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Als alter Holzwurm kam mir nach etlichen Jahren noch einmal in den Sinn,
ein Holzmodell zu bauen. Im Zeitalter der ARF-Modelle muss man schon etwas
intensiver suchen, um einen solchen Bausatz zu finden. Die großen
Anbieter auf dem Markt haben sich längst von solchen Baukästen
verabschiedet, da offensichtlich hierfür kein Bedarf mehr vorhanden
ist.
Aber, Gott sei Dank, gibt es doch noch einige wenige Hersteller, die
einen Holzwurm befriedigen können. Dies trifft insbesondere dann
zu, wenn man den Hangar vom Himmlischen Höllein betritt. Dieser bietet
nämlich eine ganze Reihe solcher Holzbaukästen an und hier bin
ich dann auch fündig geworden: Eine Piper mit knapp 1080 mm Spannweite
und E-Antrieb sollte es sein und da sie so klein und fein aussieht, hat
sie der Hersteller liebevoll PIPERLE getauft.
Besonders reizvoll fand ich den für dieses Modell angebotenen Schwimmersatz,
der den Einsatz auch auf dem heimischen Baggersee ermöglichen sollte;
ein Start aus dem Nassen würde für mich auch eine Premiere bedeuten.
Bestellungen bei Höllein werden in der Regel in himmlischer Eile
ausgeführt. So vergingen auch nur zwei Tage, bis der Postbote dreimal
klingelte und das Objekt der Begierde bei mir ablieferte: Zwei kleine
Werkstoffpackungen, beide gefüllt mit Holz, einmal für das Modell,
einmal für die Schwimmer.
Die Zeiten von vorgestanzten Teilen sind wohl vorbei. In diesen Bausätzen
findet man ausschließlich gefräste Bauteile: Rippen, Spanten,
alles nur vom Feinsten mit absolut sauberen Kanten und einer Präzision,
die mich begeisterte. Weiterhin erhält man Baupläne für
Rumpf und Flächen im Maßstab 1:1, eine ausführlich Bauanleitung
und alles für den Bau erforderliche Kleinmaterial. Lediglich der
Antrieb und ein Satz Leichträder müssen separat besorgt werden,
wobei auch hierfür entsprechende Empfehlungen in den Anleitungen
zu finden sind.
Der Rumpf
Der Rumpf ist kastenförmig aufgebaut. Mit den vorgefrästen
Spanten und Beplankungsteilen in Verbindung mit den Bauplänen und
der wirklich gut dokumentierten Bauanleitung wird dies zum Kinderspiel.
Eine ganz pfiffige Lösung sind die auf den Rumpfbeplankungen aufgeleimten
Vierkantleisten. Diese ergeben nämlich beim späteren Bespannen
die klassische, kantige Rumpfform des Originals. Klasse!
Das Hauptfahrwerk sowie die Aufnahme für das Spornrad müssen
aus Stahldraht gebogen werden. Auch dies gelingt mit den Bauplanvorgaben
ohne Probleme. Der Rumpf wird im Bereich der Fahrwerksaufnahmen mit einer
Gewebematte etwas verstärkt, man findet alles in der Zubehörtüte.
Langsam muss man sich auch über den RC-Einbau Gedanken machen. Die
Bauanleitung bietet hier verschieden Varianten an und zwar abhängig
davon, wie viele Zellen man für den Antrieb verwenden möchte
und welchen Regler man in Betracht zieht. Direkt betroffen davon ist nämlich
die Position der beiden Leitwerksservos, die man im mittleren oder hinteren
Bereich der Kabine anordnen kann. Ich habe mich für die hintere Position
entschieden da hier meines Erachtens dafür der beste Platz ist. Für
solch ein kleines Modell ist die Servo-Frage für Höhen- und
Seitenruder schnell beantwortet: Micro-Servos der 9g-Klasse verrichten
hier ihre Arbeit. Auf die Leitwerksklappen übertragen sie Ihre Bewegungen
mittels 0,8 mm-Stahldrähten, die durch Innenröhrchen von normalen
Bowdenzügen geführt werden; auch diese findet man im Baukasten.
Die Antriebsakkus sollen später über einen Deckel im Rumpfboden
eingeschoben werden. Der Verschlussmechanismus ist simpel aber wirkungsvoll,
er wird mit Eisendraht aus einem Stück gebogen. Hierzu ein Tipp:
Damit der Mechanismus sauber einrastet, ist es erforderlich, in den Motorspant
ein kleines Loch zu bohren. Dies sollte man vor dem Ankleben der vorderen,
oberen Rumpfbeplankung vornehmen, da man in diesem Baustadium das Loch
besser positionieren kann.
Zum Abschluss wird der gesamte Rumpf an den Kanten sauber verschliffen.
Wer hier entsprechend sorgfältig arbeitet, hat es beim Folienfinish
wesentlich einfacher.
Das Leitwerk
Das Thema Leitwerk ist schnell abgehandelt: Ebene Balsabrettchen soweit
das Auge reicht. Da die Formen bereits vorgefräst sind, verbleiben
lediglich Schleifarbeiten für das Profilieren, sowie das Anschlagen
der Klappen mittels dünner Plastikstreifen an das Leitwerk. Wenn
ich das Modell ein zweites Mal bauen würde, wären hier Miniaturscharniere
angesagt. Die Kunststoffplättchen sind doch relativ steif und die
Microservos müssen schon eine Menge Arbeit verrichten, um die Klappen
zu bewegen und quittieren das prompt mit einer mangelhaften Rückstellgenauigkeit.
Die Höhenleitwerksklappen werden durch einen Draht miteinander verbunden.
Als Ruderhörner finden welche aus 1 mm Sperrholz Verwendung, die
in die fertigen Ausfräsungen der Klappen eingeklebt werden.
Das Höhenleitwerk wird in vorhandene Rumpfschlitze eingesetzt und
verklebt, gleiches gilt für das Seitenleitwerk. Die Bauanleitung
empfiehlt, dies erst nach dem Folienfinish vorzunehmen, hieran sollte
sich man auch halten.
Die Tragflächen
Der Bau der Tragflächenhälften erfolgt einzeln direkt auf dem
Plan und einer ebenen Platte. Durch das Clark-Y-Profil ist das eine einfache
Aufgabe. Die Rippen nacheinander an die End- und Nasenleiste geklebt und
fertig. Mit Sekundenkleber eine Sache, die an einem Abend erledigt sein
sollte. Da ich aber bei Arbeiten mit Holz immer noch auf UHU-Hart und
Weißleim vertraue, dauert´s halt ein wenig länger.
Bei den Randbögen ist handwerkliches Geschick gefragt. Die werden nämlich
aus fünf 1 mm dicken Balsaholzstreifen hergestellt. Um die Form zu
erhalten, gibt´s eine Schablone aus Papier, die ich auf 10 mm Balsa
aufgeklebt habe. Die Balsastreifen werden einige Sekunden in lauwarmes Wasser
eingetaucht, dadurch werden sie sehr geschmeidig und dann entlang der Schablone
befestigt. Nacheinander werden so alle 5 Lagen mit Weißleim aufgebracht,
die Sache ist über Nacht ausgetrocknet und bildet dann eine stabile
und absolut feste Form. Der Randbogen wird danach an die Tragfläche
geklebt und zum Abschluss entsprechend dem Profilverlauf verschliffen. Das
Ganze sollte dann so, wie auf der Bilddokumentation aussehen. Für solche
Arbeiten sind schon Hände mit etwas Erfahrung notwendig. Diese (alte)
Methode nennt man „lamellieren“. Es handelt sich hier also
um lamellierte Randbögen!
Die Flächen werden danach mit 1 mm Balsa-Holz teilweise beplankt
und anschließend verschliffen. Auch hier ist umsichtiges Arbeiten
angesagt, sonst wird die Beplankung nach zu intensiver Schleifarbeit transparent.
Etwas knifflig ist auch das Herstellen der Querruder. Die müssen
nämlich aus der beplankten Endleiste herausgeschnitten werden. Aber
auch dies gelingt mit der entsprechenden Umsicht ohne Probleme. Angeschlagen
werden die Querruder, wie die Leitwerksruder, mit kleinen Kunststoffstreifen.
Auch hier würde ich, wenn ich das Modell noch mal bauen müsste,
Miniaturscharniere verwenden. Angelenkt werden die Querruder nach Bauanleitung
mit einem zentralen Servo à la C 341 von der Flügelmitte aus.
Nachdem ich mir das näher betrachtet habe, insbesondere die Biegeradien
der hierzu notwendigen Bowdenzüge, habe ich mich entschlossen, für
jedes Querruder ein Servo der 9g-Klasse direkt in die Flächen einzubauen.
Hierzu wird einfach in Höhe der Querruder zwischen zwei Rippen eine
Servoauflage aus Balsaholz geklebt, dazu noch ein kleiner Rahmen für
die spätere Servoabdeckung, der ebenfalls aus 1 mm Balsaholz hergestellt
und mit Tesa-Band befestigt wird. Das Servo selbst wird mit Tesa Power-Strips
auf der Servoauflage fixiert. Da diese Strips auf Balsaholz nicht kleben,
wurde vorher die Auflage mit Folie bebügelt, danach hält es
für die Ewigkeit.
Beide Flächenhälften werden abschließend zusammengeklebt
und das Flächen-Mittelteil beplankt. Die Befestigung auf dem Rumpf
erfolgt mittels Zapfen aus Buchen-Rundholz, eine zentrale M3-Kunststoffschraube
sorgt letztlich für den festen Sitz.
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