Weltmeisterschaft 2003 der Pylonflieger F3D

Otto Jakob

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Italien (6)

Italien hat mit P. Mucedola (5) einen Top Mann an der Spitze. Er wurde kurz vor der WM Vater. Das Töchterchen mitsamt der Schwiegereltern war natürlich anwesend. Seine Mitstreiter Tosi (27) und Cavallaro (17) können sich noch steigern, und bei der nächsten WM ist mit den Italienern zu rechnen. Sie setzen MB-Motoren und DAGOs ein. Das Team richtet sich anscheinend vollkommen nach Mucedola aus. Gleiche Flieger, gleicher Motor, ähnlicher Flugstil usw. Mit Perella hat Italien einen Piloten in der Hinterhand, der immer unter die Top Ten fliegen kann. In Italien scheint es mit F3D wieder bergauf zu gehen.

Frankreich (7)

Das Mannschaftsergebnis der Franzosen wurde vom schlechten Abschneiden von C. Choy geprägt, der leider nur 34er wurde. Er ist in Europa normalerweise immer sehr weit vorne anzutreffen und gewann den Wettbewerb in Tours in 2002. Dieses Mal zeigte er auch, dass 64s mit seinem MB bepowerten ATOMIC möglich sind, aber insgesamt sieben 200er sind zuviel. Die Mannschaftskollegen Schmitt (14) und Perret (16) boten eine souveräne Leistung, so wie wir es erwartet haben. Ich habe die Franzosen in der Mannschaft auf Grund der guten Leistungen bei den europäischen Wettbewerben viel weiter vorne vermutet. Der 3. Platz wäre im Bereich des Möglichen gewesen. Sie sind auf jeden Fall ein Anwärter aufs Treppchen in zwei Jahren bei ihrer Heim-WM. Sie fliegen alle das gleiche Modell, das von Perret gebaut wird. Dieses Modell ist relativ preiswert und sicherlich eine sehr gute Wahl, wenn man Gefallen an dem Sport findet und ein weit vorgefertigtes Modell sucht. Die handwerkliche Ausführung ist sehr gut. Adresse und Tel. Nr. kann ich bei Bedarf mitteilen.

Japan (8)

Das Ergebnis der WM kann den ehrgeizigen Japanern nicht gefallen. Ihre Nation ist in F3A und F3C wirklich Weltspitze. Im Pylonrennen fallen sie gegenüber den Kollegen etwas ab. Schade. An der Erfahrung kann es nicht liegen, denn Sato und Chujo haben seit 1987 an insgesamt 8 WMs teilgenommen. Ich will auch nicht ungerecht sein. 1989 waren sie 3. und 1991 2. im Team. Sato kam auf 23, Chujo auf 26 und Oi auf 29. Ihre Modelle waren wunderschön gebaut und lackiert. Das hielt sie aber nicht davon ab, auf Kampflinie zu fliegen. Sie wurden auch durch Zusammenstösse und Zerplatzer aus dem Rhythmus gebracht.

Blick ins japanische Zelt. Der Flieger vorne wird von Jiri Klein aus Tschechien gebaut und vertrieben.


Chujo mit Caller . Interessantes Leitwerksdesign. Ob das schnell ist?

Tschechien (9)

Der Heimvorteil hat ihnen nur Pech gebracht. Die Mannschaftsweltmeister von 1997 sind total abgeschifft. Über Team Malina (36) habe ich schon berichtet. Dem Kollegen Novak (33) erging es nicht besser. Da konnte auch das gute Abschneiden von Andrlik auf Platz 12 nicht trösten. Ich bin mir aber sicher, sie werden aus den Trümmern dieser WM gestärkt auferstehen. Sie haben nach wie vor sehr viele gute Piloten im Land, da Modellflug sehr populär ist.

Great Britain (8)

Die Engländer habe ich auch besser erwartet. R. Ferguson, der englische Meister, wurde 15. und hat damit sein derzeitiges Potential unter Beweis gestellt. Ein sympathischer Sportsmann, mit dem ich mich vor einem Jahr in Tours intensiv unterhalten konnte, da sein Vorbereitungszelt direkt neben unserem aufgestellt war. Er setzt die Supercool Propeller ein und fertigt einen RAPTOR Baukasten. Der Rumpf ist noch identisch zum holländischen Entwurf, der Flügel ist neu entworfen und in GFK-Schalenbauweise ausgeführt. Er fliegt wie alle Team Mitglieder MB-Motoren. B. Illingworth (32) war schon schneller und hatte am Ende sechs 200er. Der junge Odell (37) hatte ab dem 9. Durchgang keine Modelle mehr. Er hatte Probleme mit der Fernsteuerung und auch mindestens einen Zusammenstoß. Für das Empire kann es nur bergauf gehen, ich bin mal gespannt.

Russland (9)

Der Top-Pilot der Russen, Sascha Smolentsev, war nicht am Start. Er war letztes Jahr in Tours im Finale der schnellste Mann und hat seine Leistung schon mehrmals auch auf deutschen Wettbewerben unter Beweis gestellt. Es gab Gerüchte, dass es eine Verstimmung im Team gab, und er deswegen nicht antreten durfte. Die Ersatzleute konnten an seine Leistungen nicht anknüpfen. Gut bekannt ist Konstantin Krikoun, da er früher bei Ibragimov in dessen Motorenschmiede angestellt war. Konstantin arbeitet inzwischen auf eigene Rechnung und will einen eigenen Motor auf den Markt bringen. Ich habe mit ihm die Erfolgsaussichten dieses Vorhabens diskutiert. Seine Meinung: Wenn man die MB-Piloten schlagen will, muss man einen besseren Motor bauen! Viel Glück. Er hat einen eigenen Motor verwendet, der auf Teilen vom IR FI aufbaut. Sein 19. Platz ist wirklich sehr gut. Eigentlich müsste er für die Anreise per PKW von Kasan schon einen WM-Titel erhalten. Wir halten es in Deutschland schon für etwas verrückt, mit vier Modellen so schnell und so tief um einen Dreieckskurs zu fliegen, dass Berührungen und Abstürze einkalkuliert werden müssen. Was ist dann Konstantin?

Die Länder Ukraine, Mexiko, Schweiz, Neuseeland und Griechenland konnten kein komplettes Team melden.
Der Mexikaner J. de la Vega ist der Gewinner der amerikanischen Ausscheidung und flog mit 62s eine beachtliche Zeit. Aber fünf 200er warfen ihn auf Platz 28 zurück.

Die Technik

Die wenigsten Top-Leute entwerfen ihr Modell oder bauen einen Motor. Die Ausnahme ist, wie beschrieben, R. Phelan. Es ist kein eindeutiger Trend erkennbar, der für einen Flügel mit höherer Streckung als 7 sprechen würde. Das Modell vom Weltmeister (eigener Rumpf, Flügel von Chastel) ist gut, aber die Kombination aus Motor, Luftschraube und Flugstil bringt's. Überraschend schnell sind die Modelle der Franzosen, die "nur" 1450mm Spannweite haben. Der MONSTER RAPTOR der Holländer mit 1920mm scheint aber keine besseren Zeiten zu ergeben, als die DAGO INOVATION mit 1650mm. Peter und Robbert setzten die DAGOs ein und ließen die RAPTORs im Zelt.
Bei den Motoren hat MB die Oberhand, aber Rawil Ibragimov zeigte mir den neuen Motor, der sicherlich in der nächsten Saison die MBs aufmischen wird.
Nelson verliert immer mehr an Boden. Auch die Amis Larson und Chastel fliegen MB. FAI ist in USA nicht so populär und die Möglichkeit, Motoren zu verkaufen, ist geringer als in Europa. Sicherlich hat auch der Rückzug von Dave Shadel (Performance Specialties) dem Motorenabsatz von Nelson geschadet.
Ich habe mich besonders über die zwei Entwürfe mit V-Leitwerk und stehendem Motor von Harrod und Sopeoglou gefreut. Besonders das Modell von Harrod hat mir vom Entwurf her sehr gut gefallen. Die Bilder zeigen mehr. Die verwendeten Luftschrauben haben max. ca. 175mm Durchmesser und ca. 7,5“ Steigung. Die Drehzahlen am Boden liegen noch unterhalb von 30.000U/min. Ob ein Resonanzrohr viel oder wenig Volumen haben muss, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Viele flogen das Chastel Nr. 5 Rohr, auch Callow! Da die Holländer ein eigenes Rohr mit viel mehr Durchmesser einsetzten, obwohl sie sicher das Chastel Rohr auch ausprobiert haben, herrscht Verwirrung.

Es gibt inzwischen eine ausreichende Auswahl an Modellen.
Folgende Hersteller bieten Modelle an: Bitte entschuldigt, wenn die Liste nicht vollständig ist!

  • Lyle Larson
  • Jean I. Perret den ATOMIC
  • Jiri Klein
  • Bruce de Chastel den EVOLUTION 2003
  • C. Wolf die DAGO INOVATION
  • F. Hovorka
  • B. Ferguson den VANQUISH (RAPTOR Rumpf)
  • R. Phelan den RPM SECIAL.

Zur Information hier noch einige Websites:

Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung. Ansonsten freue ich mich über jeden Kontakt bei einem Wettbewerb. Wir sehen uns.

Der Autor

Ich (RC-Network Pseudonym ist "speed") bin 45 Jahre alt, verheiratet mit Ute und wir haben eine Tochter namens Lisa im Alter von 8 Jahren. Ich betreibe seit meiner Jugend Flugmodellsport und schlug die übliche "Karriere" über Freiflug, Fesselflug, RC- Flug ein. Wettbewerbsmäßig bin ich schon relativ früh in die Klasse Quicky 500 und danach in F3D (Pylon) eingestiegen. Das Hobby hat sicherlich auch Einfluss auf meine Berufswahl gehabt. Ich habe in Stuttgart Luft- und Raumfahrttechnik studiert, war Gründungsmitglied der Akamodell Stuttgart und arbeite heute als Projektleiter in der Wehrtechnik.

Ich qualifizierte mich 1989 zusammen mit E. Graef und H. Sagemüller als erstes deutsches Team für die F3D WM in USA.

Wettbewerbe fliege ich heute nur noch zum Spaß mit. Mit dieser Einstellung wird der Abstand zur Spitze aber leider immer größer und der Spaß nimmt ab. Im Moment stehe ich also vor der Entscheidung, für die nächste Saison entweder mehr zu arbeiten oder aufzuhören. Die WM hat mir zumindest kurzfristig einen Motivationsschub verpasst, so dass es möglich ist, dass ich mein Modell auch in 2004 um das Dreieck hetze.


Der Autor links und sein Bruder Michael (f3d) rechts mit der DAGO INOVATION von C. Wolf

Ich habe hier meine Eindrücke als Zuschauer wiedergegeben. Mit dem einen oder anderen Teilnehmer konnte ich in den Rennpausen sprechen. Die deutschen Teilnehmer kenne ich persönlich. Der Bericht kann aber nicht alle Aspekte abdecken. Ich hoffe, der Bericht gefällt Euch und vermittelt einen Eindruck von der WM in der Klasse F3D. Die deutsche Mannschaft wurde außer von mir auch von M. Jakob, den Coors Brothers, Vater und Mutter Lindemann und Karl Haag angefeuert.

Stand: 22.09.2003