MISTRAL F3J von FVK

Tobias Schweinfurth (Tobi Schwf)

Das Jahr 2003 war ein Gedicht. Nicht nur für die Freunde erlesener Weine, sondern auch für die Modellflugfreunde, die sich an Thermik erfreuen. Nur schlecht, wenn man kein Modell hatte, das sich für’s Thermikkurbeln eignete. So etwas sollte mir 2004 nicht noch einmal passieren.

Grundlegende Überlegungen

Ein Modell mit herausragenden Thermikeigenschaften, kombiniert mit der nötigen Portion Alltagstauglichkeit sollte es sein. Das Ganze muss dann auch noch elektrifizierbar sein, um in der Ebene den Einstieg in die Thermik zu finden. Größer ist besser, so konnte ich zwischen den Zeilen eines Beitrages auf RC-Network herauslesen. Das Anforderungsprofil war damit klar definiert. Und so fiel die engere Auswahl auf ein Modell, das knapp über drei Meter Spannweite und ein sehr geringes Rohbaugewicht haben sollte und das dennoch ausreichend stabil sein musste, um die erkurbelte Höhe mit einfachen Kunstflugeinlagen abfliegen zu können. Meine Wahl fiel schließlich anlässlich der Modellbau Süd auf den MISTRAL F3J von FVK.

Ziel war es weiterhin, das Modell so leicht wie möglich auszurüsten. Ein vorhandener, arbeitsloser FUN 500-27 5,2:1 von Kontronik war vorhanden, wurde aber durch einen FUN 480-28 mit 5,2:1 Untersetzung ersetzt, der mehr als ausreichend ist (eigentlich optimal) und 76g weniger auf die Waage bringt. Als Akkupack wählte ich schon vorhandene 8 Zellen RC 1200. Mit kalkulierten 30A sollte der Akku noch im grünen Bereich sein. So stehen ca. 240W Eingangsleistung einem angepeilten Abfluggewicht von ca. 2500g gegenüber. Das müsste doch passen.

Nun zum Modell selbst. Gleich nach dem Auspacken kam jedes Teil auf die Waage. Und hier ergab sich schon die erste (positive) Überraschung. Das Modell hat ein Rohbaugewicht von gerade mal 1284g. Wer es nötig hat, kann sich noch die 34g für das Rumpfboot schenken. Ein super Wert für ein Modell mit 3,2m Spannweite und dermaßen robuster Zelle. Die Einzelgewichte der Teile können Sie der beigefügten Tabelle entnehmen.

An RC-Ausrüstung nahm ich in Stuttgart noch 4 Graupner C 3341 für QR und WK und einen Schulze Empfänger 835 mit. Die Servos sind im Nachhinein wohl etwas überdimensioniert, doch lieber etwas zu viel als zu wenig.

Bau

Der Bau beschränkt sich auf den Einbau der RC-Anlage und der Antriebseinheit. Alle Steckungen im Modell sind fix und fertig vorbereitet. Beim ersten Zusammenstecken aller Teile fiel lediglich auf, dass ein Kohleverbinder der Fläche etwas stramm saß, aber mit Schleifpapier und etwas Geduld sitzt auch diese Verbindung nach wenigen Minuten perfekt.

Begonnen habe ich den Bau mit dem abnehmbaren, geteilten V-Leitwerk. Die einzelnen Leitwerksflossen werden über ein Kohlerohr und einen Alu-Stift an den Rumpf gesteckt. Eine Sicherung der Leitwerkshälften scheint überflüssig, da die Steckung recht stramm sitzt. Optimal. Bei der E-Version ist das Leitwerk bereits für die Aufnahme der Servos direkt in die Flosse vorbereitet. Lediglich die Folie muss noch ausgeschnitten werden, dann können Servos bis zu 11mm Dicke eingebaut werden. Ursprünglich wollte ich Dymond D60 Servos benutzen, es stellte sich jedoch heraus, dass diese zu dünn waren und somit zu tief im Servoschacht verschwanden, so dass die Anlenkung an der Oberschale der Flosse anlief. Man könnte nun das Servo etwas aufdicken, oder man nimmt gleich ein dickeres Servo. Ich entschied mich für die zweite Lösung und baute Graupners C 261 ein, die gerade noch so hineinpassten und zudem den Vorteil des deutlich stabileren Servohebels haben. Den Servos wurden die Haltebügel abgeschnitten, mit Tape umwickelt, ordentlich angeraut und mit 24h-Harz in die Leitwerksschale aus CfK eingeklebt. Da sich die Servos noch etwas bewegen ließen, habe ich den Spalt zwischen Servo und Rippe bzw. Wurzel noch mit Balsaklötzchen aufgefüttert (wie in der Bauanleitung angegeben). Jetzt sitzen die Servos bombenfest. Die Anlenkung erfolgt mit einem 2mm Gewindestab, der auf der Servoseite einen Gabelkopf erhält und auf der Ruderseite einen Kugelkopf. Diese Anlenkung ist exakt einzustellen und absolut spielfrei.

Um den Vorteil der abnehmbaren Leitwerke ausnutzen zu können, habe ich anschließend noch eine graue 4polige MULTIPLEX-Steckverbindung in die Flosse und den Rumpf eingeharzt, so dass der elektrische Anschluss mit dem Anstecken des Leitwerkes erfolgt. Dies erfordert beim Bau etwas mehr Aufwand, spart aber beim Zusammenbau des Modells viel Zeit und Gefummel.

Weiter geht’s mit der Fläche. Zur Befestigung der Servos habe ich mir die Servorahmen von Michael Frey besorgt. Diese werden mit der Oberschale der Fläche verklebt und das Servo kann nun in den Rahmen eingeschraubt werden. Der Vorteil liegt in einer absolut kraftschlüssigen Verbindung und bei Bedarf kann das Servo sehr schnell und einfach gewechselt werden. In die Querruder werden Durchgangslöcher gebohrt und die beiliegenden Messingbuchsen von oben mit angedicktem 5–Min-Epoxi eingeklebt. Die Buchse kann man vorher kürzen, oder, wie ich es gemacht habe, nach dem Einkleben plan abschneiden. In die Buchsen werden nun die ebenfalls beiliegenden M3-Augenschrauben eingedreht. Zur endgültigen Fixierung wird die Schraube mit Sekundenkleber oder Schraubensicherungslack gesichert, somit kann sie sich nicht unbeabsichtigt lösen und das Gewindespiel wird eliminiert. Die Anlenkung erfolgt mit 2mm-Gewindestäben, auf deren Enden ein Gewindegabelkopf M2 aufgeschraubt wird. Dies ergibt eine spielfreie und sehr einfach einzustellende Anlenkung.

Bei den Wölbklappen ist etwas mehr Arbeit und Sorgfalt gefragt, um die geforderten Ausschläge von über 70° spielfrei zu erreichen. Die Anlenkung erfolgt von unten, quer durch die Fläche nach oben. Den Messingbuchsen wird die Bördelung abgesägt, ein entsprechendes Loch in die Wölbklappe gefräst, so dass sich im eingebauten Zustand ein Winkel von 45° zwischen Augenschraube und WK ergibt. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass die 70 ° so nicht zu erreichen waren und man eher auf 35° – 40° gehen sollte. Nun muss man noch einige Kontaktstellen an der Fläche mit einer Dremel beseitigen, an denen die Anlenkung anläuft.

Die elektrische Steckverbindung der QR-Servos in den Ohren übernehmen die grünen MULTIPLEX
-Stecker. Die Ausfräsungen sind bereits vorbereitet und müssen nur noch wenig nachbearbeitet werden, so dass die Stecker schnell eingeklebt sind. Zwischen Rumpf und Tragflächenmittelteil erfolgt die Verbindung mittels eines beilgelegten Sub-D-Steckers. Hier ist darauf zu achten, dass die Kabel auf der Flächenseite möglichst flach an die Pins angelötet werden, um eine zu große Einbautiefe zu vermeiden, da hier in der Fläche nur wenig Platz zur Verfügung steht. Idealerweise biegt man die Lötfähnchen des Steckers etwas nach außen (Vorsicht, dass sie nicht abbrechen). Alle Übergänge zwischen der Buchse und den angelöteten Kabeln werden mit angedickten Harz vergossen, so dass ein Losvibrieren oder ein Kurzschluss vermieden wird und gleichzeitig eine Zugentlastung der Servokabel erfolgt. Diese Arbeit erfordert besondere Sorgfalt, da es hier sehr schnell zu Fehlern kommen kann, die zur Folge haben, dass die Sub-D-Buchse nicht tief genug in der Fläche verschwindet (auch ich habe zwei Versuche benötigt). Der Stecker wird auf den Pylon im Rumpf geschraubt. Fertig.

Der Empfängerakku (4 Zellen Twicell 2100), wird auf einer CfK-Lasche mit Tape befestigt und nach hinten in den Rumpf geschoben. Befestigt wird die Lasche an einer Schraube, die in den Rumpf geklebt (Schraubenkopf nach unten) wurde. So kommt man bei Bedarf an den Akku wieder dran. Der Empfänger wird in Luftpolsterfolie eingewickelt und unter den Tragflächenpylon geschoben. Der Ausgang Nr. 8 wird mittels V-Kabel als Stromzufuhr und gleichzeitig für’s Vario benutzt. Das Vario liegt vor dem Empfänger und kann durch die Rumpföffnung entnommen werden.

Stand: 09.07.2004