Zu Land und zu Wasser

Das Piperle vom Himmlischen Höllein

Arno Wetzel

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Als alter Holzwurm kam mir nach etlichen Jahren noch einmal in den Sinn, ein Holzmodell zu bauen. Im Zeitalter der ARF-Modelle muss man schon etwas intensiver suchen, um einen solchen Bausatz zu finden. Die großen Anbieter auf dem Markt haben sich längst von solchen Baukästen verabschiedet, da offensichtlich hierfür kein Bedarf mehr vorhanden ist.

Aber, Gott sei Dank, gibt es doch noch einige wenige Hersteller, die einen Holzwurm befriedigen können. Dies trifft insbesondere dann zu, wenn man den Hangar vom Himmlischen Höllein betritt. Dieser bietet nämlich eine ganze Reihe solcher Holzbaukästen an und hier bin ich dann auch fündig geworden: Eine Piper mit knapp 1080 mm Spannweite und E-Antrieb sollte es sein und da sie so klein und fein aussieht, hat sie der Hersteller liebevoll PIPERLE getauft.

Besonders reizvoll fand ich den für dieses Modell angebotenen Schwimmersatz, der den Einsatz auch auf dem heimischen Baggersee ermöglichen sollte; ein Start aus dem Nassen würde für mich auch eine Premiere bedeuten.

Bestellungen bei Höllein werden in der Regel in himmlischer Eile ausgeführt. So vergingen auch nur zwei Tage, bis der Postbote dreimal klingelte und das Objekt der Begierde bei mir ablieferte: Zwei kleine Werkstoffpackungen, beide gefüllt mit Holz, einmal für das Modell, einmal für die Schwimmer.

Die Zeiten von vorgestanzten Teilen sind wohl vorbei. In diesen Bausätzen findet man ausschließlich gefräste Bauteile: Rippen, Spanten, alles nur vom Feinsten mit absolut sauberen Kanten und einer Präzision, die mich begeisterte. Weiterhin erhält man Baupläne für Rumpf und Flächen im Maßstab 1:1, eine ausführlich Bauanleitung und alles für den Bau erforderliche Kleinmaterial. Lediglich der Antrieb und ein Satz Leichträder müssen separat besorgt werden, wobei auch hierfür entsprechende Empfehlungen in den Anleitungen zu finden sind.

Der Rumpf

Der Rumpf ist kastenförmig aufgebaut. Mit den vorgefrästen Spanten und Beplankungsteilen in Verbindung mit den Bauplänen und der wirklich gut dokumentierten Bauanleitung wird dies zum Kinderspiel.

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Eine ganz pfiffige Lösung sind die auf den Rumpfbeplankungen aufgeleimten Vierkantleisten. Diese ergeben nämlich beim späteren Bespannen die klassische, kantige Rumpfform des Originals. Klasse!

Das Hauptfahrwerk sowie die Aufnahme für das Spornrad müssen aus Stahldraht gebogen werden. Auch dies gelingt mit den Bauplanvorgaben ohne Probleme. Der Rumpf wird im Bereich der Fahrwerksaufnahmen mit einer Gewebematte etwas verstärkt, man findet alles in der Zubehörtüte.

Langsam muss man sich auch über den RC-Einbau Gedanken machen. Die Bauanleitung bietet hier verschieden Varianten an und zwar abhängig davon, wie viele Zellen man für den Antrieb verwenden möchte und welchen Regler man in Betracht zieht. Direkt betroffen davon ist nämlich die Position der beiden Leitwerksservos, die man im mittleren oder hinteren Bereich der Kabine anordnen kann. Ich habe mich für die hintere Position entschieden da hier meines Erachtens dafür der beste Platz ist. Für solch ein kleines Modell ist die Servo-Frage für Höhen- und Seitenruder schnell beantwortet: Micro-Servos der 9g-Klasse verrichten hier ihre Arbeit. Auf die Leitwerksklappen übertragen sie Ihre Bewegungen mittels 0,8 mm-Stahldrähten, die durch Innenröhrchen von normalen Bowdenzügen geführt werden; auch diese findet man im Baukasten.

Die Antriebsakkus sollen später über einen Deckel im Rumpfboden eingeschoben werden. Der Verschlussmechanismus ist simpel aber wirkungsvoll, er wird mit Eisendraht aus einem Stück gebogen. Hierzu ein Tipp: Damit der Mechanismus sauber einrastet, ist es erforderlich, in den Motorspant ein kleines Loch zu bohren. Dies sollte man vor dem Ankleben der vorderen, oberen Rumpfbeplankung vornehmen, da man in diesem Baustadium das Loch besser positionieren kann.

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Zum Abschluss wird der gesamte Rumpf an den Kanten sauber verschliffen. Wer hier entsprechend sorgfältig arbeitet, hat es beim Folienfinish wesentlich einfacher.

Das Leitwerk

Das Thema Leitwerk ist schnell abgehandelt: Ebene Balsabrettchen soweit das Auge reicht. Da die Formen bereits vorgefräst sind, verbleiben lediglich Schleifarbeiten für das Profilieren, sowie das Anschlagen der Klappen mittels dünner Plastikstreifen an das Leitwerk. Wenn ich das Modell ein zweites Mal bauen würde, wären hier Miniaturscharniere angesagt. Die Kunststoffplättchen sind doch relativ steif und die Microservos müssen schon eine Menge Arbeit verrichten, um die Klappen zu bewegen und quittieren das prompt mit einer mangelhaften Rückstellgenauigkeit. Die Höhenleitwerksklappen werden durch einen Draht miteinander verbunden. Als Ruderhörner finden welche aus 1 mm Sperrholz Verwendung, die in die fertigen Ausfräsungen der Klappen eingeklebt werden.

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Das Höhenleitwerk wird in vorhandene Rumpfschlitze eingesetzt und verklebt, gleiches gilt für das Seitenleitwerk. Die Bauanleitung empfiehlt, dies erst nach dem Folienfinish vorzunehmen, hieran sollte sich man auch halten.

Die Tragflächen

Der Bau der Tragflächenhälften erfolgt einzeln direkt auf dem Plan und einer ebenen Platte. Durch das Clark-Y-Profil ist das eine einfache Aufgabe. Die Rippen nacheinander an die End- und Nasenleiste geklebt und fertig. Mit Sekundenkleber eine Sache, die an einem Abend erledigt sein sollte. Da ich aber bei Arbeiten mit Holz immer noch auf UHU-Hart und Weißleim vertraue, dauert´s halt ein wenig länger.

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Bei den Randbögen ist handwerkliches Geschick gefragt. Die werden nämlich aus fünf 1 mm dicken Balsaholzstreifen hergestellt. Um die Form zu erhalten, gibt´s eine Schablone aus Papier, die ich auf 10 mm Balsa aufgeklebt habe. Die Balsastreifen werden einige Sekunden in lauwarmes Wasser eingetaucht, dadurch werden sie sehr geschmeidig und dann entlang der Schablone befestigt. Nacheinander werden so alle 5 Lagen mit Weißleim aufgebracht, die Sache ist über Nacht ausgetrocknet und bildet dann eine stabile und absolut feste Form. Der Randbogen wird danach an die Tragfläche geklebt und zum Abschluss entsprechend dem Profilverlauf verschliffen. Das Ganze sollte dann so, wie auf der Bilddokumentation aussehen. Für solche Arbeiten sind schon Hände mit etwas Erfahrung notwendig. Diese (alte) Methode nennt man „lamellieren“. Es handelt sich hier also um lamellierte Randbögen!

Die Flächen werden danach mit 1 mm Balsa-Holz teilweise beplankt und anschließend verschliffen. Auch hier ist umsichtiges Arbeiten angesagt, sonst wird die Beplankung nach zu intensiver Schleifarbeit transparent.

Etwas knifflig ist auch das Herstellen der Querruder. Die müssen nämlich aus der beplankten Endleiste herausgeschnitten werden. Aber auch dies gelingt mit der entsprechenden Umsicht ohne Probleme. Angeschlagen werden die Querruder, wie die Leitwerksruder, mit kleinen Kunststoffstreifen. Auch hier würde ich, wenn ich das Modell noch mal bauen müsste, Miniaturscharniere verwenden. Angelenkt werden die Querruder nach Bauanleitung mit einem zentralen Servo à la C 341 von der Flügelmitte aus. Nachdem ich mir das näher betrachtet habe, insbesondere die Biegeradien der hierzu notwendigen Bowdenzüge, habe ich mich entschlossen, für jedes Querruder ein Servo der 9g-Klasse direkt in die Flächen einzubauen. Hierzu wird einfach in Höhe der Querruder zwischen zwei Rippen eine Servoauflage aus Balsaholz geklebt, dazu noch ein kleiner Rahmen für die spätere Servoabdeckung, der ebenfalls aus 1 mm Balsaholz hergestellt und mit Tesa-Band befestigt wird. Das Servo selbst wird mit Tesa Power-Strips auf der Servoauflage fixiert. Da diese Strips auf Balsaholz nicht kleben, wurde vorher die Auflage mit Folie bebügelt, danach hält es für die Ewigkeit.

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Beide Flächenhälften werden abschließend zusammengeklebt und das Flächen-Mittelteil beplankt. Die Befestigung auf dem Rumpf erfolgt mittels Zapfen aus Buchen-Rundholz, eine zentrale M3-Kunststoffschraube sorgt letztlich für den festen Sitz.

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Stand: 21.09.2003