Q500 - Pylonracing
go fast, turn left...

Andreas Lauterbach (kleinatze)


Pylonromantik.
Noch liegt er friedlich im Gras..

Was soll das Ganze?

Das Umfliegen der drei Pylone erfordert viel Geschick und Nerven wie Drahtseile. Der Geruch von verbranntem Rizinusöl liegt in der Luft. Rennatmosphäre pur. Noch schnell die Kerze checken und ´nen anderen Prop drauf und schon geht´s zum Flugfeld. Starter und Zeitnehmer warten bereits. Das hat schon was... Wer sich gern modellfliegenderweise Stress aussetzt, ist hier genau richtig.

An der Startstelle


1. Das Modell wird den Winkern und Zeitnehmern gezeigt


2. Die Uhr läuft. Nun hat man 60s Zeit, um den Motor zu starten...


3. ...uuuuund gleich geht’s los

Die technische Entwicklung der F3D-Modelle hat in den letzten Jahren einen riesigen Schritt nach vorn gemacht. Mittlerweile werden die 10 Runden um den FAI-Kurs in weniger als 60s geflogen. Die Modelle werden immer aufwändiger und die Motoren mit immer höheren Drehzahlen (mittlerweile jenseits der 30.000 Umdrehungen/min) malträtiert.

Leider haben Einsteiger kaum eine Chance, die Antriebstechnik an sich und die Modelle in fliegerischer Hinsicht zu beherrschen. Innerhalb eines Wimpernschlags (etwa 1s) legt das Modell ca. 90m zurück!! Die Aerodynamik der Modelle ist mittlerweile derart ausgefeilt, dass man bei dem erreichten Gleitwinkel durchaus auf die Idee kommen könnte, das F3D-Modell für den F3B- oder F3F-Einsatz zu missbrauchen. Besonders die Landeeinteilung erfordert daher viel Erfahrung.

Zudem kommt man bei diesen Modellen, die im Flug extremen Belastungen ausgesetzt werden, kaum um die Voll-GfK-Bauweise herum. Die Modelle haben dann leider auch einen entsprechend hohen Kaufpreis...
Aber zum Glück gibt es ja die Einsteigerklasse Quickie 500.

Die Quickie500-Wettbewerbe werden parallel zu den F3D-Wettbewerben ausgetragen.

Das Aussehen der Modelle ist durch ein strenges Reglement (siehe MPS - Pylon Racing F3D Germany) vorgegeben. Die „Quickies“ sind sehr einfach und robust aufgebaut. Der Rumpf besteht aus einem einfachen Balsakasten und die Flügel sind in der bewährten Balsa-Styro-Bauweise gefertigt. Alle Piloten gehen mit leistungsmäßig sehr ähnlichem Material an den Start. Bei Q500 steht das „Rennen“ im Vordergrund, nicht das „Wettrüsten“.

Es bietet sich an, die Querruder mittels Torsionsanlenkung anzusteuern. So kommt man mit nur einem Servo aus und keine außenliegende Anlenkung stört die Aerodynamik des Modells

Einen ausführlichen Baubericht mit vielen Bildern der „Viper“ von Martin und Gerald Coors kann man von der Seite des MFC–Eschweiler herunterladen.

Mein neustes Modell, gebaut nach der Bauanleitung der Coors-Brothers. So hässlich sind die Seifenkisten doch nun auch nicht, oder?

Für Eilige und Faule bietet die Firma Robbe das ARF-Q500-Modell "Cobra" zu einem fairen Preis an, das gut verarbeitet und absolut wettbewerbstauglich ist. Im RCN-Pylonforum sind auch einige Beiträge zu diesem Modell zu finden.

"Ja ja, links ´rum im Kreis fliegen kann ja jeder" hört man immer wieder. Jedesmal frage ich mich, wer von diesen Menschen, die diesen Spruch geprägt haben, hat schon einmal versucht, mit einem 200km/h schnellen Modell den Kurs überwiegend im Messerflug in wenigen Metern Höhe präzise zu treffen? Gleichzeitig gilt es noch, an den anderen beiden Kontrahenten "dranzubleiben" bzw. sie "vom Leitwerk zu schütteln" und, bei ähnlich guten Piloten, den Kurs "Randbogen an Randbogen" nach Möglichkeit ohne Crash zu umrunden. Beim Pylonracing geht es wirklich rund und schon kleine Flugfehler machen sich stark negativ in den Zeiten bemerkbar oder dezimieren gar die Modellflotte:


RIP - alle trauern mit. Der Motor hat´s aber überlebt

Die Performance des Q500-Racers ist am Anfang zweitrangig; ein kleiner "Ausreiter" kostet schnell mal 10s. Daher machen sich 100 Umdrehungen mehr oder weniger pro Minute an der Kurbelwelle in den Zeiten kaum bemerkbar. Das wirklich Entscheidende in dieser Wettbewerbsklasse ist das fliegerische Können.

Gerade am Anfang hagelt es haufenweise "200er" (es gehen 200 Sekunden für den Durchgang in die Wertung ein, wenn man zweimal zu früh gewendet hat oder man es nicht schafft, innerhalb einer Minute vor dem Start den Motor zum Laufen zu bringen), und es dauert einfach einige Wettbewerbe, bis selbst ein auf anderen Gebieten erfahrener Pilot den Kurs sauber umrunden kann. Die 3-D-Modefiguren "Hovern" und "Torquen" beherrschen inzwischen viele Modellflieger mit entsprechenden Modellen, aber bis man beim Pylonfliegen vorne mit dabei ist, erfordert es viel Training und Geduld, was meiner Meinung nach genau den Reiz ausmacht.

Entscheidend für ein gutes Abschneiden im Wettbewerb ist, wie schon gesagt, vor allem ein sauberer Flugstil gepaart mit starken Nerven und nicht die finanziellen Mittel des Piloten. Gerade für Jugendliche ist diese Klasse daher ein optimales Sprungbrett; später kann man ja noch ins F3D-Profilager wechseln.

Zudem haben wir zur Zeit ein recht kleines Starterfeld, sodass man eher von einem "Miteinander", als von einem "Gegeneinander" sprechen kann. Gerade Neueinsteigern wird bereitwillig in Form von Tipps ("Hey du, mach mal ´nen anderen Prop drauf, der taugt nichts") oder Material ("...wuuuuaaa, wer hat Epoooooxiii..?") geholfen.


Nico hat erst eine Saison hinter sich, aber er hat sich schon fest etabliert

Auch fliegt man bei diesem überschaubaren Starterfeld nicht ewig frustriert hinterher. Bald darf man auch endlich mal auf das "Treppchen". So finden sich auch durchaus schon mal Newcomer in den vorderen Rängen!!

Jeder Pylon-Pilot macht eine "Evolution" durch. Die kann in folgende Stufen unterteilt werden:

  • 1. Stufe: Kampf gegen die eigene Faulheit, das Modell endlich fertigzustellen (auf Grund des Kastenrumpfes und des Styro-Balsa-Flügels sollte das keine größere Hürde sein, oder gleich die Robbe-Cobra bestellen)
  • 2. Stufe (zu Beginn des ersten Wettbewerbs): Der Kampf gegen sich selbst
  • 3. Stufe (im Laufe des ersten Wettbewerbs): Der Kampf mit dem Material ("...der Motor lief doch zu Hause noch einwandfrei...")
  • 4. Stufe (der zweite Wettbewerb: Fehler am Material sind inzwischen ausgemerzt): Der Kampf mit dem Kurs: Wo stehen die verdammten Türme?!?
  • 5. Stufe: Zu Beginn des dritten Wettbewerbs gewinnt man den entscheidenden Überblick, und stellt mit Entsetzen fest, dass man ja zu dritt im Kurs fliegt und nimmt die Verfolgung seiner Kontrahenten auf.
  • 6. Stufe (im Laufe des dritten Wettbewerbs): Nun brennt die Luft...

Für die Evolutionsstufen 1 bis 5 ist die Leistung des Antriebs wirklich ganz und gar nicht entscheidend und es genügt, zunächst einen handelsüblichen Motor mit 46 cubic-inch (entspricht 7,5cm³) Hubraum zu montieren. Wer diese Motoren mit Drosselvergaser einsetzt, fliegt in der sog. "Sportklasse". Für die 10 Runden um den Kurs benötigt man etwa 120s. Die "Sport-Quickies" haben noch einen entscheidenden Vorteil: Die Drehzahlen sind noch sehr moderat, die Modelle entsprechend leise und sie können somit auch auf Plätzen geflogen werden, auf denen es eine Lärmbeschränkung gibt.

Hat man bereits die 6. Evolutionsstufe erreicht und hat "Blut geleckt", kann man sich Gedanken über einen hochwertigen, mit Venturivergaser ausgerüsteten Pylonmotor mit 40 cubic inch (also 6,6cm³) Hubraum machen. Bis auf wenige Ausnahmen wird der spezielle Quickie-Motor von Nelson aus den USA geflogen. Dieser Motor ist mit ca. 350 $ (gibt es leider hier nicht zu kaufen) zwar sehr teuer, aber ich würde ihn als preiswert bezeichnen, da er leichter zu handhaben ist und eine längere Lebensdauer hat als so mancher hier erhältliche Motor. Es gibt ihn mit ABC- oder AAC-Garnitur. Mit diesem Motor wurden schon Zeiten von unter 80 Sekunden geflogen.
ABC = Aluminiumkolben - Bronzelaufbuchse, hartverchromt
AAC = Aluminiumkolben - Aluminiumlaufbuchse, hartverchromt


Der Nelson - Quickiemotor mit AAC-Garnitur und Venturivergaser.

Aber auch Rossi und MVVS stellen Motoren speziell für diese Klasse her, die preislich günstiger sind. Zumindest von dem "Italo-Triebwerk" weiß ich, dass er dem Nelson-Motor fast ebenbürtig und daher absolut zu empfehlen ist.

Stand: 15.03.2004