Ein Greenhorn in Bad Neuenahr

Jet Power 2003

03.-05.10. 2003

Arno Wetzel

Zunächst vorweg: Trotz meiner, wie ich meine mit fast 40 Jahren durchaus respektablen Modellbauerkarriere, bestand bisher die Jetszene für mich nur aus einem HotSpot mit entsprechender JetCat-Turbine. Einen Modelljet hatte ich nur ein einziges Mal in meinem Leben fliegen sehen und das war in meinen Augen nun überhaupt nicht überzeugend gewesen. Mit diesen Ansichten und Erinnerungen machte ich mich auf den Weg nach Bad Neuenahr, um beim dortigen Jet-Meeting meinen, wie sich herausstellte in dieser Beziehung sehr engen Erfahrungshorizont, zu erweitern.

Ich will es vorweg nehmen: Was ich dort erlebt habe, war schier unglaublich und ich musste mir vorwurfsvoll eingestehen, dass ich in den letzten Jahren meinen Informationsstand bezüglich des Jet-Modellbaus sträflich vernachlässigt hatte. Aber der Reihe nach.

Schon von der Autobahn aus erblickte ich den Flugplatz für manntragende Fliegerei von Bad Neuenahr, der eigens an diesem Wochenende nur für die Jet-Piloten reserviert war. Normalerweise tummeln sich hier die Segelflieger mit den entsprechenden Schleppmaschinen, aber von weitem sah man schon ein riesiges Lager von Wohnmobilen und Wohnwagen und man konnte erahnen, dass heute etwas Besonderes im Gange war. Tatsächlich, am Himmel erkannte man schon zwei Flieger, die über das Fluggelände sausten. Ohne Zweifel, das waren Jet-Modelle. Prompt fuhr ich an der Ausfahrt Bad Neuenahr-Ahrweiler vorbei, ärgerlich, denn man könnte ja jetzt schon das Highlight verpasst haben, aber die nächste Abfahrt war schon in Sicht. Nach Verlassen der Autobahn wurde ich durch reichlich vorhandene Hinweisschilder direkt bis zum Flugplatz geleitet, und freundliche Einweiser wiesen mir einen Parkplatz zu, das war schon einmal sehr gut organisiert.

Nachdem ich meinen Eintrittsobolus in Höhe von 5 Euro entrichtet hatte, drängte es mich sofort zu der großen Menschentraube, die sich hinter dem Schutzzaun entlang der Asphaltbahn gebildet hatte. Und da standen die Objekte der Begierde im Vorbereitungsraum und warteten auf ihren Auftritt. Zwei Trainer waren zur Zeit in der Luft und begeisterten das Publikum. Mit fachmännischen Kommentaren des Sprechers wurden die Zuschauer über Einzelheiten der Vorführung informiert. Auch ich war hin und her gerissen, nur mein Standort war für eine Photosession an dieser Stelle denkbar ungeeignet. Also, zunächst einmal zielstrebig zum Stand des Deutschen Jet-Teams, wo mich Team-Leiter Ralf Kohnen mit einem heißen Kaffee im Empfang nahm.

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Das Team Deutschland hatte für diese Veranstaltung einen tollen Informationsstand aufgebaut, der gesamte Kader war anwesend und flog natürlich auch seine Wettbewerbs-Jets. Willkommen waren dort auch alle anderen Größen der Jet-Szene und wie der Zufall es wollte, konnte ich beim Fachsimpeln mit Erik van den Hoogen und Giel Dols teilnehmen, den Insidern besser bekannt unter dem Namen „Dutch Horten Team“. Deren Modell, eine Horten mit zwei AMT-Turbinen, wurde schon mehrfach in diversen Fachzeitschriften vorgestellt und war mir auch von daher bekannt.

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Fachsimpeln beim Jet-Team Germany: Im Vordergrund Ralf Kohnen, Erik van den Hoogen links, Giel Dols rechts neben Max Groh

Mit einer Spannweite von über 4 m ein wahrlich gigantischer Vogel und ich konnte ihn kurz darauf fliegen sehen. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Max Groh, der mir das Tor zum "Park fermé" öffnete und ich somit hautnah, direkt an der Landebahn, am Geschehen teilnehmen konnte.

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Erik und Giel bei den Startvorbereitungen

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Die Horten kurz vor dem Abheben

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Begegnung der dritten Art: Ein ungewöhnliches Erscheinungsbild am Modellhimmel

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Die Horten im Landeanflug

Giel erzählte mir im Anschluss, dass er und seine Team-Freunde sich seit nunmehr 14 Jahren mit dem Bau von Horten-Konstruktionen beschäftigen. Für den sicheren Start des aktuellen Modells wird ein bestimmter Anstellwinkel benötigt, der mit dem Bugfahrwerk erreicht wird. Die Landungen waren dann allerdings immer eine Hüpforgie und extrem schwierig zu bewerkstelligen. Das Bugfahrwerk wurde daraufhin umkonstruiert und kann nun für die Landung um einige Millimeter abgesenkt werden. Dieser Geistesblitz der Konstrukteure konnte auch in Bad Neuenahr absolut überzeugen. Wer mehr über die Horten wissen möchte sollte die Websites des Dutch Horten Team studieren.

Stand: 08.10.2003