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Im folgenden Beitrag soll der Stand der Technik der Funkübertragung
bei heutigen Modellfernsteuerungen kurz beleuchtet werden und ein Ausblick
auf das geworfen werden, was an Verbesserungen im Funkübertragungsverfahren
möglich wäre. Die Art der Kodierung der zu übertragenden
Daten (also PPM oder PCM) soll hier nicht betrachtet werden. Das ist,
alleine vom Umfang her, ein eigenständiges Thema.
Grundsätzliches
Für die Fernsteuerung von Modellen stehen in Europa verschiedene
Frequenzbereiche zur Verfügung. Alle diese Frequenzbereiche teilen
sich in eine Anzahl von jeweils 10kHz breiten Kanälen auf. Unabhängig
von der Frequenz ist es also dieser Kanalabstand von 10kHz, der die Bandbreite
der Aussendung eines R/C-Senders zwingend festlegt. Alle Modell-R/C Systeme
müssen sich also an diesem 10kHz-Raster orientieren und unterliegen
dadurch Einschränkungen bezüglich der Kombination von Datenrate,
Modulationsart und Modulationsparametern. Ziel der Technik sollte es sein,
innerhalb dieser festen Vorgabe von 10kHz Bandbreite ein Maximum an Datenrate
bei hoher Übertragungssicherheit und tragbarem technischen Aufwand
zu realisieren.
Und genau da versagt die aktuell verwendete Technik
kläglich!
Die heute verwendete FM-Technik ist vor ca. 25 - 30 Jahren eingeführt
worden und wird seit dem unverändert angewendet. Es hat seitdem seitens
der Hersteller von R/C-Anlagen keinerlei Innovation in diesem Bereich
gegeben und ohne äußeren Anstoß wird da auch wohl nichts
passieren. In Zeiten, in denen mit einer Displaybeleuchtung als "Meilenstein
der Fernsteuertechnik" geworben wird, sollten wir die Hoffnung auf
Innovation durch die Marktführer begraben, und zwar ganz schnell
und ganz tief.
Notwendiges
Es ist wohl kaum in Frage zu stellen, dass die Übertragung
eines am Sender gegebenen Kommandos möglichst schnell auf der Modellseite
in eine Aktion umgesetzt werden soll. Diese Verzögerungs- oder Latenzzeit
sollte in einem Rahmen gehalten werden, der den Modellpiloten in seiner
Aktion nicht behindert. Ob Auto, Boot oder Flugzeug ist dabei vollkommen
belanglos (es gibt auch sehr schnelle Boote und Autos und sehr langsame
Modellflugzeuge). Ziel der Technik muss es daher sein, diese aus der Übertragung
resultierende Verzögerung möglichst gering zu halten. In der
Praxis bedeutet das, dass eine möglichst hohe Datenübertragungsrate
angestrebt werden muss. Das begrenzende Element für die Datenrate
im Funkkanal sind die 10kHz Kanalbandbreite, an denen zunächst mal
nicht zu rütteln ist und die auch in Zukunft nicht verhandelbar sein
wird. Das Ziel muss es also sein, eine Übertragungstechnik zu finden,
die mit dem raren Gut Kanalbandbreite effizient umgeht. Im Klartext heißt
das, eine Modulationsart zu finden, die in die gegebenen 10kHz möglichst
viele Bit/Sekunde zwängen kann.
Ein zweiter und weit wichtigerer Punkt ist die Sicherheit der Funkübertragung.
Bei einem kleinen Modellauto, mit dem ich im Wohnzimmer vor meinen Füssen
rumfahre, mag dieser Gesichtspunkt nicht so relevant sein wie bei einem
mehrstrahligen Jet, der mit 100kg Kampfgewicht mit Mach 0,5 unterwegs
ist. Um es hier mal ganz klipp und klar zu sagen: Wir arbeiten selbst
bei sehr schnellen, großen, schweren und feuergefährlichen
Modellen, die das Zerstörungspotential einer Panzergranate haben,
mit einer absolut ungesicherten Funkverbindung und verlassen uns auf das
Prinzip Hoffnung. Wir senden mal was und hoffen, das es ankommt (im Idealfall
sogar rechtzeitig). Also mir ist bei dem Gedanke nicht so richtig wohl.
Hier wäre ein sehr weites Feld für Innovationen um die Sicherheit
der Funkübertragung zu erhöhen.
Mögliches
Es ist ja nun nicht so, als ob sich diese Problematiken nicht
schon in anderen Bereichen des Lebens und seiner funktechnischen Anwendungen
gestellt hätten. Es soll ja Bereiche der Technik geben, die etwas
innovationsfreudiger sind als die der Modellbautechnik. Deshalb gibt es
mittlerweile zahlreiche Funkanwendungen, die das können, was in der
R/C-Technik wünschenswert wäre. Nehmen wir ein paar Beispiele
aus dem täglichen Leben:
GSM: Hohe Datenrate, minimales Gerätevolumen, sehr gut geeignet
für mobile Anwendungen, sehr resistent gegen schlechte Ausbreitungsbedingungen
(hat jeder).
GPS: Arbeitet mit minimalsten Signalpegeln, minimalstes Hardwarevolumen,
praktisch unstörbar (haben viele).
Bluetooth: Hohe Datenrate, absolut minimale Hardwareabmessungen,
schwer zu stören (haben auch viele).
WDCT: Hohe Datenrate, sehr gut für mobile Anwendungen geeignet,
sehr resistent gegen schlechte Ausbreitungsbedingungen, praktisch unstörbar
(WDCT ist eine Anpassung von DECT auf den amerikanischen Markt. Hat in
Europa kaum einer, ist aber ein schönes Beispiel).
Das alles sind Technologien aus dem Low-Cost-Bereich, die im Massenmarkt
implementiert und bei "Der Mutter aller Schnäppchen oder Geiz
ist geil" zu kaufen sind. Im High-End Bereich gäbe es da noch
viele, sehr schöne Sachen zu denen man neidisch aufschauen kann.
Da wird es dann aber auch etwas sehr kostspielig. Also wenden wir unseren
Blick lieber woanders hin.
Kassensturz
Die Technologie, die für eine zeitgemäße R/C-Technik notwendig
wäre, ist greifbar. Was wir haben ist eine Technik, die irgendwann
zwischen dem 1. und dem 2. Weltkrieg verfügbar wurde! Da wurden die
ersten FM-Funkgeräte gebaut! Die Frage ist, warum gibt es im Bereich
der Consumer-Elektronik Lösungen, die der aktuellen Technik im R/C-Bereich
so um Lichtjahre überlegen sind? Also etwas beschämend ist das
schon, oder?
Betrachtung der Modulationsarten. Die Senderseite
Auf der Senderseite gibt es eine starre und nicht verhandelbare Anforderung,
der alle Modulationarten, die in einem Fernsteuerband angewendet werden
sollen, zwingend genügen müssen:
Das gesendete Signal MUSS(!) in einen 10kHz breiten
Kanal passen
Unter dieser Randbedingungen sollen hier einige Modulationsarten betrachtet
werden.
Standard-Frequenzmodulation:
Das Bild zeigt das Spektrum eines PCM-Senders mit einer Bitrate von 3,3kBit/s
und 3,3kHz Hub. Das entspricht ungefähr einem handelsüblichen
PCM-Sender. Die beiden Marker zeigen die Grenzen des Kanals an.

Mit dem Hauptanteil des Spektrums ist der Kanal voll ausgenutzt.
Ein PPM-Signal sieht ähnlich aus.
Gaussian Minimum Shift Keying (GMSK):
Das Bild zeigt das Spektrum eines GMSK-Signals mit einer Bitrate
von 6,6kBit/s. Die beiden Marker zeigen die Grenzen des Kanals an. GMSK
ist eine Spezialform der Frequenzmodulation.

Mit dem Hauptanteil des Spektrums ist der Kanal voll ausgenutzt.
Im Vergleich zu FM steht aber die doppelte Datenrate zur Verfügung.
Diese Modulationsart ist übrigens die der GSM-Handies.
Binary Phase Shift Keying (BPSK):
Das Bild zeigt das Spektrum eines BPSK-Signals mit 6,6kBit/s.

Auch hier passt das Spektrum genau in den Kanal. Die Datenrate
ist doppelt so hoch wie bei FM.
Quadrature Phase Shift Keying (QPSK):
Das Bild zeigt das Spektrum eines QPSK-Signals (QPSK = Quadrature
Phase Shift Keying) mit 13,2kBit/s. Bei dieser Modulationsart gibt es
4 mögliche Zustände, so dass in einem Schritt 2 Bits übertragen
werden. Damit sind wir bei einer Datenrate von 13,2kBit/s, dem vierfachen
von FM.

Das Spektrum sieht praktisch genauso aus wie bei BPSK.
In der Praxis würde man mit einer Spezialform dieser Modulationsart
arbeiten. Die Gründe dafür zu erläutern sprengt aber hier
den Rahmen. Diese Modulation bietet aber die gleiche Datenrate bei in
der Realität etwas schmalerem Spektrum.
Technische Realisierung der Modulationsarten auf der Senderseite
Um diese im Vergleich zu einfacher FM doch etwas komplexeren
Modulationsarten realisieren zu können, ist natürlich ein Mehraufwand
an Technik erforderlich. Benötigt wird ein kleiner DSP und ein leistungsfähiger
Modulator (I/Q-Modulator), der alle die oben gezeigten Modulationen (und
auch noch viele andere) darstellen kann. Die Kompatibilität zu den
bisherigen Verfahren bleibt dabei vollständig erhalten, da diese
Technik eine einfache FM problemlos realisieren kann. Diese Technik könnte
nebenbei auch eine alte Tipp-Tipp-Anlage emulieren oder Musik senden.
Der kostenmäßige Mehraufwand hält sich dabei in Grenzen,
da diese zusätzlichen Funktionen mit hochintegrierten Chips "von
der Stange" realisiert werden können.
Schlussfolgerungen für die Senderseite
Wie man aus den Simulationsplots erkennen kann, ist es möglich,
bei einem besser genutzten Spektrum ein Mehrfaches der Datenrate in einem
Kanal zu übertragen als bei FM, wenn man Modulationsarten verwendet,
die dem Stand der Technik entsprechen. Der dafür benötigte Aufwand
an Hard- und Software ist zwar höher als für einen Standard-FM-Sender,
die erforderlichen Chips gibt es aber als Standardbauteile "von der
Stange". Die Verfahren und deren Implementation in Hard- und Software
sind gut bekannt und somit unproblematisch. Die Senderhardware würde
dadurch nur unwesentlich teurer und die Technik ermöglicht eine Abwärtskompatibiltät
zum bestehenden System.
Eine Einschränkung soll aber schon hier aufgezeigt werden. Alle diese
schönen, neuen Modulationsarten sind für PPM minder gut geeignet
und können ihre Vorteile nur bei PCM voll ausspielen.
Betrachtung der Modulationsarten. Die Empfängerseite
Natürlich muss das gesendete Signal auch empfangen
und demoduliert werden. Zur Beurteilung der Demodulation gibt es besondere
Darstellungsarten, die eine einfache, qualitative Bewertung ermöglichen
und die bei den einzelnen Beispielen erläutert werden.
FM Empfängerseite:
Ein demoduliertes, ungestörtes FM-Signal, also das, was am Ausgang
des HF-Empfängers (nicht des Decoders) raus kommt, sieht so aus:

Die Ausgangsspannung des Demodulators ist in dem Bild auf
einer Länge von 4 Bits immer wieder übereinander geschrieben
(1024 Bits insgesamt). Die sinusförmigen Linien stellen die Übergänge
von einer zur anderen Frequenz dar. Die Linien oben und unten repräsentieren
die Zustände selber. Diese Darstellung wird als „Augendiagramm“
bezeichnet. Das Qualitätskriterium ist die Öffnung des „Auges“,
also der Raum innerhalb der Sinuslinien. In diesem Bereich sollte sich
keine Linie befinden. Alle Punkte, die auf der Frequency-Achse oberhalb
von 0 befinden, stellen den einen logischen Zustand dar, alle unterhalb
von 0 den anderen.
Ein solches Signal kommt aber im richtigen Leben praktisch
nie vor. Das empfangene Signal beinhaltet immer Störungen irgendwelcher
Art. Um die Auswirkung von Störungen beurteilen zu können, wird
diesem Signal Rauschen hinzugefügt. Rauschen ist in der Nachrichtentechnik
die Mutter aller Störungen und wird in der Nachrichtentechnik u.A.
dazu benutzt, einen schlechten Übertragungskanal zu simulieren.
Fügen wir unserem idealen FM-Signal mal genügend
Rauschen hinzu, ergibt sich folgendes Bild:

Diesem Signal ist auch mit viel Glück und gutem Willen
keine Information zu entnehmen und es bedarf wohl keiner näheren
Erklärung, warum man mit so was genau nichts mehr anfangen kann.
GMSK Empfängerseite:
Ein demoduliertes, ungestörtes GMSK-Signal, also das was am Ausgang
des HF-Empfängers raus kommt, sieht so aus:

Die Bewertungskriterien für GMSK sind die gleichen
wie für FM. Man sieht, dass die Augenöffnung schon bei ungestörtem
Signal kleiner ist, als bei FM. Dieses kleinere Auge ist eine Eigenheit
der Filterung bei GMSK.
Jetzt kommt die gleiche Menge Rauschen wie bei FM dazu und
wir sehen folgendes Bild:

Naja, auch das ist nicht der Brüller. Auch da ist
nichts mehr zu retten. Aber wir haben die doppelte Datenrate von FM. In
der gleichen Zeit können wir doppelt so viele Daten übertragen,
ohne an Empfindlichkeit zu verlieren.
BPSK Empfängerseite:
Ein demoduliertes, ungestörtes BPSK-Signal, also das, was am Ausgang
des HF-Empfängers raus kommt, sieht so aus:

Die Punkte (da, wo die Marker stehen) in der Darstellung
repräsentieren die Lage der möglichen Bits im sog. Constellation-Diagram.
In diesem Diagram ist der Wert der I- und Q-Anteile des Signals aufgetragen.
Diese Punkte entsprechen der oberen und unteren Linie bei der Darstellung
im Augendiagramm für FM. Bei BPSK ist im Q-Anteil keine Information
enthalten. Das Qualitätskriterium ist der minimale Abstand der für
I und Q auftretenden Punkte. Die Entscheidungsschwelle liegt bei 0 auf
der I-Achse. Die Übergänge von einem zum anderen Zustand sind
hier nicht aufgetragen, da das Bild dann sehr unübersichtlich würde.
Jetzt kommt wieder unser schon bekanntes Rauschen ins Spiel.

Hier staunt dann der Fachmann und der Laie wundert sich.
Man sieht eine Wolke von Nullen und eine Wolke von Einsen, die aber klar
voneinander getrennt sind und eindeutig zugeordnet werden können.
Der ursprüngliche Inhalt ist noch erkennbar und kann somit weiterverwendet
werden. Und die doppelte Datenrate im Vergleich zu FM ist auch schon drin.
Da ist eine deutliche Verbesserung erkennbar. Hinzu kommt noch, dass dieses
Verfahren gegenüber Differenzen zwischen der genauen Sender- und
Empfängerfrequenz (Quarztoleranz) deutlich unempfindlicher ist, als
FM. Die Gründe dafür darzulegen würde hier aber auch wieder
den Rahmen sprengen. Wie hat mein Mathe-Prof. immer so schön gesagt:
"Nehmen Sie das jetzt mal als gegeben hin". Nur damit es nicht
in Vergessenheit gerät: Der Anteil an Rauschen ist der gleiche wie
bei FM.
QPSK Empfängerseite:
Stellen wir nun noch die gleiche Betrachtung für QPSK an. Ein ungestörtes
QPSK-Signal sieht so aus:

Bei QPSK gibt es 4 mögliche Zustände. Man kann
sich diese Modulationsart als 2-mal BPSK, einmal im I-Kanal und einmal
im Q-Kanal, vorstellen (das ist es tatsächlich). Da hier 2 Bits in
einem Taktschritt übertragen werden, ist die Anzahl der übertragenen
Bits doppelt so hoch, wie bei BPSK. Die Bitrate beträgt hier 13,2kBit/s.
Das Bewertungskriterium ist analog zu BPSK, nur eben auf 2 Achsen.
Jetzt mischt unser Freund, das Rauschen wieder mit:

Das Bild sieht im Prinzip wie bei BPSK aus, nur auf 2 Achsen
verteilt. Man sieht 4 Wolken, für jeden Zustand eine, die klar voneinander
getrennt und somit auswertbar sind. Dieses Bild löst bei genauerer
Betrachtung große Freude aus, da wir hier (bei gleichem Rauschen
wie bei FM) ein Signal haben, mit dem man noch was anfangen kann und gleichzeitig(!)
die VIERFACHE(!) Datenmenge rüberkommt. Als Sahnehäubchen
kommt hinzu, dass auch diese Modulationsart gegenüber Differenzen
zwischen Sender- und Empfängerfrequenz recht unempfindlich ist.
Technische Realisierung der Modulationsarten auf der Empfängerseite
Irgendwo muss die Medaille ja ’ne Kehrseite haben
und die kommt hier: Der empfängerseitige Hardwareaufwand liegt deutlich
höher, als bei einem simplen FM-Empfänger. Dabei gilt auch der
Super-Deluxe-schweineteuere-Doppelsuper als (technisch) simpel! Die Anforderungen
liegen hier deutlichst höher, da eine Demodulation der beschriebenen
Modulationsarten sinnvoll nur in Software erfolgen kann. Die Anforderungen
an die Leistungsfähigkeit der analogen und digitalen Hardware im
Empfänger ist erheblich. Da wird ein schon nicht mehr so ganz kleiner
DSP und eine deutlich aufwendigere Hochfrequenzhardware notwendig. Sehr
aufwendig ist der Bereich Software, um das empfangene Signal zu demodulieren.
Aber auch das ist nicht unmöglich. In jedem Handy ist das z.B. realisiert
und das in einer Komplexität, die die Anforderungen einer R/C-Anlage
um mehrere Größenordnungen übersteigt.
Die Schlussfolgerung für die Empfängerseite
Der Aufwand ist deutlich höher, als für ein FM-System,
bleibt aber in beherrschbarem Rahmen. Man wird etwas größere
und auch teurere Empfänger in Kauf nehmen müssen. Allerdings
bleibt die Technik auch hier ohne Einschränkung abwärtskompatibel
zum jetzigen Standard. Was dabei allerdings unter die Räder kommt,
ist PPM. Diese Art der Kodierung der zu übertragenden Information
ist für die hier beschriebenen Modulationsarten denkbar ungünstig,
da PPM ein ANALOGES(!) Übertragungsverfahren ist. Alle die, die euch
erzählt haben, dass eure PPM-Anlage eine Digitalanlage sei, haben
euch schamlos belogen ! Die selige Tipp-Tipp-Anlage war digital; PPM ist
es definitv nicht!
Alles das, was hier beschrieben ist, ist für PCM anwendbar.
HALT STOP!
Bevor jetzt hier der Glaubenskrieg um PPM und PCM wieder
aufflammt, möchte ich einwerfen, dass man bei einer Neudefinition
der Modulation gleich mal über eine Neudefinition von PCM nachdenken
darf. Dazu weiter unten mehr.
Was haben wir nun davon?
Reden wir erst davon, was eine neue Modulationsart nicht
kann:
Sie bietet keinen ultimativen Schutz vor Störungen z.B. durch Doppelbelegung
der Frequenz. Allerdings ist die Toleranz der Verfahren höher angesiedelt
als bei FM, so dass die Störungswahrscheinlichkeit abnimmt. Einen
verantwortungsvollen Umgang mit der Kanalbelegung am Platz kann und soll
das aber nicht ersetzen. Allerdings könnten auch zu diesem Thema
technische Maßnahmen ergriffen werden. Mehr dazu weiter unten.
Was eine neue Modulationsart bieten kann, ist eine Vervielfachung der
Datenrate und eine höhere Toleranz gegenüber Störungen.
Diesen Zugewinn der höheren Übertragungsrate könnte man
investieren in eine Sicherung der Datenübertragung, um während
der Datenübertragung auftretende Fehler zu korrigieren. Bei PPM gibt
es so was gar nicht und bei PCM können Fehler zwar erkannt, aber
in keinem Fall korrigiert werden . Es gibt in der digitalen Datenübertragung
eine Strategie, die sich FEC (Forward Error Correction) nennt. Dieses
Verfahren ist in der Lage, in gewissen Grenzen aufgetretene Übertragungsfehler
zu korrigieren. Dazu müssen allerdings redundante Informationen übertragen
werden, die eine höhere Datenübertragungsrate notwendig machen.
Da aber durch moderne Modulationsverfahren die mögliche Übertragungsrate
vervielfacht werden kann, gewinnt man genügend Spielraum, um eine
solche FEC zu realisieren. Geht man mal von einer Vervierfachung der Datenrate
aus, könnte man z.B. 50% diese Zugewinns in eine FEC und die anderen
50% in eine Halbierung der Latenzzeit des Systems stecken. Damit könnte
die Resistenz unserer R/C-Anlage gegen Störungen deutlich erhöht
werden, bietet aber keinen absoluten Schutz gegen Störungen, welcher
Art auch immer.
Science Fiction oder man wird ja mal träumen dürfen
Schalten wir doch mal die ungezügelte Phantasie ein und stellen
uns vor, wir kommen auf den Platz, schalten unsern Sender ein (ohne vorher
zu fragen oder zu gucken, wer welche Frequenz hat) und nichts passiert.
Wir werden nicht mal blöd angeguckt, weil alle anderen das auch so
machen. Unsere Anlage nimmt uns diese Arbeit ab und sucht sich selbst
eine freie Frequenz, einen freien Timeslot, einen freien Spreading-Code,
eine freie Hop-Sequenz oder was immer sie gerade zum Betrieb braucht.
Wir starten und im Flug bemerkt der Empfänger, das der Übertragungkanal
gestört wird. Daraufhin handelt der Empfänger mit dem Sender
einen neuen und ungestörten Kanal aus, ohne das wir überhaupt
was davon merken. Die Steuerbarkeit und die umfassende Telemetrie vom
Modell bleibt erhalten. Der Thermikschlauch, den wir gefunden haben, ist
vom Allerfeinsten. Aber eben weit weg. So kommt die Grenze der Reichweite
in Sicht und der missgünstige Hund von Fernsteuerung meckert uns
an, dass es jetzt aber genug ist, sonst sei der Segler weg. Außerdem
jammert die Telemetrie schon seit einiger Zeit rum, dass der Akku leer
wird.
So, jetzt denkt ihr wahrscheinlich: "Der hat ja nicht mehr
alle Tassen im Schrank".
Nun (ganzvorsichtigdiehandheb), euer Schnurlostelefon oder Handy oder
Blue-Tooth-Stick kann vieles davon. Solche Features sind nicht von sehr
weit hergeholt.
Schalten wir die Phantasie wieder aus und kommen auf den Boden der harten
Realität zurück. Innerhalb der für R/C-Anlagen zugewiesenen
Frequenzbereiche kann man solche Gimmiks schlicht und einfach vergessen.
Dort ist von der regulatorischen Seite das festgeschrieben, was jetzt
gemacht wird. Verlegt man sich aber auf andere Frequenzbereiche, in denen
flexiblere Regularien gelten, sind bidirektionale Systeme, bei denen eine
Kommunikation zwischen Sender und Empfänger stattfindet, denkbar.
Damit wird dann ein automatischer Wechsel des Übertragungskanals
im Störungsfall möglich. Das bedeutet, dass das System sich
selbst einen ungestörten Übertragungskanal sucht, wenn es Probleme
in der Funkverbindung erkennt. Damit wäre eine um Größenordnung
sicherere Funkverbindung möglich. Mit entsprechendem technischen
Aufwand könnte man das soweit treiben, dass die Verbindung mit zivilen
Mitteln praktisch unstörbar wird. Kombiniert man so was noch mit
einer Antennendiversity, ist noch mehr gewonnen (übrigens, euer DECT-Telefon
hat mit hoher Wahrscheinlichkeit auch eine solche Antennen-Diversity).
Die Bidirektionalität (Verbindung vom Sender zum Modell UND! zurück)
bietet dann gleichzeitig die Möglichkeit der Telemetrie, also Übertragung
von Vario, GPS, Spannung, Strom, Temperatur, Drehzahl, Geschwindigkeit
usw..
Die Technologie für die Realisierung all dieser schönen Sachen
ist entweder schon vorhanden oder in sehr greifbarer Nähe. Als Beispiele
seien hier als Standards Bluetooth oder ZigBee genannt, die alles das
können, was wir gerne hätten. Da könnte man ja mal abgucken.
Von besonderem Interesse wäre hier eine Adaption des ZigBee-Standards,
aus dem man sich sinnvolle Features abschauen könnte und für
den es mittlerweile hochinteressante und sehr leitungsfähige Transceiver-Chips
gibt.
Das bittere Ende
Um die hier vorgestellten Techniken und die sich aus den zusätzlichen
Features ergebenden Möglichkeiten zu realisieren, ist ein erheblicher
Entwicklungsaufwand notwendig. Die Frage ist, wer diese Anstrengung auf
sich nehmen kann. Sind es die großen, aber wohl eher behäbigen
Hersteller, kleinere, aber innovationsbereite Produzenten, eine Interessengruppe
der Anwender oder Kombinationen daraus?
Über eines muss man sich klar werden. Es gibt KEINE ! sichere Funkübertragung.
Jede Funkverbindung kann gestört werden. Das ist nur eine Frage des
Aufwandes, den man in den Störungsversuch steckt. Allerdings kann
man Vorkehrungen treffen, die Störungswahrscheinlichkeit zu minimieren.
Bei der aktuellen R/C-Technik ist seit dem Bestehen von Fernsteuerungen
in dieser Hinsicht praktisch keine Anstrengung unternommen worden! Die
heutige Übertragungstechnik unterscheidet sich in einem Punkt von
dem Stand, den wir vor 30 Jahren hatten: Es wird keine AM mehr gemacht.
Der Sicherheitsgewinn durch die Einführung der FM-Technik war marginal
im Vergleich zu dem, was heute möglich wäre.
Das sollte uns zu denken geben. Es gibt viel zu tun. Packen wir es an.
Holm und Rippenbruch
Frank
Die Bezeichnungen Blue-Tooth, ZigBee und R&S
unterliegen den Copyright der jeweiligen Rechteinhaber. Die Simulationen
der Modulationsarten wurden mit der frei verfügbaren Software WINIQSIM
von R&S erstellt.
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