Weltmeisterschaft 2003 der Pylonflieger F3D

Otto Jakob

Die Organisation der WM

Die WM fand vom 25. bis 30. 8. statt. Ich selbst war nur am 28. und 29. vor Ort. An diesen Tagen wurden die Durchgänge 1 bis 12 ausgetragen. Am Samstag wurden noch drei Durchgänge geflogen, die ich nicht mehr verfolgen konnte. Das Wetter war sonnig mit teilweise auch bedecktem Himmel. Die Temperaturen lagen bei ca. 25°C. Zwischendurch kam böiger Wind auf.

Austragungsort der WM war ein Gelände in Melnik. Vielen Pylonfliegern wird die Örtlichkeit bekannt sein, da jährlich hier ein Europa-Cup-Wettbewerb ausgetragen wird. Sie liegt ca. 80 km nördlich von Prag und ist über eine Bundestrasse sehr gut zu erreichen. Das kam uns Zuschauern sehr gelegen, zumal die Hotelkosten und die gute Gastronomie noch sehr preiswert sind. Übernachtungen im 3-Sterne-Hotel kosten ca. 20 € pro Nacht und ein Steak ist bereits für 5 € zu haben.

Die Organisatoren sind Profis und es gab eigentlich keinen Grund daran zu zweifeln, dass die Tschechen so eine WM professionell durchführen können. 1997 fand schon einmal eine WM in Tschechien statt und zwar in Sumperk. Die Gastgeber wurden sowohl individuell mit Malina als auch mit der Mannschaft Weltmeister. Es gab damals Kritik und Gerüchte, dass der Heimvorteil etwas zu heftig ausgefallen war. Die diesjährige WM war absolut fair und total transparent.

Die Organisation war so perfekt, dass sie die Messlatte für alle zukünftigen WMs ziemlich hoch gelegt hat. Die Franzosen müssen sich 2005 in Tours sehr anstrengen. Vergleicht man die Organisation der WM mit unseren Wettbewerben zur Deutschen Meisterschaft, ist der Unterschied etwa so groß wie zwischen der Champions Leage und einer Kreisliga-Begegnung im Fußball. Nur ein Beispiel: Die Zuschauer wurden über PC Terminals ständig über die geflogenen Zeiten, den Ergebnisstand und wer gerade in der Vorbereitungsbox ist, in Echtzeit informiert.


Der PC, der über die Wertungen informiert befindet sich im blauen Pylonzelt. K. Callow, Vater und Caller des Weltmeisters, informiert sich.

Während des Rennens wurde die schnellste aktuelle aufsummierte Rundenzeit über ein großes Terminal vor den Zuschauern angezeigt. Es gab während der ganzen WM nicht einen Reflight wegen eines Systemfehlers. Bei vielen Wettbewerben kam es in der Vergangenheit fast immer mal zum Versagen von Stoppuhren oder zur Verwechslung von farblich gleichen Modellen usw.

Die ganze Mannschaft sprach englisch und war überaus freundlich. Jedem Piloten wurde nach dem Durchgang ein Zettel mit den gestoppten Rundenzeiten und der Gesamtzeit ausgehändigt.
Die Platzierung aller Schiedsrichter außerhalb des Flugbereichs wurde in Perfektion realisiert. Lediglich der Starter und die Piloten mit ihren Helfern befanden sich in der Nähe des Doppelpylons. Die Helfer wurden über eine große Tafel darüber informiert, welche Runde gerade schon beendet ist und ob "Klappen" verhängt wurden.


Blick auf die Startstelle. Die Tafeln zeigen in der Mitte die geflogene Runde an. Die Punkte oben zeigen die Klappen. Grün hat zwei, gelb und weiß eine und rot keine. Die Uhr wird zu Beginn der Startzeit gestartet. Nach 1 min erfolgt der Start der vier Modelle im Sekundenabstand.

Information für die Nicht-Pylonflieger. Ein unkorrektes Umrunden eines Pylons ergibt eine Klappe und einen Zeitaufschlag von 10%. Zwei Klappen führen zu einer 200er Wertung. Das ist dann genauso schlecht wie ein vorzeitiges Beenden des Rennes z.B. durch einen Motorausfall. Wer zum Rennen nicht antritt, z.B. weil er keine Modelle mehr hat, bekommt auch pro Lauf 200 Punkte.

Es wurden 15 Rennen geflogen; die 13 schnellsten Zeiten gewertet. Es ist einleuchtend, dass eine 200er Zeit in der Wertung den Teilnehmer sehr weit zurück wirft.

Der Wettbewerb

Die Auslosung aller Rennen wurde vor dem Wettbewerb vorgenommen und den Teams ausgehändigt. Diese Liste war auch für uns Zuschauer sehr hilfreich, da man auf Grund der Zusammensetzung schon erahnen konnte, ob die Rennen spannend werden und wann die Daumen für unsere Mannschaft gedrückt werden mussten. Ich will hier nur die Highlights herauspicken und nicht auf jedes Rennen eingehen. Die Zeiten aller Teilnehmer können auf der offiziellen Webpage eingesehen werden.

Gleich im zweiten Rennen versprach die Auslosung mit dem Amerikaner Larson, dem schnellsten Schweden Erikson, dem amtierenden Weltmeister Callow aus Australien und dem schnellsten Italiener Mucedola den Zuschauern spannenden Rennsport. Schon diese Rennen entschädigten für die 9-stündige Anreise.

Mucedola hatte bei der Motorabstimmung wohl zu hoch gepokert und blieb mit seiner MB angetriebenen DAGO INOVATION am Boden. Larson (65.2) und Erikson (68.1) flogen gut und schnell, aber Chris Callow flog eine Traumzeit von 58.2s in einem bemerkenswerten niedrigen Flugstil. Der Weltmeister untermauerte seine Favoritenstellung und wir konnten kaum erwarten, ob unser europäischer Champion Robbert van den Bosch oder die Ex-Weltmeister R. Verano, R. Phelan oder das Team Malina mit Heimvorteil kontern können. Gleich im nächsten Rennen hieß es Daumen drücken für Martin und Marco aus dem deutschen Team. Sie mussten sich mit Henderson aus Neuseeland und Sato aus Japan messen. Unsere Jungs gewannen souverän das Rennen. Sato kassierte seinen ersten 200er, Henderson wurde zweimal überrundet und die Uhren blieben bei 68s (Martin) und 67,2s (Marco) stehen. Das war ganz gut, allerdings wurde der Abstand zum Weltmeister deutlich aufgezeigt. Marco hatte in diesem Jahr den deutschen Rekord auf 58s verbessert und war von seiner Zeit enttäuscht. Thomas startete nur mit 74,2s. Zur Ehrenrettung für Thomas muss angemerkt werden, dass er diese für seine Verhältnisse schlechte Zeit in der Gesamtwertung streichen konnte. Von nun an ist er mit seinem Caller Andreas (Kleinatze), der zum ersten Mal auf einer WM war, immer schneller geworden. Für eine Platzierung unter den Top 10 mussten unsere Jungs einen Zahn zulegen. Wir waren optimistisch, denn die Stimmung war gut.


Blick ins deutsche Zelt. Links mit der Hand an der Zeltstange A. Just, sitzend Th. Lindemann, dann M. Henschkowski und A. Lauterbach, M. und H. Sagemüller rechts dahinter. Das Modell gehört M. Henschkowski.

Danach ging es Schlag auf Schlag. Nach dem ersten Durchgang sah es wie folgt aus:
Callow 58,2s, Robbert 59,2s, Verano 61,8s, Malina 63,5s, Phelan 64,0s. Die Favoriten fürs "Stockerl" hatten die Karten auf den Tisch gelegt. Das Verfolgerfeld mit Piloten, die um 65s fliegen können, war enorm groß und die Zuverlässigkeit hat hier über gute oder schlechte Platzierung entschieden. Mit dem heute käuflichen Material kann ein guter Pilot die 65s erfliegen. Bei 15 Versuchen 13 mal diese Zeit zu erreichen ist nicht so einfach.

Sehr gut in Form zeigten sich die beiden Holländer Peter v. Doesburg und Marcel Huismann, die fast immer bei den deutschen Rennen mitfliegen. Beim Saisonauftakt in Scherfede war das Team Holland noch in der Testphase, bei der WM waren sie und ihr Material topfit. Ich wurde in meiner Meinung bestätigt, dass Holland mit dem Team Manager Rob Metgemaijer, der auch die MB Motore baut, Favorit auf den Mannschaftstitel ist. Sie gewannen auch souverän mit großem Abstand. Ein tolles sympathisches Team. Sie haben es wirklich verdient. Das ist wörtlich zu nehmen. Sie haben mit der Entwicklung des MB Motors, mit sehr viel Einsatz, Training und einer hervorragenden Teamarbeit den Grundstein gelegt, um auch in Zukunft Anspruch auf den Titel zu erheben. Holland kann inzwischen auch eine zweite Mannschaft (Martin, Ray und Andre) bilden, die zur Weltklasse gehört. Sie haben mit dem jungen Martin van Doesburg den besten Nachwuchspiloten. Er könnte in ein paar Jahren den Titel wieder nach Europa holen. Mein Vorschlag, ihm die deutsche Staatsbürgerschaft zu verleihen, ist von seinen Eltern bisher nicht akzeptiert worden.

Die Beschreibung aller Rennen ist nicht möglich und würde dem Leser auch nicht die Eindrücke des Live-Erlebnisses vermitteln können.

Es folgten aber genügend Höhepunkte, die berichtenswert sind.

Es hat sich noch nicht bis Australien herumgesprochen, dass das Familienunternehmen Andrlik (er fliegt, sie ist "Callgirl") sehr viele schöne giftgrüne Flieger baut und deswegen gar nicht auf die Idee kommt, ein paar Zehntelsekunden zu opfern, um einen Zusammenstoss zu vermeiden. B. de Castel war im 8. Rennen der Verlierer. Sein Modell explodierte förmlich in der Luft; Andrlik konnte mit geringem Schaden landen. Beim Reflight kassierten beide einen 200er. Ob es einen Pylon-Gott gibt?

Im zehnten Rennen trat der Grieche Sopeoglou mit einer interessanten Eigenkonstruktion (stehender Motor, V-Leitwerk) gegen Marcel H., dem Pylon-Urgestein Ragnarsson aus Schweden und den Ukrainer Soshnin an. Der Ukrainer flog den SPEED CHAMP (mit IR Motor), der auch in Deutschland verkauft wird. Da ich selbst dieses Modell vor zwei Jahren mal eingesetzt habe, war ich natürlich gespannt, ob der Konstrukteur dieses Modells meine beste Zeit von 71s erreichen oder unterbieten kann. Tatsächlich, im dritten Versuch blieb die Uhr bei 68,5s für den SPEED CHAMP stehen. Bei der Übersetzung des FAI-Reglements muss den Ukrainern ein Fehler unterlaufen sein. Der Rumpf des SPEED CHAMP ist so fett, dass drei Standardservos nebeneinander angeordnet werden können. Er sieht deswegen eher wie ein kleines F3A Modell aus.

Stand: 22.09.2003