbehrlich bei der Konfektionierung eigener Akkupacks. Und, nicht zu vergessen, sollte für Flieger ein Lader auch Empfängerakkus mit 4 Zellen laden können, eine Eigenschaft, die manchen spezialisierten Ladern abgeht.
Mit Senderakkus wird hingegen fast jedes für den Modellbau geeignete Ladegerät fertig (Ja, ich weiß, die haben 8 Zellen und auch die 12V Lader ohne Wandler können das.. aber eben nur mit geringem Strom).

Ladestrom

Auch hohe Ladeströme wirken sich auf den Preis eines Laders aus, allerdings nicht ganz so, wie man vielleicht denkt. Ein wenig Hintergrund gefällig? Der Lader muss die Differenz zwischen der Akkuspannung und seiner Quellenspannung vernichten. Sprich: sie wird in Wärme umgesetzt. Bei hohen Strömen kann das sehr viel Wärme sein. Ist die Akkuspannung jedoch nur wenig geringer als die Quellenspannung, lassen sich mit geringem Aufwand hohe Ladeströme realisieren. Darum also gibt es preiswerte 6-7 Zellen-Lader für 12V, die enorme Ladeströme abgeben!
Mit denen kann man aber keinen Vierzeller laden, oder wenn, dann nur mit erheblich reduziertem Strom. Je weiter die mögliche Zellenzahl variiert, desto größer das Problem. Manche Hersteller treiben einen enormen technischen Aufwand mit step-up- und step-down-Wandlern, um über einen großen Spannungsbereich konstante Ströme liefern zu können, was sich natürlich auch im Preis niederschlägt. Andere geben einfach nur den "maximalen" Ladestrom an und überlassen es dem Anwender, zu testen, was das für seinen speziellen Akku bedeutet.
Um auch Hochkapazitäts- Sub-C-Zellen laden zu können, ist es eine feine Sache, wenn ein Lader 5-6 Ampere liefert. Ob darüber hinaus (preistreibende) 8 oder 10 Ampere notwendig oder auch nur im Sinne der Akkus sind, mag jeder für sich entscheiden.

Endabschaltung

Wer Wert darauf legt, lange Zeit Freude an seinen schnellgeladenen Akkus zu haben, kommt nicht daran vorbei, sich die Ladeendabschaltung des Ladegeräts näher anzusehen. Sie wird umso wichtiger, je höher der Ladestrom ist.
Daraus folgt zunächst, dass einfache, preiswerte Konstantstromlader mit Ladeströmen von 300mA oder weniger, gar keine Ladeendabschaltung benötigen. Aktuelle NC-Akkus vertragen die Überladung mit C/5 über mehrere Stunden, ohne Schaden zu nehmen (bei NiMH eher C/10 und weniger).
Bei Schnellladung sieht das aber ganz anders aus. Der Akku kann hohe Ladeleistungen nicht absorbieren; schaltet das Gerät nicht rechtzeitig ab, überhitzt er und 'gast ab', mit der Folge dauerhafter Schädigung.
Die Ladeendeerkennung spielt also nur bei Schnellladern eine Rolle. Hier ist sie aber eminent wichtig, denn ein Schnelllader mit schlechter Ladeendeerkennung kann reihenweise Akkus ruinieren. Auf die einzelnen, teils aufwändigen Verfahren, gehe ich folgenden noch näher ein. An dieser Stelle ist nur wichtig zu wissen, dass sie bei hohen Ladeströmen weit wichtiger ist als der Ladestrom selbst, insbesondere, wenn man NiMH-Akkus lädt.

Ausgänge

Es ist natürlich praktisch, wenn ein Ladegerät über mehrere Ausgänge verfügt. Man könnte ja denken, dass ein Lader mit vier Ausgängen vier Lader mit je einem Ausgang ersetzt.. sozusagen mehrere Ladegeräte zum Preis von einem.
Leider ist das nur selten der Fall. Beginnen wir mit den "Ausgängen" zur Ladung von Sender- und Empfängerakkus. Man findet sie sehr oft bei Geräten, deren Hauptausgang weder Sender- noch Empfängerakkus laden kann. Solche Hilfsausgänge sind zweifellos nützlich, aber im Gegensatz zu 'richtigen' Ausgängen handelt es sich nur um auf kleinen Strom begrenzte Abgriffe der Quellspannung.
"Richtige" weitere Ladeausgänge sind etwas anderes. Man sollte jedoch nicht unbedingt davon ausgehen, dass die Ladeausgänge tatsächlich gleichwertig sind und gleichzeitig betrieben werden können; das ist nur selten der Fall. Leider neigen Hersteller nicht eben dazu, solche Abweichungen zu betonen.
Oft weicht die Zellenzahl oder der Ladestrom zusätzlicher Ausgänge vom ersten Ausgang ab. Auch macht es einen großen Unterschied, ob die Ausgängen gleichzeitig arbeiten können, oder ob sie nur wahlweise oder nacheinander aktiv sind. Und dann gibt es Geräte, bei denen der angegebene Lade- und Entladestrom pro Ausgang nur solange gilt, wie man nur einen Ausgang benutzt. Bei zwei oder mehr Ausgängen teilen sich die Ströme und Leistungen auf. Wer Wert auf mehrere Ausgänge legt, muss sich also genau informieren.

12V oder 220V-Lader?

Das ist eher Glaubensfrage. Manche Geräte versuchen, allen Anforderungen gerecht zu werden. Das macht sie teurer, und sie bleiben dennoch ein Kompromiss.
Für den Modellbauer ist es wohl zunächst wichtig, dass er seine Akkus outdoor mit 12 V aufladen kann. Zuhause, wo Zeit und Ruhe für die Akkupflege eher gegeben sind, erweisen sich 12V-Lader allerdings eher als unpraktisch.
Will man neben der reinen Benutzung von Akkus diese auch pflegen, kommt man um einen Komfortlader nicht herum. Es gibt daher zwei sinnvolle Strategien:
a) ein hochwertiger 12V-Lader und zusätzlich ein kräftiges Netzteil für zuhause
b) ein hochwertiger Heimlader – und zusätzlich einen (preiswerten) Schnellader für unterwegs
Geht man davon aus, dass zu Hause hauptsächlich Akkupflege betrieben wird, neigt sich die Waagschale meiner Meinung nach in Richtung a). Als Gegenargument hört man manchmal, dass für richtig gute Lader zuhause ein 30A-Netzteil notwendig wäre, aber das stimmt nicht. Zur Pflege der Akkus benötigt man ja nicht die extremen Ladeströme, die ein Schnellader liefern kann, also kommt man durchaus auch mit einem 5- oder 10A- Netzteil aus, das schon relativ preiswert zu haben ist.
Dennoch ist ein 220V-Lader eine praktische Sache, wenn man eine Steckdose in der Nähe hat.

Akkutyp

Alle hier und in der Übersicht betrachteten Ladegeräte können NiCd-Zellen laden. Man sollte wissen, dass alle diese Lader prinzipbedingt auch NiMH laden können – Einschränkungen gibt es nur bei Schnelladern, und zwar wegen der Ladeendabschaltung. So entsteht die merkwürdige Situation, dass bei manchen Konstantstromladern einfacher Bauart die NiMH-Lademöglichkeit vom Hersteller gar nicht angegeben wird, während bei anderen zweideutige Angaben gemacht werden. So spricht z.B. robbe bei vielen Ladegeräten in den technischen Daten nur von NC-Akkus, beschreibt aber im Werbetext eine Abschaltung, die 'so empfindlich ist, dass auch NiMH geladen werden kann'. Jeder möge sich selbst einen Reim machen. Es gibt nur wenige Ladegeräte, denen man wirklich sorglos NiMH-Akkus überlassen kann. Ich würde mir beim Kauf preiswerter Schnellader die uneingeschränkte Eignung für NiMH in jedem Fall schriftlich bestätigen lassen.
Wer Bleiakkus (Pb) oder LiIon (Li-Polymer, Tadiran) Zellen laden möchte, sollte die Herstellerangaben zu den dazu geeigneten Ladegeräten genau studieren. Sonst kann es passieren, dass ein 12V Bleiakku überhaupt nicht geladen werden kann oder es über 24 Stunden dauert, oder dass ein LiIon-Akku nur bis zu zwei Zellen geladen werden kann.
Die Ladung von LiIon Akkus erfordert übrigens ein spezielles Programm. Lader mit dieser Fähigkeit sind folglich teurer als andere. Ähnliches gilt für RAM-Zellen, die aber für unsere Zwecke keine besondere Rolle spielen.


Stand: 03.04.2003