Aero Friedrichshafen 2003

Gernot Steenblock

Viele Schritte in die richtige Richtung

Alle zwei Jahre öffnet die „Internationale Fachmesse für die allgemeine Luftfahrt“ ihre Pforten. So auch in diesem Jahr vom 24. bis 27. April. Eigentlich denkt man: „Na ja, mal wieder AERO“! Aber dieses mal war alles etwas anders.
Neu war das Messegelände, das, einmalig in Europa, direkt an den Flughafen angrenzt. Durch diesen glücklichen Umstand wurde gerade im Static Display (Außengelände) wesentlich mehr gezeigt als noch vor zwei Jahren.

Die Flugshow outdoor

Die Flugvorführungen, die Samstag und Sonntag jeweils zwei Stunden dauerten, waren zwar eine abgespeckte Version der in den letzten Jahren gewohnten Darbietungen, aber dennoch konnte in den 120 Minuten viel Seltenes und Spektakuläres gezeigt werden. Den Anfang machte der einzige echte Zeppelin NT, dessen Hallen übrigens auch besichtigt werden konnten. Weiter ging die Show mit Vater und Sohn Eichhorn in Ihren AT-6. Die beiden sind seit Jahren ein fester Bestandteil der Show.
Eine Doppeldeckerformation überquerte den Platz, angeführt vom größten Doppeldecker der Welt, der Antonov AN-2.
Dann kam ein F-Schlepp, bei dem schon die Schleppmaschine in der Schleppphase in den Rückenflug ging. Der Pilot des Seglers blieb aber nichts schuldig und drehte eine Rolle am Schleppseil. Oben ausgeklinkt, zündete der Segler seine Rauchpatronen an den Flügelspitzen, um zur Musik von Pink Floyd ein klasse Kunstflugprogramm an den Himmel zu zaubern.

Max Vogelsang zeigte uns eine der letzten noch fliegenden Mustangs P-51. Diese hat er selbst in über 20.000 Arbeitsstunden restauriert, nachdem er das Wrack von einem Freizeitbad gekauft hatte. Das Flugzeug diente dort als Kletter- und Spielgerüst für Kinder.



Die Zeitschrift „Flieger Revue“ brachte eine 4er Staffel Zlins an den Start. Was diese Jungs so an den Himmel zauberten, war schon einmalig anzuschauen.


Um den Rahmen nicht zu sprengen, will ich eigentlich nur noch Klaus Schroth mit seiner Extra 300L erwähnen. Der amtierende Weltmeister im Kunstflug zeigte eine 3-D Kunstflug Kür, die eines Weltmeisters würdig war. Schon beim Zuschauen wurde so manch einem schlecht.

Die Flugshow indoor

Vom Platz her das Sahnehäubchen der Ausstellungsfläche bekamen die Modellbauer und –flieger. Die Halle A1 ist mit 10.000m² die größte Halle der Messe und dies ermöglichte eine Präsentation unseres Hobbys, das ich in so einer Qualität und Größe bei noch keiner der letzten Messen gesehen hatte.
Die Halle war in drei Teile aufgeteilt.
Das erste Drittel gehörte der Modellbauausstellung und den Händlern. Gezeigt wurde hier die gesamte Palette des Flugmodellbaues. Vom riesigen Flughafen im Maßstab 1:72 bis hin zum Großflugmodell der DO-X mit einem Abfluggewicht von 95kg.
Auch einige wenige Modellbauhändler waren zur AERO 2003 gekommen. Neben den obligatorischen Messehändlern mit fliegenden Kühen und Gummizugmodellen, war auch die Fa. Herpa und der Plastikmodellbau sehr gut vertreten. Im RC-Bereich tummelten sich Freescale-Conzelmann und Modellbauprofi. Ein Gespräch mit Klaus Conzelmann zeigte mir, dass er sehr zufrieden ist mit der Messe. Sein mitgebrachtes Lager war so leer, dass man noch mal vom Hauptsitz Nachschub holen musste.
Das zweite Drittel war den Verbänden vorbehalten. Aufgrund des Kooperationsvertrags zwischen DMFV und DAeC traten die beiden Verbände zum ersten mal gemeinsam auf. Beide hatten ihren großen Messestand mit auf die AERO gebracht und diese direkt nebeneinander aufgestellt. Auch bei der Organisation im Vorfeld der Messe hatten schon beide Verbände zusammen gearbeitet und jeder hatte seinen Teil zum Gelingen dieser Veranstaltung beigetragen. Wobei man hier teilweise doch spürte, dass die beiden noch nicht völlig aufeinander eingespielt sind. Sowohl Herr Böckmann vom DAeC als auch Herr Horn vom DMFV zeigten sich dennoch mit dem gemeinsam Erreichten zufrieden. Wichtig war für mich die Aussage von einem Vereinsvorstand:“...dem Modellflieger draußen ist es doch egal, welchem Verband jemand angehört.“
Der DMFV zeigte mit 10 Jungendlichen den Bau eines Balsagleiters und der DAeC präsentierte in einem extra Bereich die bevorstehende Weltmeisterschaft in F3J an der Teck.
Eine riesige Tribüne und das Indoorflugfeld füllte den Rest der Halle. Das für die Slowflyer zur Verfügung gestellte Feld war mit 76 x 50m wirklich einmalig in seiner Größe.

Als ich zum ersten mal die Tribüne mit ca. 650 Sitzplätzen sah, hätte ich einiges darauf verwettet, dass wir diese Tribüne während der Shows nie gefüllt bekommen. Jedoch weit gefehlt. Bereits am Samstag waren die Sitze bis auf den letzten Platz belegt. Bis zu 1000 Besucher drängten sich am Indoorflugfeld und zeigten sich von den Shows begeistert.

Die Hallenshow wurde von etwa zwanzig Piloten & Pilotinnen bestritten. Im Flächenbereich war so ziemlich alles da, was Rang und Namen hat. Angefangen mit Martin Müller, dem amtierenden deutschen Meister Indoor über den Vizemeister, den Dritten, Vierten und Siebten der letzten deutschen Meisterschaft. Hier wurde wirklich gezeigt, was die Jungs und Mädels an den Knüppeln so alles können.

Show boten auch die Jungs vom Robbe-Indoor-Team. Die beiden sind völlig schmerzfrei und mit ein paar aufmunternden Worten treibt man die Jungs dazu, die Show zu liefern, die das Publikum sehen möchte. Die Nacht von Freitag auf Samstag wurde vom Robbe-Team bis 3 Uhr morgens mit Reparieren verbracht, um dann am Samstag wieder genügend Material zur Verfügung zu haben.
Das Conzelmann-Team zeigte auch einiges aus seiner Kollektion. Schon am frühen Morgen, auf dem Weg zum Haupteingang, waren die Wingos mit Schwimmern auf dem See vor der Messe im Einsatz. Alle zwei Sunden zeigte dann das DMFV-Hubschrauberteam was es in dieser Klasse so alles gibt. Vom kleinen elektrischen Eolo bis hin zur turbinengetriebenen BK 117 mit 15 kg Abfluggewicht wurde hier alles in der Halle vorgeflogen.
Vor allem das Fauchen der Turbine und der Kerosingeruch lockte die Leute immer wieder ans Fangnetz.

Dank an die manntragende Zunft.

Es ist sicherlich nicht selbstverständlich, dass die manntragende Fliegerei uns Modellbauer in so eine Messe mit einbindet. Dafür unser Dank an die Messeleitung.
Vor allem gefreut haben mich die Stories, die nicht alle mitbekommen haben, aber die klar zeigen, dass der Modellflug und die manntragende Fliegerei einen großen Schritt aufeinander zu gemacht haben.
Als am Samstag der Fa. Zepfly das Helium für Ihr ferngesteuertes 9m-Luftschiff ausging, zeigte sich die Zeppelin Luftschiff GmbH sofort bereit, den kleinen 9m-Burschen kurz mal an die Zapfsäule des Zeppelin NT zu lassen. Dafür Dank Nummer zwei.

Danken müssen wir auch Klaus Lehnert, ja genau diesem Klaus Lehnert, der Stefan Raab mit seiner roten Kunstflugmaschine den Magen verdreht hat. Dieser tauchte plötzlich am Indoorfeld auf und schenkte den Jungs mit der Indoorversion seiner roten LEKI Maschine je eine Leki-Cap und ein Leki-Pin. Eine klasse Geste, die Dank Nummer drei verdient.

Das Beste aber war, als Walter Extra am Fangnetz stand, um die wohl kleinsten Nachbauten seiner Extra 300L zu bewundern. Man kam ins Gespräch und kurze Zeit später stand Walter Extra im Flugbereich mit einem Sender und bekam seine erste Flugstunde im RC-Flug.

Mit Höhe und Quer auf dem selben Knüppel, wurde er bereits nach ein paar Minuten mutig und versuchte sich in Loopings und Rollen. Der Entwickler der echten Extra bekam Unterricht vom Entwickler der 300 Gramm Version. Gescheiter ist Walter Extra dann am Hallenboden. Toms Extra war etwas lädiert. Walter Extra zeigte sich großzügig und lud die Jungs am Abend zu einem Alpenrundflug mit seiner Extra 400 ein. Auch eine große Geste, die keiner von den vier Jungs so schnell vergessen wird. Auch dafür unseren Dank. Nach Messeschluss kam Walter Extra nochmals an den Stand, um den Leuten seines Teams zu zeigen, was im Modellbaubereich an Flugfiguren so alles möglich ist. Ich bin sicher, er wünschte sich bei dem, was Ihm gezeigt wurde, auch mal einen leistungsstarken Motor, um all das nachmachen zu können, was bei den Modellen inzwischen selbstverständlich ist.

Stand: 01.05.2003