14. F3B Weltmeisterschaft Kirchheim/Teck (Hahnweide)

01. - 09. August 2003

Hans Rupp und Hartmut Siegmann


Offizielle Website F3B WM Kirchheim/Teck

Die Eröffnungsfeier

Dieses ist kein klassischer WM-Wettbewerbsbericht, bei dem Runde für Runde die Rück- und Schicksalsschläge der einzelnen Piloten beschrieben werden, sondern eine Sammlung verschiedener Eindrücke. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf technischen Kleinigkeiten am Rande, die zu beobachten waren. Deswegen lassen wir es dabei bewenden, dass es eine schöne Eröffnungsfeier gab und beginnen dort, wo es um das F3B-Fliegen geht. Doch halt, zuvor gibt es noch etwas wichtiges zu berichten: Wie war das Wetter eigentlich?!

 

Von Wetter und Weltmeistern

Es gibt niemand gerne zu, aber das Wetter einer WM bestimmt weit mehr den nächsten Weltmeister, als man zunächst vermuten mag und die Piloten es zugeben würden. Wäre das Wetter der WM kalt und windig gewesen, so hätte sich vermutlich niemand Stefan Knechtle und seinem unter diesen Bedingungen überragenden "Wobbegong" erwehren können. Er führt einsam die diesjährige CONTEST F3B Eurotour an, aber eine WM ist eben eine WM und die hat bekanntlich ihre eigenen Gesetze, um unsere (un)geliebten Fußballreporter zu zitieren.


Der einzige Platz, der während der gesamten WM halbwegs erträglich war. Leider musste zwischendurch auch noch geflogen werden. Dieses kleine Kerlchen weiß, dass er später sicher einmal WM Teilnehmer sein wird und genießt das Bad im Pool in vollen Zügen. Kein Fliegen und vor allem keine Helferdienste. Angesichts dieses Bildes fragte man sich ernsthaft, welcher Wahnsinn einen dazu treibt, bei dieser Affenhitze auf einer Wiese herumzulaufen - und das eine ganze Woche lang!!!

Ganz klar war Stefan Knechtle damit der Top-Favorit neben dem 4-fachen Weltmeister Daryl Perkins, wobei die Möglichkeiten der US-Boys wie immer bis zuletzt im Geheimen blieben. Nur eins war klar: Daryl musste auf seinen Edel-Helfer Joe Wurts verzichten und damit war er vom Top-Favorit zum Geheimfavorit geworden, denn alle seine Weltmeisterschaften errang er mit Joe als Helfer. Wie sehr sich das auswirken könnte, zeigte Platz 52 bei den "Kirchheim Open" (Ergebnisliste Kirchheim Open) im Vorfeld der WM, aber bei dem taktischen Geplänkel im Vorfeld wagte niemand hierauf zu wetten. Ein vierfacher Weltmeister als Geheimfavorit, das gab es noch nie.


Der Pavillion für die Helfer. Dringend notweniger Schatten in der Hölle der Hahnweide. Die Pausen gerieten dank straffer Durchführung kurz, man könnte meinen zu kurz. Der geleistete Frondienst war unter der glühenden Sonne als hammerhart zu bezeichnen. Der Dank aller Teilnehmer für die tollen Dienste als Zeitnehmer, Linien- und Punktrichter ist ihnen sicher. Das war kein Spaß unter diesen Bedingungen!
Der im Vordergrund mit dem rot-weißen Band markierte Bereich ist die sogenannte "Ready-Box", in der sich alle Piloten vor dem Start ihrer Gruppe einzufinden hatten. So fanden offizielle Zeitnehmer und Piloten schnell zueinander. Sehr wichtig für einen reibungslosen Ablauf eines Wettbewerbs!

Das Wetter war vom ersten WM-Tag an heiß und die Thermik blau. Heiß ist deutlich untertrieben, glühend heiß beschreibt es eher. Das geflügelte Wort vom "Vorort zur Hölle" machte die Runde. Die Wolken am Himmel blieben bis Freitag Nachmittag eine einsame Ausnahmeerscheinung, die daraus resultierende Hitzeschlacht war einmalig. 37-40°C im Schatten schienen schon kaum erträglich, der ständige Begleiter der einsamen Helfer auf dem Flugfeld waren aber 50°C und mehr! Der Schatten der Pavillions an der "Ready-Box" war ebenso ersehnt wie fern. Nur wenige Minuten Pause waren vergönnt, denn diese WM war von deutscher Gründlichkeit und Präzision gekennzeichnet. Und so wurde es dank hervorragendem Wetter und souveräner, gelegentlich sogar etwas hektischer Durchführung die erste F3B Weltmeisterschaft, auf der mehr als 6 Runden geflogen werden konnten. Ganze 8 Runden gingen in die Gesamtwertung ein - Rekord!
Böse Zungen behaupten, bei 10 geflogenen Runden wäre ein Deutscher Weltmeister geworden, weswegen es unbedingt notwendig war, so viele Runden wie irgendmöglich zu absolvieren.

 

Das Fluggelände

Die Hahnweide ist bei den meisten Fliegern ein Begriff, aber dennoch ist eine F3B WM etwas besonderes und erfordert eine spezielle Geländeaufteilung. Und damit jeder einen möglichst guten Eindruck davon bekommt, haben wir keine Kosten und Mühen gescheut , ein 360° Panoramabild vom WM-Gelände zu erstellen.

Panoramabild F3B WM 2003

Zum Anschauen des Panoramabildes ist es erforderlich, dass Sie Quicktime installiert haben. Falls Quicktime nicht installiert ist, können Sie es hier downloaden.

Nach diesem virtuellen Rundgang auf dem WM-Gelände steigen wir nun direkt ins Geschehen ein. Hans schildert seine Eindrücke von Modellen, Technik und Piloten.

 

Piloten und Flugstile

Soweit mein Arbeitsdienst es mir gestattete, habe ich mich auf der F3B-WM umgesehen. Vorab scheint es mir so, dass bei der Wetterlage mit sehr heißem Wetter und wenig und dazu noch drehenden Winden etwas größere Modelle leichter zu fliegen waren bzw. die kleineren Modell in der Speedaufgabe nicht unschlagbar waren. Mir scheint dass hier die größere Höhe aus dem Seil der größeren Modelle den Vorteil der kleineren, schnell ausgelegten Modelle in etwa ausgeglichen hat. Dies sieht man auch an den nicht ganz so niedrigen Zeiten, die im Speed erreicht werden konnten.

Überhaupt war es für mich interessant, dass man an der Flugbahn in der Speedaufgabe schon ziemlich genau die Zeit ablesen konnte. Ein gelungener Speedflug sah in etwa so aus:

Sauberer Flugstil Speed (Flugaufgabe C)

  • möglichst eine Windböe abwarten und gegen den Wind starten
  • aus dem Seil zur A-Linie fliegen und dort ca. die Hälfte der Ausgangshöhe von 230m senkrecht Fahrt aufnehmen und in die Strecke einfliegen
  • die restliche Höhe verteilt auf die 4 Strecken etwa in den Schritten 40 - 30 - 30 -20 m abfliegen
  • nach der Wende genau in der Richtung sowohl vertikal als auch horizontal ausfliegen

Wenn ein gelungener Speed gelegentlich lange Weile aufkommen lässt, so lassen sich ein paar Figuren in beliebiger Anzahl einfügen. Leider bekommt man dafür keine Extrapunkte, verliert nur Zeit, erhöht aber den Unterhaltungswert bei den Zuschauern. Ich habe versucht, die Zeitverluste grob abzuschätzen, denn bei vielen Piloten hätte selbst das schnellste Modell der Welt nichts gebracht.

Unsauberer Flugstil Speed (Flugaufgabe C)

  • Wellen nach den Wenden: +1 bis +2sec.
  • falsche Höhenverteilung mit bis zu zwei nahezu horizontal geflogenen Strecken: +4 bis +8sec
  • zu späte oder zu frühe Wenden nahezu beliebiger Zeitverlust!

Leider ließ mein Arbeitsdienst in Verbindung mit dem heißen Wetter nicht allzuviel Beobachtungen zu, denn ich war an der Getränkeausgabe in der Halle. Bei diesem Wetter sicherlich einer der angenehmeren, zugleich aber auch arbeitsreichsten Plätze!

 

Die Modelle


Die Modell-Flotte von Team USA. Abgesehen vom T-Warp von Deryl Perkins flogen die Amerikaner die SP-1, eine Neuentwicklung einiger US-Team Mitglieder.

Aber auch durch den Mannschaftspark bin ich mal geschlendert, um mir die Modelle anzusehen bzw. mit meinem eigenen geplanten Entwurf abzugleichen und Anregungen zu holen.

Auffällig war vor allem der recht volumiöse Rumpf des Modells im Vordergrund, das überhaupt ein recht großes Modell ist. Aber auch damit wurde eine Spitzenzeit im Speed geflogen. Rechts dahinter ist wohl ein modifzierter Caracho mit Rumpfpylon und anderen Flügelohren. Nochmals dahinter das einzige Modell mit T-Leitwerk, das ich auf der WM gesehen habe (T-Warp). In einem Team also eine große Vielfalt.

An Rumpfformen dominierte sonst das Rumpfoval in der Größe, dass ein Graupner SMC 19DS und die Servos gerade reinpassen. Dass mancher es mit der aerodynamischen Restgüte, die so viel beschworen wird, nicht so genau nahm, sah man bei Steve Haley's Modell. Das Modell machte im Flug keineswegs einen schlechten Eindruck, es lag wohl er an mangelndem Training bzw. Abstimmungs-problemen innerhalb des Teams, dass die Leistung nicht abgerufen werden konnte. Für die vorherrschenden Bedingungen auf der Hahnweide war ein großes Modell wie dieses eher von Vorteil.


Steve Haley mit einem Hybrid-Modell: Estrella Rumpf+Leitwerk kombiniert mit NYX-Furio Flügeln. Durch die Rumpfanformung ließ sich schön vergleichen: Die NYX-Furio hat ein merklich dünneres Profil, bei durchgängig 5-7mm mehr Flügeltiefe. Laut Steve läuft dieser Hybrid ingesamt besser, vor allem im Streckenflug. Dass er das nicht umsetzen konnte, lag vor allem am mangelnden Training, wie Heinz-Dirk Landsmann bestätigte, einer der Helfer des Teams GB.


Man erkennt deutlich die 6mm größere Flügeltiefe der NYX-Furio im Wurzelbereich und die geringere Profildicke. Auf der Profilunterseite ergibt sich ein ähnliches Bild, der Flügel ist also ein Stück dünner und weist zugleich eine deutlich spitzere Profilnase auf. Bei der NYX-Furio kommt HM Kohlefaser zum Einsatz, wodurch der dünnere Flügel keine Steifigkeit einbüßt. Die NYX-Furio Flügel mit UHM sind derzeit noch nicht ganz ausgereift, daher wurde hier auf die bewährten Flügel mit HM-Kohlefaser zurückgegriffen.

 

Kreuz (X) oder V - mehr als eine Stilfrage?


Zweimal Kreuzleitwerk "Racemaschine": Einmal die alte Version mit 2,96m Spannweite und die neue mit 3,17m. Höhen- und Seitenleitwerk sind identisch, lediglich die Länge des Rumpfes wurde angepasst.
Diese Leitwerksgeometrie ist typisch für die verwendeten Kreuzleitwerke und kann stellvertretend für viele andere Typen angesehen werden.

An Leitwerksformen war das Kreuzleitwerk mittlerweile stark vertreten, etwa ein viertel der Piloten setzte auf Kreuzleitwerk und der Rest auf V-Leitwerk. Das ist nur ein Eindruck, ich habe es nicht gezählt. Das scheint vor allem eine Geschmackssache zu sein. Die Kreuzleitwerke sahen insgesamt ähnlich aus wie bei den Racemachines der Schweden. Das sehr große Seitenleitwerk des Wobbegong ist und bleibt eine Ausnahme. Sehr beeindruckt hat mich im Streckenflug der "Wobbegong" von Stefan Knechtle (Logo-Team), das Modell lief sehr präzise geradeaus, auch bei unruhiger Luft und verlor auch bei etwas unsauberen Wenden nicht die Fahrt.

Im Speedflug habe ich ihn leider nie gesehen, jedenfalls waren die Hochstarthöhen wie immer sehr gut. Durch das Design auf der Flügelunterseite (blau-weiße Streifen) und die charakteristische Flügelform mit gerader t/4-Linie habe ich ihn immer gut erkannt. Für alle die mit dem Namen "Wobbegong" nichts anfangen können (wie ich lange Zeit auch), dem kann mit Orectolobus maculatus weitergeholfen werden - oder doch nicht?!
"Wobbegong" ist eine australische Haiart, womit auch das Logo in Form eines Hais erklärt wäre, das diesen Flieger ziert. Der "Wobbegong" ist der Nachfolger des "Shark" des Logo-Teams und ich vermute daher kam die Idee zu dieser Namensgebung.


Der "Wobbegong" vom LOGO-Team, hier in den Händen von Stefan Knechtle. Der "Wobbegong" ist der erfolgreiche Nachfolger des inzwischen fast legendären Shark.


Der "Supersonic" des neuen Weltmeisters Andreas Böhlen. Bei den vorherrschenden thermischen Verhältnisse und insgesamt leichten, aber drehenden Winden, zeigte das Modell keine ausgewiesenen Schwächen. Wer den Flugstil von Andreas gesehen hat, dem kam das vielzitierte "Schweizer Uhrwerk" in den Sinn - Präzision pur, nur wenige Fehler waren zu beobachten. Das richtige Modell zu haben ist eine Sache, es aber entsprechend durch die Luft zu bewegen eine zweite!

 

Persönliches Fazit

Soweit meine Eindrücke von der F3B-WM. Die vielzitierte Weisheit, dass der Pilot entscheidend ist und nicht ob man eine Estrella, Caracho, Supersonic, Wobbegong, Phönix oder eines der anderen guten F3B-Modelle fliegt, ist bei mir auf der WM durch eigenes Erleben nicht mehr nur vom Verstand, sondern auch vom Bauchgefühl her jetzt akzeptiert.
Auch wer nur ein F3J-Modell sein eigen nennt, kann mal auf einem F3B-Wettberwerb mitfliegen. Gewinnen wird er anfangs auch mit dem besten Modell nicht. Er kann sich ja dann über eine 20er Speed-Zeit genauso freuen (denn dann ist er gut geflogen) wie ein anderer über eine 16er-Zeit. Vielleicht sieht man sich im nächsten Jahr.
Hans Rupp

 

Ergebnisse

Die Ergebnisse können Runde für Runde auf der hervorragenden WM-Website nachvollzogen werden. Hier der Link zur WM-Website und direkt zu den offiziellen Ergebnislisten sowie Zwischenergebnissen. Ein toller Service, dass Startreihenfolgen genauso wie die Punkte Aufgabe für Aufgabe nachvollzogen werden können.


F3B WM Website

 

Auf den nächsten Seiten wird es noch einen Haufen weiterer Eindrücke geben. Aber noch nicht, wir arbeiten gerade das gesamte Bildmaterial auf und das ist eine Menge! Schaut bitte in den nächsten Tagen noch einmal vorbei...

 

Links

 

Stand: 10.08.2003