Hochstartwinde für den Eigenbau

Claus Nicklis


Segelflugmodelle bis 4 Meter Spannweite mittels einer Winde auf eine akzeptable Ausgangshöhe zu ziehen, war schon immer ein Traum von mir. Nach einer Informationsphase stand jedoch fest, dass mir die auf dem Markt befindlichen, technisch guten Winden zu teuer waren. Dadurch war mir klar, dass die Winde selbst gebaut werden muss, um die Kosten auf ca. 250€ zu begrenzen. Bestärkt wurde diese Entscheidung durch meinen Arbeitskollegen Theo Neu. Als er hörte, dass ich mir eine Winde bauen will, berichtete er von einer selbst gebauten Winde eines Freundes. Schon am nächsten Tag brachte er das Gerät mit. Der Nachbau wurde von uns in der technischen Ausführung noch wesentlich verbessert und optimiert. Die Winde und was dazugehört sollte nämlich aus „einem Guß“ sein. Es war mir z.B. wichtig, mit einer komplett montierten Winde auf den Modellflugplatz zu fahren und nicht mit Winde, Notausschalter, Gaspedal, Umlenkrolle und einem Startakku, der dann auch erst noch angeklemmt werden muss. Mit meiner heutigen Winde fahre ich auf den Modellflugplatz mit allem was dazugehört, danach positioniere ich nur noch die Umlenkrolle und los geht’s. Spaß haben mit wenigen Handgriffen, das ist die Devise. In die Winde sollten zudem viele Normteile integriert werden, wie z.B. ein Anlasser vom Auto, Alu-Profile für das Gestell, Standardkugellager, ein Freilauf vom Mofa, Keilriemen usw.


Konstruktion und Bau

Dann ging es los. Natürlich zuerst mit einer Konstruktion auf CAD unter Berücksichtigung der o.g. Vorgaben. Nach zwei Wochenenden mit Konstruktionsarbeiten war ich dann soweit, dass ich mit dem Ablängen der Profile und der Herstellung der ersten Drehteile beginnen konnte.

In der Zwischenzeit besorgte ich mir einen Anlasser beim Autoverwerter, damit auch die Anschlussflansche und die Aufnahme des Schalters gefräst werden konnten. Viele Kleinteile mussten nun angefertigt werden: Der Rahmen für den Seileinlauf, der Notaus-Drehknopf, die Umlenkrolle, die Flansche, die Welle und zu guter letzt die Pratzen für den Akku.

Bei einem Probelauf der Winde bemerkte ich, dass die Drehrichtung des Motors nicht mit der Laufrichtung des Freilaufes übereinstimmte. Das Gewinde im Freilauf musste ich daher in ein Linksgewinde umändern. Diese Änderung war allerdings mit einem großen technischen Aufwand verbunden.


Gut zu erkennen ist hier das Rasterstück und der Freilauf. Der Drehschalter ermöglicht durch Auf- und Zudrehen eine Unterbrechung der Stromzufuhr. Fußschalter und Drehschalter geben einem ein sicheres Gefühl beim Bedienen der Winde.


Der erste Windenstart

Viereinhalb Monate später war dann „Rollout". Die Winde wurde auf Position gefahren, das neu gekaufte Seil straff aufgewickelt, die Umlenkrolle gesetzt, der neue Fallschirm angeknotet und dann wurde es spannend.


Die 3D-Umlenkrolle mit der Fußplatte hat sich bestens bewährt, da sie sich mit beiden Füßen gut in den Boden drücken läßt. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Fußplatte die Zugkraft mit auffängt.


Auf diesem Bild erkennen Sie den Fußschalter, gleichzeitig auch die nicht zu unterschätzende Elektrik, mit der man sich auch erst mal beschäftigen muß.

Denn, wie das beim Modellfliegen eben so ist, Fehler werden im schlimmsten Fall mit dem Verlust des Modells bestraft. Insgeheim fragt man sich vor dem Start: Habe ich den richtigen Trommeldurchmesser gewählt? Hat der Motor genug Power oder sogar zuviel? Läuft die Umlenkrolle und hoffentlich wird der Flieger beim Start nicht zu langsam, so dass die Strömung abreißt. Aber nein, unsere Modelle „Cosinus“ und „Flash“ wurden gnadenlos mit „Vollgas“ auf Höhe gebracht. Die Freude war groß und sofort nahm ich mit dem „Flash“ ein bißchen Thermik mit.


Die Winde auf Position fahren, den Handgriff zur Seite schwenken und die Räder nach vorne ausklappen und das war`s.

Nach einer Vielzahl von Starts machte der gekaufte Freilauf nochmals Ärger. Die Messingbleche, die die Klinken auf Druck halten, waren der Belastung nicht gewachsen. Bei der nächsten Winde würde ich diese Schwachstelle natürlich durch einen robusten, selbst gefertigten Freilauf ersetzen. Doch bei dieser kleinen Schwäche blieb es dann auch.

Schlußbetrachtung

Ich denke, dass es mir gelungen ist, eine Winde aus „einem Guß“ herzustellen, um mit wenigen Handgriffen einsatzbereit zu sein. Nun ist noch zu sagen, dass die Winde meinen Produktionsverhältnissen angepaßt ist. Das heißt, wer die Winde exakt so nachbauen will, muß über Dreh-, Fräs- und Bohrmaschine verfügen. Wer nun Lust auf eine Eigenbauwinde bekommen hat, kann auch von der Konstruktion, ohne den Grundgedanken zu verlieren, abweichen. So könnte man z.B. das Gestell und den Rahmen für den Seileinlauf durch eine Schweißkonstruktion ersetzen. Die Trommelflansche könnte man aus Blech herstellen oder sogar die vom Seilhersteller mitgelieferte Rolle aus Kunststoff verwenden. Ebenso wäre es möglich, die Umlenkrolle aus Fahrradnaben herzustellen, um nur ein paar Punkte zu nennen. Dies alles senkt die Kosten. Bei meiner Konstruktion habe ich bewusst auf die 3D-Umlenkrolle verzichtet und eine einfachere Rolle verwendet, da deren Anfertigung sehr aufwändig ist. Auf die sehr funktionelle Fußplatte braucht aber niemand zu verzichten. Die Konstruktionszeichnungen bestehen aus 25 DIN A4- und DIN A3-Blättern, selbstverständlich mit Zusammenstellungszeichnung, Einzelteilzeichnungen und Stückliste. Sie sind gegen einen Beitrag von 15€ für Kopierkosten und Versand von mir zu beziehen.

Adressen: www.fly-tec.com oder loo.100@t-online.de

Zum Schluß möchte ich mich noch bei Theo Neu für die tatkräftige Unterstützung bedanken.


Der aufwendige Motorflansch garantiert eine gute Spannung des Riemens und zugleich auch höchste Flexibilität für die Auswahl der Motoren. Für eine Überraschung kann jedoch die Drehrichtung des Motors sorgen.

Stand: 04.06.2003